Liegeräder zum Bikepacking?

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  • Anmerkung vom Mod: Diese Beiträge kommen aus einem Reisebericht, bei dem ein Problem mit dem Sattel zum Tourabbruch geführt hat. Als mögliche Lösung wurde ein Liegerad erwähnt. Die folgende Diskussion hat mit dem ursprünglichen Thema allerdings nur noch sehr am Rande zu tun.

    ....ja ein Pedersen-Fahrrad hatte ich zuvor (natürlich) auch schon ausprobiert.....leider kommt der Komfort des Sitzens bei weitem nicht an den meines "Scorpions" heran........


    ....

  • Für mich wäre ein Liegerad auch nichts:

    - man muß den Kopf immer nach vorne halten, was die Halswirbelsäule belastet,

    - bergauffahren geht nicht so gut, weil man das eigene Körpergewicht nicht einsetzen kann,

    - wenn man in eine Kreuzung einfährt hat man wegen des langen "Vorbaus" keine gute Sicht in die Kreuzung

    - im Stadtverkehr fehlt mir durch den niedrigen Sitz der Überblick

    - die Langlieger sind sehr lang (für Zug- oder Autotransport unpraktisch), schlecht zu tragen (Treppen) und der Wendekreis ist riesig (nix mit einfach umdrehen auf einem Feldweg).

    Wer dagegen gemütlich in der Natur unterwegs ist, einen bequemen Sitz sucht und keine HWS Probleme hat, für den ist ein Liegerad sicher gut.

  • Also einige Deiner Punkte kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich fahre einen Kurzlieger. Einzig der Überblick nach hinten ist ein wenig eingeschränkt, da der Schulterblick nicht ganz so gut geht und man sich aufrichten muss um nach hinten zu schauen.

    Nacken ist wesentlich entspannter, als beim normalen Rad find ich. Vor allem bei sportlichere Räder sind da wesentlich unbequemer. Am Berg kann man verpenntes schalten nicht mit aufstehen ausgleichen, stimmt, aber das Körpergewicht zieht genauso runter und muss genauso hochgequält werden wie beim normalen Rad.

    Ein riesiger Vorteil beim Liegerad: Man fliegt nicht mit dem Kopf auf Dinge zu, sondern Füße zuerst. Beim Sturz landet man meistens auf dem Arsch.

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  • Nacken ist wesentlich entspannter, als beim normalen Rad find ich. Vor allem bei sportlichere Räder sind da wesentlich unbequemer.

    Am Berg kann man verpenntes schalten nicht mit aufstehen ausgleichen, stimmt, aber das Körpergewicht zieht genauso runter und muss genauso hochgequält werden wie beim normalen Rad.

    Ein riesiger Vorteil beim Liegerad: Man fliegt nicht mit dem Kopf auf Dinge zu, sondern Füße zuerst. Beim Sturz landet man meistens auf dem Arsch.

    Der Nacken hat sich nach 2-3x fahren an die neue, ungewohnte Position (sofern korrekt eingestellt) gewöhnt... Das ist nur unbequem wenn unregelmäßig bis garnicht gefahren wird und entsprechend keine Muskulatur vorhanden ist.

    Wie du im Wiegetritt dein Liegefahrrad den Berg hochwuchtest würde ich schon mal gerne live erleben. Ich bitte um Dokumentation - in Farbe und bunt.

  • Spaßvogel. Man kann im Wiegetritt halt kurzfristig andere (ggf. frischere) Muskelgruppen nutzen und damit ausgleichen, wenn man z. B. das Runterschalten verpennt hat oder Singlespeed fährt. Die Energiebilanz beim Wiegetritt ist jedenfalls schlechter als beim normalen pedalieren. Dafür sitzt du im Liegerad wie in der Benchpress und kannst so mehr Druck reinbringen ohne dich hochzudrücken, was einen Wiegetritt für Sprints unnötig macht.

    Ich finds übrigens witzig wie alle auf Liegeräder abgehen, weil nicht ausreichend eierlegende Wollmilchsau.

    Beim Mountainbike oder Trekkingrad beschwert sich auch keiner, dass es schwerer als ein Rennrad ist. Beim Rennrad ist der Kopf auf ähnlicher Höhe wie beim Liegerad (Tieflieger mal ausgenommen) ohne dass jmd. jemals Abgasmief beklagt hätte. Auch käme keiner auf die Idee die Geländetauglichkeit von einem Rennrad zu beklagen. Autofahren mit 1,5 m Motorhaube geht problemlos, aber auf dem Liegerad soll man Kreuzungen nicht mehr ausreichend einsehen können?!:/

    Come on Folks.

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  • Trotz Matte Glatze Das ist doch alles Äpfel mit Birnen.

    Cross Hammock freut sich auf sein neues Gravel-Fahrrad welches vermutlich auch beim Commute in Berlin herhalten soll.

