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  • Jedermannsrecht scheint für viele zu bedeuten: Jeder hat das Recht, seinen Abfall liegen zu lassen.

    Trotz meiner pessimistischen Weltsicht, denke ich, dass die Mehrzahl der Menschen eher nicht so ist.

    Das Problem ist, dass schon 1% Idioten, es für 99% der "guten" Menschen versauen können.

    Reales Beispiel:

    Tausende von Besuchern in den ersten Jahren auf den Trekking-Plätzen in der Pfalz -> keine Probleme.

    Dann macht ein Idiot ein Feuer außerhalb der Feuerstelle und ein paar Hektar Wald brennen ab. Durch diese eine Aktion, waren die Trekking-Plätze ganz kurz davor geschlossen zu werden. Wegen einem Idioten wäre ein Projekt fast gekippt worden, das tausenden Menschen tollen Erfahrungen in der Natur ermöglicht hat.

    Die Frage ist: Wie sollen wir "Baumkuschler" mit dem Problem umgehen?

    Ich denke, bevor wir uns über "Jedermannsrecht" unterhalten, sollten wir einen Plan haben, wie wir "Jedermannspflichten" durchsetzen können.

    Ideen?

    Once you get locked into a serious hammock collection,

    the tendency is to push it as far as you can ...

    Hesmon

    • Offizieller Beitrag

    Nächstes mal mache ich Fotos von Parkplatz und Umgebung.

    Brauchst du nicht, ich glaub dir das schon. Ich habe bisher nur die Wohnmobilisten kennen gelernt, die mit Wohnmobil verreisen um eben nicht in die Büsche gehen zu müssen. Aber ich schätze, auch Ferkel fahren Wohnmobil.

    Die letzten 100km des Camino Francés (einer der Jakobswege in Spanien): In jeder Ausbuchtung massenhaft Papiertaschentücher, auf alle erdenkliche Art und Weise benutzt. Dabei gibt es dort alle paar Kilometer eine Ortschaft, wo man sein Geschäft verrichten oder den Abfall korrekt entsorgen könnte.

    Ja, das hat mich am Camino auch geärgert - und nicht nur auf den letzten 100 km. Wobei man den Pilgern nur einen begrenzten Vorwurf machen kann. Ich finde es unmöglich, dass man zwar Pilger haben will, und auch Getränke und Essen verkauft, aber kaum Toiletten zur Verfügung stellt. Wer einen Wanderweg einrichtet, Wanderer einlädt und dann nicht mal Dixi-Klos alle 5 km zur Verfügung stellt, darf sich nicht aufregen, wenn man ihm in den Wald sch***t. Selbst wenn alle ihr Geschäft vorbildlich verbuddeln würden, wäre es bei der Anzahl an Nutzern ein Problem. Wenn ich Spanier wäre, würde ich ein Toiletten-Imperium aufbauen. 1,00 € pro Benutzung würde mindestens eine Hälfte der Pilger gerne bezahlen, um ungestört die Hose herunter lassen zu können. Eine Win-Win-Win-Situation.

  • Wenn ich Spanier wäre, würde ich ein Toiletten-Imperium aufbauen. 1,00 € pro Benutzung würde mindestens eine Hälfte der Pilger gerne bezahlen, um ungestört die Hose herunter lassen zu können. Eine Win-Win-Win-Situation.

    Die Firma Sanifair hat das bei Raststätten gemacht.

    Ja, man kann darüber geteilter Meinung sein für's Pinkeln bezahlen zu müssen, aber seit Sanifair habe ich keine Angst mehr in Raststätten auf's Klo zu gehen. Wenn ich an traumatische Kindheits-Erlebnisse auf Raststätten aus den 80ern (Spanien Urlaub) denke, zahle ich gerne ;)

    Geschäftsidee:

    Auf jedem Waldparkplatz ein Bauwagen mit "Sanifair Klos". Integriert auf der Rückseite sind: ein Pfandautomat für Dosen und Flaschen, eine kleine Restmüllpresse, Chemieklo-Port, USB-Port um das Händi zu laden, Verkaufsautomat "a la Tankstelle" (Grillwürstchen, Steaks, Bier, Woischorle, Zigs, Süßigkeiten etc.). Alles kostet 1 Euro mehr, aber jede Verpackung hat einen RFID-Tag und wer die Verpackung später wieder in die Müllpresse/Pfandautomat wirft, bekommt den Euro zurück.

    Jaja, ich weiß. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen ...

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    Hesmon

  • Hi zusammen,

    ich denke diese Idee könnte ein guter Grundstein sein. Aber...

