• Immer wieder war der «Baumschutz» hier im Forum ein Thema. Fast alle sind sich einig, dass die von uns genutzten Bäume geschützt werden sollen. Die grosse Mehrheit verwendet Baumgurte oder «Treehugger», die wenigstens 25mm (2,5cm) breit sind, um den Druck besser auf die Borke des Baumes zu verteilen und damit die Belastung der Rinde zu verkleinern. Einige nutzen sogar breitere Baumgurte, um die Borke der Bäume noch besser zu schützen.


    Vielleicht könnte man grob zusammenfassen:

    • Bei einer permanenten Hängematten-Installation sollte man am besten eine gut polsternde und doch feste Matte zwischen Baumgurt und Baumstamm anbringen, um den Druck auf eine möglichst grosse Fläche zu verteilen.
    • Bei Bäumen, die regelmässig genutzt werden (oder als besonders empfindlich gelten) sind extra-breite Baumgurte sicher eine gute Möglichkeit.
    • In allen anderen Fällen hat sich die Praxis bewährt, mindestens 25mm breite Baumgurte zu verwenden.
    • Von Seilen für die Hängematten-Aufhängung ist – wenn immer möglich – Abstand zu nehmen.

    Aber auch bei der Befestigung des Tarps haben sich hier schon einige Gedanken über den Baumschutz gemacht. Gerade wenn man die Firstleine des Tarps stark vorspannt und dann das Tarp einigermassen satt nach unten abspannt, bauen sich bald ziemlich grosse Zugkräfte auf. Nutzt man eine eher dünne Schnur als Firstleine, so wird die Rinde des Baums punktuell ebenfalls stark belastet. Baumschutz ist also sicher auch beim Aufbau des Tarps sehr zu begrüssen.


    Dafür ist dieser Faden da:

    • Es können Gedanken zum Thema «Baumschutz» ausgetauscht und diskutiert werden.
    • Es können (wissenschaftliche) Fakten zum Thema eingebracht und verlinkt werden.
    • Es können Regeln, die diesbezüglich irgendwo auf der Welt gelten, vorgestellt, verlinkt und diskutiert werden.

    Ziel wäre, dass wir hier das Thema möglichst sachlich diskutieren und darüber lernen können.


    PS: Natürlich dürfen auch die vier Punkte, die ich oben mal in den Raum gestellt habe, diskutiert werden. Die sind nicht in Stein gemeisselt (und schon gar nicht in Borke geschnitzt).

  • Vielleicht ist es nicht dumm, gleich zu Beginn mal einen Blick auf den Aufbau eines Baumstamms zu werfen. Ich nutze dafür aus Gründen des Copyrights ein Bild von Wikipedia, das ich um ein paar Begriffe ergänzt habe:


    © Wikipedia (zum Vergrössern aufs Bild klicken)


    Dazu noch ein paar Hinweise:

    • Borke und Bast bilden zusammen die Rinde des Baumes.
    • Zwischen Borke und Bast befindet sich die äussere Wachstumsschicht, das so genannte Korkkambium.
    • Im Bast befindet sich der Siebteil (Phloem), ein Röhrensystem, durch das die vom Baum gebildeten Stoffe (z.B Zucker) während der Wachstumsphase nach unten geleitet werden. (Im Frühling, bis die Photosynthese in Gang ist, werden die Säfte in dieser Schicht nach oben geleitet.)
    • Das Kambium ist die eigentliche Wachstumsschicht des Baumes: Nach innen wird Holz gebildet (Aufbau des Stammes), nach aussen der Bast.
    • In den (äusseren) Holzschichten wird Wasser nach oben transportiert (Xylem).

    An die Biologen unter uns: Bitte korrigieren oder ergänzen!


