Zoll und Mehrwertsteuer bei Bestellungen aus den USA

  • Hallo,


    am letzten Donnerstag hatte ich bei Warbonnet einen Underquilt bestellt. Laut der Sendungsverfolgung wurde das Paket zollrechtlich bearbeitet, es befindet sich auch ein Aufkleber des Zolls darauf. DHL hat mir heute das Paket zugestellt, kein Hinweis auf irgendwelche Abgaben bzw. Steuern. Jetzt frage ich mich (als treuer Staatsdiener;-), wie ich mich zu verhalten habe? Folgt der Zahlungsbescheid per Post? Muss ich selbst tätig werden? Auf den Infoseiten des Zolls konnte ich darauf keine Antwort finden und die Warteschleife war endlos lang......


    Danke und Grüße
    Andreas

  • Das Paket ist per DHL zugestellt worden? Und es war ein Aufkleber drauf? Mit den Zollkosten? Wenn ja, dann hat die Post vergessen abzukassieren. Vielleicht war der Zusteller eine Aushilfe. Da müsstest du bei der Post anfragen, denn die haben die Zollkosten für dich ausgelegt.


    Bisher habe ich nur einmal nachträglich einen Zahlungsbescheid bekommen - und das war bei FedEx. Alle anderen kassieren sofort.

  • Der oben beschriebene Fall scheint mir ein Versehen zu sein, das sich möglicherweise auch ohne eigenes Zutun in Form einer Rechnung noch aufklären dürfte. Bei meinen bisher vier Bestellungen bei Dutch - alle unterhalb der magischen 150 € Grenze - wurde jedesmal die MwSt kassiert. Merkwürdig nur, dass die erste Sendung an die örtliche Post-Filiale ging, bei der ich das Paket dann abholen und bezahlen durfte. Die anderen drei Male ging die Sendung aus ungeklärten Gründen ans Zollamt Schöneberg; für mich eigentlich kein großer Umweg, aber durch die allfällige Warterei unter dem streng blickenden Konterfei des jeweiligen Bundespräsidenten doch recht lästig. Wie sind euere Erfahrungen mit Bestellungen aus den USA?

  • Merkwürdig nur, dass die erste Sendung an die örtliche Post-Filiale ging, bei der ich das Paket dann abholen und bezahlen durfte. Die anderen drei Male ging die Sendung aus ungeklärten Gründen ans Zollamt Schöneberg; für mich eigentlich kein großer Umweg, aber durch die allfällige Warterei unter dem streng blickenden Konterfei des jeweiligen Bundespräsidenten doch recht lästig.


    Das ist nicht merkwürdig sondern einfach Glück bzw. Pech. Wenn die Post Kapazitäten hat, übernehmen sie die Verzollung. Ich habe das aber bisher eigentlich nur bei Sendungen mit geringem Wert (unter 150€) erlebt - nie bei so etwas teurem wie einem Quilt. Es gibt auch keinen Anspruch auf die Abfertigung. Wenn eine Sendung beim Zollamt landet, hast du immer die Option für 28,50€ die Post zu beauftragen die Verzollung zu übernehmen. Ich fahre zum Zoll; schon alleine deshalb, weil ich die Sendungen lieber selbst öffne. So ein Tapetenmesser geht nämlich ganz schnell auch durch Hängematten-, Tarp- oder Quiltstoffe...

  • Bei Dios Mios hat der Postler einen Fehler gemacht und hätte das direkt kassieren müssen.


    Bei Morty kommt es drauf an, welcher Aufkleber drauf war.
    Der selbe wie bei Dios Mios, also "verzollt" oder "befreit von zollrechtlicher Bearbeitung".


    Der Absender muss eine Inhaltserklärung aussen aufbringen. Customs Declaration.
    Darauf der Inhalt und der Kaufpreis inkl. Versand.


    Wenn das unter der Grenze liegt, wirds so durch gehen.
    Es kann auch sein, der Mitarbeiter vom Zoll misstraut den Angaben oder macht Stichproben.
    Dann wird ein Mitarbeiter der Post die Sendung im Beisein des Zolls öffnen.


    Die Zollinhaltserklärung ist übrigens auch bei Versand aus der EU heraus notwendig.
    Also in die Schweiz oder bald nach UK.


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    Wenn Du eigentlich hättest Einfuhrumsatzsteuer und Zollabgaben zahlen müssen,
    es aber so durch ging, dann musst Du nichts machen als treuer Bürger.
    Da kommt nix mehr wenn Du den grünen befreit Aufkleber hast.

  • Wenn Du eigentlich hättest Einfuhrumsatzsteuer und Zollabgaben zahlen müssen,
    es aber so durch ging, dann musst Du nichts machen als treuer Bürger.


