Jedermannsrecht

  • Die Idee klingt verlockend. Leider habe ich meine Zweifel, ob so etwas funktionieren wird. Eine solche Tradition muss historisch wachsen: Die Menschen müssen damit verantwortungsvoll umgehen und diese Verantwortung muss man von klein auf lernen. Nicht umsonst nimmt das Wort «Verantwortung» im schottischen »Outdoor Access Code« einen so prominenten Raum ein.


    Ich wohne ja in der Schweiz und hier nutze ich die Überreste unseres Jedermannsrechts seit einigen Jahren, um im Wald mit der Hängematte oder in den Bergen mit dem Zelt zu übernachten. Das funktioniert soweit gut und ich hatte – wenn überhaupt – bisher praktisch nur positive Begegnungen.


    Was mir aber in letzter Zeit aufgefallen ist: Ich treffe aktuell viel mehr Leute im Wald an als vor der Corona-Krise: Deutlich mehr Leute als sonst machen einen Waldspaziergang oder entführen ihr Mountain-Bike in den Wald. Viele Leute kennen die Regeln nicht. Mehr und mehr Single-Trails werden zurzeit durch bauliche Massnahmen für Mountain-Biker abgesperrt. Anscheinend haben die Beschädigungen durch unsachgemässes Bremsen und fahren neben den Wegen bereits so stark zugenommen, dass solche Massnahmen nötig waren. Der Umstand, dass auf den angebrachten Schildern immer wieder auf den «Trail Code» für Mountain-Biker verwiesen wird, dürfte zeigen, dass da zu grossen Teilen Leute unterwegs sind, die sich noch nie mit den Regeln der Kunst auseinander gesetzt haben.


    Kurz, ich glaube nicht, dass es funktionieren wird, jetzt in einer grossen Hauruck-Aktion in Deutschland oder in der Schweiz ein Jedermannsrecht nach skandinavischem Vorbild einzuführen. Das müsste – falls überhaupt praktikabel – in kleinen Schritten eingeführt werden und würde ohne Kontrolle («Ranger», die mit Rat und Tat zur Verfügung stehen, aber auch sanktionieren können) wohl nicht funktionieren.


    Dazu kommt, dass die skandinavischen Länder eine vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte aufweisen (Schweden: 23 E./km², Norwegen: 14 E./km²). Deutschland hat aktuell etwa 233 Einwohner pro km², die Schweiz 207 Einwohner pro km². In den primär bewohnten Gebieten der Schweiz liegt sie deutlich höher, denn 60% der Landesfläche liegen in den Alpen und im etwa 30% der Landesfläche umfassenden Mittelland leben rund zwei Drittel der Bevölkerung. Im Mittelland (grün) liegt die Bevölkerungsdichte also bei rund 460 Einwohnern pro km².


    Mittelland_withstations.png © Quelle


    Gerade im Mittelland sind bei uns der Wald und die landwirtschaftlichen Flächen noch am meisten mit einem wirtschaftlichen Interesse verknüpft. Den Druck auf diese Gebiete nun noch durch eine Erweiterung eines Jedermannsrechts zu erhöhen, würde wohl zwangsläufig zu einer Zunahme von Spannungen und Problemen zwischen den Landbesitzern und denen führen, die das Land in ihrer Freizeit nutzen möchten. In den Gebirgsregionen spielt die Land- und Forstwirtschaft zwar national betrachtet eine deutlich geringere Rolle, die Leute, die dort von ihrem Land leben müssen, sind aber umso mehr darauf angewiesen, dass ihre ohnehin schon knappen Einkünfte nicht noch durch Schäden, die durch den Freizeit-Tourismus verursacht werden, verringert werden.


    Nochmals, ich finde die Idee verlockend, aber ich glaube nicht, dass sie so einfach praktikabel ist. Das müsste – wenn schon – sehr sorgfältig und in überschaubaren Schritten passieren. Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht so recht daran. Darüber nachzudenken, finde ich aber sehr sinnvoll und auch nötig, gerade in der aktuellen Situation.

