Baumschutz: Stocktechnik statt Straps?

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  • Ahoi!

    Ich nutze bisher immer die TTTM Lightest Straps. Mit 20mm finde ich die teilweise etwas grenzwertig schmal für die Rindenpflege. Von Anfang an habe ich mir angewöhnt, kurze Stöcker zwischen Rinde und Strap zu legen, weil ich mir einbilde, dass das Holz auf Holz weniger "einschneidend" ist als, der Strap.

    Ich habe mittlerweile eine zweite HM und habe mir für die Aufhängung überlegt, warum ich nicht gleich einfach Dyneema-Seile verwende, wenn das Seil/der Strap eh keinen Kontakt zum Baum haben.

    Zwei Fragen dazu:

    1) Spricht irgendwas dagegen, Dyneema-Seile statt Straps zu verwenden? (z.B. zu hohe Belastung für das Seil irgendwo?)

    2) Ist die Stocktechnik tatsächlich baumfreundlich?

  • Aus meiner Sicht kommt es darauf an, wieviele Stöcke du verwendest. Weiter solltest du bedenken, dass Dyneema sehr viel Zug aushält, auf Reibung aber eher empfindlich reagiert.

    Ich würde davon abraten. Ich würde wohl auch durchdrehen, wenn ich bei jedem Aufbau zahlreiche Stöcke platzieren müsste und auch die Höhe der Aufhängung nur noch umständlich anpassen könnte.

  • Ich weiß ja nicht wieviele Stöcke du da verwendest, am Ende erreichst du aber immer nur eine Punktlast.

    Ich gehe mal von einem Baum mit 25cm Durchmesser aus, das ist ein Umfang von 49cm. Der Gurt bringt nur von einer Seite die Kräfte auf den Baum, also auf 24,5cm. Das tut er sehr unterschiedlich, aber wir vereinfachen das mal zur Veranschaulichung ganz stark.

    Der Gurt hat eine Breite von 2 cm, das bedeutet du verteilst die Last auf 49cm². Irgendwie.

    Wenn ich auf den 24,5 cm Stöckchen verteile (Keine Ahnung wieviele das sein sollen ohne das mir immer die Hälfte wegfliegt), musst du bedenken das ein Stöckchen mit einem cm oder weniger Durchmesser, nur wenige mm² Auflagefläche hat.

    Du wirst niemals, nie nicht, so eine Fläche wie mit einem Gurt erreichen. Niemals nicht :)

  • Ich würde davon abraten. Ich würde wohl auch durchdrehen, wenn ich bei jedem Aufbau zahlreiche Stöcke platzieren müsste und auch die Höhe der Aufhängung nur noch umständlich anpassen könnte.

    Ja, da ist einfach die Frage, was man so gewohnt ist. Ich habe das gleich vom ersten Hang an so gemacht und komme ganz gut damit klar. Aber die Frage war ja auch nicht, ob das jetzt jeder so machen sollte ^^

    Aus meiner Sicht kommt es darauf an, wieviele Stöcke du verwendest. Weiter solltest du bedenken, dass Dyneema sehr viel Zug aushält, auf Reibung aber eher empfindlich reagiert.

    Stöcke: Mindestens so viele, dass das Seil nicht die Rinde berührt. Gerne so 5-6 Stück, siehe hier (mein erster Hang vor einem Jahr)

  • Ich weiß ja nicht wieviele Stöcke du da verwendest, am Ende erreichst du aber immer nur eine Punktlast.

    Ich gehe mal von einem Baum mit 25cm Durchmesser aus, das ist ein Umfang von 49cm. Der Gurt bringt nur von einer Seite die Kräfte auf den Baum, also auf 24,5cm. Das tut er sehr unterschiedlich, aber wir vereinfachen das mal zur Veranschaulichung ganz stark.

    Der Gurt hat eine Breite von 2 cm, das bedeutet du verteilst die Last auf 49cm². Irgendwie.

    Wenn ich auf den 24,5 cm Stöckchen verteile (Keine Ahnung wieviele das sein sollen ohne das mir immer die Hälfte wegfliegt), musst du bedenken das ein Stöckchen mit einem cm oder weniger Durchmesser, nur wenige mm² Auflagefläche hat.

    Du wirst niemals, nie nicht, so eine Fläche wie mit einem Gurt erreichen. Niemals nicht :)

    Vielen Dank für den Hinweis MrHydeAndMe! Die Rechnung hört sich plausibel an, aber lässt aber ein paar Aspekte außen vor:

    1) Das Gewicht wird nicht auf einen Punkt, sondern auf die gesamte Länge, die der Stock Kontakt mit der Rinde hat, verteilt

    2) Der Stock ist kein Metall, sondern verformt sich durch den Druck und passt sich eher der Baumstruktur an.