    Das dachte ich auch immer, bin aber nicht mehr sicher. Nach meinen Recherchen hast du wohl eigentlich die Pflicht, den Zoll zu informieren. Zumindest wenn der Absender falsche Angaben (absichtlich oder nicht ist egal) gemacht hat. Nennt sich dann Nachverzollung. Ich vermute, dass man den Zoll auch informieren müsste, wenn er einen Fehler gemacht hat. Zumindest im ersten Fall kann es wohl passieren, dass du irgendwann Post von der Zollfahndung bekommst. Ob du dann nur nachzahlen musst, oder zusätzlich Strafgebühren zahlen musst weiss ich nicht.


    Ob bzw. ab welchem Betrag man den Aufwand betreibt muss jeder selbst wissen. Privat ist das vermutlich auch eine andere Geschichte als gewerblich.

  • Ahjo, gewerblich ist es ne gaaanz andere Geschichte.
    Da geht es ja um viel größere Summen.
    I.d.R. meldet man eine zu erwartende Lieferung aus dem nicht EU Ausland auch beim zuständigen Zollamt an.


    Aber als privater Internetkunde? So viel Personal hat der Zoll nicht um alle Sendungen zu checken.
    Der Aufwand, der dadurch entsteht wenn sie der brave Bürger hinterher meldet und freiwillig Steuern zahlen will, ist halt auch net zu unterschätzen.

  • Nun, ich an Morties Stelle, der weiss wo er arbeitet und ihn daher sehr gut verstehen kann,
    würde das ungeöffnete Paket nehmen, schauen welches Zollamt für mich zuständig ist, wann es geöffnet hat und einfach mal hin fahren.
    Noch alle Unterlagen mitnehmen, gültiger Personalausweis, Rechnungen, Kaufbeleg.
    Dann denen das Paket einfach mal hinlegen.
    Ich denke das sind auch nur Menschen und freuen sich über so viel Ehrlichkeit.
    Einen Bonus wirst Du dafür zwar nicht bekommen oder einen Steuererlass.
    Aber vielleicht ein Lächeln und vor allem, ein gutes Gewissen, alles richtig gemacht zu haben.

  • Immer locker durch die Hose atmen. Im August hatte ich eine Lieferung von rei.com aus den USA. Auf der beiliegenden Rechnung (ca. 170 $) waren zwei Positionen, eine davon unter 10 $. Genau diese Position war von aussen auf der Rechnung zu lesen. Das Päckchen bekam ich wie [USER="4201"]Morti75[/USER] einfach so vom Postboten ausgehändigt. Keine zusätzlichen Gebühren. So ein bisschen hatte ich mich schon gefreut, wäre es doch ein richtiges Schnäppchen gewesen. :bomb:


    Zwei oder drei Wochen später bekam ich jedoch Post von dhl. Darin war dann die Rechnung über Zollgebühren, MwSt. und eine Bearbeitungsgebühr. Also nix gespart und niemand hintergangen. Alles gut.:)

  • Man erlebt beim Zoll immer wieder Überraschungen. Heute durfte ich mir ein Päckchen von der örtlichen Postfiliale abholen. Auf der Benachrichtigungskarte wurde mir eine dafür fällige Gebühr in ungenannter Höhe angekündigt. Bei der Abholung selbst prangte jedoch ein Aufkleber auf der Sendung: "von zollamtlicher Behandlung befreit". Dabei hatte RSBTR alles richtig gemacht und den Wert der Sendung eindeutig außen deklariert. Die Nachfrage bei der Beamtin unter Verweis auf den sichtbaren Betrag ergab die Antwort: "Nein, dafür müssen sie nichts bezahlen."


    Also ein verfrühtes Nikolaus-Geschenk? Aber ich will mich nicht zu früh freuen, vielleicht geht es mir ja wie dem Hängematz...


    Trotzdem die Überlegung: So einfach und preisgünstig könnte Einkaufen in den USA immer sein, wenn die Trampel und TTIP-Verweigerer nicht mehr das letzte Wort haben. (Falls der Moderator den letzten Satz nicht haben will, kann er ihn auch streichen.)


