Eine Wintertour mit unrühmlichen Ausgang

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  • Ich bin ja am letzten Donnerstag ganz enthusiastisch zu meiner lang geplanten Wintertour durchs Sauerland aufgebrochen.

    Das der Wetterbericht für Donnerstag / Freitag einen Schneesturm angesagt hatte hat mich nicht weiter beeindruckt sondern hat der Tour gleich das richtige Flair gegeben. Ich hatte mich im Vorfeld auf alles Mögliche vorgereitet, Fallback-Pläne durchdacht, beim Gear für Backups gesorgt, einiges bei lokalen Overnightnern auf Tauglichkeit getestet usw... Da ich mein Gepäck nicht tragen muss und mein "TR3-E" auch bei 30kg Zuladung weit unterhalb der Motor-Leistungsgrenze ist musste ich an nichts sparen und es kam mit was gebraucht wurde oder einfach mal wieder bespielt werden musste. Rund-weck, ich war sehr Zuversichtlich dem Wetter trotzen zu können und war froh und Dankbar für alles was der Himmel über mich ausschütten wollt.... 8)

    Am Ende ist dann das das einzige wichtige ausgefallen für das ich keinen Plan-B hatte ..... ich selbst ;(


    Aber der Reihe nach mit ein paar Bildern.....

    So ging's am Donnerstag früh mit der Bahn los..


    Der angekündigte Schneesturm ließ dann auch nicht lange auf sich wart und hat mich mit kräftigen, böigen Vorboten Begrüßt. Nach dem ich mich aus dem Tal vom Bahnhof auf die Höhe geschafft hatte hab ich mir dann bei der nächsten Kuppe auf der Leeseite, ca 10 Höhenmeter unterhalb der Kuppe einen Platz gesucht der es erlaubte das Tarp gegen die Haupt-Windrichtung abzuspannen. Das hat sich bereits mehrfach gut bewährt um auch bei Sturm vom gröbsten verschont zu bleiben.


    Das Timing war perfekt und das Dach war gebaut bevor der erste ernsthafte Schnee runter kam. Nach 15 Minuten war der Spuk auch schon wieder rum und ich bin zum gemütliche Teil übergegangen. Der Schnee war ziemlich feucht und hat an allem regelrecht geklebt. Die Rückseite des Tarp war trotz steiler Abspannung gut mit Schnee bedeckt der nicht abrutschen wollte.


    Es hat dann nicht mehr lange gedauert bis es dunkel wurde und ich mich zur nächtliche Ruhe gekuschelt habe. Über Nacht hat der Sturm noch gut an dem Tarp gerüttelt und reichlich weiteren Schnee abgeladen. Es zogen auch noch zwei Gewitterzellen durch von denen mir eine mit gefühlten 3 Sekunden zwischen Blitz und Donner etwas zu nahe kam. Aber deswegen aus den warmen Federn zu kommen hätte jetzt auch keinen Sin gemach und überhaupt wenn ich den Donner noch hören kann ist das gefährlich ja schon vorbei 8)

    Morgens um 7:00 hat mich der Wecker aus den Träumen gerissen und ich hab mir das Schneemalör der Nacht von außen angeschaut.

    Der große Schneehaufen an der Rückseite ist übrigens erst am Morgen abgerutscht nachdem ich von innen heftig gegen das Tarp gehauen habe. Der Schnee hatte sich trotz der Steilwand zu einer Beule aufgebaut und für erheblichen Druck auf der Ridgeline gesorgt. Was aber dank konstruktiver Ridgeline kein Problem war ;)

    Etwas überrascht hatte mich dann doch welche Wegen der Schnee so findet, es war unter der Tarp nicht eine Stelle zu der der Schnee es nicht hin geschafft hatte, nur was richtig hoch unters Dach gehangen wurde bleib verschont. War nicht wirklich viel was da durch kam aber nass ist nass ...

    Nach dem gemütlichen Frühstück und Morgentoilette ging's dann weiter, ohne festes Ziel, der Wege war geplant und alles Andere wollte ich nehmen wie es kommt ..


