Hering-Katapult

  • Ich dachte, dass "selbstspannende" bzw. nachspannende Tarpleinen nur dann problematisch sind, wenn das Shock Cord am Hering-Ende angebracht ist. Anscheinend habe ich mich getäuscht. Auf Hammockforums hat jemand sein Thunderfly geschrottet:


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    Bei einem Sturm ist ein Hering gebrochen:


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    Vielleicht überdenke ich meine Abspannung noch einmal :/

  • Ich hatte ja in meinem Winterdream-Tarp Thema über die Befestigung der Leinen am Hering philosophiert.


    Macht es wirklich einen Unterschied ob die Elastikschlaufe am einen oder anderen Ende ist ? So oder so ist dann die Leine und der Hering unter Spannung und für den Schuss braucht es nur Kraft.


    Was helfen könnte wäre hoffentlich ein Hering ohne Haken, so das die Leine abrutschen kann, bevor der Hering zum fliegenden Fisch mutiert. Ich nutze zur Zeit die Vargo Titanium Nägel, weil ich es einfach satt hatte, ständig krumme oder stumpfe Stahl- oder Aluheringe zu reparieren. Um diese habe ich eine eher lose Schlaufe - die Spannung kontrolliere ich mit den Tarpworms.


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    Die roten MSR Heringe hatte ich vorher - in der "Needle" Variante wie oben auf den Bildern als auch als Groundhog - gebrochen ist mir keiner, aber das will nichts sagen.

  • Ich verwende meine Häringe "klassisch", also nicht angebunden. Auf diese Weise geht alle paar Jahre auch mal ein Häring verloren - aber ab und zu finde ich auch mal einen. :)


    Wie flickt man so einen Riss fachgerecht? Vor 2 Jahren habe ich mir nämlich einen Dreiangel ins Tarp gerissen (eigene Dummheit ...:cursing:), so ca. 3 Häringslängen vom Rand entfernt in der Fläche.

    Nach dem Motto " Es geht doch nichts über ein dauerhaftes Provisorium!", wird der Riss bislang beidseitig von Gewebeklebeband zusammengehalten. Es gibt Schöneres ... aber es hält gut und ist dicht.

  • Fallkniven schreibt dazu im US-Forum, dass bei grösseren Schäden eigentlich nur ein Flicken von innen aufgenäht und dann mit Seamseal abgedichtet eine dauerhafte Lösung ist - und ich würde ihm da zustimmen. Ich habe auf meinem Zelt (ja, ich habe noch eins...) kleinere Löcher mit selbstklebenden Nylonflicken repariert, aber die lösen sich an den Rändern immer wieder ab, wie Pflaster am Finger.

  • Bitte beim Thema bleiben. Reparaturmöglichkeiten können gerne in einem separaten Thread diskutiert werden.


    Ich denke, es ist unerheblich wie die Abspannleine am Hering befestigt wird. Wenn die Leine so gespannt ist, dass sie bei normalem Gebrauch nicht über den Hering rutscht, wird der Hering automatisch in Richtung Tarp gerissen.

    Macht es wirklich einen Unterschied ob die Elastikschlaufe am einen oder anderen Ende ist ?

    Doch, es sollte einen Unterschied machen. Wenn die Beschleunigung direkt am Hering erfolgt, dürfte sie deutlich höher sein als wenn zwischen Shock Cord und Hering noch 150cm unelastische Leine ist. Möglich, dass die Leine bei so einem heftigen Sturm kurz war, und der Hering deshalb stark genug beschleunigt wurde.


    Da ich im Nachspanneffekt ohnehin schon lang keinen Sinn mehr gesehen habe, habe ich das Shock Cord eigentlich nur verwendet um mein Tarp vor Beschädigungen zu schützen. Ich bleibe häufiger als mir lieb ist an den Abspannleinen hängen, und habe mich gewundert, dass ich keines meiner Tarps beschädigt habe solange ich komplett unelastische Leinen verwendet habe. Vielleicht tausche ich das Shock Cord gegen eine schwächere Schnur aus.