    Wenn wir mit Hängematte oder Tarp Druck auf den Stamm ausüben, dann wirkt sich dieser primär auf die Bastschicht aus. Bei zu grosser Belastung des Bastes könnte unter Umständen der Fluss der Assimilate (Stoffwechselprodukte des Baums) beeinflusst werden. Allenfalls könnte auch das weiter innen liegende Kambium beeinträchtigt werden.

  • Ich hatte vorhin gerade ein interessantes Gespräch mit einem Förster aus meinem Bekanntenkreis. Ein paar Hinweise daraus möchte ich hier festhalten, damit ich sie nicht vergesse:

    • Bei Laubbäumen (in unseren Breiten) kann man innerhalb eines Jahresringes zwei Schichten unterscheiden: Im Frühling werden zuerst Holzschichten mit Röhren für den Wassertransport nach oben gebildet (Xylem). Im zweiten Teil der Wachstumsphase entsteht festes Holz ohne Röhren. Anders gesagt: Zuerst sorgt der Baum dafür, dass Wasser nach oben transportiert werden kann, dann sorgt er für die nötige Stabilität des Stammes und der Äste. Der Wassertransport erfolgt übrigens nicht nur im äussersten Jahresring, vielmehr sind daran in der Regel zahlreiche Schichten bis hin zum Kernholz beteiligt.
    • Die Verletzbarkeit eines Baumes hängt stark von der Jahreszeit ab: Im Frühjahr (April bis Juni), wenn der Saft in der Bastschicht (Phloem) nach oben gepumpt wird, ist die Rinde (Borke und Bast) viel empfindlicher. In dieser Zeit reagieren Bäume sehr empfindlich auf starke «Berührung»: Zu dieser Zeit darf man mit schweren Waldmaschinen nicht in den Wald, da die Borke und damit auch der Bast viel verletzbarer sind und relativ leicht zerstört werden. Das gilt auch für die Wurzeln, die in dieser Zeit viel leichter verletzt werden können. Befindet sich der Baum in voller Produktion (vom Sommer bis in den Herbst hinein), so ist das Rindensystem wieder viel stabiler und der Baum verträgt viel stärkere Belastungen. (Der Winter dürfte diesbezüglich auch kein Problem sein.)
  • Ich habe vor einiger Zeit eine Broschüre entdeckt, die sich mit dem Problem von Schäden an Bäumen durch Hängematten, Slacklines und Baumzelte beschäftigt*. Dabei ging es immer auch um die potenzielle Gefahr der Parkbesucher durch geschädigte Bäume. Leitend war die Frage, in welcher Form man etwas gegen die Schäden unternehmen soll. Es wurden drei Möglichkeiten vorgeschlagen:

    • Aufklärung mit Empfehlungen
    • Regelwerk mit einigen Verordnungen und Regeln
    • vollständiges Verbot der genannten «Freizeit-Geräte»

    Eine kurze Zusammenfassung auf einer Seite findet man hier.


    *Es geht in den Dokumenten konkret um die Parks in und um Minneapolis, für die das «The Minneapolis Park and Recreation Board» zuständig ist. Diese Institution hat die Studie auch in Auftrag gegeben.


    Für uns interessant dürften die folgenden Aspekte sein:


    Unter der Option «Aufklärung mit Empfehlungen» werden die folgenden Punkte genannt:


    Potenzielle Schädigung von Bäumen:

    1. Seile und schmale Gurtbänder können in die Borke einschneiden.
    2. Hängematten- und Slackline-Bänder können schädigenden Druck auf Bäume ausüben.
    3. Hängematten- und Slackline-Ausrüstung kann zu sichtbaren wie auch unsichtbaren Schädigungen führen.
    4. Eine Schädigung älterer Bäume kann die Fortpflanzung / Verjüngung des Baumbestandes erschweren / behindern.

