Nach welchen Kriterien sucht Ihr (wirklich) den Standort aus?

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  • Es gibt sehr sehr viele Kriterien, die den perfekten Standort (eigentlich müßte es Hängeort heißen :-) ausmachen. Theoretisch sind sie mir wohl alle klar. Ich ertappe mich jedoch immer wieder dabei, daß ich Kriterien nicht berücksichtigt habe und noch einmal umhängen muss. Das kann z.B. eine am Baum hochführende Ameisenstraße sein, für die meine Aufhängung nun eine prima Abkürzung ergibt, oder die Windrichtung passt nicht oder das vermeintlich stabile Bäumchen biegt sich unter Last zu sehr durch.


    Ich geb's zu: meist schaue ich nur auf den passenden Abstand, eventuell die Tarnung, mache einen Kontrollblick nach oben (morsche Äste) und unten (Wildwechsel) und hänge meine Hängematte dann auf.
    Seid Ihr in dieser Hinsicht gewissenhafter oder genau so faul wie ich?

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Das erste wichtige für mich ist der Abstand der Bäume!
    Wenn das passt kommt, so wie Du auch, der wichtige Rundumblick nach OBEN und einmal kurz rundherum.
    Was ich dann auch noch versuche zu beachten ist die "schöne Aussicht" damit ich schon mal sicherstellen kann was mir als erstes ins Auge fällt, wenn ich mich morgens aufwache!

  • Ich schaue immer ob ein Standort erreichbar, geeignet und sicher ist... also
    - Komme ich da ohne Probleme hin, bzw. auch wieder weg
    - Gibt es ausreichend Ankerpunkte in passendem Abstand
    - Gibt es anzeichen, dass der Platz für eine Übernachtung ungeeignet ist


    Bei Punkt 3 achte ich normalerweise erstmal auf Geräusche, wenn ich schon das rascheln von tausenden Ameisenbeinchen oder so höre ziehe ich weiter... Dann schaue ich nach Wittwenmachern und anzeichen für hohe Bodenfeuchte (Grundwasserpegel!). Ich will morgens nicht erstmal ein Schlammbad nehmen. Das ganze Prozedere dauert keine 30 Sekunden wenn man weiß, worauf man achten muss.

    haengemattenforum.de Ich bin zwar nur der Haustechniker, aber wenn es Probleme gibt kann ich wahrscheinlich helfen ;).
  • 1. Ich fühle mich wohl :)
    2. Ich gucke auf den Baumabstand
    3. Ich gucke, dass kein Weg oder Wildpfad im Weg ist
    4. Ich gucke nach Witwenmachern
    5. Ich rüttel nochmal am Baum
    6. Ich koche erstmal einen Kaffe und schau in die Umgebung
    7. Ich hänge meine Matte auf
    8. Ich passe auf, nicht unmittelbar einzuschlafen

  • 1. Guter Abstand zum nächsten Weg, zwecks nächtlicher Geräuschkulisse. :sleep: https://www.youtube.com/watch?…2&list=PL31ED31DB83515E74



    2. Tarnung, will nicht gesehen werden wenn ich mal die Taschenlampe anmachen muss oder ich mir nen Kaffee mach.


    3. Jägerstände und deren Schußlinie... Wobei die eh 360° beträgt...
    https://www.youtube.com/watch?v=4eo0OY8GOuc


    4. Motorengeräusche und Verkehrslärm sind zu meiden, da kann ich auch Zuhause bleiben.
    https://www.youtube.com/watch?v=ldiYdw6ZhNA


    Danach such ich mir die passenden Bäume aus, darunter zählt der passende Abstand, Wittwenmacher, Wildwechsel, Ameisen etc... wobei Ameisen bei mir eher weniger ein Problem darstellen.
    Ich treib mich hier eben meisten im Naturpark Spessart herum und das auch noch in Bayern. Da ist jetzt sogar das Rauchen im Wald verboten, da will ich keine schlafenden Hunde wecken. ;)

  • Also zu den bereits genannten Punkten möchte ich wirklich die Hochsitze nochmal hervorheben. Besonders die Hochsitze von denen aus auf Sauen gejagt wird sind ja zumeist im Wald. Wenn man da blöd im Bereich des Schussfangs hängt.... ich mein die Chance auf so ein Unglück ist immer gering, aber Hochsitze sollte man trotzdem meiden!