    Die roten MSR Heringe hatte ich vorher - in der "Needle" Variante wie oben auf den Bildern als auch als Groundhog - gebrochen ist mir keiner, aber das will nichts sagen.

    Ich verwende seit 9 Jahren Groundhogs. Die habe ich so oft brutalst in die übelsten Böden gehämmert und sie sind immer noch ungebrochen und kerzengerade. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer katastrophal versagt. Meine Sorge war eher, dass mal einer aus zu weichem Boden gerissen wird.

  • Doch, es sollte einen Unterschied machen.

    Hmmm, ich glaube es nicht. Ich denke, es ist gleich. Entweder ist die Spannung am Tarp und muss Schnur und Hering beschleunigen oder aber am Hering, der zwar stärker beschleunigt, dann aber die Schnur hinter sich herziehen muss.

    Ich vermute, dass Du mit Deiner anderen Annahme recht hast: ist der Abstand Tarp-Häring zu kurz, dann kann es gefährlich werden.

  • Das Risiko, in einem Sturm sein tarp durch einen Ast beschaedigt zu bekomment, ist sicherlich wesentlich groesser als diese Situation hier. Ich denke das gehoert eher in die Rubrik der Kuriositaeten.

  • Ich lese seit 2010 auf Hammockforums mit, und das war nicht das erste mal, dass jemand davon berichtet hat, dass sein Tarp von einem fliegenden Hering beschädigt wurde. Allerdings kann ich mich bei den anderen Fällen nicht mehr an Details zu den Umständen erinnern. Nur dass es hin und wieder passiert. Und ein Geschoss, das einen solchen Schaden anrichtet ist der Gesundheit mit Sicherheit nicht zuträglich. Insofern ist es nicht verkehrt, sich Gedanken zu machen. Vor allem wenn man das Risiko relativ einfach eliminieren kann.

  • Klar, es steht natuerlich jedem frei sein set-up zu ueberdenken und entsprechend zu veraendern. Ich benutze bei all meinen tarp tie outs shockcord (und am anderen Ende meistens Heringe), habe persoenlich aber keine Bendenken, dass ich durch einen brechenden Hering, der zum Geschoss wird, verletzt werden koennte. Leichtsinn den ich irgendwann nochmal buessen werde? Vielleicht, aber ich bleibe dabei, dass es sich hierbei um seltene Einzelfaelle handelt.

  • Ich vermute das Problem liegt darin, dass das Tarp ja noch an anderen Ecken befestigt. Der "luf-seitige" Zeltnagel löst sich, wenn die Spannung durch die Windkraft zu hoch wird, wird durch auf der strecke, die das Tarp dem Wind nachgeben kann beschleunigt. Das Tarp bleibt dann an der restlichen Befestigung hängen, während der Zeltnagel seinen Flog fortsetzt, bis er vom Tarp gebremst wird.

    Elastische Elemente in der Schnur verlängern die Beschleunigungsphase nach hinten heraus etwas.

  • Ich denke, es ist unerheblich wie die Abspannleine am Hering befestigt wird. Wenn die Leine so gespannt ist, dass sie bei normalem Gebrauch nicht über den Hering rutscht, wird der Hering automatisch in Richtung Tarp gerissen.

    Aus meiner Erfahrung kippt ein Hering zuerst ein ganzes Stück in Richtung Tarp/Zelt, bevor er ganz aus dem Boden gerissen wird. Deshalb denke ich, dass eine lose Befestigung (ohne Kerbe) durchaus dafür sorgen kann, dass die Schnur vom Hering rutscht, bevor dieser ganz aus dem Boden gerissen wird. Wenn man bereit ist, auch mal einen Hering zu verlieren, kann das zumindest ein Faktor zur Risikominderung sein.