    Es lagen je nach Verwehung und zwischen 5cm und 10cm Schnee was das Vorwärts kommen etwas beschwerlicher machte aber da es jetzt erst mal länglich Bergab ging war das kein wirkliches Problem. Die Temperaturen pendelten irgendwo um die 0°C, also nicht dramatisch, nur der Wind war doch recht bissig und führte recht schnell zur Auskühlung. Aber da das ja zu erwarten war, war ich darauf vorbereitet und hab mein Zwiebelsystem so angepasst das ich nicht ins schwitzen gekommen bin aber auch nicht wirklich gefroren habe ...... So ging's gemütlich Schritt um Schritt entlang des Weges ....



    Und irgendwann nach Mittag kam dann einen Nette Hütte in Sicht. Nach kurzer Inspektion war klar das sie Hänge-tauglich ist und die Entscheidung war getroffen hier die Nacht zu verbringen.


    Hab dann die Front noch mit dem Tarp zu gemacht und hatte ein kuscheliges Einzelzimmer ....

    In der letzten Stunde bis zum Erreichen der Hütte ist mir das Laufen zunehmen schwerer gefallen und meine Beschwingtheit war irgendwie abhanden gekommen, es ging zwar aber so richtig Bock aufs laufen hatte ich grad nicht mehr. Hab es bemerkt aber mir noch nicht viel bei gedacht und war sicher ein gemütliches Abendessen und eine gute Nacht werden es schon richten. Als nächstes hat meine Nase genervt da sie nicht aufhören wolle zu laufen obwohl ich doch aus dem Wind war und so richtig warm werden wollte so ohne Bewegung auch nicht mehr. Also ging's dann früh in die Matte zum abschlafen. Irgendwann in der Nacht hat die Blase gequengelt und beim Gang zum dritten Busch von links kam der Verdacht auf: da bahnt sich eine Erkältung an =O

    Am Morgen dann die Gewissheit, eine Infektion hat sich aufgebaut, die Nase lief wie ein Wasserfall, der Kopf tat weh die Kälte (waren 1°C in der Hütte) hat gebissen auf der Haut und ich wollte nur noch schlafen. Also kurzerhand beschlossen einfach liegen zu bleichen und noch mal 24h durch zu schlafen, das wird's schon richten..... Gegen späten Vormittag hat mich ein kurzer Anfall von Elan dazu bewogen mal nen Kaffee zu machen aber der Anfall was schnell vorüber und ich wieder in der Matte. Da irgendwie mein Füße nicht wirklich warm werden wollten hab ich einen Taschenofen (Benzinbetrieben) entfacht und im Schlafsack ans Fußende gepackt, das hat gut für Abhilfe gesorgt und das Abschlafen ging weiter. Unterbrochen lediglich durch das quengeln der Blase..... Allerdings zeigte sich bei jedem Aufwachen das sich die Symptome weiter verstärkt hatten, es kam noch Schüttelfrost, Fieber-Gefühl und völlige Kraftlosigkeit dazu dazu :(

    Da am nächsten Morgen an weiter zu gehen immer noch nicht zu denken war blieb ich kurzerhand einen Weitere Tag in der Hütte, materiell fehlte es mir an nichts und vertreiben wollte mich auch keiner. Bei gelegentlich vorbei kommenden Spaziergängern hab ich ein kurze Lebenszeichen von mir gegeben damit sie nicht aus Neugier versuchen hinter die abgespannte Tarp zu schauen....

    Irgendwann gegen Nachmittag stellte sich doch ein leichter Tatendrang ein und ich hab die Energie genutzt um durch Schneeschmelzen meine Wasservorräte wieder auf zu toppen. Das dauerte zwar länglich da ich nur einen kleinen (900ml) Topf dabei hatte und laufend Schnee nachschaufeln musste um etwas Wasser zu gewinnen. Ist echt erstaunlich was für eine kleine Pfütze Wasser übrig bleibt wenn eine Topfladung Schnee geschmolzen ist.... Bei dem rum gedrösel wurde mir dann auch klar das meine kognitive Leistungsfähigkeit weit unter normal Level gesunken war. Mich auf eins zu konzentrieren war nur mit mentalem Zwang möglich und ich konnte mir selber zuschauen wie ich Blödsinn gemacht habe. Meinen Bewegungen wurden unkontrolliert bis zu dem Punkt an dem ich bedenken bekam das ich den Topf mit heißem Wasser vom Brenner stoße. Das war der Punkt an dem ich beschlossen habe es besser zu lassen und wieder in die Matte zu verschwinden...

