Zoll und Mehrwertsteuer bei Bestellungen aus den USA

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    Ich bin mir nicht sicher, ob es sich lohnt die Erfahrungsberichte mit dem deutschen Zoll weiter zu sammeln, da ich trotz der klaren Gesetzeslage irgendwie kein System in der Umsetzung erkennen kann. Trotzdem hier nochmal meine neueste Erfahrung:

    Habe am 28. Juni '19 fünf Yard 2.2 oz Hex70 XL bei RBTR bestellt, die sogar am gleichen Tag das Haus auf den Postweg mit USPS verlassen haben. Am 2. Juli sind sie in Frankfurt gelandet und wurden bis zum 9. Juli vom Zoll dort am Flughafen festgehalten. Heute Vormittag konnte ich in der Tracking-Übersicht sehen, dass das Päckchen Frankfurt um 8:15 Uhr endlich verlassen hat, um knapp drei Stunden später um 11:38 Uhr als ausgeliefert an Empfänger in Berlin online deklariert zu werden. Egal ob LKW oder Flug - 3 Stunden sind für den Weg von FfM nach Berlin in meinen Briefkasten(!) einfach zu kurz. Ich begann Zoll-Paranoia zu schieben, dass der Zoll das Päckchen und damit den Stoff bei der Kontrolle beschädigt hat (wie bei Cross Hammock oben in diesem Faden). Aber, nein ...

    Da ich zu dem Zeitpunkt bei der Arbeit war, wurde es wohl "von zollamtlicher Behandlung befreit" als Einschreiben Einwurf in den Briefkasten geworfen. Jedenfalls halte ich es jetzt gerade heile in meiner Hand. Nochmal zur Erinnerung: 5 Yards klassisch von Kyle als "Ripstop Nylon/Components" zum Preis von 33.75 US-Dollar auf der Verpackung deklariert!!! Keine Mehrwertsteuer, obwohl der aktuelle Wechselkurs etwas mehr als 29 Euro ausweist.

    Klar freue ich mich :P - aber Fragen bleiben: Vielleicht haben die beim Zoll zurzeit einfach zu viel zu tun und machen Flüchtigkeitsfehler? Sind die fünf Euro über dem Freibetrag zu viel Aufwand für die Bearbeitung? Eigentlich wird doch Porto und Verpackung bei der Einfuhr vom Zoll mit verzollt?! Brat mir einer 'nen Storch ... :/

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    Sind die fünf Euro über dem Freibetrag zu viel Aufwand für die Bearbeitung?

    Ich meine mal irgendwo auf der Webseite vom Zoll gelesen zu haben, dass keine Abgaben erhoben werden, wenn der Wert unter 5,00€ liegt. Allerdings sollten die Abgaben für deinen Einkauf knapp über 5,00€ liegen - also vielleicht Glück gehabt. Denn wenn die Post die Ausgaben eingesammelt hätte, wären noch 6,00€ oben drauf gekommen.

    Eigentlich wird doch Porto und Verpackung bei der Einfuhr vom Zoll mit verzollt?!

    Ja, wenn es für den Zoll erkennbar ist. RbtR schreibt aber häufiger nur den Warenwert auf die Zollerklärung. Wenn der geringer war als 22,00€ und keine Versandkosten deklariert waren, ist der Zoll von einer Sendung mit geringem Wert ausgegangen.

    Oder das Päckchen ist eben einfach durchgerutscht.

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    Warenwert zwischen 22 Euro und 150 Euro

    Bei einem Wert zwischen 22 Euro und 150 Euro sind die Sendungen zwar zollfrei, die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent bzw. 7 Prozent und die Verbrauchsteuer (bei Warensendungen mit verbrauchsteuerpflichtigen Waren) sind aber zu erheben. Allerdings werden Abgaben in einer Höhe von weniger als 5 Euro nicht erhoben.