  • Das hat mit TTIP nichts zu tun. Die Mehrwertsteuer wird bei einem Wert von über 22€ immer berechnet. Wenn du innerhalb der EU bestellst, wird die Mehrwertsteuer vom Verkäufer entrichtet und ist bereits im Preis enthalten. Deshalb merkst du nichts davon. Wenn du in einem Land bestellst, mit dem die EU ein Handelsabkommen ähnlich TTIP hat - wie z.B. die Schweiz -, zieht der Verkäufer normalerweise die Mehrwertsteuer seines Landes vom Kaufpreis ab, und du musst die deutsche Mehrwertsteuer beim Zoll entrichten. Manchmal übernimmt das auch die Post. Wenn du in einem sogenannten Drittland bestellst, fällt ab einem Gesamtwert (Warenwert + Versandkosten) von über 150€ zusätzlich auch noch Zoll an. Bei Stoffen sind das 8%. Wenn du also für 150€ Stoff bestellst, und die Versandkosten 50€ betragen, werden 200€ besteuert. Zuerst wird der Zoll berechnet. Das sind bei 8% von 200€ gleich 16€. Dann wird die Mehrwertsteuer vom Gesamtwert berechnet - also 19% von 216€ gleich 41,04€.


    Deine RbtR-Sendung lag wahrscheinlich unter 150€, weshalb ohnehin kein Zoll angefallen wäre. Aber die Mehrwertsteuer hätte abgeführt werden müssen.

  • Für Interessierte aus der Schweiz:


    Bei Bestellungen aus dem Ausland werden Warenwert und Portokosten addiert und nach dem aktuellen Kurs in die Schweizer Landeswährung (CHF) umgerechnet.
    Liegt die Mehrwertsteuer für diesen Betrag (7,7%) unter 5.- CHF, so ist die Sendung "abgabefrei".
    Liegt die Summe darüber, so ist sie "abgabepflichtig" und es wird auf Warenwert und Portokosten ein Zoll von 3% erhoben.
    Nun wird noch CHF 11.50 (für Bestellungen aus den vier Nachbarländern D, A, I und F) respektive CHF 16.- für alle anderen Länder weltweit dazugerechnet.
    Auf die Zwischensumme wird nun die Mehrwertsteuer von 8% erhoben.


    Grob gilt aktuell: Bis CHF 65 (Warenwert + Porto) sind Sendungen aus dem Ausland abgabefrei.

  • Kann sein - die TTIP - Anmerkung war ja auch eher zum Streichen. Aber es ging ja um was anderes. Was mich bei den nicht allzu häufigen Bestellungen, die ich bisher erhalten habe einigermaßen wundert, ist die Beliebigkeit, mit der äußerlich nahezu identische Sendungen (Warenwert plus Versand unter 150 €, Herkunft USA, weiche Plastikverpackung) behandelt werden. Mal an die Post, mal ans Zollamt, mal MwSt. mal keine, obwohl das jeder Azubi zuordnen können müsste. Am meisten habe ich mich über die Behandlung einer Sendung von Dutch geärgert, bei der der Plastik-Zipper-Beutel, in den Dutch die gesamte Bestellung bei mir bisher immer verpackt hat, mit dem Teppichmesser vom Zoll geöffnet wurde, wobei auch ein Stück Stoff - zum Glück an der Webkante - touchiert wurde...

  • Diese scheinbar zufällige Beliebigkeit stört mich auch bei der Einfuhr in die Schweiz. Meistens arbeitet die Postverzollung zwar recht schnell (1-4 Tage), aber kürzlich lag eine Sendung von Dutch über eine Woche beim Zoll, ohne dass ich dafür einen Grund hätte herleiten können. Das kann einen schon ärgern.


    Bei Bestellungen bei Dutch kümmert sich die Post meistens nicht um die Portogebühren, so dass ich in der Regel etwas zu günstig wegkomme. Dafür waren kürzlich vier von fünf Paketen von Extremtextil "kostenpflichtig", weil die Post dort aufgrund des Briefmarkenwertes noch das Porto zum "Warenwert" addiert hat, der das Porto aber bereits beinhaltete. Der Fehler lag nur zum Teil bei Extremtextil, welches auf ein paar der Sendungen nicht vermerkt hatte, dass der auf dem Paket deklarierte Wert das Porto mit einschliesst. Wenn die Postverzollung so willkürlich erledigt wird, wird es mit den ganzen Berechnungen im Vorfeld schwierig: Ich versuche, wenn möglich, unter der abgabepflichtigen Grenze zu bleiben, weil mich das zusätzliche Porto deutlich günstiger kommt als die Verzollung der Waren, die darüber liegen. Ich muss dann aber immer hoffen, dass die Post nicht wieder irgendwelche Fehler macht und doch einen Zoll erhebt.


    Zum Glück habe ich bisher alle zu viel eingezogenen Beträge zurückerstattet erhalten. Man muss da aber immer viel Zeit aufwenden, den Leuten vom Zoll erklären, wo der Fehler liegt, Rechnungen fotografieren und einschicken und die Leute darum bitten, die Sache nochmals genau zu studieren. Mit etwas Geduld hatten die Leute bisher jeweils ein Einsehen und ich bekam die fälschlicherweise erhobenen Beträge zurück.

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