Baumschädigung durch zu dünne Aufhängung?

  • Jeder hat mal einen schlechten Tag und da ich mich mit der Bildzeitung nicht so gut auskenne, versuche ich die fraglichen Dinge genauer zu erläutern:


    Die Paketschnüre, die von der Deutschen Post bis in die 90er angeboten wurden hatten eine Stärke von 2-3 mm. Eine solche Schnur wurde um die junge Kiefer gebunden, vermutlich um sie an einem Pfahl zu führen. Diese Schnur hat verhindert, dass der Stamm breiter als 6-7cm wuchs. Anstelle dessen wurde er direkt unterhalb und oberhalb der Schnur umwallt und zwar im rechten Winkel zur Lotrechten. Ohne Luftspalt!

    Von außen sah man das vermutlich nur in den Anfängen, später nicht da es durch die Borke verborgen war und es dadurch von außen wie ein normaler, gerader Stamm aussah.


    Vielleicht kannst Du Dir als Analogie vorstellen dass du eine Teigrolle mit einer ringsum gebundenen Schnur durch zuziehen dieser trennen willst. Kurz bevor die Schnur ganz zusammengezogen ist hörst Du auf zu ziehen. Diese Form oder Verjüngung, besser den Einschnitt hatte der Stamm. Eine "zusammengeschobene" Sanduhr könnte auch ein Modell sein.


    Er war also nur in der Mitte gewachsen verbunden, auf dem Rest der Querschnittfläche berührten sich die obere und untere waagerecht gewachsene "Umwallungs"-Fläche.


    Die Flächen hatten zwar jahrzehntelang eine Stützfunktion, aber bei einem starken Sturm reichte das eben nicht, die Kiefer fiel und legte sich knapp neben dem Haus ab.

  • ... vielleicht, weil Eichen dafür bekannt sind ihre Äste bei anhaltender Trockenheit spontan abzuwerfen

    Ich hatte mich auch gewundert, wo wir hier im Forum die Rinde der Eichen jeweils als besonders robust eingestuft hatten.


    Deine Erklärung, Furbrain, ergibt absolut Sinn, geht es ja nicht nur um den Schutz der Bäume, sondern auch um den Schutz der Menschen, die sie nutzen!


    EDIT: Bei Buchen scheint mir das bei anhaltender Trockenheit auch gelegentlich zu passieren. Ich sehe bei Buchen jedenfalls oft Zweige und auch dünnere Äste irgendwo im Baum hängen.

  • Vll. auch einfach wegen dem Eichenprozessionsspinner (zumindest von Mai bis Juni kein Zuckerschlecken).

  • Die Eichen haben eine sehr empfindliche Rinde was Druck und Stöße angeht. Sie löst sich vor allem bei jüngeren und mittelalten Eichen leicht vom Stamm, es folgt der Schleimfluss und der Pilzbefall.


    Man kann das hierzulande gut an den "Gerippen" im Wald sehen: Durch die Trockenheit in den vergangenen Jahren haben sich die Stammdurchmesser so stark reduziert, dass die Rinde sich löst und abplatzt. Von diesem Trockenstress sind in Deutschland ca. die Hälfte der Eichen betroffen.


    Zudem ist das Absterben der Eichen aber kein neues Problem, es gibt seit Jahrzehnten verschiedene zunehmende und sich gegenseitig begünstigende Schadereignisse wie Trockenheit, sinkende Grundwasserspiegel, Bodenversauerung und Insekten. Mehr dazu hier.


    Bei einer großen und starken Eiche sollte eine sorgfältig und temporär angebrachte Hängematte aber kein Problem darstellen, das war es in unserem Familienwald bisher auch nicht.


    Falls doch mal etwas passiert, wie etwa auch bei Forstarbeiten, so greift man seit einigen Jahren zu Verbänden anstelle von Salbe oder Lack, mehr dazu hier.

  • Hallo Zusammen,

    ein Lösungsvorschlag von meiner Seite:


    Wenn ich meine Hängematte an Bäume mit 3-4 mm dünnen Dyneema Leinen aufhängen möchte, lege ich jeweils ein kurzes Stück Feuerwehrschlauch dazwischen.

    Der Feuerwehrschlauch muss auch nicht um den ganzen Baum gewickelt werden. Es reicht ein kurzes Stück 30-40 cm auf der Rückseite des Baumes. Wo der Hauptanpressdruck entsteht.


    Damit die Feuerwehrschläuche nicht runter fallen bei der Montage, habe ich Klettbänder eingeklebt.


    Wer keine ausrangierten Schläuche bei seiner Freiwilligen Feuerwehr bekommt, kann auch sogenannte Cambiumschoner kaufen. Beim Baumkletter-Ausrüster deines Vertrauens.



    ODER, man kauft im Baumarkt 25mm-Gurtband, Knotet eine Schlaufe an jedes Ende, und zieht das Dyneemaschnürchen eben da durch.

    Ist evtl. vom Gewicht her ein entscheidender Vorteil.


    Btw:

    Das war als Neumitglied mein erster Post, hoffe ich war nicht zu aufdringlich.