  • Klingt erst einmal verlockend. Aber kein Recht ohne Pflichten. :!:


    Und da sehe ich (hoffentlich zu unrecht) ziemlich schwarz. Jetzt kann man den verbrannte Grasnarben, Zigarettenkippen, Kunststoffverpackungen und Glasscherben hinterlassenden Waldpartymachern wenigstens noch vorwerfen, etwas illegales zu tun. Die Ich-kenne-meine-Rechte-und-vergesse-meine-Pflichten-Typen werden sich wohl einen Teufel um ihren Müll scheren, sich aber lautstark auf ihr Jedermannsrecht berufen, falls es mal dazu kommt.


    Da gefällt mir die jetzige Lösung fast besser. Die einen werden erwischt und hoffentlich bestraft. Die anderen lassen sich nicht erwischen, weil sie mit der Natur verschmelzen (kein Lärm, kein Feuer, kein Müll, keine bleibenden Spuren und während des Aufenthaltes unsichtbar) und können/müssen daher auch nicht bestraft werden.

    Omnia vincit lectulus pensilis.

  • Man sollte sich bevor man ein vorschnelles Urteil trifft mal die Ausgangssituation anschauen. Hier vergleiche ich Deutschland mal mit Schweden:


    Schweden: 28,073 Mio Hektar Waldfläche entspricht 68,9% Waldanteil bei 10 Mio Einwohnern also ca. 0,36 Einwohner/ha Wald.

    Deutschland: 11,419 Mio Hektar Waldfläche entspricht 32,7% Waldanteil bei 83,16 Mio Einwohnern also ca. 7,28 Einwohner/ha Wald.


    Schweden hat nicht nur deutlich mehr Waldfläche als Deutschland (Faktor 2,45), sondern auch deutlich weniger Einwohner (Faktor 0,12). Aus diesem Grund kann man schwedische Regelungen nicht einfach so auf den deutschen Raum übertragen. Der deutsche Wald muss sehr viel höheren und mehreren Ansprüchen aus der Bevölkerung gerecht werden als der schwedische. Die "Erholungsnutzung" wie es im Fachjargon heißt, ist nur einer davon.


    Bei stärkerem Interesse kann ich auch gerne mehr zu solchen Themen bringen.



    Edit: Habe zu langsam getippt. Waldläufer 70 war schneller.

  • Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Es wäre wunderbar, wenn es hierzulande eine Jedermannsrecht-Tradition gäbe wie in Skandinavien. Das sage ich als jemand, der lange dort gelebt hat und diese Tradition für hoch und heilig hält. Aber dem gemeinen Berliner kann man nicht erklären, dass man seinen Müll gefälligst mitnimmt und nicht in der Landschaft verteilt. Wenn das schon in den öffentlichen Parks nicht klappt, wo es doch noch so etwas wie eine soziale Kontrolle geben sollte, wie soll das in stadtferner Natur funktionieren? Das ist ein Projekt für die kommenden Generationen, aber ich zweifle, das ich dessen Realisierung noch erleben werde...

  • Noch eine Ergänzung für die Schweiz, angeregt durch den Beitrag von dawoidler:

    • Waldfläche: 1,28 Mio. Hektaren Wald, was rund 33% der Landesfläche entspricht.
    • Bei aktuell knapp 8,6 Mio Einwohnern ergibt das 6,7 Einwohner pro Hektar.
    • Auf jeden Einwohner kommen etwa 66 Bäume. (Das finde ich noch eine anschauliche Maßeinheit.)

    Die Waldfläche nimmt in der Schweiz insgesamt zu. Zum einen ist die Waldfläche bei uns geschützt, d.h. es darf nur ein Stück Wald gerodet werden, wenn diese Fläche andernorts dazukommt. Dabei gibt es auch recht strenge Auflagen. Zum anderen werden im Alpenraum immer mehr bewirtschaftete Flächen aufgegeben und in der Folge vom Wald überwachsen.


