Mein DIY-Wintertarp "Sunny Cloud"

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    Heute hatte ich die Gelegenheit mein selbstgenähtes Wintertarp aufzuhängen und meine Schneiderei auf Herz und Nieren zu überprüfen. Soweit bin ich zufrieden. Es ist vollständig aus Material hergestellt, dass ich hier in Deutschland bei Extremtextil eingekauft habe. Der von mir genutzte Stoff ist der Ripstop-Nylon 6.6, Zeltstoff, silikonbesch., 30den, 40g/qm. Hier die Bilder und ein paar Kommentare dazu:

    Das Tarp habe ich auf der Basis der vier Forumsberichte von Fagorian (Forumsfaden hier) , echinotrix (hier), Mittagsfrost (hier) und Waldläufer70 (hier) geschneidert. Bei den Maßen habe ich die Vorgaben von RBTR genutzt, die Abspannungen und Verstärkungen jedoch von meinem Warbonnet Thunderfly abgeschaut. Beim Arbeiten war das Bügeleisen mein bester Freund, da meine Klammern auf dem glitschigen Silnylon so gar nicht hielten und ich nicht Nadeln wollte. Bei sehr niedriger Temperatur kann man mit dem Bügeleisen Falten in das Silnylon bügeln, an denen man sich beim Nähen dann orientieren kann. Gerade beim Säumen der Kettenkurven war das sehr hilfreich!

    Mein "Sunny Cloud" hat nach dem Säumen eine Firstlänge von 355 cm (das entspricht in etwa 11.5 ft) und die Seiten habe ich mit Kettenlinien versehen. Beim ersten Aufbau habe ich gemerkt, dass die in Deutschland übliche Stoffbahnbreite von 150 cm einen spürbaren Effekt auf die Proportionen der Türen hat, wenn man ansonsten die Maße aus der US-amerikanischen Anleitung übernimmt (die genutzten Stoffbahnen der Amis sind wohl mit 62 inch ein bisschen breiter). Somit muss ich meine Türen mit Shockcord nicht an dem seitlich gegenüberliegenden Dreiecksring der Abspannung einhängen, wenn ich die Türen faltenlos und straff verschließen will, sondern direkt am Hering auf der gegenüberliegenden Seite des Eingangs.

    Das korrekte Verhältnis zwischen Stoffbahnbreite und Flügeltür-Maße bekommt man wohl nur, wenn man dafür je nach Stoffbreite für die Berechnung der Winkel die Anleitung von Jellyfish nutzt. Sowohl Dutch als auch RBTR arbeiten allerdings mit absoluten Werten/Maßen in ihren Anleitungen. Bin aber zu blöd für höhere Mathematik und habe die Maße dumpf abgeschreiben, d. h. die Maße von RTBR weitestgehend übernommen, obwohl meine Stoffbahnen schon vor dem Säumen etwas schmaler waren.

    Hier die verstellbaren Shockcords, um die Türen ggf. nach innen "einzuklappen", wenn man wetterbedingt nur ein Hextarp braucht bzw. seine Socken trocknen will :P

    Wie man hier sehen kann, habe ich auch die französische Naht mit Satinband-Abdeckung bei der Ridgeline von Warbonnet übernommen. Das von mir genutzte 18 mm breite Satinband (eine Seite matt, andere Seite glänzend) von ebay war allerdings so dünn, dass ich die Enden der Ridgeline nicht nur je Seite 10 cm länger gemacht und umgeschlagen habe, sondern lieber noch eine weitere Lage drüber gefalten und vernäht habe. Damit hoffe ich die Spannung besser abzufangen, die auf der Firstschnur liegt. Auch die in den Kamm der Ridgeline eingenähte Verstärkung auf der Unterseite mit einem Streifen Satinband habe ich von WB übernommen (das ist die graue Naht am First). Kommen wir zu den Großaufnahmen:

    Das ist eine Eck-Abspannung des Hex-Körpers. Interessant ist, dass man gut überlegen sollte, in welche Richtung man den Ring annäht. Ich habe mich am Thunderfly orientiert und den 90° Winkel der Laschen so positioniert, dass das Dreieck leicht schräg nach vorne zeigt. So spanne ich auch die Schnur zum Zelthering ab, um die Kettenkurve straff zu kriegen. Hätte ich den Dreiecksring als Verlängerung der Tarptür angenäht, sähe das Abspannen jetzt definitiv anders aus. Wenn man D-Ringe nutzt, ist diese Entscheidung vermutlich nicht so wichtig.