    Richtlinien:

    • Verwende für deine Aktivitäten kräftige Bäume, die mindestens einen Durchmesser von 25cm aufweisen.
    • Verwende ausschliesslich Bäume mit dicker, rauer Borke (keine Bäume mit dünner, glatter Borke).
    • Die Bäume sollen in keiner Weise für die Nutzung verändert werden (z.B. sollen keine Äste abgebrochen werden).
    • Verwende ein weiches Material, das mindestens 25cm breit ist (gefaltetes Badetuch, mehrere Schichten Jeans-Stoff oder Teppich), das ganz um den Baum gewickelt wird. Oder nutze alternativ eine Filzunterlage, die speziell für Hängematten oder Slacklines hergestellt worden ist.
    • Lasse Hängematten und Slacklines nicht unbeaufsichtigt hängen.
    • Bedenke, dass dein Handeln auch andere Parknutzer in Gefahr bringen kann, und achte immer auf deine eigene Sicherheit, wenn du Hängematte oder Slackline nutzt.

    Bei der Option «Regelwerk mit einigen Verordnungen und Regeln» werden zusätzlich zur Filzunterlage explizit Baumgurte genannt, die breiter als 5cm sein sollen!


    PS: Die Maße habe ich jeweils in das bei uns gebräuchliche dezimale SI-System umgerechnet.

  • Hier die Regeln für Seattle:


    Rules & Regulations

    Because a taut unprotected line can easily damage a tree’s bark in a way that’s initially invisible but ultimately fatal to the tree, we ask anyone wanting to use a slackline or a hammock to protect the trees:

    • Use soft material at least 10-inches wide (folded bath towels, several layers of denim, or carpeting) wrapped all the way around the tree.
    • Do not attach the tree protection material to the anchor. Strapping material for anchoring must be at least 1-inch wide.
    • Use trees sturdy enough to support your activity—trees should be larger than 16 inches in diameter.
    • Use only trees with thick, rough bark; do not use trees with thin, smooth bark.

    And to protect other park users:

    • Never block a path, trail, sidewalk, or other route where people walk, ride bicycles or skate.
    • Don’t leave slacklines or hammocks unattended.

    Übersetzung:

    Eine gespannte, ungeschützte Leine kann zu Baumschädigungen führen, die zwar zu Beginn unsichtbar, aber für den Baum über längere Zeit dennoch tödlich sein können. Wir bitten deshalb alle, die eine Hängematte oder eine Slackline verwenden möchten, die Bäume zu schützen:

    • Verwende ein weiches Material, das mindestens 25cm breit ist (gefaltetes Badetuch, mehrere Schichten Jeans-Stoff oder Teppich), das ganz um den Baum gewickelt wird.
    • Befestige das Baumschutz-Material nicht am Anker (d.h. am Baumgurt). Die Baumgurte sollen mindestens 2,5cm breit sein.
    • Verwende Bäume, die stark genug für die Aktivität sind: Bäume sollten mehr als 40cm im Durchmesser aufweisen.
    • Nutze ausschliesslich Bäume mit dicker, rauer Borke. Verwende keine Bäume mit dünner, glatter Borke.

    Schütze auch die anderen Parkbesucher:

    • Blockiere niemals einen Weg, Pfad, Gehsteig oder sonst eine Route, auf der Leute zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit Rollschuhen unterwegs sind.
    • Lasse die Slacklines oder Hängematten nicht unbeaufsichtigt.
  • Ich finde Baumschutz auch sehr wichtig, muss aber sagen, dass ich es nicht richtig finde, wenn Hängematten mit Baumzelten und Slacklines in einen Topf geworfen werden. Ich war vor einiger Zeit dabei, als jemand mit einer enormen Ratsche eine Slackline zwischen zwei nicht eben mickrigen Bäumen gespannt hat. Man konnte richtig sehen, wie sich der Baum bis ins Wurzelwerk leicht verzogen hat. Das wäre mit einer Hängematte nie passiert. Da treten bei ordnungsgemäßer 30 Grad-Abspannung viel geringere Kräfte auf. Insofern bin ich dagegen, mich als Hängemattennutzer unter Verweis auf Slacklines maßregeln zu lassen.