    Gerade im Mittelland, wo der Hauptanteil der Bevölkerung lebt und wo die Bevölkerung auch am schnellsten wächst, gilt das mit der Zunahme der Waldfläche nur bedingt. Hier bleibt die Waldfläche weitgehend konstant, weshalb der Druck auf die bestehenden Wälder in den letzten Jahren stark zugenommen hat.


    In erster Linie nimmt die Waldfläche im Gebirge zu, weil dort die Bewirtschaftung immer weniger rentiert und in der Folge immer mehr Alpen aufgegeben werden (gerade im Tessin). Verlassene Alpbetriebe verganden sehr schnell und fallen über kurz oder lang dem Wald anheim. Es gibt aber auch Projekte, diesem Prozess durch einen sanften Tourismus zu begegnen (z.B. hier).


    Im Gebirge und insbesondere auf der Alpensüdseite ist die Waldfläche in den letzten Jahren am schnellsten gewachsen. In der Zeit von 1985 bis 2013 hat die Waldfläche dort um bis zu 28% zugenommen.


    Quelle


    Off-topic: Die Website der «Forstfreunde.de» hatte kürzlich ein Projekt ausgeschrieben: Da wollten sie doch tatsächlich Leute dafür gewinnen, sich finanziell an einem Aufforstungsprojekt im Verzascatal (Tessin) zu beteiligen. Genau das passiert dort aktuell von alleine, weil viele in früheren Jahrhunderten gerodete Flächen (Zeit aus dem Roman «Die Schwarzen Brüder» von Lisa Tetzner / Kurt Held) heute wirtschaftlich nicht mehr rentieren, verlassen werden und in der Folge der Wald von alleine zurückkehrt. Das Projekt ist inzwischen von der Website verschwunden. ;)

  • Nochmals etwas off-topic: Wer sich für das immer mehr aussterbende Leben im Alpenraum interessiert, dem sei die folgende von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommene Dokumentation über die «Wildheuer» hoch über dem Urnersee (der oberste Teil des Vierwaldstättersees, hier) empfohlen. Die Sendung vermittelt einen wirklich tollen (und bisweilen auch traurigen) Einblick in die Lebensweise im unwegsamen Gelände im Alpenraum. Der Kommentar ist in Deutsch, die Leute, die sich im Film zu Wort melden, sprechen hingegen Schweizerdeutsch:



    Vielleicht noch ein Gedanke, inwiefern selbst dieser Beitrag mit dem Thema zu tun hat: Wenn die im Film dokumentierte Lebensweise eines Tages aussterben sollte, so würde das zu einer zunehmenden Vergandung (das Zuwachsen der Weiden und Grasflächen mit Buschwerk und später Bäumen) führen. Damit ginge ein Rückgang der Artenvielfalt einher. Die Gebiete würden immer unzugänglicher und wären dann nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für den Outdoorbereich verloren. Zudem würde der Lawinenschutz eher verschlechtert.

    • Auf jeden Einwohner kommen etwa 66 Bäume. (Das finde ich noch eine anschauliche Maßeinheit.)

    Das wären dann 442,2 Bäume pro Hektar.

    Ich habe daran nicht wirklich etwas auszusetzen. Die Zahl ist weder falsch noch allgemein korrekt.

    Nur aus reiner Neugier: Woher hast du diese Zahl?

  • Nur aus reiner Neugier: Woher hast du diese Zahl?

    Aus meinem ersten Link, den ich dem Wort «Waldfläche» hinterlegt habe.


    Ich vermute, dass die allgemeine Baumdichte auch stark von der Baumart und der forstwirtschaftlichen Tradition abhängt. Viele in diesem Forum wünschen sich die Möglichkeit, die Hängematte auch zwischen zwei recht dicht beieinander stehenden Bäumen aufhängen zu können. Ich habe dieses Problem in der Schweiz (ausser in reinen Fichtenplantagen) eigentlich höchst selten.