  • Ich beginne mal, bevor ich das Video schaue, und schreibe ein paar Punkte auf, wie ich mir meinen Platz aussuche:


    Natürlich habe ich zu diesem Thema schon das eine oder andere gelesen und mir auch Gedanken gemacht. Aber wenn ich ehrlich bin, denke ich darüber kaum nach, wenn ich einen Platz suche. Bei mir ist das fast ausschliesslich eine Bauchangelegenheit.


    Klar gibt es ein paar grundlegende Punkte, die ich beachte:

    • Passt der Baumabstand?
    • Gibt es spitze oder harte Gegenstände unter der Hängematte, die ich nicht beseitigen kann?
    • Ist der Platz etwas abseits des Weges respektive vor Blicken geschützt?
    • Falls es windet: Ist der Platz sehr exponiert oder eher windgeschützt? (Kreten meide ich, ausser der Wetterbericht verspricht nahezu Windstille. Von der Aussicht her sind Kreten oder Felsabbrüche nämlich oft sehr schöne Plätze.)
    • Gibt es tote Äste oder Totständer in der Nähe? (Das sollte ich eigentlich gleich am Anfang schauen, frage mich das aber oft ganz zuletzt und habe auch schon den Platz ändern müssen, nachdem ich alles bereits aufgebaut hatte.)

    Beim Zelt wären die analogen Fragen: Ist der Platz eben (da bin ich sehr heikel) und bringe ich die Heringe (möglichst von Hand) rein? Gibt es störende Gegenstände am Boden, die ich nicht entfernen kann? Ist der Platz geschützt vor Einblick (falls ich wild zelte) und vor Wind (falls Wind gemeldet ist)?


    All diese Fragen stelle ich mir aber erst, wenn mir ein Platz gefällt. Warum fühle ich mich aber am einen Ort wohl und könnte mir vorstellen, mich dort für die Nacht einzurichten, während das an einem anderen Ort spontan nicht in Frage kommt oder erst, wenn ich den Ort einige Zeit habe auf mich wirken lassen? Da fällt es mir schwer, eine Antwort zu finden. Vielleicht spüre ich intuitiv, dass der Ort eher (zu) feucht ist oder nicht windgeschützt. Oft ist das einfach ein Bauchgefühl, das ich nur sehr schwer in Worten ausdrücken kann.


    Eine wichtige Rolle spielt sicher, ob mir der Platz gefällt. Fühle ich mich dort wohl? Bietet er mir etwas, halte ich mich dort gerne auf? Gibt es beispielsweise Trinkwasser in der Nähe? Lädt er zum Verweilen ein? – An diesem Punkt versuche ich aber auch zu lernen: Man kann auch an einem schönen Platz kochen / essen und dann noch etwas weitergehen und einen guten Platz für die Nacht finden, der sich dann für einen gemütlichen Aufenthalt nicht zwangsläufig eignen muss. Und auch am Morgen ist es (gerade, wenn es eher kühl oder kalt ist) gar nicht mal schlecht, zuerst ein paar Kilometer zu gehen, bis der Körper warm ist und die Sonne die Luft wieder etwas aufgewärmt hat, bevor man eine Frühstückspause macht und sich einen Kaffee kocht. Mit anderen Worten: Ein Übernachtungsplatz muss nicht alles bieten. Man kann die Befriedigung der Bedürfnisse (Essen, Trinken, Toilette, Schlafen) auch örtlich staffeln.


    Die ganze Geschichte mit der Nähe zu Gewässern und der erhöhten Feuchtigkeit dort, über die man oft liest, ist aus meiner Erfahrung auch so eine Sache: Ich habe schon zwei Meter von einem See entfernt übernachtet und hatte keinen Tropfen Kondensfeuchtigkeit (im Zelt!). Und ich habe schon 300 Meter über einem See campiert und alles war extrem feucht (ohne dass es geregnet hätte). Viel entscheidender als die Distanz zu einem Gewässer ist meiner Erfahrung nach die Wetterlage (Luftfeuchtigkeit). Natürlich mag ich einen trockenen Platz lieber. echinotrix hat mal irgendwo geschrieben, dass Bäume eine gute Hilfe beim bestimmen der tendenziellen Luftfeuchtigkeit seien: Birken und Espen zeigen meisten eine erhöhte Luftfeuchtigkeit an, Buchen, Eichen und vor allem Nadelgehölz eher einen trockenen Wald. (Sorry, wenn ich das nicht mehr ganz korrekt in Erinnerung haben sollte. Korrigiere und ergänze gerne!)