    Danke für die Infos! Eigentlich wäre ich mit knapp unter 30 Euro Warenwert ca. 70 Cent über der 5 Euro Abgabegrenze gewesen. Da haben sie wohl ein Auge zugedrückt. Nun treiben mich die 19 Prozent Einfuhrsteuer nicht in den Bankrott. Allerdings muss nur immer an den Stadtrand nach Ahrensfelde raus (ohne Auto), das ist immer sehr aufwändig. Bewohner ländlicher Gegenden haben es ja noch weiter (dann aber meist ein Auto zur Verfügung) ... Es ist und bleibt ein Glückspiel ?(

  • Klar freue ich mich :P - aber Fragen bleiben: Vielleicht haben die beim Zoll zurzeit einfach zu viel zu tun und machen Flüchtigkeitsfehler? Sind die fünf Euro über dem Freibetrag zu viel Aufwand für die Bearbeitung? Eigentlich wird doch Porto und Verpackung bei der Einfuhr vom Zoll mit verzollt?! Brat mir einer 'nen Storch ... :/

    Es ist tatsächlich so, dass keine 100%ige Erfassung und Prüfung durch den Zoll stattfindet. Ich habe den Eindruck, dass eben nach Auslastung irgendwas zwischen 30-60% der Sendungen einer zollamtlichen Prüfung zugeführt werden, der Rest kriegt einfach anstandslos das "von zollamtlicher behandlung befreit" pickerl drauf und gut ist. Je größer und teurer oder verdächtiger der Absender desto größer die Wahrscheinlichkeit rausgefischt zu werden. Besonders interessant für den Zoll sind z.B. synthetische Sneaker, da auf Schuhe mit Meshgewebe ein sehr hoher Zollsatz fällig ist. Bei meinem Zollamt siehst Du in der Schlange bestimmt zur Hälfte irgendwelche sneakerheads die ganz bleich werden wenn Ihnen der Zollbeamte die Rechnung macht :D

    Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, das die customs value declaration den Zoll überhaupt nicht interessiert, weder im positiven wie im negativen. Entscheidend sind für die Rechnung und Zahlungsbeleg, wenn da vollständige Unterlagen vorhanden sind, kann das Paket ja auch durch den Logistiker verzollt und zugestellt werden. Auch gut zu wissen: Bei einigen (oder allen?) Zollämtern kannst Du die für die Verzollung notwendigen Unterlagen auch postalisch oder per fax zusenden, so dass Dir das Paket einfach von Deinem Logistiker zugestellt wird und Du dann ggf. wie bei Nachnahme direkt beim Paketboten bezahlen kannst.

    Und sorry falls das alles schon dreimal hier durchgekaut wurde, hab nicht alles gelesen ;)

    Einmal editiert, zuletzt von grobinger (10. Juli 2019 um 21:00)

  • Auch gut zu wissen: Bei einigen (oder allen?) Zollämtern kannst Du die für die Verzollung notwendigen Unterlagen auch postalisch oder per fax zusenden, so dass Dir das Paket einfach von Deinem Logistiker zugestellt wird und Du dann ggf. wie bei Nachnahme direkt beim Paketboten bezahlen kannst.

    Nachtrag hierzu: Am Wochenende Abholzettel vom Zoll bekommen (Underquilt von simply light designs bestellt), der "Service" das durch die Post verzollen zu lassen kostet zwischenzeitlich jetzt 28,50€ Gebühr plus 6€ "Auslagenpauschale".

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    Nachtrag hierzu: Am Wochenende Abholzettel vom Zoll bekommen (Underquilt von simply light designs bestellt), der "Service" das durch die Post verzollen zu lassen kostet zwischenzeitlich jetzt 28,50€ Gebühr plus 6€ "Auslagenpauschale".

    Die 6€ fallen seit Anfang letzten Jahres auch an, wenn die Post die Sendung unaufgefordert verzollt und zustellt. Das macht Kleinsendungen je nach Bestellwert plötzlich um 21% bis 120% teurer :cursing:

  • Ich habe eigentlich nicht gehofft, dass ich hier nochmals einen Problemfall präsentieren muss, aber leider ist das jetzt eingetreten. Eine Bestellung bei RSBTR von vor zwei Monaten ist nach der Ankunft in Deutschland beim Zoll wie in einer Black-Box verschwunden. Seit knapp zwei Monaten erhalte erhalte ich auf der Trackingseite folgende Information:

    Zunächst dachte ich, dass ich einfach noch etwas länger als üblich warten muss, aber diese Hoffnung ist mittlerweile verflogen. Einigermaßen frustriert bin ich darüber, dass für diesen Fall keinerlei Möglichkeit der Nachfrage meinerseits besteht. Natürlich habe ich auch Ripstop informiert. Kyle schreibt mir dazu:

    "The issue with this order is that the package is being held by German customs, presumably awaiting duties to be paid. That being said, what you need to do is contact your local authorities and pay that customs duty. You do need to do that ASAP as the package will only be held for so long before it's returned to sender.
    I wish we could help more, but unfortunately when it comes to customs and duties, it's out of our hands :/. "

    Meine Bitte, bei USPS die Sendung als nicht angekommen zu reklamieren, blieb unbeantwortet. Ich habe Kyle gegenüber auch ein ziemlich schlechtes Gefühl und will nicht nochmals nachhaken, denn er kann ja wirklich nichts dafür. Das Problem ist - wie bei meiner anderen oben geschilderten Sendung - der deutsche Zoll.

    Damit ich nicht auf dem Schaden sitzen bleibe, habe ich jetzt noch zwei Tage Zeit, einen Antrag auf Käuferschutz auf Paypal zu stellen. Und das werde ich auch machen, denn es geht um einen dreistelligen Betrag.

    Oder fällt vielleicht jemandem von euch ein, was ich noch unternehmen könnte?

  • Danke für die Reaktion! Leider sind die Mitarbeiter meines zuständigen Zollamts in Schöneberg notorische Telefonverweigerer. Aber selbst bei gutwillig gestimmten Beamten dürfte die Nachfrage nichts helfen, denn die Ware liegt ja immer noch unbearbeitet am Frankfurter Flughafen.

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    Du kannst Kyle antworten, dass du das Paket nur vom Zoll abholen kannst, wenn es

    1. bei deinem örtlichen Zollamt angekommen ist, und du

    2. eine schriftliche Benachrichtigung erhalten hast.

    Die Sendung ist laut Tracking aber beim Frankfurter Zoll liegen geblieben. Da kannst du meines Wissens nach gar nichts tun.

    Du schreibst, dass deine Bestellung einen Wert im dreistelligen Bereich hat. Kann es sein, dass der Wert unter 150€ ist? Seit die Post 6€ für den "Service" der Verzollung berechnet, hatte ich schon sehr häufig wochenlange Verzögerungen. Bisher aber noch nicht über einen Monat. Das USPS Tracking war in den letzten Monaten auch äußerst unzuverlässig.

    Was mir auch schon ein paar mal passiert ist, ist dass ein Postbote Zoll-Pakete einfach irgendwo am Haus abgelegt hat. Glücklicherweise wohne ich in einer Sackgasse, wo nur ein Nachbar vorbei kommt. Da wird nichts mitgenommen. Wenn ich in einem Mietshaus in der Stadt wohnen würde, wären die Pakete wohl verloren gegangen.

    Insofern würde ich Kyle mitteilen, dass du nichts ohne einen Zollbescheid tun kannst, und einen Antrag auf Käuferschutz stellst - es sei denn er hat einen besseren Vorschlag.

  • Danke, so ähnlich habe ich das auch geschrieben. Inzwischen habe ich - knapp vor Verstreichen der Frist - auch den Käuferschutzantrag gestellt, ohne allerdings vorher was von Kyle zu hören. Jetzt regelt Paypal den Fall und ich kann nur hoffen, dass das zu meinen Gunsten ausgeht. Was ich unangenehm finde ist, dass letztlich ausländische Unternehmen haften müssen, weil bei uns die Zollabfertigung nicht funktioniert.

    (Mir liegt zwar noch einiges auf der Zunge, was ich an Behördenalltag beobachte, wenn ich meine Sendungen im Zollamt Schöneberg abhole, aber das behalte ich jetzt mal für mich...)

    Bei mir hat das USPS-Tracking - mit kleinen Verzögerungen - ansonsten immer funktioniert.

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    Was ich unangenehm finde ist, dass letztlich ausländische Unternehmen haften müssen, weil bei uns die Zollabfertigung nicht funktioniert.

    Ich gehe davon aus, dass die internationalen USPS-Sendungen alle versichert sind. Dementsprechend sollte USPS auch für den Schaden aufkommen. Aber das muss der Auftraggeber (in diesem Fall RbtR) mit USPS klären.

    Bei mir hat das USPS-Tracking - mit kleinen Verzögerungen - ansonsten immer funktioniert.