    Der Taschenofen war in der Zwischenzeit von den Füßen auf die Brust gewandert und lief im 24h Dauerbetrieb, eine wahre Wohltat. Aber insgesamt fühlte ich mich so richtig besch... und es war nicht absehbar das es am nächsten Morgen irgenwie besser sein könnte. Ich war einfach nur ein Häufchen Elend. Handi-Empfang war dort praktisch nicht vorhanden es hat lediglich gereicht um meiner Frau ein abendliches Lebenszeichen als Textnachricht zu übermitteln.

    Sie machte mir dann auch den leider vernünftigen Vorschlag die Tour zu beenden und heim zu kommen. Sie würde mich auch abholen, ich müsste nur sagen von wo. Aber da lag genau das nächste Problem, ich war mitten im Wald und weit entfernt von legal befahrbaren Straßen , dazu noch eine mittlerweile bis zu 20cm Neuschnee-Schicht mit der unsere Bereifung wohl auch nicht so wirklich klar kommen würde. Also betrachtete ich eine Bergung als möglich "Not-Option" die aber erst mal noch nicht angesagt war. Die Karte brachte dann zu Tage das es bis zum nächsten Bahnhof nur 8,5 Km sind und da für den nächsten Morgen ruhiges Wetter angesagt war wuchs der Plan mich aus eigener Kraft zur Bahn zu bewegen ....

    Der Blick den geplanten Heimweg am nächsten Morgen zeigte sich dann so:

    Also eigentlich die perfekten Winterwanderbedingungen8)

    Mit einem erneutem Anfall von Enthusiasmus ging's am die Morgentoilette und dann kam auch gleich der nächste Dämpfer, Dünnpfiff ||

    Bis der Ars.. wieder in gereinigtem Zustand eingepackt werden konnte habe sich Glocken und Seil derartig zurück gezogen das ich ohne anatomische Untersuchung als Frau durchgegangen wäre=O. Mein praktisch abgeschalteter Gleichgewichtssinn war auch nicht mehr wirklich hilfreich und ich drohte mehrfach in meine eigenen Hinterlassenschaften zu fallen. <X

    Dann wollte ich den Tag mit einem großen Kaffee beginnen um wieder auf Touren zu kommen, ich hatte ja am Vortag extra Schnee geschmolzen. Der Anblick der Beiden Wasserflaschen hat mich zwar schon etwas Stutzig gemacht, sie war beide leicht milchig, aber das hat mir erst mal noch nicht zu denken gegeben. Erst als ich eine Flasche auf gemacht hatte und versuche den Inhalt in den Topf zu schütten musste ich erschreckt feststellen "Der Stoff hängt in der Flasche fest"X( Es hatte sich eine saubere Eisflasche innerhalb der Plastikflasche gebildet. Jetzt dämmerte mir das dies in Zusammenhang mit einer weiteren Kuriosität des Morgens stehen könnte ... Ich hab immer einen kleinen Lappen auf den Schlafsack gelegt damit der die kondensierende Atemfeuchtigkeit aufnehmen kann. Der Lappen war auch bei jedem Aufstehen nass aber er hat den Schlafsack gut geschützt. Heute morgen habe ich den Lappen an einer Ecke angefasst und als Brett angehoben :/ Ein Blick auf das Thermometer brachte dann die Erklärung dieser Phänomene, Das Thermometer lag in einem kleinen Storage-Schiffchen am Fußende der Hängematte, also innerhalb des Mückennetzes, damit im Bereich meiner Abwärme und zeigte -7°C :huh: Heißt draußen unter freiem Himmel waren es locker -10°C

    Nach etwas Überredung hab ich dann den noch flüssigen Wasseranteil in den Topf beförder, einen Kaffee gekocht und eine Thermoskanne Tee für den Weg bereitet. Jetzt noch schnell was essen zusammen packen und los .... so der Plan.