    3) Der Stock ist nicht scharfkantig, ein Strap schon

    4) Die seitlichen Schwingbewegungen der HM führen zu einem gewissen hin- und her-"ratschen" des Straps an dem Baum. Die Stöcker hingegen können sich mit bewegen, bzw. werden nur die Stöcker geratscht und nicht die Rinde.

  • Ich würde davon abraten. Ich würde wohl auch durchdrehen, wenn ich bei jedem Aufbau zahlreiche Stöcke platzieren müsste und auch die Höhe der Aufhängung nur noch umständlich anpassen könnte.

    Zitat von MrHydeAndMe

    Du wirst niemals, nie nicht, so eine Fläche wie mit einem Gurt erreichen. Niemals nicht :)

    +1 Ich gehöre ebenfalls zur Fraktion: Warum einfach, wenn es auch komplizierter geht. Das erschließt sich mir jedoch nicht.

    Baumgurte selber machen kostet nen Appel und nen Ei + 10min. Das geht sogar ganz ohne Nähmaschine Schlaufen in die Enden zu knoten. Als Hardliner ist aber auch das überflüssig und lediglich das richtige Knoten-Know-How ist gefragt.

  • Hmm - ich kann es schlicht auch nicht abschätzen. Wie vorher Stöcker sind ok? Welcher Durchmesser, sicher Abstand?

    Und das Experiment geht halt im Zweifel zu Lasten, bzw. zumindest Risiko des Baumes - und man sieht es ihm nicht an , Fans es doch zu wenig war.=O

    Einmal editiert, zuletzt von hangloose (22. Juli 2024 um 21:18)

  • Als Notlösung passt es, hab ich selber schon gemacht. Aber jedes Mal möchte ich mir die Fummelei nicht antun.

    Dann wäre noch das schlechte Beispiel. Jemand, der nicht so genau hinschaut, sieht vielleicht nur die Dyneemaschnüre und denkt, er könne auch auf die Baumgurte verzichten.

    Omnia vincit lectulus pensilis.

  • Moin,

    Um die Rinde besser vor sich evtl verdrehenden und einschneidenden Dyneema Gurten zu schützen, unterfütter ich die Dyneema Gurte mit einem Stück 2inch breiten Polyester Gurt auf denen der Dyneema Gurt dann am Baum liegt.

    Schlauchgurtmaterial funktioniert bestimmt ähnlich gut.

    Gruß von der Ostsee

  • mattelacchiato was spricht dagegen, einfach deutlich breitere Baumgurte zu benützen? (Es gab hier schon welche, die Anschnallgurte von Autos verwendet haben.) Das ist baumschonend und unkompliziert.

    Sicher wäre das eine Alternative... Wie gesagt, ich hatte es immer mit Stöckchen geschützt und es stört mich nicht.

    Ich bin halt auch der Mensch, der keine Schaufel für die Hinterlassenschaften mitnimmt und sich lieber selbst etwas zurecht schnitzt, um ein Loch zu buddeln.

    Einmal editiert, zuletzt von mattelacchiato (23. Juli 2024 um 09:31)

  • Fahrradschlauch müsste auch als ummantelung gut gehen

    Nein tut es nicht!!!

    Wie soll bitte die dünne Kautschukschicht das Kambium, um das es eigentlich geht, schützen und die 2-3mm Last flächiger verteilen? Der Abrieb der Rinde ist (den meisten) Bäumen ziemlich egal oder gehört zum normalen Lebenszyklus.

  • Hi folks,

    ich habe zur Aufklärung dazu mal ein paar Fragen:

    1. Wieviel Druck kommt eigentlich dabei aufs Kambium?

    2. Schädigt dabei ein vorrübergehender (1 overnight) zu hoher Druck eigentlich das Kambium dauerhaft?

    Background: Über das Kambium führt der Baum ja seine Zuckerlösung aus der Photosynthese zum Speichern in die Wurzel. Eine Unterbrechung wäre ja quasi mit der Ringelung des Baums vergleichbar. Die Wasserversorgung der Krone findet weiter innen im Stamm statt. Eine Ringelung durch Unterbrechung der Leiterbahnen im Kambium führt zum verhungern des Baums. Das dauert Jahre.