    Ergo ist es in diesem Falle "schwerer, weniger geländetauglich und man sitzt mitten im Abgasmief."

    barfuß ist etwas kürzer, wenn ich mich recht erinnere und gerne geräumiges Equipment dabei. Ein Rennrad wäre hier wohl ebenfalls ungemütlich, als auch schlecht für den Stadtverkehr und nach Abwägung der eigenen Prioritäten und dem Vergleich zum "normalen Fahrrad" bringt das Liegerad hier eben weniger Vorteile als es Nachteile mit sich bringt.

    Ich habe mich schon etwas mehr mit Liegeräder und vor allem Liegerad-Tandems beschäftigt. Der Berg ist und bleibt damit ein Albtraum - ich lasse mich aber gerne von dir eines besseren Belehren. Wir können gerne mit gleich schweren Rädern den Berg hochjuppen und schauen wer oben zuerst ankommt - wenn du schnell genug bist können deine aerodynamischen Vorzüge glänzen 😝

    Die Energiebilanz ist doch völlig Wumpe wenn die Kraftbilanz nicht stimmt und du somit den Berg nicht hochkommst?

    Einmal editiert, zuletzt von RoyalHang (11. Mai 2021 um 21:37)

  • Sagen wir so: In 20 Jahren Liegerad (Fuck bin ich alt geworden;() hat mich noch keiner am Berg versägt, den ich in der Ebene überholt hatte bzw. der das nicht auch in der Ebene geschafft hätte. Bei Touren haben die anderen am Berg immer so viel geflucht wie ich auch.

    Was ich hatte war eine Lernkurve am Anfang. Ein Liegerad mit Kettenschaltung verzeiht es nicht, wenn man nicht rechtzeitig runter schaltet. Wenn man den Gang (bzw. das Tempo) am Anfang zu hoch gewählt hat, steht man hinten raus nicht eben auf und rettet sich die letzten Meter, sondern ist halt platt. Oder man stoppt und fährt nicht wieder los, weil falscher Gang. Das gibt sich aber nach einer Weile, weil genau die Muskelgruppen, die man beim Wiegtritt entlastet, mehr Training kriegen und man passt den Fahrstil an.

    Die fehlende Übersetzung bei meinem Brommi schlägt - trotz weniger Gewicht - am Berg wesentlich mehr zu Buche als ein fehlender Wiegetritt bei der Hornet. Und auch die selben Strecken habe ich hinsichtlich Erschöpfung auf meinen verschiedenen Rädern nie unterschiedlich wahrgenommen (Ausnahme Bahnhofmöhrchen, die Rollwiderstand als Diebstahlschutz hatten:D). (Tages-)form ist da wesentlich ausschlaggebender für mein Empfinden. Radfahren war aber für mich auch immer nur Fortbewegung und kein Leistungssport.

    Wer auf normalen Rädern Höchstleistungen abruft, wird durch ein Liegerad kein Schleicher. Am Ende mag man es oder eben nicht. Ist wie Bridge vs. GE-Hängematte. Die eine Wahrheit gibt es nicht. ;)

    Vor allem bei 'nem Tandem würd' ich mir die Tretleistung vom Tandempartner mal genauer anschauen.8o

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  • DL1JPH 11. Mai 2021 um 19:11

    Hat den Titel des Themas von „Liegeräder zum Bikepackung?“ zu „Liegeräder zum Bikepacking?“ geändert.
    • Offizieller Beitrag

    Trotz Matte Glatze Ich glaube, du wirst hier solange niemanden überzeugen, bis du tatsächlich mal vergleichbare Fahrzeuge vergleichst... Ich selbst habe leider bisher nur sehr wenig tatsächliche Fahrerfahrung mit Liegerädern, daher werde ich mich bezüglich Wertungen zurückhalten.

    Allerdings kann ich dir sicher sagen, dass oberhalb von 15-20km/h die Aerodynamik des Fahrzeugs zum entscheidenden Faktor wird - da ist ein windschnittiges Fahrzeug im Vorteil (Velomobile stellen da regelmäßig ziemlich irre Rekorde auf, obwohl sie verhältnismäßig sehr schwer sind). Unterhalb dessen ist das Verhältnis von Leistung und Gewicht entscheidend. In der Spitze machen da tatsächlich auch ein paar Gramm oder ein paar Watt mehr oder weniger einen Unterschied. Wo genau der Übergang liegt, hängt vom Fahrer ab - bei Radprofis auf Rennrädern sind's in der Regel etwas über 7%, für den Rest der Welt entsprechend weniger.

    Da du nach eigener Aussage eher nicht in diesem Grenzbereich unterwegs bist, kann dir das selbstverständlich egal sein. Für diejenigen unter uns, die diese Grenzen tatsächlich ausreizen, lesen sich einige deiner Aussagen allerdings sehr seltsam...