    Zur Frage der Beschleunigung des Herings: Zwei Meter Abspannleine wiegen wohl zwei bis vier Gramm. Das ist nicht viel, aber doch ein beachtlicher Prozentsatz eines leichten Herings. So betrachtet denke ich schon, dass es eine Rolle spielt, wo der elastische Anteil ist. Ist die elastische Schlaufe direkt am Hering, so muss nur der Hering beschleunigt werden, befindet sie sich beim Tarp, so muss auch die Abspannleine eine Beschleunigung erfahren. Ist die Schlaufe direkt beim Hering, so muss der stärker beschleunigte Hering später auch die Schnur beschleunigen und hinter sich herziehen; bis das jedoch geschieht, ist er aber schon ein ganzes Stück in Richtung Tarp geflogen. Bevor er wirklich die gesamte Länge der Leine beschleunigt hat, ist er auch schon beim Tarp angekommen.


    In der Praxis dürfte es so aussehen, dass es einem neunmal einen Hering herauszieht, bevor man das Pech hat, dass das Tarp oder etwas anderes beschädigt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist nicht besonders hoch. Ich verwende in letzter Zeit immer häufiger die 15cm langen Easton Nano Tent Stakes*. Die haben meiner Meinung nach den Vorteil, keine scharfen Kanten zu haben. Zudem lassen sie sich gut von Hand in den Boden drücken. Mir scheint, dass sie auch deutlich besser halten als die Titanium Tent Stakes von Vargo. Bei den MSR Groundhogs gefällt mir persönlich nicht, dass sie sehr scharfkantig sind und ich sie kaum von Hand in den Boden drücken kann.


    * Ein Negativpunkt bei den Easton-Heringen: Einmal ist mir beim Herausziehen eines solchen Herings die Kappe abgerissen; das war allerdings bei extrem trockenem und hartem Boden, nachdem ich den Hering mit aller Gewalt in den Boden gehämmert hatte.

  • Wenn Sturmböhen auf 4 Quadratmeter Tarp treffen und am Hering reißen, ist das bisschen Spannung durch das Shock-Cord zu vernachlässigen. Ich halte das für einen äußert seltenen Unfall, bei dem viele unwahrscheinliche Dinge gleichzeitig passieren müssen.


    z.B.

    - Hering muss Scharfkantig sein (oder beim Brechen eine scharfe Kante entstehen)

    - Hering muss genau im richtigen Winkel auf das Tarp treffen

    - evlt. spielt auch der "Peitscheneffekt" des im Wind flatternden Tarps eine Rolle

    - man muss im Sturm hängen


    Eigene Versuche im Testlabor mit Shock-Cord-Loops meine Heringe - bei Windstille - in gefährliche Geschosse zu verwandeln, sind kläglich gescheitert -> Sohn zeigte keine Schmerzreaktion ;)


    Ich verwende:

    2mm Shock Cord Loops an den Tarpenden

    MSR Mini Groundhogs mit angespleißtem Zing-it und aufgefädelten Hookworms


    Für mich hat diese "federnde" Abspannung viele Vorteile und ich halte das Risiko für vernachlässigbar (Your mileage may vary).



    P.S. meinem Profilbild wurde auf softwarechirurgischem Weg ein Lächeln hinzugefügt und der Teint korrigiert

    Once you get locked into a serious hammock collection,

    the tendency is to push it as far as you can ...


    Hesmon

  • Eigene Versuche im Testlabor mit Shock-Cord-Loops meine Heringe - bei Windstille - in gefährliche Geschosse zu verwandeln, sind kläglich gescheitert -> Sohn zeigte keine Schmerzreaktion ;)


    Ich verwende:

    2mm Shock Cord Loops an den Tarpenden

    MSR Mini Groundhogs mit angespleißtem Zing-it und aufgefädelten Hookworms

    Danke für den Test! Ich hatte schon länger gedacht, dass man die Theorie testen müsste.


    Meinst du 3mm Shock Cord macht einen großen Unterschied? Das habe ich derzeit an meinen Tarps.

