Hängemattenmarkt Europa Quo-vadis?

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  • Es gibt genügend europäische Hersteller im Outdoorbereich, deren Produkte unbedingt mit amerikanischen vergleichbar sind (z.B. Hilleberg, Wechsel, Exped und viele andere) . Wenn wir die Preise in beiden Kontinenten vergleichen, fällt auf, dass für Hängematten aus dem Premiumsegment in Europa ungleich mehr bezahlt werden muß, als im Zelt-oder Schlafsackbereich. Es fehlen auch nach wie vor echte europäische Hängemattenhersteller, die in der Qualiät zu Warbonnet, Hennessy, Dutch und anderen vergleichbare Produkte im hiesigen Wirtschaftsraum anbieten. Exped hat sich im HM-Segment frühzeitig hervorgetan und sich dann auf recht niedrigem Aktivitätsniveau in seiner Niesche etws bequem gemacht, schade.

    Es muß klargestellt sein, dass die Preise im nordamerikanischen Endkundenmarkt oft die Umsatzsteuer nicht enthalten und daher nicht mit den Preisen in europäischen Shops erhältlichen Produkten vergleichbar sind.

    Vermutlich dürfte im HM-Segment die Angebotspalette und eine Zunahme der Hersteller in Europa in der nächsten Zeit weiter steigen. Grund dafür ist die durch die Pandemie entstandene Zunahme individualisierter Urlauber. Da gibt es ja z.B. ungarische, polnische und auch spanische Unternehmen. Das zeigt auch auf allen Webseiten der Versender kolportieren Nachrichten, dass man mit der Anzahl der Bestellungen nicht nachkäme und Kunden sich auf eine erhöhte Dauer der Bestellbearbeitungen einzustellen hätten.

    Eine ähnliche Entwicklung haben wir vor wenigen Jahren etwa im Bike-Packing-Markt gesehen, wo z.B. Ortlieb einen Teil des Kuchens sich geschnappt hat.

    Seht Ihr das auch so?

    • Offizieller Beitrag

    Es gibt genügend europäische Hersteller im Outdoorbereich, deren Produkte unbedingt mit amerikanischen vergleichbar sind (z.B. Hilleberg, Wechsel, Exped und viele andere) .

    Wo produzieren diese Hersteller jeweils?

    Wenn wir die Preise in beiden Kontinenten vergleichen, fällt auf, dass für Hängematten aus dem Premiumsegment in Europa ungleich mehr bezahlt werden muß, als im Zelt-oder Schlafsackbereich.

    Auch hier die Frage: wo produzieren diese Hersteller?

    Es fehlen auch nach wie vor echte europäische Hängemattenhersteller, die in der Qualiät zu Warbonnet, Hennessy, Dutch und anderen vergleichbare Produkte im hiesigen Wirtschaftsraum anbieten.

    Hennessy produziert in Fernost und hat eine Niederlassung in GB. Warbonnet und Dutch produzieren selbst und sitzen in den USA, sind also nicht mit Hennessy vergleichbar.

    Es gibt mehrere echte europäische Hängemattenhersteller wie z.B. Crosshammock. Sofern diese aber nicht in Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten sitzen, sind die Preise vergleichbar oder sogar höher (siehe z.B. Fimbul Gear).

    Meiner Meinung nach haben die meisten Leute dank jahrzehntelanger Wettbewerbsverzerrung keine Ahnung mehr von echten Produktwerten. Fast alles was wir kaufen ist nur so günstig, weil die Produktion in Billiglohnländern stattfindet.

    Vermutlich dürfte im HM-Segment die Angebotspalette und eine Zunahme der Hersteller in Europa in der nächsten Zeit weiter steigen.

    HammockTent hat gerade aufgegeben. Fast alle neuen Hersteller kommen aus Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten (z.B. Polen oder Ungarn). Würden sie in Deutschland produzieren, wären die Preise vermutlich höher als die von der aus den USA importierten Ausrüstung.

  • Es gibt genügend europäische Hersteller im Outdoorbereich, deren Produkte unbedingt mit amerikanischen vergleichbar sind (z.B. Hilleberg, Wechsel, Exped und viele andere) .

    Wo produzieren diese Hersteller jeweils?

    Ich stelle das überhaupt nicht in Abrede, dass alle durch die Bank weg östlich produzieren. Hilleberg hat das lange nicht zugegeben. Ich rede über einen qualitativen Vergleich, der im HM-Markt offensichtlich nicht oder noch nicht gegeben ist.

    Wenn wir die Preise in beiden Kontinenten vergleichen, fällt auf, dass für Hängematten aus dem Premiumsegment in Europa ungleich mehr bezahlt werden muß, als im Zelt-oder Schlafsackbereich.

    Auch hier die Frage: wo produzieren diese Hersteller?

    Es spielt im Preisvergleich nicht so die Rolle, wo sie produzieren. Mich interessiert im Moment, dass Artikel im Outdoorbereich in Amerika etwa das selbe kosten, wie in Europa, unabhängig, wo produziert wird. Die großen amerikanischen amerikanischen Marken , etwa Johnson & Johnson lassen auch in Fernost produzieren. Das ist im Hängemattenmarkt nicht so. Momentan sind die Preise für amerikanische Hängematten in Europa so, dass es sich vermutlich lohnen könnte, auch hier zu produzieren. MIch als Endkunden interessiert zunächst, wieviel ich gegenüber einem amerikanischen Endkunden zuzahlen muß, um eine HM in Warbonnet-Qualität in Europa in den Händen zu halten.