  • Da hast du natürlich recht. Bei Querhängematten sind die Kräfte in der Regel ja noch deutlich geringer als bei klassischen Tuchhängematten.


    Hier zum Vergleich ein Slackline-Rechner. Bei Baumzelten werden die Belastungen ähnlich hoch ausfallen. Hier eine weitere interessante Seite mit zahlreichen Videos.


    Die Kräfte bei Nutzung einer Slackline sind schnell einmal neunmal so hoch wie bei Nutzung einer klassischen Hängematte – wenn nur eine Person ruhig auf dem Band steht. Bei mehreren Personen oder Sprungkombinationen ist man bald bei der zwanzigfachen Belastung. Sprünge macht man in der Hängematte in der Regel nicht und in den meisten Fällen nutzt man sie allein.


    Viele der in der oben verlinkten Broschüre gezeigten Schäden dürften dennoch von Hängematten stammen, oder nicht? Ich vermute, dass es auch auf die Häufigkeit der Nutzung ankommt.

  • Ich finde Baumschutz auch sehr wichtig, muss aber sagen, dass ich es nicht richtig finde, wenn Hängematten mit Baumzelten und Slacklines in einen Topf geworfen werden. Ich war vor einiger Zeit dabei, als jemand mit einer enormen Ratsche eine Slackline zwischen zwei nicht eben mickrigen Bäumen gespannt hat. Man konnte richtig sehen, wie sich der Baum bis ins Wurzelwerk leicht verzogen hat. Das wäre mit einer Hängematte nie passiert. Da treten bei ordnungsgemäßer 30 Grad-Abspannung viel geringere Kräfte auf. Insofern bin ich dagegen, mich als Hängemattennutzer unter Verweis auf Slacklines maßregeln zu lassen.


    Ich stimme dir zu. Bei einer (falschen) 15 Grad-Hängematten-Abspannung hat man 200% des Körpergewichts als Zuglast auf jeden Baum. Sollte man es schaffen noch straffer zu spannen geht das natürlich exponentiell in die Höhe. Doch weder mit UCR, Whoopiesling oder Baumgurt bekommt man meines Erachtens einen flacheren Hängewinkel (wenn man tatsächlich in der Hängematte liegt) als 15 Grad wirklich gespannt. Das passiert dann nicht "aus Versehen" sondern braucht schon einen Truckers Hitch oder anderen ordentlichen Spannknoten. Je länger die Aufhängung desto unmöglicher weniger als 15Grad abzuspannen.


    Bei einer Slackline oder Baumzelt mit Ratsche sieht die ganze Sache ja nochmals komplett anders aus und befindet sich definitiv im Bereich von 0-15Grad. Folglich sind die Zugkräfte hier im Idealfall 200% in der Realität denke ich aber gerne mal 1000%+. Hier macht es Sinn die geforderten Filze und Handtücher zwischen zu packen.


    Hier die Regeln für Seattle:

    • Use soft material at least 10-inches wide (folded bath towels, several layers of denim, or carpeting) wrapped all the way around the tree.
    • Do not attach the tree protection material to the anchor. Strapping material for anchoring must be at least 1-inch wide.

    Soll das Handtuch 10inch/ 25cm breit sein oder das gefaltet Konstrukt am Baum? Wenn Letzteres macht das überhaupt Sinn mit einem 1-Inch Baumgurt?

  • Soll das Handtuch 10inch/ 25cm breit sein oder das gefaltet Konstrukt am Baum? Wenn Letzteres macht das überhaupt Sinn mit einem 1-Inch Baumgurt?

    Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Wenn die Unterlage 25cm breit ist, dann wird sich der Druck bei Verwendung eines 2,5cm breiten Bandes nicht bis ganz nach aussen fortpflanzen. Aber besser zu breit als zu schmal ist wohl die Devise. Der Filz, den ich mir mal beim Slacklinebedarf besorgt habe, ist jedenfalls nur 10cm breit und einfach genommen etwa zwei bis höchstens drei Millimeter dick. Den finde ich sinnvoll, wenn man die Hängematte mehrere Tage am gleichen Baum hängen lassen möchte oder den Baum für besonders empfindlich befindet. Sprich: Auf Tour habe ich die nicht dabei.

    Je länger die Aufhängung desto unmöglicher weniger als 15Grad abzuspannen.

    Die Länge des Gurtes spielt dabei eigentlich keine Rolle. Die prozentuale Dehnung bleibt bei gleicher Last gleich und damit auch die Veränderung des Winkels. Oder mache ich da einen Denkfehler? Bei meiner Brücken-Hängematte verhält es sich jedenfalls so, dass ich sie voll spannen kann (sie hat eine Ridgeline): Wenn ich mich hineinlege dehnt sich der Baumgurt immer so stark, dass ich bei rund 23° lande. Dabei spielt es keine Rolle, wie lang der Polyester-Baumgurt ist. Würde ich einen Dyneema-Baumgurt verwenden, dürfte ich das natürlich nicht machen!

  • Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Wenn die Unterlage 25cm breit ist, dann wird sich der Druck bei Verwendung eines 2,5cm breiten Bandes nicht bis ganz nach aussen fortpflanzen. Aber besser zu breit als zu schmal ist wohl die Devise. Der Filz, den ich mir mal beim Slacklinebedarf besorgt habe, ist jedenfalls nur 10cm breit und einfach genommen etwa zwei bis höchstens drei Millimeter dick. Den finde ich sinnvoll, wenn man die Hängematte mehrere Tage am gleichen Baum hängen lassen möchte oder den Baum für besonders empfindlich befindet. Sprich: Auf Tour habe ich die nicht dabei.


    Na sagen wir 3x so breit wie der Gurt ergibt noch Sinn. Aber 10x so breit ist doch einfach nur unhandlich, verrutscht und würde am Ende vll. sogar eher zur Druckbelastung führen durch Falten oder nicht?


    Die Länge des Gurtes spielt dabei eigentlich keine Rolle. Die prozentuale Dehnung bleibt bei gleicher Last gleich und damit auch die Veränderung des Winkels. Oder mache ich da einen Denkfehler? Bei meiner Brücken-Hängematte verhält es sich jedenfalls so, dass ich sie voll spannen kann (sie hat eine Ridgeline): Wenn ich mich hineinlege dehnt sich der Baumgurt immer so stark, dass ich bei rund 23° lande. Dabei spielt es keine Rolle, wie lang der Polyester-Baumgurt ist. Würde ich einen Dyneema-Baumgurt verwenden, dürfte ich das natürlich nicht machen!

    10m mit Whoopie Slings straff gespannt im Vergleich zu 1m straff gespannt.


    10m Dyneema mit 1% Stretch = 10cm mehr

    1m Dyneem mit 1% Stretch = 1cm mehr


    Davon abgesehen sind kurze Wäscheleinen deutlich einfacher straff zu bekommen als sehr lange Wäscheleinen. Was ich meine: Um die 10m wirklich straff gespannt unter Gewicht halten zu können braucht es deutlich mehr Spannkraft als bei einer 1m langen Leine.

  • 10m Dyneema mit 1% Stretch = 10cm mehr

    1m Dyneem mit 1% Stretch = 1cm mehr

    Und das ergibt eben die gleiche Veränderung des Winkels. (Mathematisch ausgedrückt: Der Cosinus des Winkels ist eine Verhältniszahl und auch der Strahlensatz arbeitet mit Längenverhältnissen.) Ich war zu Beginn sehr erstaunt, dass es sich bei meiner Brücken-Hängematte so verhält. Ich ging davon aus, dass sich die Rigeline unter Belastung weniger entspannt, wenn der Baumabstand klein ist. Das war aber nicht der Fall. Ich kann unabhängig vom Baumabstand gleich vorspannen.