    Der Kaffee tat gut aber die Nahrungsaufnahme hat der Mage mit einem deutlichen Brechreizgefühl verweigert <X. In der Tat war der Magen von meinem Versuch ihm feste Nahrung zu zuführe so beleidigt das der das Brechreitzgefühl für den Rest des Tage beibehalten hat. Auch der Hintern wollte nicht weiter vernachlässigt werden und verlangte nach wiederholtem Buschbesuch, was auch durch die mittlerweile eingetretene Routine nicht wirklich besser wurde. Alles in allem habe ich geschlagene 4 Stunden gebraucht vom Aufstehen bis ich Abmarsch bereit war, mein bisheriger Negativrekord. Die Kognitionsmachine hinter meinen Augen war eindeutig im Power-Saving Mode und leis sich nicht dazu bewegen einer bestimmten Aufgabe eine mehr als kurzfristige Aufmerksamkeit zu schenken. Stattdessen sind meine Gedanken ständig zu allem möglichem Abgedriftet und ich hab Zeug gut weck gepackt nur um es ne Minute später wie raus zu kramen weil es noch gebraucht wurde .... Das ich nebenher auch noch wackelig auf den Beinen war mich schlapp gefühlt habe und mir eigentlich alles weh getan hat, hat auch nicht geholfen. Ich war mehrfach versucht wieder auf zu bauen und weiter die Hütte zu genießen. Aber irgendwann war dann alles verpackt und es ging los.

    Es fing erst mal damit an das ich bei jedem Schritt deutlich die Füße heben musste um nicht durch den Schnee zu schlurfen..


    Der Weg war eigentlich wunder schön



    Aber:

    Jetzt machte sich meine Kraftlosigkeit so richtig bemerkbar, ich habe es nicht geschafft mehr als 10-15 Meter am Stück zu gehen. Dann haben die Beine einfach zu gemacht. Nach ner Minute durchschnaufen ging's dann wieder für die nächsten 10-15 Meter. Ich hatte rund 4Km Anstieg vor mir und habe für diese 4Km geschlagene 5 Stunden gebraucht =O Ich musste mich nach jeder Pause wieder zwingen weiter zu gehen, der Denkapparat versuchte mich laufend zu überreden doch einfach stehen zu bleiben und auf den nächsten Morgen zu warten .... das war ein ernsthafter mentaler Kampf gegen mich selber den ich wieder und wieder ausfechten musste .. es führte dazu das ich manchmal 5 Minuten nur rum gestanden haben und doof in die Landschaft geschaut habe ... sowas hatte ich vorher noch nicht erlebt.

    Als ich endlich die Höhe erreicht hatte wurde es bereits Dunkel und es kam die Überlegen auf doch einfach noch mal ein Camp auf zu bauen und eine Nacht ab zu schlafen. Normal wäre ich zwischen die Bäume gehüpft, hätte schnell aufgebaut und gut aber ein Blick nach oben zeigte das sich ein Wetterwechsel ankündigte und es wieder deutlich Windiger werden würde. Nach den Erfahrungen des Tages mit der mangelnden Funktionstüchtigkeit meines Denkapparates habe ich mir selber nicht mehr zu getraut ein zuverlässiges Camp zu stellen in dem ich die Nacht auch bei Schittwetter unbeschadet überstehen kann. Ich hatte schlicht weck Angst durch blöde Fehler in der Nacht drauf zu gehen =O

    Also bin ich wie ein sturer Esel weiter gelatscht und da es jetzt Bergab ging waren die verbleibenden 4.5 Km in 1.5 Stunden geschafft. Kein Rekord aber zumindest konnte ich mit kleinen Schritten gleichmäßig vor mich hin laufen. Die Rückfahrt mit der Bahn war dann erfreulich entspannt zum einen durch einen erfrischend freundlichen Zugbegleiter und zum Anderen durch eine sehr nette Sitznachbarin mit der ich mich angeregt über Übernachten im Wald im allgemeine und mit Hängematte im speziellen unterhalten konnte. Das waren tatsächlich die besten zwei Stunden des Tages :)