    Dann hattest du Glück. Ich hatte im August gerade wieder 6 USPS-Pakete und nur bei einem hat das Tracking bis zum Ende funktioniert. Bei den anderen endeten die Updates irgendwann zwischen dem Verlassen der USA und der Weiterleitung vom Frankfurter Zoll. Es sind aber alle wohlbehalten aufgetaucht. Allerdings erschwert das unzuverlässige Tracking die Zollanmeldung ungemein, da ich nur noch raten kann, für welche Bestellung die Zollbenachrichtigung nun gilt :/

  • PayPal hat den Fall entschieden und wird das Geld erstatten - allem Anschein nach ohne dass irgendeine Transportversicherung von USPS involviert wird. Aber das kann ich natürlich nur vermuten.

    Ich bin darüber zwar erleichtert, aber ein schaler Beigeschmack bleibt trotzdem, weil die eigentlich Verantwortlichen ohne Konsequenzen davonkommen.

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    Paypal hat nichts mit der Transportversicherung zu tun. Die erstatten dir das Geld und holen es sich sofort von RbtR zurück. Wenn RbtR nicht auf den Kosten sitzen bleiben will, müssen sie vermutlich einen Fall bei USPS auf machen. Genauso würde es auch funktionieren wenn eine deiner Hängematten auf dem Versandweg verloren geht. Du musst dann einen Nachforschungsantrag bei deinem Versender stellen und darauf hoffen, dass sie das Paket entweder wiederfinden oder dir den Schaden ersetzen. Ärgerlich und zeitaufwändig ist das immer. Aber der Kunde kann ja am wenigsten dafür.

  • Wie die Erstattung im Hintergrund weiter läuft, kann man wohl nur vermuten. Wenn Ripstop dokumentieren kann, dass die Sendung ordnungsgemäß verpackt und verschickt wurde (was durch den Trackinglink gegeben scheint), dürfte Paypal erstmal keine Grundlage haben, das Geld zurückzufordern. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Verlust Paypal-intern abgerechnet wird. Wenn man schon mal die Erfahrung gemacht hat, welche Paypalgebühren - als Verkäufer, nicht als Kunde - im Handel zwischen verschiedenen Währungsräumen anfallen, muss man auch kein ganz so schlechtes Gefühl mehr haben, wenn man im Ausnahmefall mal von einer Entschädigung profitiert, denn diese Gebühren sind heftig. Paypal hat an mir jedenfalls schon mehr verdient, als sie mir jetzt erstatten müssen.

  • Es ist definitiv so, dass sich Paypay das Geld von RBTR holen wird.

    Ob UPS sich davon etwas anzieht ist sehrfraglich.

    Ich hätte das mit Ripstop erstmal abgeklärt, dass du Käuferschutz

    bei Paypal stellst.

    Hauptsache ist, dass du dein Geld zurück hast.X(:(

    gruss

    Konrad

  • Wenn dem so wäre, dann hätte mir Ripstop gerade eben - also nachdem der Fall von Paypal geschlossen wurde - nicht folgendes geantwortet:

    "We've reached out to the post office to see if there is anything they can do, but in cases like these, the USPS typically cannot assist.
    If the package hasn't moved by Friday, I'll issue a replacement."

    Aus dem Fall kann man einiges lernen:

    1. Man kann sich als Paypal-Kunde darauf verlassen, dass man bei einer transatlantischen Bestellung auch im Verlustfall nicht im Regen steht.

    2. Wenn Paypal einen vom Kunden eröffneten Fall schließt, zieht es - genau wie ich vermutet habe - die Angelegenheit an sich und trägt im Erstattungsfall die Kosten. Das finde ich auch völlig normal. Paypal ist eben - wie man als Kunde glauben kann - nicht umsonst, sondern kostet eine Menge Geld, das die Verkäufer zu zahlen haben. Dafür hat man aber eben nicht nur als Kunde, sondern auch als Verkäufer im Schadensfall einen Schutz.

    3. Ripstop by the Roll, an denen viel rumgemäkelt wird, ist eine sehr kulante Firma (deren Großzügigkeit ich aber nicht ausnutzen werde).

    (4. Mit definitiv-Behauptungen sollte man sich als jemand, der mit Paypal nur als Käufer zu tun hat, etwas zurückhalten. Die angesprochene Versand-Firma heißt übrigens USPS - UPS ist was anderes.)

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