    😉

  • Ich bin nicht sicher, ob das, was Jeff Myers hier zeigt, in der Praxis wirklich einen so grossen Unterschied ausmacht. Klar, das dünnere Dyneema-Gurtband scheint sich leichter zu deformieren. Insgesamt hat Dyneema aber eine deutlich geringere Dehnung; einer der Gründe, weshalb dieses gerne für die Aufhängung genommen wird (mal ganz abgesehen vom geringen Gewicht).


    Die Polyester-Gurte sind zwar meist dicker, unter der Hängemattenlast (grob das eigene Körpergewicht), dürfte sich aber auch ein Polyester-Gurtband deutlich verformen. Oft kann man ja die Rindenstruktur durchs Gurtband erkennen, wenn mal Last in der Hängematte ist. Zudem besteht beim Polyster-Gurtband nicht die Gefahr, dass es sich in der Breite zusammenzieht.


    Schlussendlich, so denke ich, kommen die beiden Materialien aufs Gleiche heraus.


    Im Übrigen: Je dicker der Baum, desto mehr Raum hat das Gurtband, um Spannungen auszugleichen. Bei dünneren Bäumen kann man das Gurtband dafür zwei- oder dreimal um den Stamm führen.

  • Ich bin nicht sicher, ob das, was Jeff Myers hier zeigt, in der Praxis wirklich einen so grossen Unterschied ausmacht.

    Das glaube ich ehrlich gesagt auch. So nützlich viele Tipps von Myers sind, hier argumentiert er etwas haarspalterisch. Auch ein dünnes Dyneema-Gurtband kann sich, wenn es zur dünnen Schnur verdreht ist, in den Baum einschneiden. Insgesamt glaube ich, dass den Bäumen von Slacklines viel mehr Ungemach droht als von unseren Hängematten.

  • Nun, seine Argumentation war auch eher eine Entgegnung auf die Kritik an dyneema Gurten, diese würden sich ja so schmal zusammenschieben.

    Dem hält er entgegen, dass Polyester zwar breiter ist, die Auflage aber wohlmöglich auch nicht besser - sprich wie ihr sagt, es nimmt sich vermutlich nicht viel, obwohl sie breiter sind.

  • Die Wahl des richtigen Baumes ist viel wichtiger als die Art der Aufhängung.

    Natürlich kann eine schonende Aufhängung mit weniger "Schaden" an mehr Bäume aufgehängt werden als eine "nicht-schonende", aber unsere hölzernen Freunde halten mehr aus als man denkt.


    Faustregeln:

    1. Eher alte Bäume nehmen. Diese haben im Vergleich eine dickere Borke/Rinde als die jüngeren Kollegen.

    2. Sich bei der Wahl der Baumart auf die konzentrieren, welche genetisch schon eine dickere Borke haben.

    Ganz besonders zu empfehlen sind Kiefern und Douglasien. Deren Borken sind natürlicherweise dazu da Bränden zu widerstehen und sind dementsprechend dick. Fichten, Eichen, Robinien, Weiden und Pappel halten auch sehr viel aus. Buchen, Birken und Bergahorn eher meiden. Buche bildet überhaupt keine richtige Borke. Bergahorn und Birke erst im sehr hohen Alter.

    Noch eine Anmerkung zu Fichte und Kiefern: Einzelne abfallende Schuppen beim Anbringen der Aufhängung sind NICHT schädlich. Die Rinde erneuert sich laufend und es werden ständig neue Rindenzellen gebildet die dann diese Schuppen bilden.

    Eindrucksvoll kann das in manchen Jahren bei Platanen beobachtet werden, die sich förmlich wie eine Schlange komplett häuten.

    Eschen sollten ganz allgemein gemieden werden da diese Baumart gerade am Absterben ist. Sollte man nicht sehr gute Kenntnisse in Baumansprache haben lieber die Gurte davon lassen. Das kann lebensgefährlich werden.

    3. Belastungszeit minimieren. Nicht jedes Mal die gleichen zwei Bäume zum aufhängen nehmen. Keine festen Aufhängungen anbringen welche über viele Jahre dort bleiben.

  • Fichten, Eichen, Robinien, Weiden und Pappel halten auch sehr viel aus. Buchen, Birken und Bergahorn eher meiden. Buche bildet überhaupt keine richtige Borke.

    Der schon für den Blitzschutz zweifelhafte Spruch „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“ muss also für Hänger ins Gegenteil verkehrt werden. Wer sich‘s nicht merken kann, kann es ja auf den Baumgurt aufsticken.

    Omnia vincit lectulus pensilis.

  • Buchen, Birken und Bergahorn eher meiden. Buche bildet überhaupt keine richtige Borke. Bergahorn und Birke erst im sehr hohen Alter.

    Da wäre mein Problem, dass es in «meinem» Wald fast ausschliesslich Buchen hat (geschätzt 90%). Ich nutze entweder Exemplare mit relativ grossem Durchmesser (ab 40cm) oder gehe sonst zweimal um den Stamm. Es gibt aber auch noch ein paar Fichtenplantagen, auf die ich ausweichen könnte.


    Ein Förster hier in der Schweiz hat mir mal erzählt, dass auch die Jahreszeit eine Rolle spielt: Vom Frühling bis zum Frühsommer, wenn der Baum voll im Saft steht, so sagte er, sei die Borke viel empfindlicher als sonst. Kannst du das bestätigen?

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