Naturbegegnungen und Naturfragen

  • Mir begegnen auf meinen Touren immer wieder Bäume, die ich nicht kenne. Manchmal finde ich Tierspuren, die ich nicht zuordnen kann. Oder ich mache eine Naturbegegnung (Tier, Pflanze, Wetter, etc.), die mich beeindruckt hat und die ich gerne teilen möchte.


    Nicht immer möchte man wegen einer solchen Frage gleich einem neuen Forum beitreten. Und ich denke, jeder von uns macht da und dort Erfahrungen, die nirgends im Forum so recht hinpassen, hier aber gut aufgehoben sein könnten.


    Deshalb: Schildert gerne eure Erlebnisse und Erfahrungen oder stellt eure Fragen zu Pflanzen (Bäumen) und Tieren oder anderen Phänomenen, die die Natur betreffen.

  • Ich hatte am Samstagabend auf dem Weg zum Napf (1406m ü.M., Kanton Luzern) ein spezielles Erlebnis:


    Ich bin erst abends um 18 Uhr in Willisau losgewandert und wollte mir unterwegs einen schönen Platz suchen. Gar nicht so einfach in einem Gebiet, wo jede nicht «fast senkrecht» abfallende Fläche landwirtschaftlich genutzt wird, die meisten Waldflächen also steil abfallen und teilweise auch unter Naturschutz stehen. Schliesslich habe ich einen schönen Platz gefunden: nur etwa 100m vom Waldweg und einem Grillplatz entfernt und tatsächlich flach.

    Schon beim Aufbauen der Hängematte hörte ich ein eigenartiges Fiepen, das ich nicht kannte. Ich blickte immer wieder in die Baumwipfel, um den mir unbekannten Vogel zu entdecken. Als ich mit dem Aufbau fertig war, erspähte ich keine zehn Meter von mir entfernt ein Rehkitz, das sich noch auf ganz wackeligen Beinen bewegte. Und dann war mir auch klar, woher das Fiepen gekommen war. Ich musste das Rehkitz und seine Mutter verunsichert haben.

    Nach kurzer Bedenkzeit war mir klar: Hier kann ich nicht bleiben! Also stopfte ich meine Hängematte samt Unterquilt und Baumgurten in den Rucksack und machte mich kurz vor Sonnenuntergang auf die Suche nach einem besser geeigneten Platz, den ich zum Glück nur ein paar hundert Meter weiter auch fand: in einem Waldstreifen zwischen einer wenig befahrenen Strasse und einer Wiese.


    Haben andere auch schon solche für sie überraschende oder beeindruckende Erlebnisse gehabt?

  • Für die Identifikation von Pflanzen und fotografierbaren Tieren in Gebieten mit mobilem Internet empfehle ich die App Google Lens. Man macht ein Foto und die App spuckt den Namen aus, simpler geht's nicht (Convolutional neural networks machens möglich).

  • Vielen Dank für die Tipps! – Die Apps schaue ich mir gerne mal an. Ich hoffe, mein Telefon hat noch genug Speicherkapazität. Das Gerät ist alt und immer etwas am Limit... =O


    EDIT 1: Für »Google Lens« ist mein Gerät leider zu alt...

    EDIT 2: ... und die App »Naturblick« bleibt nach ewiger Anzeige des Startbildschirms mit einem weissen Hintergrund hängen.


    Geht bei meinem alten Smartphone leider beides nicht.

  • Hey Waldläufer... sehr cool und mitfühlend reagiert. Da bist Du für mich ein kleiner Held!!! Und die Rehdame dankt es Dir!

  • Eines Morgens , bin ich aus der Hängematte aufgestanden ,

    drehe mich um , da steht ein Hirsch , keine 5 Meter vor mir .

    Hab mich nicht bewegt , und ca .eine Minute die Situation genossen.

    Ob ehr zahm wahr , oder eher eine Brille gebraucht hätte ,

    weiß ich bis heute nicht.

  • Ich bin immer wieder erstaunt, welch Geräusche doch Füchse so machen können!


    Ein paar mal ist es mir schon passiert, dass irgendwelches gebelle durch die Nacht dröhnt, ich dachte immer: "Oh, ein Reh!", doch bis jetzt war es immer ein Fuchs. Das Repertoire von Fuchslauten ist wirklich sehr umfassend.


    Danke Cross Hammock für den Tipp mit der Naturblick App! Die ist ja echt super!

  • Ich habe mir vorhin auf YouTube mal das Bellen eines Fuchses angehört. Ich glaube, ich habe das auch schon einige Male im Wald wahrgenommen und konnte es dann nicht sicher zuordnen.