    Unterm Strich war das die Erschreckendste Erfahrung die ich bisher gemacht habe. Strukturiertes und fokussiertes Denken gehört zu meiner Selbstdefinition, mir dann selber die zurechnungsfähig abzuerkennen einen hunderte male geübten Ablauf so durch zu führen das es nicht durch Baseligkeit zu einer Lebensbedrohenden Situation kommt, das konnte ich mir bisher nicht vorstellen. Ich habe das jetzt so ausführlich zusammen geschrieben weil ich das zum einen für mich grade bauche um die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten und zum anderen um vielleicht den einen oder anderen dafür zu sensibilisieren das auch immer die Möglichkeit besteht das eure eigene Denkfähigkeit nicht mehr gegeben ist..... klingt erschreckend ... ist es auch

    Don't Panic

  • Walkabout 6. Januar 2026 um 17:39

    Hat den Titel des Themas von „Eine Wintertour mit unrühmichen Ausgrang“ zu „Eine Wintertour mit unrühmlichen Ausgang“ geändert.
  • Ich habe das jetzt so ausführlich zusammen geschrieben weil ich das zum einen für mich grade bauche um die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten und zum anderen um vielleicht den einen oder anderen dafür zu sensibilisieren das auch immer die Möglichkeit besteht das eure eigene Denkfähigkeit nicht mehr gegeben ist..... klingt erschreckend ... ist es auch

    Wow, was für eine Story. Ich hatte schon überlegt, ob Du digital detoxed, da ich zum Thema Sauna nichts von Dir gehört hatte. DARAUF wäre ich nun nicht gekommen. "Don´t Panic" scheint Dir in diesem Fall gut geholfen zu haben.

    Irdendwie schade, dass es nicht so verlaufen ist, wie geplant, meinen Respekt vor dieser Tour hattest Du schon vorher. Jetzt hast Du ihn immer noch, gepaart mit einer Mischung aus Bewunderung und Mitgefühl. Ich hoffe, es geht Dir nun wieder besser.

    Die nächsten "Winde" erfährst Du mit 100%iger Wahrscheinlichkeit auf der Kuppe in Gevelsberg beim Wintertreffen ;)

  • Moin,

    Ja schade dass deine Tour so gelaufen bzw so geendet ist 😢 aber solche Sachen passieren halt.

    Haben diesmal die Vernunft und die Bazillen gesiegt........das nächste Mal wieder du👍^^ Du weißt ja.........nach der letzten Tour iss vor der nächsten. Der Winter ist noch nicht vorüber ;)

    Gute Besserung und Gruß von der Ostsee

    PS. Sehr schöne Bilder 👍 bis nächsten Monat 🙂

  • Wow, was für eine Story. Ich kenne "krank arbeiten" - echt das Beschissenste überhaupt. Nur Angst ist da nicht dabei, bin ja in der Zivilisation.

    Alleine und draußen bei Schnee und Kälte...=O

    Hoffe, du erholst dich gut. Danke für deinen Bericht.

    Gruß, Harald

  • Toller Bericht, auch wenn die Tour nicht so geworden ist wie man es sich vorgestellt hat. Und ja, es ist erstaunlich was der Körper alles so als nicht wichtig erachtet und abschaltet, nur um sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können. Das du in dem Zustand trotzdem noch 9km gewandert bist...Hut ab. Aber was soll man auch machen wenn man keine Alternativen hat.

    PS: Während meiner ersten Coronaerkrankung konnte ich nicht mal die Schlafzimmerjallousie hochziehen. Ich musste mich bei der Hälfte zurück ins Bett fallen lassen und erstmal schlafen. Kann man sich kaum vorstellen bei so einfachen, alltäglichen Dingen.

    Gute Besserung und bis zum nächsten Ausflug alles gute

  • Ich muss ehrlich sagen, dass ich Deine Geschichte ab der Hälfte nicht gerne gelesen habe. Ich meine Du warst deutlich unterkühlt und standest kurz vor der Ohnmacht. Alleine im Wald bei Minusgraden nicht wirklich erstrebenswert.

    Der erste Anflug von Schnupfen war eigentlich das erste Warnsignal bei dem Du sofort hättest abbrechen, und alle Sicherheitsvorkehrungen hättest treffen müssen, um in Sicherheit zu gelangen. Ist natürlich leicht gesagt im Nachhinein . Der Zustand der totalen Erschöpfung, bei dem der Körper das Denken langsam herunterfährt ist fürchterlich. Man muss unbedingt vermeiden an diese Grenze zu kommen. Kenne ich leider selbst. Der Moment bei dem irgendwann die Beine wegklappen ist dann nicht mehr weit entfernt.

