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  • Endlich mal wieder richtig lange raus !

    5 Tage paddeln und biwaken, ca 80 km gepaddelt und fast 10 mal so viel mit dem Auto gefahren.

    Ich war auf dem See Serre Ponçon in den südlichen Alpen.

    Klares türkisblaues Wasser und Berge ringsherum. Aber auch eine sehr vielbefahrene Strasse am Ufer und eine wenig befahrene Eisenbahnstrecke.

    Jetzt, Mitte Oktober, ist dort auf dem Wasser fast nichts los, ich habe im Mittel vielleicht 5 Boote am Tag getroffen. Im Sommer ist dort wohl die Hölle los, schnelle Motorboote, Jetskis, Wasserski, alles was Krach macht und stinkt. Natürlich gibt es auch Windsurfer, Kitesurfer und Foiler aber denen fühle ich mich innerlich verbunden, die stören mich nicht.

    Es war eine sehr schöne Tour, bei allen Biwaks war ich allein und ungestört. Lagerfeuer sind verboten, ich habe aber am Strand meinen Holzkocher benutzt. Trockenes Brennmaterial findet man abends mühelos, am Morgen ist alles nass.



  • Nach 6 Stunden Autofahrt durch die Berge im Ardèche, eine Überquerung des Rhone, weiter durch den Vercor und die Drôme, kurz nach Gap komme ich an den See. Um meine Tour zu starten wurden mir zwei Buchten empfohlen. Ich habe beide angesehen, aber es war mir schon zu spät um noch am gleichen Abend loszufahren. Das Boot aufblasen, das Gepäck verteilen dauert doch einige Zeit und es wurde schon bald dunkel. So bin ich auf den noch offenen Campingplatz gegangen. Lange musste ich suchen, um zum hängen geeignete Bäume zu finden. Die meisten stehen dort viel zu weit auseinander. Zwei Baumpaare gibt es aber doch und ich konnte mein Setup mit HM und Tarp aufhängen. Die Nacht war mit ca 4°C (mein Thermometer ist nicht sehr genau) recht kühl. Als richtige Frostbeule habe ich es aber mit Daunenunterquilt Marke alter Schlafsack, Topquilt (etwas zu enger Schlafsack mit abgeschnittener Kapuze) und noch einem Schlafsack (auch offen benutzt) beide Daune nicht kalt gehabt. Hab ich gesagt Frostbeule ? Nicht lachen jetzt ! Ich trage zum schlafen draussen eine Weste aus Alpaka als Unterhemd, die ist auch mein Standard-Ski- und Schlafunterhemd, einen dünnen Wollpullover und eine dünne Daunenjacke, Wollmütze, Wollsocken und polarfleece Unterhose. Alle Wollteile selbst gesponnen und gestrickt aus reinen Naturfasern, Alpaka, Wolle, Seide.



  • 1. Tag

    Am nächsten Morgen habe ich dann das Boot fertig gemacht, mein Gepäck drin und drauf verteilt und bin endlich losgefahren. Zuerst bewege ich mich auf dem Teil des Sees, der von der Durance gebildet wird. Ich fahre immer der Nase nach, nach Nordost, ohne festes Ziel oder Zeitplan. Gegen 17 Uhr wird es dann Zeit einen Schlafplatz zu finden, es wird früh dunkel. Der Schlafplatz war ziemlich nah an der Stadt und gut besucht von Spaziergängern und Joggern mit und ohne Hund. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde es aber ruhig, bis auf das Rauschen der Strasse am gegenüberliegenden Ufer und ab und an einen Zug, der höchstens 50m hinter mir fuhr.

    Ich hatte das Tarp weggelassen, weil ich es liebe rausgucken zu können. Am Morgen war natürlich alles klatschnass. Also habe ich mir Zeit gelassen und auf die Sonne gewartet um die Schlafsäcke nicht völlig nass einzupacken.






  • Vielen Dank für diesen Fortsetzungsbericht und die Bilder, freue mich schon auf die nächste Runde. Und: könntest du mal deine selbstgesponnene und gestrickte Wollwäsche im MYOG-Bereich vorstellen? Nicht, dass ich das nachmachen wollte (ich habe aber immerhin schon mal Wolle für einen Wollpullover selbst gesponnen und den auch noch fertig gestrickt bekommen, aber das war in der guten alten Zeit, wo ich noch viieeel mehr Zeit hatte!), aber es würde mich sehr interessieren.

  • Danke für eure netten Kommentare.

    Ich habe vergessen, die Tageskarte einzustellen. Leider hat das Tracking auf dem Handy nicht funktioniert, so habe ich aus der Erinnerung meine Tagesstrecken in einer Karte eingezeichnet.


    Sollte mal der eine oder andere Lust bekommen dort hin zu fahren, dann vermeidet die Sommersaison. Einheimische haben mir gesagt, dass es im Sommer schrecklich voll ist. Das ist sicher auch problematisch für's Biwak. Wo viele Leute unterwegs sind gibt es immer Probleme, Kontrollen und Verbote.