    Und jetzt schaue ich mir mal das Video an...

    • Baumdistanz: für mich sind 3,5 bis 5 Meter ideal. Das sind bei mir 4 bis 6 Schritte. (Ich nutze da nach wie vor oft meinen kleinen Trick, bei dem ich die Schritte zwischen den Bäumen zähle: 5 Schritte => Ankerpunkte etwa auf Augenhöhe.) Bei meiner Brückenhängematte sieht es etwas anders aus: Da sind eher 4 bis 6 Meter ideal, da sie flacher aufgespannt wird. (6-7 Schritte => Ankerpunkte etwa auf Augenhöhe)
    • Windrichtung: Wenn man keine Türen am Tarp hat, die man schliessen kann, dann bietet man dem Wind zwar weniger Widerstand, wenn man in Windrichtung hängt (wie im Video empfohlen), man hängt aber voll im Durchzug und braucht entsprechend besseren Windschutz / Isolation. Da stellt sich die Frage, welches das kleinere Übel ist. Zudem haben es Winde so an sich, dass sie manchmal unvermittelt ihre Richtung ändern. Gerade bei Wetterwechseln ist das relativ häufig der Fall. (Ich habe schon öfters mein Zelt am Abend optimal mit dem Fussende in den Wind gestellt und nachts kam der Sturm dann plötzlich aus der exakt entgegengesetzten Richtung.)
    • Dass man die Hängematte nicht über einen Weg hängt, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Da ich eher nicht gesehen werden möchte, fällt diese Möglichkeit für mich ohnehin weg. Ich würde die Hängematte aber zudem auch nicht über einen Wildwechsel* hängen. Es besteht zwar weniger die Gefahr, dass man nachts überrannt wird, denn die Tiere nehmen einen auch im Dunkeln wahr (sie sehen und riechen uns auch im Dunkeln), die Tiere fühlen sich aber gestört und geben dann bisweilen Laut. Manche Tiere versuchen auch, einen zu vertreiben, indem sie einen aus sicherer Distanz «stören».

    * Wildwechsel sind eher kleine und manchmal ziemlich unscheinbare Trampelpfade, die vom Wild regelmässig (oft täglich oder sogar mehrmals täglich) genutzt werden; auch das Wild spart nämlich gerne Energie!

  • echinotrix hat mal irgendwo geschrieben, dass Bäume eine gute Hilfe beim bestimmen der tendenziellen Luftfeuchtigkeit seien: Birken und Espen zeigen meisten eine erhöhte Luftfeuchtigkeit an, Buchen, Eichen und vor allem Nadelgehölz eher einen trockenen Wald.

    Naja, fast. Bestimmte Arte mögen/ertragen mehr Bodenfeuchtigkeit als andere. Typische Arten für Böden mit Staunässe sind Weiden und Erlen, auch Pappeln und Birken halten ziemlich viel aus, soweit ich weiß.

  • Erstens: Persönliche Sicherheit - versteckt, nicht einsehbar, Tierspuren

    Zweitens, wenn ich alleine bin: Gibt es Fluchtwege, die zur Not auch im Dunkeln ohne Licht funktionieren? Orientierungspunkte, wie z.B. Lichter eines Ortes erkennbar?

    Drittens: Baumstärke und Abstand, keine Witwenmacher o.ä.


    Und ganz wichtig: Bauchgefühl - fühle ich mich an diesem Platz wohl?

    Manchmal suche ich auch nach Alternativen. Aber bislang war es eigentlich immer so, dass der erste Platz der beste war.


    Üblicherweise warte ich ca. zwei Stunden und beobachte den Platz: Erstmal gemütlich essen, einen Tee trinken, meine Reisenotizen machen, usw. In dieser Zeit achte ich auf Geräusche, die Atmosphäre an dem Ort, lasse mich auf den Ort ein...


    Aufgebaut wird erst im Dunkeln. Da ich mir die Bäume vorher schon ausgeguckt habe (zum Wiederfinden ggf. mit Reflex-Bändern markieren), ist das in der Regel kein Problem.