    ...ich denke nicht, daß wir das je erleben werden das dies umgesetzt wird. Denn so wie ich das mitbekommen habe, redet man hier über Bundes-u. Landesrecht in verschiedenen Ebenen sowie ja noch über Privatbesitz. Denn ich konnte das bisher nie feststellen, was ist jetzt ein Wald für alle oder was ist ein Privatwald.

  • sakura es gibt hier das Recht Wälder zu betreten.

    Egal ob in Privat- oder Staatsbesitz.

    Und zudem sehe ich im Jedermannsrecht auch die Chance wieder etwas mehr Naturverbundenheit zu Bekommen.

    Viele Menschen fühlen sich genetisch mit ihrem Smartphone enger verwandt als dem Baum an ihrer Seite :/

  • Ich habe auch überlegt, warum das Jedermannsrecht in skandinavischen Ländern und Finnland und (meiner ungenauen Erfahrung nach ähnlich auch in Canada und Teilen der USA) recht gut funktioniert, in Deutschland bzw. Mitteleuropa aber nicht so oft oder gar nicht.

    Ein Grund scheint mir die gelegentliche "stossweise Übersättigung" der Wälder mit Ausflüglern zu sein, naja und sicher auch die deutsche "Gründlichkeit" (was man nicht kontrollieren kann, verbietet man am besten erst mal) und eben auch die negativen Beispiele wie Müll und Missbrauch. Aber das gibts auch hier - wenn auch in geringerem Ausmass - Bevölkerungsdichte-bedingt.)

    Definitiv bin ich NICHT der Meinung, dass es immer DIE ANDEREN sind (Wohnmobilisten als Beispiel), sondern wo viele Menschen sind, sind auch rein statistisch viele schwarze "Schafe" darunter. Ich meine, auch Hängematten-Camper feiern gelegentlich gern ein Stelldichein im Wald (auch ich tu das vorr. am WE mit zwei guten Freunden), three is a party, und der Müll wird dann auch frühestens am nächsten Morgen entfernt, das gibt dann auch schnell das Bild von wilden Vagabunden ab (jetzt mal aus der Sicht von Wohnmobilisten oder Rentner-mit-Hund-auf-dem-Sonntagmorgen-Spaziergang). Kein Zweifel: Die meisten HM-Freunde treibt die Liebe zur Natur in den Wald. Aber sozial zu Menschen sein will man ja auch, die sind ja auch Natur...

    Eines ist mir aber aufgefallen: In Finnland (und ähnlich sicher auch in den anderen positiven Beispielländern) "bezahlt" man Menschen, um gesägtes Holz und Werkzeug für die Feuerstellen in Nationalparks bereit zu stellen, den Müll, der eben doch am Ende hier und da aus den Mülleimern quillt oder gar um die Feuerstelle liegen bleibt, wegzubringen, Hinweisschilder und Facilitäten (zur Müll-und anderen Problemvermeidung und eben zum allgemeinen Nutzen) zu erneuern und die Kompostier-Klos an den Feuer-/Übernachtungsstellen in den Nationalparks zu leeren usw. Der Staat investiert in Gesundheit und Naturverbundenheit - sehr günstige Investition eigentlich.

    In wiederum anderen Ländern "spart" man Arbeitskräfte ausgerechnet im öffentlichen Bereich (man kauft bestenfalls Service ein, um die Dinge irgendwie am Laufen zu halten), um dieselben Menschen dann woanders im Sozialsystem abzufangen und bestenfalls anderweitig wieder einzugliedern.

    Den "Nutzen" des Waldes für den Menschen berechnet man leider viel zu häufig nur in Sauerstoff-m3 oder Holzpreisen, oder gar in entgangenen Industrie- oder Wohnflächen-Grundstückspreisen, und wo die Kosten/Nutzenrechnung negativ ausfällt...

    Gut wäre es aber auch, die Natur auch als Gesundheitsfaktor und Jungbrunnen wiederzuerkennen, Mensch und Natur wieder zu verkoppeln (wie es ja eigentlich sein sollte), den Menschen zur Naturliebe und Mitverantwortung also wieder stärker einzubinden. Aber wie schafft man das?

    Mit gutem Beispiel voran ist tatsächlich alles, was mir dazu einfällt. Eventuell noch "richtig" wählen und engagieren - Wald- statt Wirtschaftswachstum fördern. Gute Frage: Was nützt mir persönlich mehr, den Wald vor der Nase oder grösseres Gehalt? Die Frage hätte ich mir selbst noch vor zehn Jahren anders beantwortet. :/

    Dieser Tag ein Leben!