    Davon abgesehen sind kurze Wäscheleinen deutlich einfacher straff zu bekommen als sehr lange Wäscheleinen. Was ich meine: Um die 10m wirklich straff gespannt unter Gewicht halten zu können braucht es deutlich mehr Spannkraft als bei einer 1m langen Leine.

    Bei der Wäscheleine stört der Durchhang, weil man die Wäsche ja nicht am Boden haben möchte. Und natürlich hängt man an eine längere Wäscheleine mehr Wäsche, was zu stärkerer Dehnung führt. Das ist bei der Hängematte nicht der Fall: Da bleibt die Last gleich – unabhängig vom Baumabstand.

  • Und das ergibt eben die gleiche Veränderung des Winkels. (Mathematisch ausgedrückt: Der Cosinus des Winkels ist eine Verhältniszahl und auch der Strahlensatz arbeitet mit Längenverhältnissen.) Ich war zu Beginn sehr erstaunt, dass es sich bei meiner Brücken-Hängematte so verhält. Ich ging davon aus, dass sich die Rigeline unter Belastung weniger entspannt, wenn der Baumabstand klein ist. Das war aber nicht der Fall. Ich kann unabhängig vom Baumabstand gleich vorspannen.

    Bei der Wäscheleine stört der Durchhang, weil man die Wäsche ja nicht am Boden haben möchte. Und natürlich hängt man an eine längere Wäscheleine mehr Wäsche, was zu stärkerer Dehnung führt. Das ist bei der Hängematte nicht der Fall: Da bleibt die Last gleich – unabhängig vom Baumabstand.

    Mathematisch, geometrisch ausgedrückt hast du Recht. In der Realität ist deine Flach gespannte Hängematte aber niemals wirklich 0Grad. Und je länger die Aufhängung desto unrealistischer wird das (lass es alleine durch den Stretch sein). Bei den 10m musst du statt 1cm (auf 1m) ganze 10cm mehr spannen um die gleiche Länge zu behalten. Ergo braucht das deutlich mehr Spannung. Dasselbe gilt für die Wäscheleine. Auf einer 10m langen Wäscheleine ein T-shirt in der Mitte wirkt sich anders auf den Winkel aus als auf einer 1m langen Leine.... Wir können das ganze ja auch einfach auf eine 1m lange Wäscheleine und eine Seilbahn übertragen - vielleicht ist das dann anschaulicher?

  • Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir beide noch den einen oder anderen Denkfehler drin haben. Ob die Hängematte mit 0° vorgespannt ist, spielt ja keine Rolle. Das ist ohnehin nie möglich, weil die Kräfte dafür unendlich gross sein müssten.


    Ich mache mal einen Test mit Paracord Typ I, das ist dehnbarer als Dyneema und so sollten die Winkel leichter messbar sein.


    Was sicher auch eine Rolle spielt: Das Gewicht einer Leine nimmt mit zunehmender Länge zu. Entsprechend hängt sie aufgrund ihres Eigengewichts mehr durch. Im Verhältnis zur Hängemattenlast kann man das aber vernachlässigen.


    Ich betrachte die Ridgeline an meiner Brücken-Hängematte als Winkelmesser: Der Winkel verhändert sich nicht, egal ob der Baumgurt auf jeder Seite 10cm oder 150cm lang ist. Mit anderen Worten: Die Praxis hat mich überrascht und mich dazu gebracht, mir das theoretisch zu überlegen.

  • Da sind wir uns einig :D

    Gute Voraussetzung. :D

    Bei den 10m musst du statt 1cm (auf 1m) ganze 10cm mehr spannen um die gleiche Länge zu behalten. Ergo braucht das deutlich mehr Spannung.