    Hier kommt die forstwirtschaftliche Tradition ins Spiel. Die Schweiz hat sich forstwirtschaftlich mit der Gründung der ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) in Zürich im Jahr 1855 von Deutschland und Frankreich gelöst. Damit ging eine relativ frühe kritische Haltung der Fichte ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes gegenüber einher (Stichwort «naturnaher Waldbau»). Deshalb ist der Fichtenanteil in der Schweiz ausserhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes bei uns tiefer als beispielsweise in Deutschland. (Christian Küchli, Auf den Eichen wachsen die besten Schinken, AT Verlag, Aarau 2000, S. 31)


    Aber wir kommen vom Thema ab. Obwohl natürlich alles zusammenhängt. Denn ein Wald in unmittelbarer Siedlungsnähe muss andere Interessen erfüllen als ein Wald in den Weiten Skandinaviens.

  • Naaa, des funktioniert mi dem Deutschn net.

    Sobald er ein RECHT auf was hat, besteht er darauf.

    Rechts vor Links!, Vorfahrt achten! Recht aufs raus gehen derzeit.


    Man darf Schweden nicht mit Deutschland vergleichen.

    Das Jedermansrecht dort ist gewachsen und schon uralt.

    Es war vor den Touristen und Kanu Deutschen eingerichtet.

    Angesprochen war der alte Schwede.


    In Germany, bei der Bevölkerungsdichte, Wald in Bundesbesitz, als Nutzwald oder Privatwald...

    Nee vergiss es.


    Echt schöner Traum sowas. Aber nicht umsetzbar. Als Recht.


    Auf dem kleinen Dienstweg, den Förster mal draussen ansprechen und Kontakte aufbauen.

    Das bringt mehr als ein Recht.

    Aus dem Thema Bushcraft heraus habe ich mal angefangen, zu Leuten mit Waldbesitz oder Pacht Kontakt zu pflegen.

    Das führte dazu, dass ich derzeit Zugriff auf 3 Grundstücke habe oder kurzfristig nach Rückspracje drauf kann.

    Da habe ich mein Jedermannsrecht. Unter Freunden.


    Macht mehr Sinn seine Restlebenszeit (ich bin 42) in Kontakte zu Waldbesitzern zu investieren als ein unwahrscheinliches Jedermannsrecht in Deutschland umzusetzen.


    Just my two Centimes

  • Aus all den genannten Gründen fände ich es sinnvoller, wenn einfach mehr "Wildcampingplätze" geschaffen werden würden. Damit kann man kontrollieren wo gecampt wird (z.B. nicht in besonders empfindlichen Gebieten), der Besucherstrom lässt sich leiten, es lässt sich eine Kultur schaffen (wie verhält man sich in der Natur), der Müll kann fokussiert werden (statt an x Stellen im Wald sammelt er sich an weniger Stellen, wo man auch Mülleimer aufstellen könnte), man kann umweltfreundliche Toiletten einrichten, damit eben nicht überall Toilettenpapier herum liegt (das betrifft auch Tagesausflügler), und man kann auch Arbeitsplätze schaffen bzw. bringt vielleicht etwas mehr Geld in ländlichere Regionen.


    Edit: Und man trifft auch einfach nette Gleichgesinnte. Das hat mir in NZ und den USA sehr gut gefallen.


    Ich würde mir ja einen Deutschlandrundweg wünschen, einen Mix aus Jakobsweg und Appalachian Trail, der durch alle Naturlandschaften Deutschlands führt. Träum.

  • Eine solche Tradition muss historisch wachsen

    Viele Menschen vergessen, dass bis vor ca. 50 Jahren noch vieles in D erlaubt war oder zumindest toleriert wurde. Meine Eltern, Baujahr 30er Jahre, konnten nach dem Krieg als junge Erwachsene deutlich freier Übernachten, als es heute möglich ist - auch in Deutschland. Bilder von deren Camping-Modus quasi nur mit Zeltplane irgendwo im Busch belegen das (mein Vater war sicherlich kein Wildcamper, es muss damals also noch nicht verboten gewesen sein).