    Hier die Unterseite der Abspannung. Man kann durch den Faltenwurf ganz gut sehen, wo die Kräfte am Stoff anliegen und wie sie durch den im Winkel gelegten Unterstoff in Richtung Schnur abgeführt werden.

    Das ist die Unterseite der Abspannung an der Tarptür. Der Winkel des untergelegten Stoffes musste hier anders gewählt werden als bei den Seitenabspannungen. Abgesehen davon habe ich die Spitze der Kettenlinien am Türenrand eingeschlagen, bevor ich mit der Schlaufe den Dreiecks festgenäht habe.

    Soweit, so gut! Ich plane noch ein Paar Panel Pull-outs zu ergänzen. Der Innenraum ist zwar jetzt schon recht geräumig, aber als Wind auf der einen Seite lag, drückte der Stoff bei der großen Fläche ganz schön nach innen. Das hoffe ich mit den Tarp Pole Mods ein wenig aufzufangen.

  • Deine Arbeit ist echt sehr schön geworden. Das Grau und Gelb ergibt einen schönen Kontrast! – Vor den von dir angedeuteten Berechnungen die Türen betreffend graut mir bereits jetzt, sollte ich mich auch mal an ein Tarp mit Türen wagen. Du scheinst eine gute Lösung zum Abspannen gefunden zu haben. Gratulation zur gelungenen Arbeit! :)

  • Ja, sieht gut aus. An einigen Stellen (4. und 5. Bild) sieht man zwar, dass du gegen den Transporteur gekämpft hast, was nie gut ausgeht, aber das sind ästhetische Feinheiten, die den Gebrauchswert nicht schmälern. Ein Problem habe ich auch öfter, und zwar die Saumnaht der Türen. Hier muss der Stoff zwangsläufig diagonal zum Ripstop geschnitten werden und bereitet dann beim Einschlagen für den Saum Probleme. Ist da schon mal jemand eine saubere Lösung gelungen? Was ich aber nicht verstehe, ist das von den Warbonnet-Tarps übernommene einzöllige Gurtband, das dann zur Hälfte lose flattert oder eben absteht. Das ist doch materialtechnisch ein Overkill. Oder kann mir jemand den Nutzen dieses halb angenähten breiten Bandes erklären? Ich bin vor längerem dazu übergegangen (#13), auch an den Abspannpunkten nur Tarpstoff zu verarbeiten und finde, dass sich das nicht nur am einfachsten verarbeitet, sondern auch die leichtgewichtigste und haltbarste Lösung darstellt, weil Tarpmaterial und Schlaufenmaterial gleiche Belastbarkeit aufweisen und so zusammen flexen können. Zudem ist es ästhetisch schlicht, aber darüber kann man natürlich streiten.

  • Hier muss der Stoff zwangsläufig diagonal zum Ripstop geschnitten werden und bereitet dann beim Einschlagen für den Saum Probleme.

    Ich hatte noch nie Probleme, hier eine saubere Naht hinzukriegen: mit Umbügeln des Einschlag-Umschlags hat das bei mir bisher immer wunderbar geklappt. Leider wurstelt sich die diagonal geführte Naht unter Spannung unschön zusammen. Irgendwo habe ich hier mal Bilder davon gepostet (ohne Spannung und mit Spannung drauf), finde die aber nicht mehr.

    Oder kann mir jemand den Nutzen dieses halb angenähten breiten Bandes erklären?

    Der Nutzen ist, dass die beiden in eine Spitze zusammenlaufenden Nähte den Stoff recht ideal belasten. Ich habe die Nähte auch bei meinem Tarp zusammenlaufen lassen, hatte aber das überstehende Material davor schräg abgeschnitten und mit dem Feuerzeug verschweisst. Ich fand das eine gute Idee, um Material zu sparen. Dummerweise begann das Band – ich habe Grosgrain Ribbon verwendet – bereits nach der ersten Nutzung des Tarps auszufransen. Also doch keine so gute Idee.

    So wie im Bild sah es nur die kurze Zeit vor der ersten Nutzung aus:

    Am besten schneidet man das Band nicht schräg ab.

