Warnung: Dyneema/Polyester-Kordel und NAMA Claws

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  • Liebe Gemeinde,

    schon vor einiger Zeit (Dezember) hab ich bei der Verwendung von NAMA Claws in Kombination mit einer polyesterummantelten Dyneemaleine ein Materialversagen erlebt. Endlich komm ich mal dazu, davon zu berichten.

    Ich habe in der Mittagspause wegen leichtem Regen mein Tarp quer über einen Waldweg gespannt. Schon beim Aufbauen hab ich bemerkt, dass eine immense Last auf's Tarp kam, weil ein starker Wind den Weg entlang geblasen hat (geschätzt 50-60 km/h - Bäume in Bewegung). Nachdem ich fertig aufgebaut hatte, hat nach 5 Minuten bei einer starken Böe die Ridgeline versagt.

    Der Grund dafür war, dass die Claw den Mantel der Leine zerrissen hat, der dann über den Kern gerutscht ist. Also Finger weg von dieser Kombination! Ich nehm' inzwischen wieder - wie empfohlen - reines UHMWPE-Hohlgeflecht mit 1,75 mm.

    Da das tagsüber passiert ist, war's nicht so schlimm. Wäre das nachts, vielleicht noch bei Regen, geschehen, dann wäre das echt unangenehm geworden. So bin ich mit einem blauen Auge davon gekommen und hab gleichzeitig noch die Belastungsgrenzen meines DIY-Tarps austesten können. Im Grunde war's sogar ein erfreuliches Erlebnis, weil nur die Schnur und nicht das Tarp nachgegeben hat. So soll's sein!

  • Das kommt davon wenn man so neumodische, hochkomplexe Mechanik mit beweglichen Teilen verwendet ;)

    Mit Hookworms wär das nicht passiert :saint:

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    Hesmon

  • Ich hab mein Tarp lange mit Tarbuckknoten bzw. Topsegelschotstek und/oder Fuhrmannsknoten aufgehängt. Ging auch wunderbar, nur ist es halt ein bisschen aufwändiger. Auf Hardware bin ich umgestiegen, weil's die Sache bei Nässe und Kälte etwas konfortabler macht.

    Hookworms stehen schon lange auf meiner Wunschliste, dauert nicht mehr lang, dann sind die mal dran. ;)

    • Offizieller Beitrag

    Ppolyesterummantelte Dyneemaleinen haben gegenüber "nakten" Dyneema zwei wesentliche Vorteile:

    1. Wenn man sie anfasst hat man mehr Grip beim Zurren und sie rutschen nicht so leicht durch die Hand.
    2. Der Mantel schützt den Dyneema Kern und man hat bei Beanspruchung und Abrieb (vom Mantel) lange Zeit die volle Festigkeit.

    Wie berichtet ist die Kehrseite das der Kern in manchen Situationen im Mantel durchrutscht.

    Daher muss man bei diesen Leinen darauf achten das Kräfte immer über einen etwas längeren "Kontaktbereich" eingeleitet werden müssen.

    Das können die Nama Claws aber nicht leisten.

    Beispiele für "Kontaktbereich":

    Einfacher Schlaufen-Knoten: rutscht durch bei starker Belastung. Der Kern zieht sich komplett aus dem Knoten raus.

    Figur-8-Schlaufen-Knoten: hält einwandfrei. Hier ist der Klemm-Bereich innerhalb des Knotens länger und die Kräfte können vollständig auf den Kern übertragen werden. Da rutscht nichts.

    Darüber hinaus (aber das ist ein anderes Thema) lässt sich die Bruch-Festigkeit der Schlaufe deutlich steigern wenn man vor dem Knoten einen gemeinsamen Mantel (aus PES) stramm über die beiden Stränge schiebt und dann den 8-Knoten macht.

    Noch deutlich stärker ist die Schlaufe wenn man sie nicht knotet sondern mit ca. 100 Stichen näht.

  • die kannst Du aber auch nicht als Prusiks benutzen, oder hast Du da was erfunden, was du der Menschheit bisher vorenthälst ?