    Dann kam in vielen Ländern quasi eine Regelwut auf - vielleicht auf Grund der Hippie-Kultur, ich weiss es nicht - bin erst zu dieser Zeit auf die Welt gekommen. Einige Länder haben da schneller und härter durchgegriffen, wie z.B. Deutschland und Österreich. In Touristenländern wie Frankreich, Italien und Spanien wurde vor allem in Touristengebieten strenger gehandelt, im Inneren z.B. in den Bergen ist es auch heute deutlich toleranter. Die Schweiz erlaubt noch das freie Übernachten in den Bergen, weitet aber auch die Naturschutzgebiete in denen es dann doch verboten ist, weiter aus.


    Es ist so wie mit dem Corona-Lockdown : es geht schneller, etwas zu verbieten aber danach braucht es viel Zeit um etwas wieder zu erlauben. Schön wäre es, wenn man das freie Übernachten wieder etwas liberalisieren würde.

    Edited once, last by Womble ().

  • Ich würde mir ja einen Deutschlandrundweg wünschen, einen Mix aus Jakobsweg und Appalachian Trail, der durch alle Naturlandschaften Deutschlands führt. Träum.

    Der »Nord-Süd-Trail« ist gerade im Begriff neu zu entstehen:



    Soul Boy ist in den Startlöchern und wartet darauf, bis die Situation den Start erlaubt.


    Soul Boy hat auch den Anstoss gegeben, dass doch jemand einen Ost-West-Trail aufgleisen soll, da auf seiner Route die neuen Bundesländer links liegen bleiben.

    Wildcampingplätze

    Mir würde so etwas in der Schweiz in den Randzonen von Naturparks in grösserem Stil gefallen: Man bucht ein Ticket und darf sich dann in diesem Gebiet – trotz Naturschutz – relativ frei bewegen, falls nötig mit festen Übernachtungsplätzen. Es gelten bestimmte Regeln im Sinne des »Leave no Trace« und fest angestellte Park-Ranger würden die Naturliebhaber mit Rat und Tat unterstützen (und bei Verstössen gegen die Regeln wegweisen). Da bei uns im alpinen Raum die Natur immer mehr zurückkehrt, könnte man solche Gebiete dafür nutzen. Freiwillige könnten bestehende Alpen vor der Vergandung bewahren, die Wege unterhalten und andere Arbeiten erledigen, die für die Weiterführung des Projekts notwendig sind. Verlassene Alpen könnten auch als Übernachtungsplätze für Leute genutzt werden, die nicht gleich stark auf Outdoor getrimmt sind. In gewisser Weise gibt es solche Trails (offiziell und inoffiziell) bei uns schon (z.B. als Initiative von SAC-Hütten), ein eigentliches Outdoor-Konzept fehlt aber meistens noch. Private Anbieter, die entsprechende Touren anbieten, gibt es bereits einige.

    Die Schweiz erlaubt noch das freie Übernachten in den Bergen, weitet aber auch die Naturschutzgebiete in denen es dann doch verboten ist, weiter aus.

    Genau das gefällt mir nicht. Ich verstehe nicht, weshalb man Naturschutzgebiete und die Präsenz des Menschen gegeneinander ausspielen müsste. Klar, es braucht auch Kernzonen, in denen man nur auf den Wegen Zutritt hat. Es bräuchte aber zwischen den Randzonen, in denen ein sanfter Tourismus mit einer einfachen Bewirtschaftung gelebt wird, noch Zwischenzonen, in denen der geneigte Mensch die Möglichkeit hat, sich in der freien Natur zu erleben und das Leben in ihr und den Umgang mit ihr einzuüben.

