Hängematte mit integriertem Underquilt

  • Hallo!


    Ich denke darüber nach, vielleicht mal zu versuchen, selbst eine Hängematte zu nähen. Nun ist es so, dass ich eigentlich seitdem ich einen Underquilt besitze, diesen auch fast immer verwendet habe. Deshalb der Gedanke: Warum nicht einen dünnen Underquilt direkt unter die Hängematte nähen? Bei Kälte muss man dann einen zweiten UQ ergänzen, aber bei warmen Temperaturen ist man mit dem Aufhängen der HM fertig.


    Was spricht aus eurer Sicht dagegen?


    Wäre es schwierig, die Underquilt-Schicht so locker zu vernähen, dass sie vom Gewicht nicht belastet/zerdrückt wird? Ich stelle mir das ungefähr wie einen Wooki/Sooki (allerdings nicht asymmetrisch) vor, bei dem die obere Stoffbahn eben "tragend" ist.


    Viele Grüße

    Jonas

  • Sowas haben einige Leute gebaut und vereinzelt gab es sowas auch schon zu kaufen. Prinzipiell spricht also nichts dagegen. Wie praxistauglich das ganze ist, hängt von deiner Erwartungshaltung und deinem handwerklichen Geschick ab ;)


    Ich persönlich habe noch keine Variante davon gefunden, die mir wirklich gut gefallen hat, auch wenn ich es für Tagestouren und ähnliche Einsätze wirklich praktisch fände. Bisher waren aber alle Lösungen (soweit mir bekannt) entweder sehr kurz, sehr schwer (oder beides) oder hatten Nähte an unpassenden stellen. Die richtige Idee zum Selbstbau habe ich auch noch nicht gehabt...

  • Klar, das geht. Allerdings gibt es mehr Nachteile als Vorteile.

    • Ein separater Underquilt ist flexibler nutzbar, als ein angenähter Underquilt.
      Ich habe deutlich mehr Hängematten als Underquilts. Entweder müsste ich an jede Hängematte einen Underquilt nähen, oder ich müsste mich auf wenige Hängematten beschränken. Beides kommt für mich nicht in Frage.
    • Ein angenähter Underquilt schwächt die Hängematte.
      Das Nutzergewicht wird flächig auf den Hängemattenstoff verteilt. Der Underquilt zieht nur an den Nähten. Beides zusammen kann für den Stoff tödlich sein.
    • Wenn man seine Hängematte waschen will, muss man auch den integrierten Underquilt waschen.
      Bei synthetischer Isolierung ist das kein Problem - aber warum schwere Synthetik verwenden, wenn man mit einem integrierten Underquilt Gewicht sparen will?
      Und es macht keinen Spaß, Daune zu waschen.
    • Wenn man Daune verwenden will, muss der Hängemattenstoff daunendicht sein.
      Die Auswahl an daunendichten Stoffen ist kleiner als an Hängemattenstoffen. Daunendichte Stoffe sind teurer weil leichter (und damit dehnbarer) und behandelt. Eine Seite sieht meist aus wie ein Müllbeutel. Da musst du dich entscheiden, ob du direkt auf der Müllbeutel-Seite liegen willst, oder ob es nach außen so aussehen soll, als ob du in einem Müllbeutel hängst. Außerdem sind die meisten Quiltstoffe deutlich schmaler als 150cm.
    • Wenn die Hängematte kaputt geht, ist der Quilt auch kaputt.
      Wenn es teure Daune war, tut das noch mehr weh.
    • Wenn du nicht jeweils eine isolierte Hängematte für jeden Temperaturbereich haben willst, musst du Kompromisse machen.
      Entweder der Quilt ist immer warm genug - dann schwitzt du vermutlich in einigen Nächten, und schleppst häufig mehr Gewicht mit dir herum als notwendig.
      Oder der Quilt ist nur so warm, dass du auch bei höheren Temperaturen nicht ins schwitzen kommst - dann frierst du in kälteren Nächten, oder du musst einen weiteren Quilt darunter hängen. Dann ist nicht nur jede Gewichtsersparnis dahin, sondern du schleppst auch mehr Gewicht mit dir herum, als wenn du einen angemessen warmen Quilt hättest.