  • Ich stimme TreeGirl zu: Wenn die Strecke Tarp, Gummi, Leine und Hering ist, zudem der Hering an der Leine befestigt ist, dann wird sich wohl kaum ein Katapult daraus entwickeln. Die Leine wirkt durch ihr Gewicht als eine Bremse sobald der Hering los ist.


    Außerdem denke ich auch, dass das Tarp aufgeschlitzt wurde, weil der Hering gebrochen ist. Bei Aluminium entstehen dabei sehr scharfe Kanten.


    Diesen Sommer ist mir etwas ähnliches passiert:

    Wir haben an der Ostsee unser Tarp mit 30cm V-Profil Stahl Heringen abgespannt. Bis dato hatten sie keine Schlaufen und ich habe die Spectra-Leine einfach als Schlaufe am Hering eingehängt. Die Leine verfügt nicht über ein Gummielement.

    Der normale Wind zwischen den Dünen hat unser Tarp so stark gespannt, dass ein 30er Hering rausgerissen wurde und diagonal über das Tarp geflogen ist. Er landete direkt neben dem dortigen Hering, vergrub sich allerdings ca. 10cm tief im Sand. Hat eine Weile gedauert bis ich den wieder fand.

    Zum Glück hat den niemand an den Kopf bekommen.


    Meine Maßnahme war alle "ollen" V-Profil Stahlheringe mit Schlaufen zu versehen, in welche wir die Leinen dann "eingeachtet" haben. Ab diesem Zeitpunkt flogen die Heringe nur noch ca. 15cm weit bzw, klappten einfach um nachdem sie gezogen waren.

  • Meinst du 3mm Shock Cord macht einen großen Unterschied? Das habe ich derzeit an meinen Tarps.

    Shock Cord dehnt sich bauartbedingt nur auf die ca. doppelte Länge aus.

    Im Gegensatz zu Schleuder Gummis, welche sich auf die 5-6 Fache Länge ausdehnen.


    Habe gerade aus einem 3mm Reststück eine Loop gebaut und getestet.

    Man hält sich die Loop mit dem Daumen ans Bein, zieht maximal aus und lässt los.

    Da bekommt man einen guten Eindruck wie viel bzw. wie weing "bumms" dahinter ist.

    Wenn man damit einen Hering auf Pappkarton schießt, muss man schon eine große Loop bauen, diese voll ausziehen und recht oft schießen um eine Delle in den Karton zu machen.


    Wie gesagt: Das Problem ist - meiner Meinung nach - eher der Sturm in Verbindung mit scharfen Kanten gewesen, als das Shock Cord.

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    Hesmon

  • Eigene Versuche im Testlabor mit Shock-Cord-Loops meine Heringe - bei Windstille - in gefährliche Geschosse zu verwandeln, sind kläglich gescheitert -> Sohn zeigte keine Schmerzreaktion

    Ich liebe Väter, die Ihre Zuneigung zu ihren Sprösslingen offen ausleben...heee, wieso ist meiner gerade abgehauen? ;-)


    Es ist ja viel Theorie in diesem Thread. Ich will nochmal auf einen anderen kleinen Aspekt hinweisen. Ibgary schrieb auf hammockforums: "

    The stake, MSR alumunim, goes in the ground and about 1/16 glow line, I think it also came from Dutch, goes over the stake and back to the Dutch Fly"

    Wer bei Dutch nach so einer Schnur sucht, findet: https://dutchwaregear.com/prod…td-reflective-shock-cord/


    Wenn mein Verdacht stimmt, hat der gute Mann an die elastische Schlaufe des Flys keine unelastische, sondern eine weitere elastische Schnur angebunden. Gedoppelt! Wenn man so(!) eine Kombi mit der entsprechenden Länge einer normalen Abspannung bei einem aufkommenden Sturm, der ja bei ihm aufzog, hart abspannt, dann könnte das möglicherweise einen tiefen Riss geben - in der Beziehung zum Sohn bei einem Test. ;-)

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