  • Hallo Riippumatto-Joerg,

    hallo zusammen,

    sehe ich jetzt fast genauso wie Du, doch leider mit deutlich gedämpfter Perspektive. Klar wäre es besser, aber Hand aufs Herz alles was wir haben, auch den Wohlstand um uns herum ist dem ständigen Wachstum erkauft worden. Ich glaube inzwischen nicht mehr, daß wir an einem Punkt das Der noch rumreißen können oder gar werden. Sieht man ja jetzt wieder bestens, Geld fließt wider genau da hin, wo es schon immer hin geflossen ist. Investition in Regeneratives oder ein Umdenken im Verkehrswesen? Ich, Du und wohl auch der kleine Kreis hier, so mutmaße ich mal, sehen das nicht nur anders sondern machen schon vieles anders.

    Da ist man schon ein Exot & Außenseiter, wenn man seit Jahren bei Wind und Wetter jeden Tag 40km mit dem Fahrrad zum Job fährt.

    Die meisten Menschen können doch mit dem Wald und er Natur nichts anfangen. Sie haben schon Angst im Hellen alleine wo im Wald spazieren zu gehen. Wie sollen diese Menschen einen Sinn in der Natur sehen und sich eventuell auch mal ein Stück weit danach richten um eben nicht ihren Müll liegen zu lassen?

    Der Blick geht doch nur noch auf das was man hat, erreichen kann und auf die gute Zeit jetzt. Diese gute Zeit muß zwingend mit Konsum gefüllt werden. Sonst ist man ein Nichts.

    Aber ich geite ab, lassen wir das entschuldigt.

    Die Idee mit dem Naturführerschein finde ich am besten. Eine Umsetzung?

  • Der Naturführerschein ist m.M.n. nur ein Kapitel, bzw. ein Schein von vielen, die heutzutage ausgestellt werden müssten.

    Im Grunde braucht es ein Attest für gesunden Menschenverstand - inzwischen müssten am Unterricht aber alle 4 Generationen teilnehmen, denn es ist soviel verloren gegangen.

    Reisender mit Hang zum Hängen

    :!:"Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur verschiedene Sorten gutes Wetter" - (John Ruskin) :!:

  • Toll an dem Zeitungsartikel jedenfalls, den Stefan gepostet hat, dass er eine sehr gute Diskussion angestoßen hat - mit Sicherheit nicht nur im diesem Forum. ich hoffe wirklich, dass man den auch an den entsprechenden Stellen bemerkt hat, und diskutiert, welche guten Dinge zu prüfen sind. Dass das Jedermannsrecht als ganzes Deuschland nicht erfolgreich übergestülpt werden kann, das sehe ich auch so. Aber der Ansatz, dass völlige Entkoppelung des Menschen von der Natur ihr mehr schadet als seine verantwortungsvolle Einbindung, davon bin ich überzeugt. Aber das braucht Augenmass und Umgewöhnung... also auch Zeit.

    Dieser Tag ein Leben!

  • Aber der Ansatz, dass völlige Entkoppelung des Menschen von der Natur ihr mehr schadet als seine verantwortungsvolle Einbindung, davon bin ich überzeugt.

    Ich denke, die vollständige Entkoppelung des Menschen von der Natur schadet nicht nur der Natur, sondern auch dem Menschen... Oder ganz vorsichtig ausgedrückt: Mir schadet sie auf jeden Fall.

  • Zunahme der Waldfläche in der Schweiz:

    LFI_Veraenderung_Waldflaeche_1983-2017.jpg

    © Quelle

    In den dicht besiedelten Gebieten (v.a. Mittelland) ist die Waldfläche erhalten geblieben, in den dünn besiedelten Regionen (v.a. Alpenraum, aber auch Jura) ist die Zunahme der Waldfläche markant.

    Gibt es so etwas auch für Deutschland oder Österreich?

  • In Deutschland gibt es die Bundeswaldinventur. Diese wird alle 10 Jahre erstellt.

    Die vierte BWI ist gerade in der Mache. Aktuell müsstest du noch auf die dritte BWI von 2012 zurückgreifen.

    Allgemein kann man aber sagen, dass auch in Deutschland die Waldfläche zunimmt.

    "Die Waldfläche hat sich zwischen 2002 und 2012 nur wenig verändert. Einem Waldverlust von 58.000 Hektar stehen 108.000 Hektar neuer Wald gegenüber. In der Summe hat die Waldfläche um 0,4 % oder 50.000 Hektar zugenommen."

    https://www.bundeswaldinventur.de/dritte-bundesw…aeche-konstant/

    Die Ergebnisse der BWI sind frei zugänglich: https://bwi.info

    Wenn ihr Fragen habt oder Begrifflichkeiten ungeklärt bleiben, bin ich gern bereit diese zu erläutern.