    Es gibt ein paar Maßnahmen die ich beim ersten Schnupfen getroffen hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte:

    - Egal um welche Uhrzeit, sofort abbauen und sich in Bewegung setzen. Körpertemperatur durch zügiges gehen hochfahren. Körpertemperatur nicht mehr runterfahren bis man in Sicherheit ist.

    - Eine starke Paracetamol kann schon bewirken, dass man einige Stunden lang wieder normal funktioniert. Die Zeit muss man dann nutzen.

    - Manchmal reicht ein "Peitschenhieb", bestehend aus einem Schnapps, red bull oder einer deftigen Mahlzeit aus, um vorübergehend wieder zu Kräften zu kommen. Darauf darf man sich aber nicht verlassen.

    - Die nächst gelegene heiße Dusche ansteuern und erstmal aufs Ohr legen, in einem warmen Zimmer.

    - Freunden/Verwandten Bescheid geben, damit jemand weiß wo man ist. Regelmäßig melden.


    Ich denke das war eine klassische Unterkühlung. Hoffe Dir gehts wieder besser. Danke fürs Teilen.

    5 Mal editiert, zuletzt von Gironimo (6. Januar 2026 um 23:33)

  • Oh Mann, Walkabout ,

    da ist aber einiges anders gelaufen, als Du Dir erhofft hattest. Das tut mir leid!

    Gut, dass Du mit dem Leben davongekommen bist.

    Ist schon beeindruckend, was uns so winzige Bakterien oder Viren anhaben können. Mich fesselt eine Bronchitis seit nun drei Wochen an bzw. auf's Sofa und für den halben Kilometer zum Arzt brauchte ich bald eine halbe Stunde durch den plattgetretenen Schnee.

    Ich wünsche Dir schnelle und vollständige Genesung!

    Herrliche Grüsse, jenshelge

  • Mich hat dein Bericht auch sehr beeindruckt, weil du so ehrlich schreibst und nichts beschönigst oder verharmlost. Das erinnert mich an einen Bericht, den echinotrix hier mal veröffentlicht hat, wo es ihm ähnlich grenzwertig gegangen ist.

    Daraus kann man nur lernen, dass es trotz bester Vorbereitung schief gehen kann. Aber gut, dass du so gut ausgerüstet warst und genug zu essen dabei hattest, dass du länger in der Hütte bleiben konntest. Hätte ja auch gut sein können, dass du dich wieder erholst. Sowas weiß man halt nicht im Voraus. Und natürlich birgt allein unterwegs zu sein immer ein gewisses Risiko...

    Erhol dich schnell wieder!

  • Der erste Anflug von Schnupfen war eigentlich das erste Warnsignal bei dem Du sofort hättest abbrechen, und alle Sicherheitsvorkehrungen hättest treffen müssen, um in Sicherheit zu gelangen.

    Würdest du wegen eines Schnupfens sofort eine Tour abbrechen und in den Notfallmodus schalten? :/

    Die Nase läuft bei den Temperaturen doch eh dauerhaft wenn man draußen ist. Es gab mit Sicherheit Punkte auf der Tour wo man hätte los gehen sollen (Wenn denn möglich), aber der Schnoppen alleine wäre für mich auch kein Warnsignal gewesen

  • Würdest du wegen eines Schnupfens sofort eine Tour abbrechen und in den Notfallmodus schalten? :/

    ... In einem Unterstand, direkt auf einem begangenen Weg mit anderen Wanderern, einen Steinwurf von Infrastruktur entfernt, mit Mobilfunkempfang, mitten in Deutschland?:/

    Jeder wie er meint, hyoh...

