Jedermannsrecht

  • in staatlich betriebenen Nationalparks

    ... der Schweiz ist selbst das Verlassen der Wege strengstens verboten. (Wir haben nur einen Nationalpark, aber diverse Schutzgebiete.)


    Ansonsten ist das Übernachten in den Schweizer Alpen über der Waldgrenze meistens unproblematisch. Man sollte einfach die Schutzgebiete und die Gebiete mit Alpbewirtschaftung meiden.


    In Frankreich wird das Biwakieren in der Kernzone oft akzeptiert, wenn man zu Fuss weiter als eine Stunde von der Grenze entfernt ist (z.B. Pyrenäen). Es gibt aber in einigen Gebieten auch strengere Regeln mit vollständigem Übernachtungsverbot im Freien (z.B. regionaler Naturpark Haut-Jura, EDIT: Regeln sind strenger, aber es ist eingeschränkt möglich, siehe unten).

  • In der Schweiz ist das Übernachten im Wald aus meiner Sicht kein Problem. Man kann dabei zwei unterschiedliche Strategien verfolgen:

    1. Man macht sich so unsichtbar wie möglich. Das scheint auch in Deutschland eine gute Strategie zu sein.
    2. Man nutzt die vorhandene Infrastruktur und tarnt seine Absicht.

    Strategie 2 habe ich auch gelegentlich genutzt. Ich suche mir dazu eine Infrastruktur, die eine gewisse Distanz zur nächsten Siedlung aufweist und nutze sie bis zum Eindunkeln als Wanderer. Am Morgen habe ich mich bereits wieder in einen Wanderer zurückverwandelt, bevor die ersten Leute vorbeikommen könnten.


    Bei uns gibt es diverse offizielle Grillplätze. Meines Wissens gibt es dort keine zeitliche Beschränkung. Wichtig ist einfach, keinen Lärm zu machen und seine Abfälle und andere Hinterlassenschaften korrekt zu entsorgen. Oft sind solche Plätze sogar mit Abfalleimern ausgestattet. Der Umstand, dass es sich um einen Grillplatz handelt, bedeutet im Übrigen ja nicht, dass man dort unbedingt Feuer machen muss. Mir ist das meistens zu aufwändig und ich ziehe unnötig die Aufmerksamkeit auf mich.


    Die Zeitschrift «Schweizer Familie» hat gegen 600 Grillplätze in der ganzen Deutschschweiz eingerichtet. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere solcher Plätze, die von Gemeinden zur Verfügung gestellt werden, auch in den anderen Landesteilen. Wenn die sich nicht in einem Naturschutzgebiet oder in unmittelbarer Nähe von Siedlungen befinden, kann man die theoretisch auch mal für eine Übernachtung nutzen. Ruhiges, unaufdringliches Verhalten, Ordentlichkeit und Rücksichtnahme sind natürlich das A und O. Ich würde darauf achten, dass das Übernachten selbst nicht gesehen wird. Offiziell nutzt man bloss die Tische und Bänke für eine Rast, sei es am Abend oder am Morgen.

  • Quote from https://randonature.parc-haut-jura.fr/informations/conseils-aux-randonneurs/

    le bivouac est autorisé :

    • sans abri (sauf en cas de nécessité absolue : conditions météorologiques et sécurité de la personne notamment)
    • de 19h00 le soir à 9h00 le matin
    • pour une seule et unique nuitée
    • à une distance maximale de vingt mètres des sentiers balisés autorisés
    • en dehors des alpages occupés par le bétail

    Le bivouac est donc conseillé à proximité des refuges et chalets ouverts aux itinérants, soit : la Loge, le Gralet, la Poutouille, le chalet du Sac, le chalet Bizot

  • Haut-Jura

    Vielen Dank fürs Raussuchen. Ich hatte es nicht gefunden. Zu Deutsch:


    Das Biwak ist zugelassen:

    • ohne Obdach* (außer im Falle absoluter Notwendigkeit: Wetterbedingungen und Sicherheit der Person im Besonderen)
    • von 19:00 Uhr abends bis 9:00 Uhr morgens.
    • für eine und nur eine Nacht
    • in einem maximalen Abstand von zwanzig Metern von den genehmigten markierten Wegen
    • ausserhalb der von Vieh besetzten Bergweiden

    Das Biwak wird daher in der Nähe der Schutzhütten und Chalets empfohlen, die den Wanderern offen stehen, d.h.: la Loge, le Gralet, la Poutouille, le chalet du Sac, le chalet Bizot


    *Die Frage ist, wie das »sans abri« zu verstehen ist. Ich übersetze das als «ohne Zelt, Tarp oder Regenschutz». Man soll zudem die Nähe der vorhandenen Unterkünfte aufsuchen, vermutlich um die Störung der Natur so gering wie möglich zu halten.