    Die einfachste und sauberste Lösung ist vielleicht, wenn man schmales Band verwendet und dieses vollständig im Saum verschwinden lässt. Allerdings geht das am Übergang zu den Türen nicht. Da braucht es eine Stabilisierung von der «Türecke» in Richtung Abspannung am First.

  • Leider wurstelt sich die diagonal geführte Naht unter Spannung unschön zusammen.

    Ja genau dieser Effekt ist ärgerlich. Die Naht selbst war bei mir auch kein Problem (hab ich vielleicht ungenau ausgedrückt).

    Der Nutzen ist, dass die beiden in eine Spitze zusammenlaufenden Nähte den Stoff recht ideal belasten.

    Wirklich? Dass sich Gurtband und Tarpstoff unter Belastung unterschiedlich dehnen, finde ich schon mal nicht so ideal. Wir hatten das Thema ja schon mal. Die damalige These von echinotrix , diese Verarbeitung sei halt die billigste, konnte ich seinerzeit nachvollziehen. Inzwischen scheint es mir aber so, dass bestimmte Verarbeitungen eher als Markenzeichen gelten. Von der Haltbarkeit her leuchtet mir die Verarbeitung von millimeterstarkem Gurtband an wenige hundertstelmillimeterstarkem Tarpstoff immer weniger ein.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, alle! Vielen Dank für euer positives Feedback :)

    An einigen Stellen (4. und 5. Bild) sieht man zwar, dass du gegen den Transporteur gekämpft hast, was nie gut ausgeht, aber das sind ästhetische Feinheiten, die den Gebrauchswert nicht schmälern.

    Ich muss zugeben, dass ich gerade bei den Catcuts meine Konzentration darauf gelegt habe, eine halbwegs saubere Naht hinzukriegen. Beim Betrachten der Säume danach habe ich auch festgestellt, dass diese sich in sich "zusammengezwirbelt" haben und – wenn man die Nähte längs auseinander zieht und wieder loslässt – den Eindruck machen zu federn. Nicht schön (gerade bei einem hell-transparenten Stoff) aber erträglich.

    Was ich aber nicht verstehe, ist das von den Warbonnet-Tarps übernommene einzöllige Gurtband, das dann zur Hälfte lose flattert oder eben absteht. Das ist doch materialtechnisch ein Overkill.

    Da stimme ich Waldläufer70 zu. Einerseits habe ich mich nicht getraut das Band mit der Schere zu schmälern, weil ich nur ein Feuerzeug habe zum Veröden und befürchtete, dass das nicht ausreicht, um ein Ausfransen zu vermeiden. Andererseits bin ich beeindruckt von dem ökonomischen Ansatz von WB. Im Vergleich zu verstärkenden Dreiecken aus HyperD 300, wie sie RBTR in der Anleitung empfiehlt, ist es weniger Materialeinsatz und durch das einfache Umlegen auf 90° superschnell aufzubringen.

    Mein Eindruck ist aber auch, dass WB mehrere Versuche ausgetestet haben muss, wie die Naht auf dem Grosgrain am besten verlaufen soll. Ich kann es nicht begründen, aber mein Gefühl sagt mir, dass dieser Bogen, den WB näht anstatt direkt diagonal über das Band zu gehen, die Kräfte, die auf den Tarpstoff wirken, irgendwie besser in die Abspannringe ableitet und dabei die Nähte nicht so strapaziert ... :S Ästhetisch stimme ich dir zu, Cross Hammock – diese Bänder sehen immer scheiße aus, wenn sie beim Auspacken zerknittert und faltig sind und rumflattern.

  • Wirklich? Dass sich Gurtband und Tarpstoff unter Belastung unterschiedlich dehnen, finde ich schon mal nicht so ideal.

    Nein, das ist sicher nicht so ideal. Die in eine Spitze zusammenlaufenden Nähte sind aber eine gute Möglichkeit, die Belastung des Stoffes zu reduzieren.

    Nehmen wir an, das Band ist 1" breit und 4" lang, dann wird der Zug, der auf 1" Breite wirkt, auf eine Naht verteilt, die etwas über 8" lang ist. Das schont den Stoff.

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    Da das Foren-System nicht mehr Bilder an meinen ersten Beitrag hier im Faden nachträglich dranzuhängen erlaubt, noch einen weiteren Beitrag mit ein paar Fotos der nachträglich ergänzten Panel Pull-Outs und der fertigen Tarp-Skin:

    360 cm lange Tarpwurst mit 6 cm Durchmesser aus Netzfutter von extremtextil.