  • Naja, fast. Bestimmte Arte mögen/ertragen mehr Bodenfeuchtigkeit als andere. Typische Arten für Böden mit Staunässe sind Weiden und Erlen, auch Pappeln und Birken halten ziemlich viel aus, soweit ich weiß.

    Danke für die Ergänzungen / Korrektur. Die Espen habe ich zu den Anzeigern für eher feuchte Böden gezählt, weil ich die in Schottland den Flüssen entlang ein paarmal gesehen habe. In der Schweiz ist mir bisher noch nirgends bewusst eine Espe begegnet, gibt es hier aber sicher auch.

  • der Waldbesitzer / Förster oder heftiger Wetterumschwung.

    Okay, das kann ich mir vorstellen. Allerdings würde ich persönlich wegen dem Förster (der vermutlich eh nicht nachts durch den Wald streift) nicht flüchten. Ich würde dann wohl eher abwarten und schauen, was passiert. Mit den meisten Leuten kann man ja reden. – Beim Wetterumschwung ist es immer schwierig abzuwägen, ab welchem Moment es besser ist, sich aus dem Staub zu machen und den Wald zu verlassen. Das wäre aber sicher ein Szenario, bei dem ich mich zurückziehen würde, sofern ich nicht gerade so tief schlafe, dass ich nichts vom Sturm mitbekomme.

  • An Fluchtmöglichkeiten habe ich noch nie gedacht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich nachts mal flüchten müsste. An welche Gefahren denkt ihr denn da?

    Als allein wandernde und wildcampende Frau denkt man etwas anders als der durchschnittliche männliche Wildcamper. Wie viele Männer werden ständig von wildfremden Männern gefragt "Du bist ganz alleine unterwegs? Hast du da keine Angst?!" Angst nicht, aber das heisst nicht, dass man sich sicher fühlt.

  • Als allein wandernde und wildcampende Frau [...]

    Ist Baumkind eine Frau? Dann verstehe ich diesen Aspekt sehr gut!


    Ich lese diese Frage auch sehr häufig, ob Frauen nicht Angst hätten alleine unterwegs zu sein. Auf den Jakobswegen (hauptsächlich in Spanien) waren die Frauen 2018 erstmals in der Überzahl (ca. 50.35% Frauenanteil) – zumindest gemäss Statistik.

  • Ich lese diese Frage auch sehr häufig, ob Frauen nicht Angst hätten alleine unterwegs zu sein.

    Ich frage mich immer, warum Männer diese Frage Frauen stellen, die sie unterwegs treffen und nicht kennen. Ich bin dann versucht zurück zu fragen "Bisher nicht - sollte ich?!"

  • Männer fragen das, weil sie wissen, dass doch einige ihrer Geschlechtsgenossen bei Frauen auf dumme Gedanken kommen, was für Frauen im Zweifelsfall schlecht ausgehen kann. Leider... Ich habe in dieser Beziehung nachts, allein auch kein Vertrauen in fremde Männer.

  • Ich glaube, ich habe diese Frage noch nie einer Frau gestellt, ganz bestimmt keiner, die ich erst neu getroffen habe. Allenfalls könnte die Frage in einem Gespräch mal aufgekommen sein. – Am häufigsten, so scheint mir, stellen ohnehin Männer und Frauen, die selber kaum alleine unterwegs sind, diese Frage. Sie spiegeln damit womöglich ihre eigene Unsicherheit. Einen Mann fragt man das vielleicht weniger, weil man da eher davon ausgeht, dass er wohl keine Angst haben wird oder ihn diese Frage in seinem Stolz verletzen könnte oder weil er gewissen Risiken naturgemäss weniger ausgesetzt ist... ich weiss es nicht, kann da nur Vermutungen anstellen, weshalb diese Frage ausschliesslich oder viel häufiger Frauen gestellt wird. Es ist ja nicht so, dass Männer immer vor Selbstsicherheit sprühen, wenn sie allein (in der Fremde) unterwegs sind. Unsicherheit gehört irgendwie zum menschlichen Leben. Die Differenzen zwischen Mann und Frau kommen da erst an zweiter Stelle, denke ich.

  • Na ja, ich denke schon, dass du als Frau sehr viel schlechtere Karten einem Mann gegenüber hast, der böse Absichten hat, als als Mann. Abgesehen davon will der im Zweifelsfall von dir als Mann höchstens dein Geld oder Handy - mehr kann dir ja nicht passieren. (Mir schon)