Für Pinguine gehen (Frauen)

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  • Liebe hängende Freundinnen,

    wie macht Ihr das mit nächtlichen Bedürfnissen?

    Dieses Jahr bin ich zwei Mal bei Schnee und Sturm unterwegs gewesen. Das erste Mal war ätzend: Nachts aus dem Schlafsack rausschälen, Schuhe von der Ridgeline angeln, reinschlüpfen, ein paar Meter weiter Hose runter, und dann das ganze wieder retour. Ich war nicht nur ausgekühlt, sondern durch die Kälte kam auch eine Reizblase durch, um deretwillen ich insgesamt fünf Mal raus mußte.

    Männer sind da von Natur aus besser ausgestattet und können eine Weithalsflasche nutzen oder sich über die Reling der Hängematte erleichtern.

    Für die zweite Tour habe ich mich besser vorbereitet und im Pflegebedarf nachgesehen. Es gibt diverse Lösungen für Frauen, die aber eigentlich dafür gemacht sind, dass frau im Stehen pinkeln kann. Für diejenigen, die sich nicht hinhocken kann oder mag, eine gute Lösung - aber in der Hängematte nicht zu gebrauchen. Andere Systeme verbieten sich für eine Tour schon vom Packmaß her - bis auf eine Ausnahme:

    http://www.pibella.ch

    Die Pibella gibt es in zwei Varianten: Variante Travel ist so geformt, dass man damit im Stehen pinkeln kann, während Variante Comfort für bettlägerige Frauen entwickelt wurde. Entscheidend ist der Winkel der Zunge am linken Ende der Röhrchen:

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    Leider ist die Pibella Comfort mit 49,- Öre schon echter Luxus. Dazu kommt, dass der Unterschied der beiden Varianten (stehen vs. liegen) nicht sofort erkennbar ist.

    Die Pibella Comfort gibt es nur mit drei Beuteln. Solch ein Beutel fasst ca. 1l Flüssigkeit und kann (für den Eigengebrauch) wiederverwendet werden. Man kann auch Beutel separat nachkaufen, oder durch wasserdichte(!) Plastiktüten mit Gummiband ersetzen:

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    Vom Packmaß und Gewicht her ist die Pibella Comfort OK (Röhrchen 16 g, Beutel 12 g):

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    Erfahrung: Jau, es geht.

    Allerdings sollte frau vor der Tour den Umgang mit dem Röhrchen üben. Durch die Zunge rastet es regelrecht an der richtigen Stelle ein, und es ist eine saubere Sache.

    Allerdings besteht immer das Risiko, dass es nicht ganz sauber einrastet und der Ausgang der Harnröhre abgedeckt ist. Leider kann man dann nicht mehr anhalten, ohne dass etwas daneben geht. Ich habe deshalb eine wasserdichte Unterlage und eine Damenbinde zur Sicherheit benutzt.

    Falls jedoch trotz aller Übung und Vorsicht etwas daneben geht, muß der Gedanke trösten, dass die Feuchtigkeit durch die Körperwärme nach draußen diffundiert. Verbleibende Gerüche müssen dann eben nach der Tour mit der chemischen Keule erledigt werden. Das ist allemal besser, als beim Pinkeln in der Nacht zu unterkühlen.

    Damit die Flüssigkeit im Beutel nicht gefriert, habe ich sie immer direkt über die Reling der Hängematte entsorgt.


    Das Baumkind

    • Offizieller Beitrag

    Für mich (3-Jahrezeiten-Camper) war das bisher nie ein Problem. Ich schlafe aber auch in einer Gathered End Hängematte - da schwingt man sich einfach raus, geht ein paar Schritte, hockt sich hin, geht zurück, schwingt sich wieder in die Hängematte - und gut iss. Bei der 90° Hängematte ist das nicht so einfach. Da würde ich wohl noch mehr auf eine bessere Verteilung der Flüssigkeitszufuhr zu achten. Ich trinke Abends ohnehin nicht mehr viel. Wenn ich vor dem Schlafengehen noch mal gehe, reicht es meist. In der Hängematte würde ich nur im alleräußersten Notfall pieseln. Dutch verkauft ja zu diesem Zweck Pee Bags. Getestet habe ich die aber nicht :)

    • Offizieller Beitrag
    Zitat von Baumkind

    Schade, dass Dutch nur die Verpackung abbildet, und der Typ im Video ist eindeutig ein Mann.

    Der Typ ist Dutch :) Laut Verpackung soll es ja auch für Frauen geeignet sein. Google halt mal "restop women" - es gibt mit Sicherheit Erfahrungsberichte.