    Das verstehe ich nicht. Es braucht doch genau gleich viel Kraft, eine 10m lange Leine um 10cm zu dehnen (1%) wie die gleiche 100cm lange Leine um 1cm (1%). Gleiche Krafteinwirkung ergibt gleiche prozentuale Dehnung.


    Ich denke, dass es schwieriger ist, eine sehr lange Wäscheleine straff zu spannen, weil dort das Eigengewicht der Leine deutlich grösser ist als bei einer sehr kurzen Leine. Somit wird die relative (prozentuale) Dehnung aufgrund des Eigengewichts ja immer grösser, je grösser die Distanz der Abspannpunkte ist. Noch krasser wird das bei einer Seilbahn, wo die Stahlseile selbst ein sehr hohes Eigengewicht haben. Ich schätze jetzt mal, dass die Seile zwischen zwei Masten durchaus gleich viel wiegen könnten wie eine Kabine samt den Leuten drin, aber auf jeden Fall darf man das Eigengewicht der Seile gegenüber den Kabinen nicht vernachlässigen. Bei der Hängematte spielt aber das Eigengewicht der Aufhängung nur eine geringe Rolle (wenn es hoch kommt 200g auf 80kg im belasteten Zustand). Insofern, so scheint mir, sind die Fälle nicht wirklich vergleichbar, denn das ganze Set zieht ja immer etwa gleich stark am Baum und am Baumgurt, egal wie gross der Baumabstand ist. Mehr als sechs oder sieben Meter (bei der Brücken-Hängematte etwas mehr) ist der bei mir ohnehin nie, weil ich nicht gerne klettere. Bei solch geringen Distanzen wird das Leergewicht der Hängematte den Baumgurt nur unwesentlich dehnen. Zudem hat ja die Hängematte selbst auch noch eine gewisse Dehnung, die den Fall noch etwas komplexer macht.


    Vielleicht können wir das Problem nicht wirklich lösen. Ich erinnere einfach noch einmal an die praktische Erfahrung mit meiner Brücken-Hängematte mit Rideline, die mich erst ins Grübeln gebracht hat. Die sagt mir unmissverständlich, dass sich der Winkel im Bereich von vier bis sieben Meter Baumabstand immer in etwa gleich verändert, wenn man die Hängematte belastet.


    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass Hängematten nur einen Bruchteil des Druckes von Slacklines auf den Baum ausüben (;)), und uns wieder dem Thema «Baumschutz» zuwenden. Aber natürlich können wir auch noch weiter versuchen, unser Problem zu erörtern.

  • Ich spreche nur aus Erfahrung. Ich mag es gerne, wenn es sich nicht wie eine Schiffshängematte (kurzer Abstand) sondern eher wie eine Schaukelmatte anfühlt.


    Entsprechend sind meine Baumgurte auch 3,5cm breit und meine Abspannungspunkte gerne mal 10-15m auseinander. In Folge dessen sind auch die Aufhängepunkte etwas höher und wenn ich mich in die Hängematte setze sacke ich schonmal einen guten Meter und noch mehr nach unten. Auch wenn das ganze Konstrukt ohne Gewicht gespannt eher nach 5-15Grad manchmal aussieht.


    Bei einem Baumabstand von 5m passiert das nicht so extrem.


    Das Thema ist ja ob bei längerer Abspannung eine Überspannung bzw. Überbelastung weniger umsetzbar ist als mit kurzer Aufhängung.

  • Zurück zum Thema:


    Ich finde es auch unfair, wenn man Hängematten mit Baumzelten und Slacklines in einen Topf wirft. Ich gehe davon aus, dass es sich bei den Belastungen bei einer 100kg schweren Person wie folgt verhält*:

    • Hängematte: rund 100kg Belastung (je nach Bauart/Hängewinkel, etc. variabel)
    • Baumzelt: mehrere 100kg Belastung (je nach Vorspannung und Personenzahl)
    • Slackline: rund 1'000kg Belastung (je nach Personenzahl und bei Sprüngen auch Spitzen bis 2'000kg und mehr möglich)

    * Die Zahlen sind Schätzungen aufgrund der oben verlinkten Videos zum Slacklinen.