    Vermutlich habe ich noch Probleme vergessen.


    Die einzigen Vorteile sind:

    • Die Isolierung liegt wirklich 100%ig an.
    • Eine isolierte Hängematte ist geringfügig schneller aufgebaut als eine Hängematte mit Underquilt.

    Obwohl ich wirklich sehr kälteempfindlich bin, liegt das Wooki-Design gut genug für mich an. Vielleicht würde ich bei einer Winter-Expedition nach Sibirien über einen integrierten Underquilt nachdenken, um auch das letzte Luftloch zu eliminieren. Bei den hier üblichen Temperaturen hatte ich aber keine Probleme.


    Und viel mehr Zeit kostet der Aufbau von Hängematte und Underquilt nicht. Außerdem hänge ich, weil ich es gemütlich haben will. Ein paar Minuten mehr oder weniger sind mir nicht wichtig. Ich habe es beim Abhängen eigentlich nie eilig.

  • Ich verwende seit zweieinhalb Jahren für die Wohnung eine Hängematte mit angenähtem DD Underblanket und zum Wandern eine Hängematte mit angenähtem 3/4-Daunenunderquilt. Es funktioniert bei mir bestens und mittlerweile ist mir selbst der Wooki schon fast ein Störfaktor geworden. Hängematte aufhängen, reinlegen, fertig.

    Waschen mußte ich die Hängematten noch nicht, auch die Nähte haben nur minimale Spuren im Hängemattenstoff hinterlassen.


    Laß Dich von den Problemchen nicht abschrecken und genieße die Vorteile!

    Omnia vincit lectulus pensilis.

  • Hi,


    ich als relativer Neuling sehe das ähnlich wie TreeGirl. Als Bikepacker kommt dann noch die sportliche Aufgabenstellung dazu, so eine auch im verpackten Zustand volumigeres Geraffel am Bike zu verstauen.


    Und letztendlich würde ich der Flexibilität wegen auch nicht im Sommer mit einer fetten waren Hängematte unterwegs sein. Ich denke eine Lösung mit einem wärmenden Upgrade ist da besser (zumindest für mich).

  • Ich denke, dass es darauf ankommt, wozu man die HM verwenden will.

    Wenn sie für Übernachtungen draußen bei sehr unterschiedlichen Temperaturen benützt werden soll, ist ein 2 teiliges System sicher besser, weil man flexibler ist und besser auf die jeweiligen temperaturen eingehen kann.

    Wenn es aber darum geht (wie Mittagsfrost schreibt) bei recht einheitlicher Temperatur (also in der Wohnung oder im Frühjahr oder Herbst, wo man aber schon ein UQ braucht) ein einfaches System zu haben, ist eine angenähte Isolierung sicher praktisch . Ich kenne Mittagsfrosts HM von den Treffen und finde sie sehr bequem. Ich hatte schon öfter das "Problem", dass ich in den Wald geradelt bin und die HM ohne UQ eigentlich zu kalt war, ich aber nicht extra den Wooki zusammenknautschen und mitnehmen wollte, weil ich dachte, dass sich das für die 1/2 Std. abhängen auch nicht lohnen würde. Es war dann von unten eher ungemütlich, so dass ich dann noch kürzer in der HM lag.... Und für genau diese Übergangszeiten und ein kürzeres Abhängen im Wald (oder für zu Hause) ist eine HM mit angenähtem UQ ideal.

  • Was spricht aus eurer Sicht dagegen?