    Der See hat einen regelmässigen Wind, der am Tag, manchmal erst am Nachmittag kräftig von SW bläst und das Vorankommen von Luftboote stark beeinträchtigen kann.
    Theoretisch ist das Überqueren mit Kayaks verboten, auch deshalb meine Wahl, den See zu umrunden, mehr oder weniger ufernah, ausser am Staudamm, da muss man quer rüber.

  • 2. Tag

    Ich war fast am Ende des Sees und habe nun ans andere Ufer gewechselt. Ab jetzt fahre ich nach Südwesten und bekomme am Nachmittag für ein paar Stunden ordentlichen Gegenwind. Das Herbstlaub leuchtet an den Bergen und das Wasser ist so blau, dass die Flügel der Möwen von unten blau aussehen.

    Auf dieser Seite des Sees verläuft die Nationalstrasse und der gesampte Uferbereich ist nicht wild, sonder eher parkähnlich und es gibt viele Campingplätze hier.

    Als ich am späten Nachmittag an eine paradiesische Halbinsel komme, beschliesse ich dort die Nacht zu verbringen. Es gibt einen guten Hängeplatz, auf beiden Seiten der HM sehe ich den See, Platz für die Wäscheleine zum trocknen der Bettzeugs ist auch und am Ufer kann ich gut kochen. Nach der Nässe der letzten Nacht und weil es etwas windig ist ringe ich mich durch mein Bett besser zu schützen und probiere die windsock von onewind. Das wars dann mit der schönen Aussicht aus der Matte aber dafür ist nur die Windsocke nass, die Daunenquilts sind fast trocken.

  • Vielen Dank für den Bericht und die schönen Fotos! Da bekomme ich fast Lust, so etwas auch mal zu machen.

    Ich bin im Sommer 2022 mal mit dem Auto von Turin kommend über die Brücke über diesen See gefahren, um am Abend im Vercors zu langen. Da dachte ich auch, dass der See recht überlaufen ist (von Menschen). Auf deinen Bildern sieht er wunderbar einsam aus.

    Wenn ich das nächste Mal ins Forum schaue, gibt es vielleicht bereits eine Fortsetzung ... Ich lasse mich überraschen. Danke nochmals. :thumbup:

  • 3. Tag

    Auch diesen schönen Platz verlasse ich wieder und niemand sieht später, dass ich dort geschlafen habe.

    Nach etwa einer Stunde komme ich an den Zusammenfluss und ab jetzt fahre ich auf der Ubaye. Hier ist die Landschaft deutlich wilder und die laute Strasse verläuft hier auch nicht mehr. Teilweise ist es so windstill, dass der See völlig glatt wird und mir die Spiegelungen der Felsstrukturen im Wasser völlig den Kopf verdrehen. Fast wird mir schwindlig.


    Es gibt hier schöne Buchten, teils mit hellen Felsen, teils mit schräg geschichtetem Schiefer, der in der Sonne glänzt. Ich fahre, bis es nicht weiter geht, weil die Strömung zu stark wird. Dann geht es am anderen Ufer zurück.

    Diesmal finde ich eine parkartige Freizeitlandschaft, Anlegestelle für kleine Boote, Landeplatz für Gleitschirmflieger, Campinghütten, Klo mit abgeschlossener Tür und einem passenden Baumpaar. Ich benutze wieder die Windsocke, sie hat sich auch gegen den Tau bewährt. Die Nächte sind inzwischen etwas wärmer und der zweite Schlafsack bleibt schon seit zwei Nächten in seiner Tüte.

    Von diesem Tag habe ich noch mehr schöne Bilder. Wollt ihr sie auch sehen?

  • Wie unfassbar schön doch unsere Welt ist, wenn wir nur hinschauen ...

    Großartige Stimmung, die du in deinen Bildern eingefangen hast.....ich bin sofort wie hineingesogen....ich höre gerade dazu auf ARTE einen Konzertmitschnitt von Zaho de Sagazan (ich kannte die Künstlerin bis eben noch nicht)

    Die perfekte Ergänzung für mich......DANKESCHÖN !!!

  • Ja, der Herbst ist eine sehr schöne Zeit und ich bin froh "richtige" Fotoapparate mitgenommen zu haben. Die Bilder mit dem Handy in der wasserdichten Tasche sind nicht so toll. Das schöne an einem Kayak mit Spritzdecke ist, dass wirklich nicht viel Wasser rein kommt. Zumindest bei ruhigem Wetter und wenn die Spritzdecke nicht kaputt geht.
    Die Wassertemperatur war sehr angenehm. Ich war zwar zu faul zum Baden, ich wollte vor der Nacht nicht riskieren auszukühle, ich hatte auch keine Badekleidung mit. Allerdings war es so leer, da hätte ich auch mal nackt reinspringen können. Aber irgendwie war mir nicht so. An den Füssen hat es nicht gezwickt und als ich ausgerutscht bin und halb unter dem Kayak lag, war es auch nicht kalt. Es gab auch Leute, die geschwommen sind. Auch das ist ein Vorteil von Herbsttouren, das Wasser ist noch warm und auch die Nächte am Ufer sind nicht so kalt, wie in meinem Dorf.

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