    2 Mal editiert, zuletzt von dawoidler (11. Juni 2020 um 10:03)

  • Dieser Artikel weist auf die Problematik der grossen Touristenmassen in naturnahen Gebieten in der Schweiz hin:

    https://www.srf.ch/news/schweiz/u…ll-etwas-kosten

    Es gibt anscheinend da und dort bereits Überlegungen, für gewisse besonders von Menschenmassen überschwemmte Gebiete «Eintrittsgeld» zu verlangen.

  • Es gibt in den Forstwissenschaften ein Konzept namens "Ökosystemdienstleistungen".

    Es ist hauptsächlich dazu da, die Leistungen des Waldes/der Landschaft zu bewerten welche im Normalfall kein Geld bringen (z.B. Luftreinigung, Trinkwasserbereitstellung, Biodiversität, Erosionsschutz, Schutzwald etc.)

    Und eben ein ganz wichtiger Teil dabei ist, die Erholungsnutzung. Eine Methode den Wert dieser Nutzung zu bestimmen ist die sogenannte "willingness-to-pay-Methode". Dabei werden zum Beispiel Waldbesucher befragt, wie viel sie für ihr Waldbesuchsrecht bezahlen würden. Interessanterweise kommen dabei immer irrsinnig hohe Werte dabei heraus welche die Werte der Produktionsdienstleistung (Holzbereitstellung) meilenweit in den Schatten stellen.

    Und genau diese hohen Werte verzerren dann oft das Ergebnis, wenn man kalkulieren will, was der Wald "wirklich" wert ist bzw. was alle Leistungen des Waldes gemeinsam wert sind auch wenn diese nicht bezahlt werden.

  • Grundsätzlich sind ja in den meisten Gebieten die folgenden Leute willkommen:

    • Menschen, die die vorhandene Infrastruktur nutzen und damit Geld bringen: Nutzung von Läden, Restaurants, Gästehäusern, Besuch von Ausstellungen, etc.
    • Menschen, die keinen Schaden verursachen: keinen Abfall hinterlassen, kein (unkontrolliertes) Feuer, kein Lärm, geschlossene Tore wieder schliessen, etc.

    Viele, die hier im Forum lesen und schreiben, haben (hoffentlich) ihre Stärken im zweiten Punkt, bringen aber beim ersten Punkt vielleicht nicht ganz so viel, so es im anvisierten Gebiet überhaupt Infrastruktur im grossen Stil geben sollte. Leute, die mit dem eigenen Fahrzeug anreisen, bringen zumindest potenziell mehr Abfall mit; das bedeutet natürlich nicht, dass sie den auch herumliegen lassen.

    Wer soll für einen Besuch in stark frequentierter »Natur« am ehesten bezahlen?

    • alle, die das Gebiet besuchen? (Eintrittsgebühr)
    • solche, die finanziell weniger bringen? (Wer irgendwo eincheckt erhält eine Zutrittskarte, die anderen bezahlen)
    • solche, die mit dem eigenen Fahrzeug anreisen? (z.B. kostenpflichtige Zufahrtsstrasse oder kostenpflichtige Parkplätze)
    • solche, die im Gebiet eine Infrastruktur anbieten? (betont deren Mitverantwortung)
    • solche, die Schäden verursachen? (Bussgelder für Landschaftsfrevel)

    Der Gedanke, für einen Besuch in der Natur Eintritt zu bezahlen, widerspricht mir ehrlich gesagt stark, weil damit noch ein weiterer Schritt weg vom letzten Rest eines »Jedermannsrechts« gemacht würde. Wäre aber transparent, inwiefern das Gebiet speziell für Wanderer / Trekker / Naturliebhaber / etc. gepflegt wird (Wege und deren Unterhalt, Feuerstellen, evtl. Trekkingplätze, evtl. Abfallentsorgung, Ranger, etc.), so wäre es hingegen ein Schritt in Richtung »Jedermannsrecht gegen Entgelt«. Das klingt zwar erst mal seltsam und ungewohnt, könnte aber – zumindest in stark besuchten Gebieten – ein gewisses Verständnis gewinnen. :/

    Jedenfalls ist ein »Jedermannsrecht« in stark frequentierten Gebieten bestimmt nicht kostenlos zu haben. Von irgendwoher muss da Geld kommen.

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