    Nichts. (wenn man die schon erwähnten Einschränkungen berücksichtigt :-))


    Ich habe mir einen Wooki Clone genäht bei dem die Oberseite aus 70er Hängemattennylon ist. Zum Testen mal mit Warbonnet Whip versehen..... und so gelassen. Das ist mittlerweile meine meistbenutzte Universal-Hängematten. Auch zum anfixen von Gästen wie eben im Wald bestens geeignet. Ich in WB-Traveller mit Snugpack, die Dame als Gast im isolierten Selbstbau. Die war kaum wieder da raus zu bekommen!

    Einmal werden wir noch wach, heißa, dann ist Nachmittach.

  • Ich hab mir vor 3 Jahren einen Wooki-Klon genäht, den ich mit einer 70D-Hängematte zusammengewhippt habe - eigentlich weil ich mich beim Underquilt anfangs nicht so schnell auf eine Länge festlegen wollte und so die Stoffbahn überstehen lassen konnte. Das war aber so dermaßen bequem (selbst im Vergleich zu einem Original-Wooki) dass ich das fast zwei Jahre lang so gelassen habe. Erst im letzten Sommer habe ich dann eine Seite aus dem Whipping rausgenommen und mit Gummiband fixiert, damit den Quilt lockern und so das System an hohe Temperaturen anpassen kann.

  • Klar, das geht. Allerdings gibt es mehr Nachteile als Vorteile.

    Sie bringen viele unwiderlegbare Punkte an, aber auch einige, die überzogen sind und nicht meiner Erfahrung entsprechen.


    Meine Lieblings-Campinghängematte ist eine Bonefire Gear Whisper, die leider nicht mehr hergestellt wird, es sei denn, es gibt eine Sondervereinbarung mit einem anderen Hersteller, nämlich Sheltowee.


    Sie schwächt die Hängematte nicht, weil die Steppdecke nur an der Unterseite der Doppellagen genäht wird, nicht an der oberen Lage, und nur dort, wo sie gebraucht wird, auf der Diagonale. In dieser Hinsicht ähnelt er einem Wookie. Meiner Erfahrung nach ist sie, da sie an den Rändern entlang genäht und perfekt an den Hängemattenkörper angepasst ist, noch zugluftfreier und materialsparender als ein Wookie. Sie lässt sich schneller aufbauen als andere Hängematten, ohne Fummelei.


    Die gesamte Hängematte mit einem Insektennetz mit Reißverschluss, einer konservativen 0°C-Isolierung und einem Spitzenfach wiegt 889g und hat die Größe einer Honeydew-Melone. Ich habe das unschlagbar gefunden.


    Durch die doppelten Lagen kann man eine zusätzliche Isolierung zwischen die Lagen schieben, wie z.B. eine Mylarfolie und meine Winterkleidung, um den Bereich bis -10°C zu erweitern und so die Notwendigkeit mehrerer Unterbetten zu vermeiden (obwohl ich sie ohnehin für andere Hängematten besitze).


    Ich habe sie seit Anfang 2017 viele Dutzende von Nächten benutzt und sie zweimal ohne Probleme gewaschen.


    Mit knapp über 3M ist sie nicht ganz so bequem wie längere Hängematten, aber mehr als akzeptabel. Ich halte sie für eine ausgezeichnete Speziallösung für die Hängematte mit dem geringsten Gewicht, Packraum und Fummelei.


    [Gestelzt übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator]

  • Ich kann die Argumente der meisten hier für eine integrierte Lösung aus Querhängerperspektive bekräftigen. Eine Hängematte mit integrierter Isolation ist eigentlich ideal, weil sie geringes Packmass und einfache Handhabung kombiniert. Da sollte gerade auch für Bikepacker interessant sein. Sonst schleppt man immer eine Lage Stoff mehr mit als man wirklich braucht.

  • Wenn man eine Stofflage spart, spart man auch direkt Geld.



    Ich kann die Argumente der meisten hier für eine integrierte Lösung aus Querhängerperspektive bekräftigen.

    Du hast doch auch mal eine Crosshammock mit Daunenfüllung genäht oder? War dabei das Anliegen auch das Packmaß oder mehr die zusätzliche Isolation zur Luftmatte?