    Hier der fertig aufgebaute Tarp-Pole-Mod. Die Abspannungen der Türen sind an den gegenüberliegenden Heringen der seitlichen Pull-Outs befestigt.

    Großaufnahme von einem der vier Panel Pull-Outs a la Warbonnet Outdoor. Auf Silikonisierung der Nähte habe ich erstmal verzichtet und gebe dem Corespun-Garn eine Chance. Mal sehen ... bei meinem WB Thunderfly musste ich die Pull-Outs auch nachträglich abdichten, da Wasser bei kräftigen Regen in nicht unerheblicher Menge von der Wetterseite durch die Tarp-Nähte auf Schlafsack und Hängematte gepresst wurde.

    Hier noch ein Blick auf den Innenraum, wenn die Tarp-Pole-Mod aufgespannt ist. Sieht aus wie ein kleines Hilfszelt der unicef :P

    Hoffentlich kann ich im Januar endlich den "Feldtest" machen, nachdem ich im Dezember zweimal gesundheits- und zeitbedingt mit den anderen Berlinern nicht mit rausgehen konnte (hier und hier). Meine Hoffnung liegt nun auf dem geplanten Berliner Stammtisch im Januar 2020.

    • Offizieller Beitrag

    Fagorian ich habe jeweils drei 8,7 mm DAC Pressfit-Segmente (2 mit + 1 ohne Stift) von extremtextil benutzt mit den entsprechenden Lock-Tips. Ist insgesamt etwas kürzer als bei den Ami-Importen, funktioniert aber sehr gut und kostet nur die Hälfte. Ich bin voll zufrieden damit. Und ja, die liegen einfach auf der Firstnaht auf und balancieren sich mit der Befestigung auf beiden Seiten gegenseitig aus.

  • Ich habe mein Tarp (Superfly) auch meist im Pole-Mode abgespannt, hatte aber Bedenken, die Stangen einfach auf dem First liegen zu lassen. Bei Sturm scheuern die doch ziemlich, so dass ich eine Firstschnur oberhalb des Tarps habe, auf der die Stangen liegen und die Firstnaht nicht berühren. Das ist etwas aufwendiger zum Abspannen, aber es beruhigt mich.

    Inzwischen experimentiere ich auch mit einer einzelnen langen Stange innerhalb des Tarps (in der Mitte), da das Tarp dann noch besser aufgehalten wird. (s. hier Napsack Hammocks) Wie sturmfest das ist weiß ich noch nicht, aber dass der Pole-Mode mit 2 Stangen über dem Tarp sich bei Sturm einfach verabschiedet - das hatte ich schon....

    • Offizieller Beitrag

    Die Firstschnur oberhalb des Tarps habe ich bereits auch auf Fotos auf Dutch's Homepage gesehen. Ich habe mich bei diesem Setup für Stingerz entschieden, so dass es bei mir nur zwei halbe Firstschnüre sind und der Pole Mod direkt aufliegt. Man sollte sich also besser vorher für eine bestimmte Tarp-Aufhängung entscheiden, bevor man dafür das passende Bling einkauft ;).

    Das mit der Reibung ist ein guter Hinweis. Ich hatte noch nicht so viele stürmische Nächte, dass ich hätte Abrieb bei meinem WB Thunderfly feststellen können. Mein DIY-Tarp ist vielleicht ein gutes "Versuchskaninchen", um die Robustheit des Satinbandes zu prüfen. Gegebenenfalls nähe ich einfach noch eine weitere Lage über die Firstschnur drüber :P

    Wie und wo befestigst du denn die einzelne lange Stange in der Mitte des Tarps, barfuß ?

  • Gegebenenfalls nähe ich einfach noch eine weitere Lage über die Firstschnur drüber :P

    Du könntest ja am Kamm der französischen Naht einfach einen Mechanismus annähen, der die Stangen fixiert, beispielsweise aus Gummiseil oder Gummiband und einem Kordelstopper. Oder sogar ganz ohne Stopper; die Stange muss ja gar nicht super fest fixiert sein. Das wäre eine kleine Modifikation, die sich leicht und ohne grossen Aufwand auch nachträglich noch anbringen liesse. Nur so ein spontaner Gedanke.

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