Jedermannsrecht

  • In Deutschland gibt es den § 59 BNatSchG der das Betreten der freien Landschaft zum Zwecke der Erholung erlaubt.

    Das Konzept zu erfragen was jemand dafür bezahlen würde ist lediglich dafür da herauszufinden was es theoretisch wert ist. Außerdem kann man dann die einzelnen Ökosystemfunktionen vergleichen und manche in speziellen Gebieten priorisieren.

    Der finanzielle Wert mag dem ein oder anderen dafür nicht geeignet erscheinen, ist aber in manchen Fällen ein legitimes Mittel.

    Auch wenn diese Eintrittskarten vermutlich nicht kommen werden, finde ich es interessant, dass viele Leute theoretisch einiges bezahlen würden um weiter die Erholungsfunktion zu nutzen. Wie das in der Realität ausschauen würde, wenn es tatsächlich etwas kosten würde, ist natürlich wieder ein anderes Thema.

  • Allein die Frage nach dem Preis der oben genannten Erholungsfunktion zeigt, meines Erachtens, die Verwirrung in der wir uns befinden.

    Jakob Böhme hat einmal zum Menschen geschrieben:

    Ja, noch mehr höhere und größere Erkenntnis hat ihm Gott gegeben, dass er kann allen Dingen ins Herze sehen, was Essenz, Kraft und Eigenschaft sie haben, es sei gleich in Creaturen, in Erden, Steinen, Bäumen, Kräutern, in allen bewegenden und unbewegenden Dingen, sowohl auch in Sternen und Elementen, dass er weiss, wes Wesens und Kraft die sind ....

    Jetzt kann man den Teil mit Gott sehen wie man möchte, mir persönlich fehlt dazu auch der Zugang, was jedoch ziemlich gut ausformuliert wird ist, dass wir in der Lage sind die uns umgebenden Wunder in ihrer Unbeschreiblichkeit zu erkennen. Zu fragen was man bereit sei dafür zu bezahlen kommt der Frage nach dem Wert des nächsten Atemzugs gleich. Wie kann man das mit Geld bewerten.

    Ich bezweifle langsam die Möglichkeit einer Lösung der gegenwärtigen Probleme, zu denen ich auch die lieblose Ausbeutung der Natur zur Erholung zähle, ohne eine Änderung grundlegender Sichtweisen auf uns und die Erde, die uns diese Art der Nutzung ja erst ermöglicht.

    Um es vorweg zu nehmen, ich habe keine Lösung für die gegenwärtige Lage parat. Ich glaube auch nicht das jemand eine gute Lösung aus dem Ärmel schüttelt. Ich vermute diese kann nur gemeinsam entwickelt werden.

  • Dieser Artikel weist auf die Problematik der grossen Touristenmassen in naturnahen Gebieten in der Schweiz hin:


    https://www.srf.ch/news/schwei…e-natur-soll-etwas-kosten


    Es gibt anscheinend da und dort bereits Überlegungen, für gewisse besonders von Menschenmassen überschwemmte Gebiete «Eintrittsgeld» zu verlangen.

    Waldläufer70 : ich habe den Artikel auch gelesen und war nun doch etwas überrascht, obwohl in der Schweiz ja quasi alles etwas kosten soll/darf.


    Zuerst war das Problem, dass ausländische Touristen dem Land fernblieben, die zu "normalen Zeiten" gut kanalisiert das Tourismusangebot nutzen. Daher der Aufruf an die Schweizer : "Macht euren Urlaub in der Schweiz". Nur macht der Schweizer das eben nicht im üblichen Katalog, die Kapellbrücke hat jeder schon x-mal auf Schulreisen gesehen.


    Der Schweizer sucht in der Schweiz eher die pure Natur und versucht nun dahin auszuweichen, wo er vermeidlich auf weniger Andrang stösst. Das passt dann wieder nicht...

  • Das ist genau das, was in den Kommentaren zum Artikel auch einige beanstandet haben. Die Problematik stellt sich aber seit einiger Zeit bereits durch die sozialen Medien, allen voran Instagram. Da gab es schon vor ein paar Jahren einen richtiggehenden Run auf die Ponti dei Salti in Lavertezzo (Verzascatal). Tatsächlich werden die Felsen unterhalb der Brücke seit Jahren im Sommer vollständig von Tagesgästen belagert.


    Die pure Natur sucht der durchschnittliche Schweizer wohl eher nicht. Das ist nämlich zu anstrengend, weil man da auch ein paar Stunden zu Fuss gehen muss. Aber du hast schon recht: Irgendwann hat man die Tourismusorte gesehen. Zudem möchte man dort ja auch nicht seinen Weg zwischen Japanern und Chinesen suchen und besucht diese Orte deshalb eher ausserhalb der Saison, wenn es etwas ruhiger ist.


    Aktuell stellt sich anscheinend zum Teil das Problem, dass Leute in Naturschutzgebieten oder Jagdbanngebieten wild campieren. Da muss man dann wohl schon einschreiten.


    Die Frage der Finanzierung stellt sich aktuell allenfalls in stark frequentierten touristischen Hotspots (wie z. B. dem genannten Verzascatal). Im Raum der SAC-Hütten in den Alpen scheint der Ansturm noch im Rahmen zu sein, auch wenn die Hütten dieses Jahr etwas schneller ausgebucht waren als sonst.

  • Hallo liebe Freunde des Jedermannsrechts,


    am kommenden Samstag wird Finnland-weit (und wohl auch in anderen Teilen Skandinaviens?) von Natur- und Waldvereinen zur "Schlafe eine Nacht draussen"-Aktion aufgerufen.

    Nuku yö ulkona


    Das wird in Finnland auch immer beliebter, sodass das mittlerweile sehr viele einfach zum Spass mit machen. Es werden sogar sogenannte Waldhotels (Schlafplätze in Zelten, Hängematten, Biwakhütten usw.) ausgerichtet und sonstige Lagerfeuerromantik organisiert. Aber auch einfach im eigenen Garten oder auf dem Balkon ist OK und wird ermutigt.


    Macht alle mit!


    (Gibts diese spezielle Nacht auch in Deutschland schon?)

    Dieser Tag ein Leben!

  • Every night is outdoor night! Zumindest im Sommer. Im Frühling und Herbst geht’s aber auch. Mit der entsprechenden Ausrüstung auch im Winter.


    Eigentlich ist’s im Winter sogar am schönsten. Keine Mücken und nur wenige Spaziergänger. ;)

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Ja, ganz klar für unsereiner.

    Aber die "Draussenschlafnacht" wird hierzulande sogar in Radio und Fernsehen beworben. Also was für die breite Masse. (Das wäre ein schönes Chaos in deutschen Wäldern, schon allein die Coronadistanz einzuhalten wäre sicher ein Problem(?)...)

    Dieser Tag ein Leben!

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