  • Trotz Matte Glatze Ich glaube, du wirst hier solange niemanden überzeugen, bis du tatsächlich mal vergleichbare Fahrzeuge vergleichst... Ich selbst habe leider bisher nur sehr wenig tatsächliche Fahrerfahrung mit Liegerädern, daher werde ich mich bezüglich Wertungen zurückhalten.

    Bei Zehntelsekunden auf Bergetappen kann und will ich gar nicht mitreden. Falls sich irgendwer aus diesem Segment missioniert fühlt, bitte ich um Entschuldigung, war nicht meine Absicht.

    Ich höre mir nur mehr seit 20 Jahren irgendwelche teils abstrusen Vorurteile zu Liegerädern an. Von solchen gab es hier auch wieder einige und die wollte ich ausräumen, nicht mehr.

    Liegeräder haben keine versteckten Bremsklötze am Berg, keinen Turbo in der Ebene, keine Tarnkappen die einen unsichtbar machen, keinen Fog of War, der einen die Sicht nimmt oder Abgasansaugungen, die Liegeradler besonders einnebeln.

    Die praktischen Unterschiede bei "normaler Nutzung" vergleichbarer für den Anwendungszweck geeigneter Räder sind ziemlich klein, jedenfalls meist wesentlich kleiner als in der Vorstellung meiner Gesprächspartner. Genauso wie ich mit einem Fixie in den Alpen verzweifeln werde, ist ein Langlieger für Berlin Mitte eher semi. Das liegt dann aber an der Schaltung bzw. am Radstand, nicht an der Sitzposition. Das mag sich im Bereich des Leistungssports irgendwann ändern bzw. mehr ins Gewicht fallen. Mindestens außerhalb dieses Bereichs gibt es ein erstaunliches Maß an Mythen um Liegeräder.

    Wenn regelmäßig der Arsch weh tut, man Rückenprobleme hat oder man auf seine Prostata acht geben möchte, lohnt es sich auf jeden Fall sich in die Materie einzuarbeiten. Auf Liegeradtreffen gibt es auch sehr sympathisches Volk und Möglichkeiten auszuprobieren.

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    • Offizieller Beitrag

    Beim Thema Mythen rund ums Rad kann ich dir versichern, dass das nicht nur für Liegeräder gilt ;) ... Wie gesagt, ich habe mit dieser Bauform nicht genug Erfahrung, um mir ein Urteil über die Vor- und Nachteile bilden zu können, daher werde ich's auch lassen.

    Letztendlich hat kein Rad eine Chance gegen die Physik. In der Praxis ist das Rad, bei dem man sich aufs losfahren freut, das beste - Vollkommen egal ob's ein Rennrad, E-MTB oder eben ein Liegerad ist. Wenn das nicht passt, dann wird's so oder so nicht klappen und wenn alles zusammen passt, dann wird man auf Dauer auch schnell genug für die Strecken, die man fahren möchte.

  • Beim Thema Mythen rund ums Rad kann ich dir versichern, dass das nicht nur für Liegeräder gilt ;) ... Wie gesagt, ich habe mit dieser Bauform nicht genug Erfahrung, um mir ein Urteil über die Vor- und Nachteile bilden zu können, daher werde ich's auch lassen.

    I feel you. Dazu gibt es "die Bauform" bei Liegerädern fast noch weniger als beim "normalen Fahrrad". Tieflieger, Langlieger, Kurzlieger, Knicklenker und sogar Bauchlieger (:D) gibt es. Spannsitze, Schalensitze, Ober-/Unterlenker, und und und. Abgesehen von Offroad und BMX ist da von Rennrad über Stadt- und Reiserad bis Faltrad in wirklich jeder Kategorie was zu finden. Und alle haben eigene Vor- und Nachteile.:)

    in der Praxis ist das Rad, bei dem man sich darauf freut, losfahren zu dürfen, sowieso das beste - Vollkommen egal ob's ein Rennrad, E-MTB oder eben ein Liegerad ist.

    so sieht's aus. :thumbup:

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  • Wer sich für ausgefallene Räder interessiert, sollte sich die Spezialradmesse in Germersheim (ca. 40 km nördl. von Karlsruhe) merken, die dort seit Jahren Ende April stattfindet. Da kann man auch fast alle vorgestellten Räder probefahren und viele DIY Modelle bestaunen. Ich war schon oft dort, bin viele Räder probegefahren und immer wieder begeistert, wieviele verschiedene Räder es gibt. (https://www.spezialradmesse.de/home.html)

    • Offizieller Beitrag

    sogar Bauchlieger ( :D ) gibt es.

    Das habe ich auch noch nicht gesehen. Da würde ich mich aber wirklich sehr unsicher fühlen - vor allem mit dem Kopf voran bergab =O

    Vor Jahren durfte ich in einem Fahrradmuseum mal ein Cavallo reiten und habe es bedauert, dass dieser Antrieb nicht populärer geworden ist. Wobei beim reiseradeln die Frage ist, wo man das ganze Gepäck unterbringt ^^

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