    Oft sind es bei mir aber tatsächlich Rehe. Mein Eindruck ist, dass Rehe oft in der Dämmerungszeit besonders aktiv sind und sich dann von einem gestört fühlen. Manchmal Bellen sie einen dann an und kommen dabei langsam immer näher. Ich glaube, die Jäger nennen das «Schrecken». Wenn man dann abhaut, haben sie «gewonnen» und ihr Revier verteidigt. Lässt man sich hingegen nicht davon beirren, so geben sie irgendwann wieder auf und ziehen sich zurück. Allenfalls wiederholt sich das Prozedere dann am nächsten Morgen, wenn die Dämmerung wieder einsetzt.

  • Ich glaube, die Jäger nennen das «Schrecken». Wenn man dann abhaut, haben sie «gewonnen» und ihr Revier verteidigt. Lässt man sich hingegen nicht davon beirren, so geben sie irgendwann wieder auf und ziehen sich zurück. Allenfalls wiederholt sich das Prozedere dann am nächsten Morgen, wenn die Dämmerung wieder einsetzt.

    Schrecken hat mehrere "Funktionen" die angenommen werden:


    Warnung von Artgenossen wenn Gefahr droht.

    Einschüchterung des Feindes.

    Rivalität zwischen Artgenossen (Rehböcke sind sehr territorial)


    Kann in unserem Fall aber eigentlich immer übersetzt werden: "Guten Tag, ich habe Sie gesehen/gehört/gerochen! Bitte wären Sie so freundlich, sich bitte aus meinem Wohnzimmer zu zurückzuziehen!" oder "Obacht Buam, da kummt wieda oana von dene gstingadn Zwoa-haxn-viecher!"

  • Und, soll man sich dann zurückziehen? Im dümmsten Fall würde man dann ja die ganze Nacht lang von einem Revier ins nächste wandern.

    Im Normalfall ist ein Revier groß genug für euch beide. Allerdings ist das vermutlich eine Gewissensfrage, ob es dir wichtig ist wirklich Nichts und Niemanden mit deiner Anwesenheit zu "stören".

    Ich persönlich komme damit gut zurecht. Für diesen Moment bin ich (oder du) dann "der Stärkere" an diesem Ort, und am nächsten Tag dann auch wieder weg. Das ist dann kein Problem.

    Bei Kitzen oder anderen "hilflosen" Tieren ist das natürlich was anderes. Da würde ich dann auch ausweichen.


    Eine Strategie kann sein sich dem Wald und dessen Bewohner "anzukündigen". Also nicht besonders leise sein, sondern dem Wild früh die Möglichkeit geben auszuweichen ohne schnell flüchten zu müssen. Die meisten Tiere können dann auch zwischen einem Waldbesucher und einer ernsthaften Gefahr unterscheiden.

  • Es ist eine Gewissensfrage. Will ich Tiere und Pflanzen überhaupt nicht beeinträchtigen? Dann sollte ich den Wald gar nicht mehr betreten. Nicht so toll. :(


    Man kann sich aber auch als Teil der Natur sehen. Ob ein Reh durch ein Wildschwein oder einen Menschen aufgeschreckt wird, dürfte dem Reh ziemlich egal sein. Ich denke, es ist ein guter Kompromiss, wenn man sich möglichst in der Nähe der Wege oder im gut einsehbaren Hochwald aufhält und typische Rückzugsgebiete der Tiere wie z.B. Dickungen nach Möglichkeit meidet. Bewegt man sich langsam, ohne zu schleichen, können sich die Tiere gemächlich zurückziehen. Das Vorwarnen durch fröhliches Pfeifen ist sicher auch eine gute Idee. Zumindest zeitweise. Wenn da ständig einer im Wald rumpfeift, reagieren Mensch und Tier wohl eher genervt. ;)

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Ich sehe das so wie Mittagsfrost


    Das Revier bezieht sich m.M.n. in erster Linie auf Gleichartriege, d.h. ein Hirsch will keinen anderen Hirsch, ein Fuchs keinen anderen Fuchs, usw. Wenn meine Liebste den Hund krault fühle ich mich ja auch nicht in meinem Revier verletzt, wenn's der Nachbar wäre sähe die Sache schon ganz anders aus.



    Hingegen können andere Arten problemlos miteinander, wenn z.B. Wildschweine durch das Rotwildrevier laufen. Problematisch kann es natürlich werden, wenn ein Tier eine andere Art als bedrohlich empfindet und anstatt auf Flucht auf Verteidigung setzt, vor allem wenn Jungtiere dabei sind.


    Bei meinen Übernachtungen kamen Tiere so nah an "mein" Revier, dass ich fast dachte, da strolcht ein anderer Mensch durch das Lager. Es ist auch Neugier - es zwingt ja keiner das Tier so nach an mein Lager zu kommen.

  • Ich hätte das für mich so formuliert: Solange ich dem Tier durch meine Präsenz nicht ernsthaft schade, so muss es halt damit leben, dass da noch ein anderer da ist. Ich bin ja dann am nächsten Morgen auch wieder weg. Beim Rehkitz – siehe oben – hätte ich womöglich Schaden angerichtet oder zumindest grossen Stress ausgelöst. Deshalb bin ich im geschilderten Fall weitergezogen.

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