    Zitat von Baumkind

    Wenn man sich aus der Hängematte bei -10°C und eiskaltem Wind rausschwingt und erst mal hüfthoch im Schnee versinkt, ist das keine gute Option. Man verliert kostbare Wärme, die der Körper bis zum nächsten Austritt nicht mehr reinholen kann.

    Hast du mal über einen "Schlafsack-Anzug" (wie Exped Dreamwalker, Selk'bag oder Feathered Friends Wren) nachgedacht? Ich habe keine Ahnung, wie gut man mit so etwas austreten kann - aber wenn es leidlich gut geht, verliert man nicht soviel Wärme.

    Zitat von Baumkind

    Und je kälter der Körper, desto gereizter die Blase.

    Ich habe jetzt zwei Wintertouren hinter mir, die eine mit fünf Mal austreten, die andere mit der Pibella Comfort. Fazit: Nie wieder ohne Pibella Comfort in die Hängematte :-))

    Ist deine Isolierung denn ausreichend? Wenn du erstmal in der Hängematte liegst und die Isolierung auf Betriebstemperatur gebracht hast, sollte die Blase doch keinen Grund haben gereizt zu sein? Ich hab aber auch keine Erfahrung mit Minusgraden. Bei um die 0°C habe ich ein paar mal geschlafen, aber weniger nicht (wissentlich).

  • Zitat

    Männer sind da von Natur aus besser ausgestattet und können eine Weithalsflasche nutzen oder sich über die Reling der Hängematte erleichtern.

    Einspruch!
    Das funktioniert nicht.
    Die Blase ist so konstruiert, dass der Ablauf unten ist. Gemacht fürs Pinkeln im Stehen, Sitzen, aufrecht eben.
    Aus eigener Erfahrung, wenn man liegt und sich über die Reling der HM erleichtern will, kann die Blase nicht ganz leer laufen.
    Da geht viel daneben.
    Auch bei einer Weithalsflasche müsste Mann sitzen, aufreicht sein.
    Und wenn ich mir die Mühe mache, mich aus dem Schlafsack zu schälen um am Rand der HM zu sitzen, mit der Weithalsflasche in der Hand,
    dann kann ich auch ein paar Meter gehen und mich dort erleichtern.

    Ich persönlich habe nur ein Problem, wenn ich nicht alleine unterwegs bin. Wenn noch andere dabei sind.
    Dann will ich nicht, direkt in Nachbarschaft pinkeln. Eher weils halt auch nie Geräuschlos abläuft und just in dem Moment, der die Begleitung aufwacht.
    Murphys Law.

    Dann laufe ich auch ein paar Meter weg, kühle aus wie Baumkind beschrieben hat.
    Liegt dann noch tiefer Schnee wirds kompliziert.

    Nur mal so als Einwurf, dass wir Männer es auch nicht so leicht haben wie allgemein angenommen.

    Letzte Nacht musste ich 5 mal raus! 5 Unterbrechnungen des Schlafes, 5 mal raus aus dem warmen Schlafsack, in die Schuhe, etwas laufen weil ich nicht alleine war,
    wieder zurück und in den Schlafsack.
    Dabei hatten wir nur alkfreien Punsch und sonst auch nix, was "treibt".

  • Ich halte mich immer an die Regel eine Stunde vor dem Schlaf nichts trinken. Habe auch Mal gehört trocken-Obst soll helfen, kann ich mir aber nur schwer vorstellen, dass das klappt.

    Was mir auch immer riesig hilft, ist warm zu Bett gehen. Wenn man mit kalten Füßen in den Schlafsack kriecht ist die nächtliche Unterbrechung schon vorprogrammiert.


    Ansonsten hätten doch aber auch die Frauen, die die Pibella nutzen das Problem, das [USER="57"]Bernd Odenwald[/USER] beschreibt, das auch die Blase nicht vollständig leert. Welche Erfahrungen hat du da gemacht [USER="24"]Baumkind[/USER] ?

  • Die Pibella Comfort ist so konstruiert, dass frau auf dem Rücken liegend oder sitzend nach unten pinkeln kann. In der Hängematte muß ich darauf achten, dass es auch wirklich nach unten abfließen kann, also den Oberkörper ein bißchen hochrutschen lassen. Ob die Blase dabei zu 100% entleert wird oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass es auf jeden Fall ausreichend ist.

    Weil das Auskühlen beim Austreten entfällt, ist auch die Blase für den Rest der Nacht ruhiger. Mit Monster-Puschen im Schlafsack ( http://www.walkonthewildside.de/huttenschuhe-b…2647008389.html ) waren es trotz Sturm und Temperaturen um -7°C sehr ruhige Nächte.