    Viele Menschen vergessen, dass bis vor ca. 50 Jahren noch vieles in D noch erlaubt war oder zumindest toleriert wurde. Meine Eltern, Baujahr 30er Jahre, konnten nach dem Krieg als junge Erwachsene deutlich freier Übernachten, als es heute möglich ist - auch in Deutschland. Bilder von deren Camping-Modus quasi nur mit Zeltplane irgendwo im Busch belegen das (mein Vater war sicherlich kein Wildcamper, es muss damals also noch nicht verboten gewesen sein).

    Stimmt, mein Vater hat mir erzählt, wie er mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder nach dem Krieg von der schwäbischen Alb mit dem Fahrrad zum Bodensee gefahren ist und wie sie jeweils irgendwo unter den Heuständen draussen zusammen übernachtet haben.


    Die Regelwut hat wohl auch mit dem rasanten Bevölkerungswachstum zu tun. Die Schweiz hatte 1970 rund 6.2 Millionen Einwohner, heute sind es schon fast 8.6 Millionen (+38.7% in 50 Jahren, im Schnitt 0.657% pro Jahr). Aktuell wird gebaut wie verrückt. In Deutschland gab es ein sehr starkes Bevölkerungswachstum nach dem Krieg bis in die 70er-Jahre, dann ein Rückgang und schliesslich ein zweiter Wachstumsschub von den 80ern bis in die 90er-Jahre. Seither ist die Bevölkerungszahl Deutschlands relativ stabil.

  • Hallo in die Runde,


    erstmal zum Artikel selbst. So wie ich das sehe ist dieses Balla auch nicht mehr das was es mal war. Welche Stellung bezieht es nochmal? Oder will man doch nur Zeilen irgendwie voll bekommen?


    Im Grunde sehe ich mich da in der Linie die hier auch von meisten vertreten wird. Wäre nett, wird aber auf Grund der historischen Gegebenheiten so nicht einfach umsetzbar sein.


    Der gemeine Deutsche kennt bestenfalls seinen Rasen vor dem Eigenheim und die Ansätze das man schon seinen Müll nicht einfach wegwirft, wurde ja auch schon gebracht. Hierzu gibt es verschiedene, auch soziale, Hintergründe und die alleine auf zu arbeiten ist schon eine Megaaufgabe.

    Aus all den genannten Gründen fände ich es sinnvoller, wenn einfach mehr "Wildcampingplätze" geschaffen werden würden. Damit kann man kontrollieren wo gecampt wird (z.B. nicht in besonders empfindlichen Gebieten), der Besucherstrom lässt sich leiten, es lässt sich eine Kultur schaffen (wie verhält man sich in der Natur), der Müll kann fokussiert werden (statt an x Stellen im Wald sammelt er sich an weniger Stellen, wo man auch Mülleimer aufstellen könnte), man kann umweltfreundliche Toiletten einrichten, damit eben nicht überall Toilettenpapier herum liegt (das betrifft auch Tagesausflügler), und man kann auch Arbeitsplätze schaffen bzw. bringt vielleicht etwas mehr Geld in ländlichere Regionen.


    Edit: Und man trifft auch einfach nette Gleichgesinnte. Das hat mir in NZ und den USA sehr gut gefallen.


    Ich würde mir ja einen Deutschlandrundweg wünschen, einen Mix aus Jakobsweg und Appalachian Trail, der durch alle Naturlandschaften Deutschlands führt. Träum.

    Den Ansatz find eich gut, weil zumindest in machbaren rahmen umsetzbar. Durch die aktuelle Situation ist der Deutsche viel mehr draußen als sonst, da wird Einges auf uns zu kommen. Die Sport- aber auch Outdoor Industrie wird davon profitieren. Im Gegenzug wird man also Möglichkeiten schaffen müssen, um dem Herr zu werden.


    Leider haben wir als Einzelne/r nicht in der Hand. Wir können nur als Vorbilder im kleinen Rahmen dienen. Ja, es wäre schön aber umsetzbar wie in Schweden? Wohl kaum.

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