  • Moin zusammen,

    man kann auch, wie es bei Clark Hammocks seit 2014 bei einigen Hängematten Standard ist, rings um die Hängematte einen Klettstreifen nähen und dann den passenden UQ dran kletten.

    Wenn man ein Klett Gegenstück an seine UQ‘s näht, kann man immer den passenden UQ mitnehmen und man hat keine kalte Luft mehr die eindringen kann.

    Nichts für UL Hänger!?

    LG wuppitom

  • Klettstreifen sind leider Magnete für Staub, Haare, Laub und ähnliches, deshalb würde ich eher in Richtung Reißverschluß oder Druckknöpfe denken, wenn der Underquilt leicht lösbar mit der Hängematte verbunden werden soll.

    Omnia vincit lectulus pensilis.

  • Moin,

    Ja mit Reißverschluss würde es auch funktionieren. Wäre mir unterwegs aber zu anfällig und lässt sich schlechter reparieren. Beim Klett kann nicht viel kaputt gehen.

    Mit Druckknöpfe würde ich es nicht machen weil dann müsste ich recht viele anbringen so dass keine warme Luft entweicht oder kalte Luft eindringt. Klett und Reißverschluss schließen dicht

  • Sie schwächt die Hängematte nicht, weil die Steppdecke nur an der Unterseite der Doppellagen genäht wird, nicht an der oberen Lage, und nur dort, wo sie gebraucht wird, auf der Diagonale.

    Die Idee gefällt mir: nur die 2. Lage und die Isolierung verbinden. Wenn dann die beiden Lagen der HM noch halbwegs leicht zu trennen wären, ist auch das Waschen kein Problem mehr... Das wäre dann eine für mich ideale Kombination :thumbup:

  • Du hast doch auch mal eine Crosshammock mit Daunenfüllung genäht oder? War dabei das Anliegen auch das Packmaß oder mehr die zusätzliche Isolation zur Luftmatte?

    Ich habe bei allen Optimierungen immer beides im Auge. Eigentlich wollte ich für diese Modelle auf die Luftisomatte ganz verzichten. Und das funktioniert auch bei stundenweisem, auch stundenlangem Liegen wunderbar. Nur für eine ganze Nacht ist eine unversteifte Cross Hammock mir zu wenig bequem. Aber das kann auch daran liegen, dass ich recht groß bin. Kleinere Leute haben damit möglicherweise gar kein Problem. Ich werde die Cross Hammock nächste Woche fürs Fernsehen präsentieren und werde dabei jedenfalls auch die isolierte Version zeigen.

  • Die Idee gefällt mir: nur die 2. Lage und die Isolierung verbinden. Wenn dann die beiden Lagen der HM noch halbwegs leicht zu trennen wären, ist auch das Waschen kein Problem mehr... Das wäre dann eine für mich ideale Kombination :thumbup:


    Ich hab mir vor 3 Jahren einen Wooki-Klon genäht, den ich mit einer 70D-Hängematte zusammengewhippt habe .

    Etwa so, barfuß ? ;)


    Optimaler Sitz und bei Bedarf in etwa einer halben Stunde auseinander- und wieder zusammengebaut. Und da HM und Underquilt "fest" miteinander verbunden sind, kann ich alles einfach in einen Müllsack im Rucksack stopfen, ohne dass es sich voneinander löst oder durcheinander kommt. Wenn ich dann aufbaue ziehe ich das Paket aus dem Müllsack, hänge es in die Aufhängung ein - fertig!

  • Ich finde eine Sommerunderquiltmatte auch sehr interessant. Ich mein, wann braucht man denn mal gar keine Isolation? Und wenn doch nimmt man sich halt eine andere Matte aus dem Schrank, seien wir mal realistisch!^^


    Ich werde die Cross Hammock nächste Woche fürs Fernsehen präsentieren und werde dabei jedenfalls auch die isolierte Version zeigen.

    Wow, Gratulation! Wo kann man dich denn dann bestauenen?

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