    Ich bin jedenfalls sehr dankbar für deine Information, Womble. Ich hätte sonst meinen Plan, dort mal den ganzen Weg über die Krete von St-Cergue bis Bellegarde-sur-Valserine zu Fuss zurückzulegen, ohne in den Hütten übernachten zu müssen, schon fast aufgegeben.


    Ich hatte das letzten Sommer versuchen wollen, hatte dann aber unsicheres Wetter und wegen diverser technischer Probleme Karten nur als PDF-Dokumente auf dem Smartphone und zu allem Überfluss noch ein ausgeschaltetes Roaming, das ich von unterwegs nicht mehr einschalten konnte, weil der Mobilfunkanbieter ohne jegliche Mitteilung an die Kunden die Bedienung über Codes abgeschaltet hatte. Aber das ist eine andere Geschichte. Ohne Mobilfunknetz und mit unsicherer Akkulaufzeit wollte ich dann keine Risiken eingehen und bin nach Géx runter. Man hat dort oben eine wunderbare Aussicht, ist aber auch sehr exponiert.


    Auf meine Aussage, dass das Biwakieren nicht erlaubt sei, bin ich übrigens aufgrund der folgenden Plakate gekommen (nur der entsprechende Ausschnitt), die mich diesbezüglich entmutigt hatten:



    Es gibt Unterkünfte für die Wanderer, die man nutzen soll, um die Störung von Fauna und die Umweltverschmutzung zu begrenzen.



    Man soll die Wege nicht verlassen.


    Ich habe nirgends ein Schild gesehen, das auf das Biwakieren hingewiesen hätte.

    Pyrenäen

    In den Pyrenäen war das Biwakieren auf grossen Informationstafeln an den Zugängen zum Park geregelt:



    Biwak ist dort zwischen 19 und 9 Uhr erlaubt, wenn man über eine Stunde von der Grenze des Naturparks und der nächsten Zubringerstrasse entfernt ist.

  • Ja, du hattest es erwähnt und ich hatte es im Hinterkopf. Du wohnst ja nur einen (weiten) Steinwurf von La Dôle entfernt, hattest du glaube ich, geschrieben. Danke für die Einladung. Kaffee und allenfalls gemeinsame Schritte klingen gut. :)


    PS: Habe ich "abri" aus deiner Sicht richtig gedeutet?

  • Stefan Hauser, könntest du bitte noch ein paar Tags mehr vergeben. Unter dem Tag «Abhängen in Deutschland» würde ich diesen Faden niemals wiederfinden. Du könntest z.B. «Jedermannsrecht» als Tag setzen. Vielleicht auch «Abhängen ohne Jedermannsrecht». Thematisch sind wir ja schon lange über Deutschland hinaus am Diskutieren. Vielleicht haben andere noch Vorschläge für Tags.


    Den Faden finde ich übrigens ganz toll, weil er uns ermutigt und Möglichkeiten aufzeigt, wie wir auch ohne ein Jedermannsrecht nach nordischem Vorbild Wege finden können, raus in die Natur zu gehen.

  • Erneut Urlauber beim Wild-Camping im Pfälzerwald erwischt


    Da die offiziellen Campingplätze alle voll sind, stehen die jetzt halt auf irgendwelchen Parkplätzen im Wald.

    Dort sind natürlich keine Toiletten, Mülleimer oder Entsorgungsstellen für die Chemietoilette.

    Die widerlichen Folgen müsst Ihr Euch selbst ausmalen ;(

    Once you get locked into a serious hammock collection,

    the tendency is to push it as far as you can ...


    Hesmon

  • Nun ja, in skandinavischen Ländern geht auch das unter Jedermannsrecht: für eine Nacht geht fast überall, wenn man nicht gerade seine Campingstühle rausholt oder direkt jemandem vor der Nase parkt, und natürlich nimmt man seinen Müll und seine K...e wieder mit. Jedem Tierchen sein Pläsierchen...