    Dazu kommt noch, dass die horizontale Belastung des Baumes (Scherkraft) kleiner ausfällt als die Belastung des Bandes: Je steiler der Abspannwinkel ist, desto kleiner wird die Scherkraft im Vergleich zur Belastung des Materials. Hier spielt eine Quer-Hängematte ihr baumschonendes Potenzial aus!


    Dass Hängematten dennoch mit Baumzelten und Slacklines in einen Topf geworfen werden, hängt wohl damit zusammen, dass


    a) sie häufiger genutzt werden

    b) die wenigsten die Zusammenhänge zwischen Hängewinkel und Krafteinwirkung wirklich verstehen


    In der oben verlinkten Studie kommt ja auch zum Ausdruck, dass zwar 87% der Parknutzer (gelegentlich) eine Hängematte nutzen, davon nur 14% eine Filzunterlage (Baumschutz) haben und nur 41% der Nutzer sich der Gefahr, Bäume zu beschädigen, bewusst sind. Wenn man die Fotos der Beschädigungen anschaut, so liegen diese auf einer Höhe, die nicht an Slacklines, sondern eher an Hängematten denken lässt. Ich vermute, dass eben viel mehr Leute Hängematten nutzen, die Nutzer von Slacklines oder gar Baumzelten in der Minderheit sind. Insofern sind wohl beide Gruppen – Hängematten- wie Slacklinenutzer – in ähnlichem Mass für Baumschädigungen verantwortlich, auch wenn der einzelne Hängemattennutzer weniger Schaden anrichtet. So meine Vermutung.

  • Das Thema ist ja ob bei längerer Abspannung eine Überspannung bzw. Überbelastung weniger umsetzbar ist als mit kurzer Aufhängung.

    Unsere Diskussion hat auf jeden Fall etwas mit dem Thema zu tun. Aber sie ist in einem Maße theoretischer Natur, die für viele hier im Forum nicht interessant ist. Das meine Erfahrung. Und natürlich hat das was: Solche Beiträge sind eher schwer lesbar!

    Bei einem Baumabstand von 5m passiert das nicht so extrem.

    Das ist auch meine Erfahrung. Ich habe meine Hängematte mal mit rund 10 Meter Baumabstand aufgehängt und da ist sie sicher auch etwa 50cm oder sogar etwas mehr nach unten gesackt, als ich mich in sie gesetzt hatte. Die Frage, die ich mir stelle, wäre einfach: Passiert das nicht bei kleinerem Baumabstand in einem vergleichbaren Maß auch, nur dass die Hängematte dann eben nur 10cm nach unten sackt und das deshalb dann nicht gross ins Auge fällt respektive keine grosse Rolle spielt. Ich muss das mal beim nächsten Mal mit einer meiner klassischen Hängematten ausprobieren!


    PS: Du könntest dich vielleicht mit einem Foto für den Häng mit dem grössten Baumabstand bewerben (siehe Link oben).

  • Ich habe meine Hängematte mal mit rund 10 Meter Baumabstand aufgehängt und da ist sie sicher auch etwa 50cm oder sogar etwas mehr nach unten gesackt, als ich mich in sie gesetzt hatte. Die Frage, die ich mir stelle, wäre einfach: Passiert das nicht bei kleinerem Baumabstand in einem vergleichbaren Maß auch, nur dass die Hängematte dann eben nur 10cm nach unten sackt und das deshalb dann nicht gross ins Auge fällt respektive keine grosse Rolle spielt. Ich muss das mal beim nächsten Mal mit einer meiner klassischen Hängematten ausprobieren!


    Ich denke schon. Wenn du deine Hängematte jedoch deutlich höher am Baum anbringst hat vielleicht auch die Flexibilität des Baums zum Absacken beigetragen.

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