    [USER="57"]Bernd Odenwald[/USER] Ich schlafe immer so weit von anderen entfernt, dass weder ich andere noch andere mich stören mit welchen Geräuschen auch immer. Vielleicht gibt es ja auch für Männer Gerätschaften im Pflegebedarf, die tourentauglich sind.

    Das Baumkind

  • Kann ich absolut nachvollziehen.... Aber wenn mir kalt ist, gehe ich max. vor das Tarp, oder ich bleib sogar unter (im Extremfall) dem Tarp. Nachts ist mir das so was von egal.... Tagsüber, ist das natürlich anders. Diskret und unauffällig.

    Danke für die Erklärungen, ich wollte das mal in der Matte testen... also lass ich das mal. Im Zelt, ist das kein Problem mit nem Beutel.
    Für den aller größten Notfall, habe ich so einen Beutel mit Granulat dabei.... ich glaub ich muss das mal simulieren, nicht dass ich mir meine schöne WB noch einsaue...

  • Nachts raus müssen ist doof, in der Hängematte allerdings noch doofer als im Zelt. Dort gibt es allerdings eine Lösung, nämlich Frauenurinale (Globi hatte mal die "Pinki", ein Trichter mit verschließbarem Beutel im Programm), nachdem es die nicht mehr gibt, habe ich auf Nalgene Weithalsfaltflaschen gewechselt, leichter und kleiner im Packmaß und noch praktischer. Aber wie gesagt, bisher nur im Zelt oder im Camper praktiziert. Geht das auch in der Crosshammock? Jep! Letzte Nacht ausprobiert, hinknien ist dort zwar eine wackelige Angelegenheit, aber es funktioniert und ich finde es weniger aufwändig, als die Crosshammock zu verlassen.

    Ob das auch in einer GE-Matte möglich ist? Mag es eine ausprobieren? 8)

  • Geht das auch in der Crosshammock? Jep! Letzte Nacht ausprobiert, hinknien ist dort zwar eine wackelige Angelegenheit, aber es funktioniert und ich finde es weniger aufwändig, als die Crosshammock zu verlassen.

    Chapeau für diesen waghalsigen Balanceakt der experimentellen Forschung - alles für die noch junge Wissenschaft der Hängologie! :huh: 8)

    Da bin ich definitiv zu risikoavers für, bzw. finde ich das ein- und Aussteigen im Vergleich dazu wirklich vernachlässigenswert.

    Vielleicht müssen wir auf dem Inseltreffen mal Techniken vergleichen und Videos drehen (des Ein- und Aussteigens natürlich ^^ )

  • Nachts raus müssen ist doof, in der Hängematte allerdings noch doofer als im Zelt. Dort gibt es allerdings eine Lösung, nämlich Frauenurinale (Globi hatte mal die "Pinki", ein Trichter mit verschließbarem Beutel im Programm), nachdem es die nicht mehr gibt, habe ich auf Nalgene Weithalsfaltflaschen gewechselt, leichter und kleiner im Packmaß und noch praktischer. 8)

    Solch Tupperware, welche gern für Müsli, Mehl und Zucker wird verwendet kann wunderbar als als kleinste mobile Campingtoilette entfremdet werden.


    *Bild exemplarisch, da besser mit dichtem Deckel ohne Klappenöffnungen.

    2 Mal editiert, zuletzt von RoyalHang (20. Februar 2023 um 12:26)

  • Chapeau für diesen waghalsigen Balanceakt der experimentellen Forschung - alles für die noch junge Wissenschaft der Hängologie! :huh: 8)

    Da bin ich definitiv zu risikoavers für, bzw. finde ich das ein- und Aussteigen im Vergleich dazu wirklich vernachlässigenswert.

    Vielleicht müssen wir auf dem Inseltreffen mal Techniken vergleichen und Videos drehen (des Ein- und Aussteigens natürlich ^^ )

    Siehste, so unterschiedlich ticken die Leute - ich finde im Vergleich zum Hinknien das Aus- und Einsteigen aufwändiger. So gern ich in der CH liege, aber ich bin jedes Mal froh, wenn der Akt mal wieder geschafft ist, ganz abgesehen davon, dass alles sonst wo rumfährt und eventuell sogar rausfliegt. Das mit dem Hinknien hatte ich vorher einmal ausprobiert und als machbar empfunden und mit der Faltflasche habe ich Übung.

    @Tupperware: da stelle ich mir das Wiederaufbringen des Deckels ziemlich tricky vor, in der Faltflasche hängt er fest dran und ich muss nur schrauben.

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