    Einmal editiert, zuletzt von hangloose (7. Januar 2026 um 10:53)

  • Würdest du wegen eines Schnupfens sofort eine Tour abbrechen und in den Notfallmodus schalten? :/

    Die Nase läuft bei den Temperaturen doch eh dauerhaft wenn man draußen ist. Es gab mit Sicherheit Punkte auf der Tour wo man hätte los gehen sollen (Wenn denn möglich), aber der Schnoppen alleine wäre für mich auch kein Warnsignal gewesen

    Naja, es gibt normales Naselaufen und ein plötzlicher Einbruch eines richtigen Schnupfens, d.h. ein merkliches körperliches Erkältungs-Symptom. Bin ich bei deutlichen Minustemperaturen draußen alleine unterwegs, dann würde ich Letzteres definitiv als Warnsignal deuten und handeln.

    Ich würde es nicht darauf ankommen lassen, dass sich der Bewusstseinszustand eintrübt wie bei einer Hypothermie üblich.

  • Naja, es gibt normales Naselaufen und ein plötzlicher Einbruch eines richtigen Schnupfens, d.h. ein merkliches körperliches Erkältungs-Symptom. Bin ich bei deutlichen Minustemperaturen draußen alleine unterwegs, dann würde ich Letzteres definitiv als Warnsignal deuten und handeln.

    Wie ich es lese hat sich ja alles innerhalb eines abends/Nacht ergeben. Kurz vor der Hütte schon ein leichtes Schwächegefühl, dann abends Schnupfen und am nächsten Morgen schon so platt, das er weitere Zeit in der HM vorgezogen hat anstatt sich auf den Weg zu machen.

    Die Einzige Option wäre gewesen gleich abends abzubrechen, bevor er sich in die Hütte gelegt hat. Aber wer macht das schon?

    Immer schwer zu sagen sowas. Wenigstens sind keine Kosten entstanden oder wurden umsonst getätigt. Stell dir mal vor du hättest noch 3 Tage Anreise oder Flüge gehabt und dann sowas8|

    Du bist auf dem Wege der Besserung und kannst die nächste Tour planen...was will man mehr^^

  • Mir geht's schon wieder deutlich besser, hab zwar immer noch nen Husten und Schnoddernase aber alles im normalen Rahmen für eine Erkältung. DANKE für eure Genesungswünsche

    So eine Situation ist mein Albtraum.

    Aus Interesse: mit der gemachten Erfahrung, was - wenn überhaupt - würdest du rückblickend anders machen (ohne zu wissen, wie schlimm die Erkrankung letztendlich geworden ist)?

    Gute Besserung einstweilen!

    Im Rückblick denke ich das es in meiner Situation besser gewesen währe einfach noch mindesten einen Tag in der Hütte zu bleiben. Ich hatte ja keine Not schon los zu gehen. Ich hatte Wasser (Schnee), Essen, Brennstoff, war aus dem Wind, hatte einen warmen Schlafplatz in der Hängematte und vertreiben wollte mich auch keiner. Zu dieser Einsicht wäre ich bestimmt auch gelangt wenn ich vor dem Zusammenpacken einfach mal versucht hätte den Weg neben der Hütte so 100m rauf zu gehen, dann wäre schnell klar geworden wie geschwächt ich wirklich noch war und ich hätte mich schnell wieder hin gelegt.

    Ich denke mein größtest Problem war das ich das Scenario "Krank werden auf der Tour" nicht auf dem Schirm hatte und mich in keinster Weise damit auseinander gesetzt habe was ich denn in so einer Situation tun und lassen müsste. Ich hab mich damit befasst was ich tun kann wenn ich einen Unfall habe, wie ich Rettungskräfte zu mir führen kann, wie ich mit Materialversagen umgehen kann usw.... Aber das mich so eine blöde Atemwegsinfektion derartig aus der Spur holen kann war nicht auf meinem Schirm. Das wird bei zukünftigen Tourplanungen jetzt bestimmt ein fester Punk über den es nach zu denken gilt.

    Don't Panic

  • Oha das war ja echt eine auf sehr unerwünschte Art abenteuerliche Tour! Da kann man nur sagen ein Glück, dass dein Setup dich im Schlaf warm gehalten hat. Will man nicht weiter denken, wenn das nicht so gewesen wäre.

    Ich bewundere deine Tapferkeit, da das "Don't Panic" zu schaffen ist sicher nicht einfach!

    Vielen Dank für den gleichzeitig warnenden aber auch unterhaltsamen Bericht.

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