  • Moin ins Forum,
    ich zitiere mal aus meinen damaligen Tischler-Berufsschulaufzeichnugnen.
    Die sind zwar aus 12/1994, aber ich nehme an, der Aufbau der Bäume wird sich bis heute nicht wesentlich verändert haben...

    Wie man sieht, wird die äußerte Schicht a) als Borke bezeichnet. Typischer Baum dafür wäre z.B. die Eiche. Ob Du da nun ein Band, Stöcke oder Gurte drumwickelst und `ne Nacht dran hängst, dürfte der Eiche mehr als egal sein.

    Interessant wird`s evtl. bei Bäumen mit glatter und feiner Aussenhaut, wenn also die Borke quasi kaum vorhanden scheint und der Volksmund gleich von b) Rinde sprechen würde. Eine Birke z.B. mag eine dünne Seilaufhängung u.U. weniger attraktiv finden. Ich glaube dennoch, dass es ihr bei einem "Overnighter" letztlich ebenfalls gleichgültig ist, es also zu keiner dauerhaften Schädigung kommt.

    Wir hängen uns nicht an besonders feine zarte Stämmchen, wir hängen uns an tragfähige (robuste) Bäume.
    Wenn die mal auf einer Seite ein paar Stunden ein bisschen eingedrückt werden (würden), bedeutet das für den Baum gar nichts.

    Wie Volker oben schon schreibt, Ringeln, d.h. Bäume gewaltsam abzuschnüren, um sie so zum Absterben zu bringen, braucht lange, unter Umständen Jahre.

    Sowas hier setzt Bäume wahrscheinlich mehr unter Stress:

    Und wahrscheinlich werden die stehenden Bäume dennoch keinen Schaden nehmen, wenn die "Scheuerstellen" nicht so tief gehen, dass sich Pilze in der Bastschicht festsetzen können. (Und selbst dagegen haben grundsätzlich gesunde Bäume noch erhebliche Abwehrmechanismen.)

      

    Bitte mich nicht misszuverstehen. Ich finde es grundsätzlich gut und richtig, sich mit der Thematik unseres Einflusses auf Bäume auseinanderzusetzen. Klar ist wohl auch, dass Gurte eine bessere Lastverteilung haben als Bänder oder Seile :!:
    Druck ist nur einmal Kraft pro Fläche. Und weniger Druck ist das, was wir mit Gurten ja erreichen wollen.

    Aber, dass wir unseren Hängebäumen mit Overnightern und ein paar Stunden Querabschnürung nachhaltig Schaden zufügen, halte ich für irrelevant.
    Die Autofahrt zum Wald oder der Liefertransport unserer geliebten Hängematten zu uns nach Hause und selbst die Art und Weise, wie und womit wir unterwegs unser Essen kochen, hat wahrscheinlich viel mehr globalen Einfluss auf Ressourcen und Klima, als unsere Schnüre, Gurte, Stöckchen oder alles andere, mit dem wir uns an die spezifischen Bäume hängen.

    Für weitere eindrückliche Betrachtungen empfehle ich das Buch oder Hörbuch "Das geheime Leben der Bäume" von Peter Wohlleben.

  • Aber, dass wir unseren Hängebäumen mit Overnightern und ein paar Stunden Querabschnürung nachhaltig Schaden zufügen, halte ich für irrelevant.

    So ähnlich war auch der Vater meiner Überlegungen. Bäume erleben ja in ihrem Leben viel Stress. Unter anderem dynamische Verwindungen durch Sturm oder Verbiegungen durch Muren oder Schneerutsche am Hang. Die Naturch hat dafür die Bäume schon mit einer guten Resilienz ausgestattet. Ich hätte eher Bedenken wegen des Aufhängematerials. Wir gehen immer von Zugfestigkeit auch bei Schnüren aus. Diese werden im Versuch ohne Knoten oder kleine Umlenkungen statisch ermittelt. Dynamische Wechsellasten halten alle Materialien aber in weit geringerem Maße aus. So der Querschnitt eines Gurtes flächenmäßig größer ist als der einer Schnur ist die (Wechsel-) Last pro Faser geringer. Und beim Reinlegen, nächtlichen Umdrehen etc. haben wir immer dynamische Lasten.

    Von daher würde ich gedanklich eher einem breiten Gurt vertrauen. Aber ich bin kein Ass in Technischer Mechanik. Ich hab das Fach gehasst.... :evil:

    das Buch oder Hörbuch "Das geheime Leben der Bäume" von Peter Wohlleben.

    Danke für den Hinweis. Ich glaube ich werde mir das Buch mal besorgen. ;)

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