    Naja, für das Tarp abzuspannen erfüllen die doch genau die Funktion.

    - am Tarp habe ich eine kleine Schlaufe aus Shock-Cord.

    - Guyline ist direkt am Hering angespleist

    - Hookworm ist auf die Guyline aufgefädelt und mit 8er-Knoten am Ende vor Verlust gesichert

    Hering in den Boden, Hookworm in Shockcord einhängen, spannen und Schlaufe über Hookworm legen.

    Durch das Shock Cord spannt sich das Tarp sogar bei Nässe selbst nach. Ich finde das sogar besser als Prusiks:

    Hookworm Demonstration Video

    Meine Tarp-Ridgeline ist eine klassische Continuous Ridge Line mit Tarpfly und Dutch Hook. Da machen Hookworms natürlich keinen Sinn:

    Continuous Ridge Line Video

    Das System ist einfach, leicht und ich wüsste jetzt nicht welche Funktionalität mir gegenüber Prusiks dadurch verloren ginge.

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    Hesmon

  • Nur zur Klärung: Bei @echinotrix' Bericht geht es, wenn ich das richtig verstanden habe, um die Verwendung an der Ridgeline des Tarps. Oder sehe ich das falsch?

    Ja, es passierte an der Ridgeline. Ich bezweifle, dass es an den seitlichen Abspannungen zu einem solchen Materialversagen kommen würde, da kommen vorher die Heringe aus dem Boden.

    • Offizieller Beitrag

    Mir sind Prusiks an der Aufhängung (einteilige Ridgeline) unter Spannung immer nachgerutscht. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die Prusiks aus 1.75mm Lash-It, und die Ridgeline aus 2.2mm Lash-It. Aber vielleicht war die Differenz im Durchmesser nicht groß genug. Oder Dyneema ohne Mantel eignet sich nicht für diese Anwendung.

  • Da ist ja mein Tarpaufbau schon fast Abendteuerlich. Bei der Rightline Paracord und Prusiks. Und Abspannung auch Paracord. Jetzt möchte ich gern in Zukunft Zing-It 1.75 mm und Tarpworms für die Abspannung nutzen.

    Welche Schnurlängen nutzt ihr da in etwa für die Abspannung zu den Heringen? Wenns ok ist wenn ich die Frage so mal da zwischen werfe? Eine Seite lasse ich die Schnur generel länger um eine Art "Flachdach" zu spannen.Dabei befestige ich die Schnur hoch an den Bäumen. gerade am Tag.

  • Zumindest wenn man nicht gerade mit starkem Wind rechnen muss, ist es aus meiner Sicht nicht nötig, den First des Tarps voll auf Spannung zu bringen. Er wird auch ganz ordentlich gespannt, wenn man ihn lose lässt und einfach das Tarp nach unten abspannt. Dadurch reduziert sich die Belastung des Firsts und damit auch die Belastung in der Hardware (wie z.B. in den Nama-Claws).

    Aktuell experimentiere ich genau damit herum:

    • Das Tarp befestige ich mittels Prusikschlaufe (Continuous Loop oder Evo-Loop) direkt an den Baumgurten der Hängematte.
    • Ich spanne das Tarp nur so stark vor, dass es auf die Höhe zu liegen kommt, die ich wünsche.
    • Durch die Abspannung nach unten kommt dann automatisch eine gewisse Spannung auf die Ridgeline des Tarps.
    • Das Hex-Tarp nimmt dabei eine Linie an, die schön der Hängematte und ihrer Aufhängung folgt.

    Wie gesagt, bei Sturm mag diese Methode nicht ausreichen, denn der First kann ein wenig nach links oder rechts ausscheren. Wenn man aber die elastischen Elemente in die Aufhängung des Tarps integriert statt primär in die Abspannung desselben, so hält sich diese Beweglichkeit in Grenzen.