    Dieser Tag ein Leben!

  • Erneut Urlauber beim Wild-Camping im Pfälzerwald erwischt


    Da die offiziellen Campingplätze alle voll sind, stehen die jetzt halt auf irgendwelchen Parkplätzen im Wald.

    Dort sind natürlich keine Toiletten, Mülleimer oder Entsorgungsstellen für die Chemietoilette.

    Die widerlichen Folgen müsst Ihr Euch selbst ausmalen ;(

    Hm, im Artikel ist aber von Wohnmobilen die Rede. Die benutzen im Allgemeinen ihre eigene Toilette, und müssen Toilette und Abwassertanks nicht jeden Tag leeren. Ich halte es für zweifelhaft, dass es in diesem Fall widerliche Folgen gab. Das ist eher ein Problem beim Autocamping. Wohnmobile dürfen an vielen Stellen sogar "freistehen". Nur eben nicht im Naturpark Pfälzerwald.

  • Letztes Wochenende habe ich in unterhalb einer Burg ca. 10 "Mobile" auf einem kleinen Parkplatz am Waldrand angetroffen. Die Hälfte Wohnmobile, die andere Hälfte VW-Busse.

    Ich halte es für zweifelhaft, dass es in diesem Fall widerliche Folgen gab.

    Nächstes mal mache ich Fotos von Parkplatz und Umgebung.

    Die Hauptmotive im Unterholz rund um die Parkplätze sind übrigens: Tempos mit braunen Rallystreifen und Bierflaschen.


    Eine Chemietoilette sollte nach 3 Tagen geleert werden, sonst wird es unangenehm. Dazu müsse man aber einige Kilometer fahren. Und wenn man zurück kommt, ist ja evtl. der schöne Stellplatz weg. Do the math ...



    Wir sind hier in einem Forum, in dem über die Breite von Treehuggern diskutiert wird, um die Bäume nicht zu schädigen. Da draußen gibt es aber auch Menschen, die Bauschutt, Farbeimer und Altöl in den Wald kippen, weil der Weg zur Müllkippe zu weit ist oder die Kosten zu hoch.


    Wir hatten jetzt gerade mal ein paar schöne Wochenenden im Frühling. Ich habe einfach Angst, was - dank Corona - in den Sommerferien hier los sein wird.


    P.S.

    Nein, ich hasse nicht alle Wohnmobilisten, sondern nur die 10% <Körperöffnung (plural) einfügen>, die sich einfach nicht benehmen können.

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    Hesmon

  • Ein paar Beispiele:

    • Ich bin vorhin von einem Grillplatz im Wald zurück gekommen, wo ich mir einen Instantkaffee gekocht habe. Da lag eine leere Verpackung von Fleischkäse mit einem gebrauchten Papiertaschentuch drin, am Boden ein leerer Joghurtbecher mit Plastiklöffel. Beim Grillplatz befindet sich kein Abfalleimer (warum auch?) und da dachte sich die Person vielleicht: Mist, jetzt muss ich leeren Verpackungen nach Hause schleppen, da lasse ich die doch lieber liegen.
    • In Schottland verläuft der »Great Glen Way« ein Stück weit auf einer wenig befahrenen Überlandstrasse: Was da alles am Boden herumlag: leere Verpackungen und Pappbecher eines bekannten Fast-Food-Anbieters. Da und dort dem Loch Lochy entlang längst abgelaufene Verpackungen mit Fleischprodukten. Man könnte den Abfall auch im Restaurant oder sonst zuhause entsorgen.
    • Die letzten 100km des Camino Francés (einer der Jakobswege in Spanien): In jeder Ausbuchtung massenhaft Papiertaschentücher, auf alle erdenkliche Art und Weise benutzt. Dabei gibt es dort alle paar Kilometer eine Ortschaft, wo man sein Geschäft verrichten oder den Abfall korrekt entsorgen könnte.

    Der Mensch schützt nur, was er liebt. Die Natur als Naherholungsgebiet zu nutzen, funktioniert auch ohne Liebe zur Natur ganz gut. Leider. Ich habe vermutlich auch irgendwo meine blinden Flecken...


    Jedermannsrecht scheint für viele zu bedeuten: Jeder hat das Recht, seinen Abfall liegen zu lassen.

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