    Bisher bin ich mit diesem System recht zufrieden, allerdings fehlt mir – wie erwähnt – noch die Praxiserfahrung bei Sturm. Hat das schon jemand ausprobiert?

    Hier noch zwei Bilder der Tarpbefestigung direkt an den Baumgurten wie oben beschrieben. Der First wurde nur ganz locker vorgespannt und erhielt seine Endspannung durchs Abspannen nach unten:

     

    Frank1311, mir reichen in der Regel 1,5m bis 2,5m für die Abspannung des Tarps. Das mag in Einzelfällen zu kurz sein (v.a. wenn man wie du zu benachbarten Bäumen abspannen möchte), in 90% der Fälle reichen 2,5m aber problemlos aus. Allenfalls ist es eine Möglichkeit, zwei zusätzliche Leinen mitzunehmen, mit denen man bei Bedarf die Abspannung etwas verlängern kann: Einfach mit einem Ankerstich verlängern. Das ist leichter und einfacher zu handhaben, als alle vier Abspannpunkte mit langen Leinen zu bestücken, deren volle Länge man nur ganz selten benötigt.

  • allerdings fehlt mir – wie erwähnt – noch die Praxiserfahrung bei Sturm. Hat das schon jemand ausprobiert?

    Ich musste notgedrungen mehrfach bei Windböhen > 75km/h auf Kämmen übernachten (Beutelsberg, Kalmit, Hohe Derst).

    Das 12' HexTarp war quer war zum Wind aufgebaut. Die Abspannleinen waren mit 2mm Shock-Cord Loops am Tarp befestigt.

    Alles hat gehalten, nichts ist gerissen. Ich musste allerdings die Heringe mit großen Sandsteinen im Boden halten.

    Shock Cord in der Tarp-Ridgeline sollte auch halten.

    5qm Stoff erzeugen bei Sturm einen kräftigen Zug. Die Frage ist, ob die Prusiks an der Suspension durchrutschen. Wenn das Tarp zu locker ist und stark flattert, kann es zu rissen durch den "Peitscheneffekt" kommen. Ist das Tarp an der Aufhängung der Hängematte befestigt, dann schaukelt bei Windböhen die Hängematte mehr als sonst.

    Kurz: Wenn die Prusiks nicht rutschen und das Tarp nicht flattert funktioniert Dein Setup auch bei Sturm

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    Hesmon

  • Kurz: Wenn die Prusiks nicht rutschen und das Tarp nicht flattert funktioniert Dein Setup auch bei Sturm

    Ich hatte schon DynaGlide in den LineLocs3. Das hält im Normalfall ausreichend, nicht aber bei Sturm. Da sind mir die eher rutschigen, aber recht dicken Dyneema-Leinen am First schon durchgerutscht. Die Dyneema-Prusiks auf meinem eher groben Polyesterband haben bisher gut gehalten; einfach der Test bei Sturm fehlt mir noch.

    Bei meiner Methode ist die Last auf dem First deutlich geringer, als wenn man diesen zuerst straff spannt und dann erst das Tarp nach unten abspannt.

  • Hast du davon eine Nahaufnahme?

    Ist vielleicht etwas off-topic hier. Mir ging es primär um die Möglichkeit, Spannung von der Tarp-Ridgeline wegzunehmen.

    Aussehen würde die Befestigung des Tarps direkt an der Hängematten-Aufhängung so:

    Ein weiterer Vorteil davon ist, dass der Prusik den Dutch Clip, die Schlaufe, den Karabiner oder was auch immer schön am Baum in Position hält und der Baumgurt somit viel weniger am Stamm nach unten rutscht.

    Man braucht dafür nicht unbedingt einen Evo-Loop, sondern kann auch einen ganz gewöhnlichen Continuous Loop verwenden, wenn man die Tarpleine mit einem Mini-Karabiner dort einhängt.

    PS: Wenn man keinen Dutch Clip oder Karabiner verwenden möchte, kann man auch einen Evo-Loop nutzen und sowohl Hängematten-Aufhängung als auch Tarp daran einhängen, wie hier gezeigt.

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