    Es fehlen auch nach wie vor echte europäische Hängemattenhersteller, die in der Qualiät zu Warbonnet, Hennessy, Dutch und anderen vergleichbare Produkte im hiesigen Wirtschaftsraum anbieten.

    Hennessy produziert in Fernost und hat eine Niederlassung in GB. Warbonnet und Dutch produzieren selbst und sitzen in den USA, sind also nicht mit Hennessy vergleichbar.


    Es gibt mehrere echte europäische Hängemattenhersteller wie z.B. Crosshammock. Sofern diese aber nicht in Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten sitzen, sind die Preise vergleichbar oder sogar höher (siehe z.B. Fimbul Gear).


    Meiner Meinung nach haben die meisten Leute dank jahrzehntelanger Wettbewerbsverzerrung keine Ahnung mehr von echten Produktwerten. Fast alles was wir kaufen ist nur so günstig, weil die Produktion in Billiglohnländern stattfindet.

    Es müssen nicht alle Produkte aus Fernost schlecht sein. Wenn man aber sieht, was für grottige Produkte etwa als Underquilt aus China angeboten werden, wundert man sich, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, so etwas überhaupt anzubieten. Die erfüllen ihre Funktion einfach nicht.

    Die amerikanischen Premiumprodukte fallen besonders durch ein innovatives Produktdesign und auch in der exzellenten Materialauswahl auf, eben Premiumsegment. Ich bin überzeugt, dass über kurz oder lang die polnischen und ungarischen Hersteller ein vergleichbares Designmanagement brauchen, wenn sie sich in diesem Markt behaupten wollen.

    Vermutlich dürfte im HM-Segment die Angebotspalette und eine Zunahme der Hersteller in Europa in der nächsten Zeit weiter steigen.

    HammockTent hat gerade aufgegeben. Fast alle neuen Hersteller kommen aus Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten (z.B. Polen oder Ungarn). Würden sie in Deutschland produzieren, wären die Preise vermutlich höher als die von der aus den USA importierten Ausrüstung.

    Bei HammockTent kann ich nicht mitreden. Da kenne ich zu wenig die Hintergründe für deren Geschäftsaufgabe.

    Was die Produktionskosten angeht, möchte ich dezent widersprechen, dass Deutschland viel teurer als die USA ,sei. Der Preisunterschied zwischen den Kontinenten beim Endverbraucher, der alleine durch Einfuhr, Umsatzsteuer, Bearbeitung, Handling und letztendlich Handelsmargin entsteht, liegt bei 120 € und mehr, und zwar pro Matte. Das finde ich erheblich. Umverteilt auf die Größe des Mattenmarktes, der, wie gesagt, durch die Pandemie im Steigen begriffen ist, könnte ich mir schon vorstellen, dass es sich für den einen oder anderen Hersteller lohnen könnte, in dieses Segment einzusteigen.

    Einmal editiert, zuletzt von Hammock Fairy (13. Februar 2021 um 11:20) aus folgendem Grund: Formatierung repariert

  • Moin zusammen,

    wenn Produkte in Fernost hergestellt werden, heißt das nicht automatisch die Qualität ist schlechter als in Europa oder USA produzierte Ware.

    Wenn man als „Händler/Hersteller“ bereit ist mehr im EK zu bezahlen dann bekommt man auch bessere Qualität! Siehe z.B. Amok Equipment, TTTM oder HH oder auch Tatonka und viele andere. Diese Hm werden in Fernost gefertigt und sind trotzdem von guter bis sehr guter Qualität 👍

    Durch die geringeren Produktionskosten sind sie oft bei gleicher Qualität wie europäische oder nordamerikanische günstiger.

    Die Basis-Stoffe oder Zubehör von Herstellern die z.B. in den USA nähen sind oft aus Fernost.

    Soweit mir bekannt sind nur die kompletten Materialien der Clark Hm Made in USA. Wobei ich mir bei den Glasfaser Bögen nicht so sicher bin.....

    Meine Ausrüstung von Hilleberg wurde übrigens in Estland gefertigt...... Hilleberg hat dort seine Nähfabrik wenn sich das nicht geändert hat.

    Gruß von der Ostsee

  • wenn Produkte in Fernost hergestellt werden, heißt das nicht automatisch die Qualität ist schlechter als in Europa oder USA produzierte Ware.

    Das ist sicher oft so, aber die Frage ist ja auch, ob man die miesen Arbeitsbedingungen in vielen Ländern im Osten oder vorallem Asien unterstützen will. (7 Tage Woche à 10 Std./Tag). Dass die Preise bei derartigen Herstellungspreisen dann billiger sind ist klar.

    Vielleicht könnten wir ja Cross Hammock davon überzeugen in die Produktion von GE HM einzusteigen?

  • Moin,

    das in Fernost oft üble Arbeitsbedingungen bestehen das denke ich auch!

    Das gilt bestimmt für viele der no Name Einwegartikelhersteller. Aber viele Firmen die einen guten Ruf zu verlieren haben achten heutzutage schon darauf ihre Mitarbeiter „vernünftig“ zu behandeln und zu bezahlen. TTTM z.B. fertig in einer modernen Näherei auf Bali mit gut ausgebildeten Nähern/Näherinnen. Ebenso Tatonka in Südkorea und Vietnam oder Hilleberg in Estland um mal ein paar „gute“ zu nennen.

    Deshalb und auf Grund der Verwendung von besseren und somit teuren Materialien sind deren Produkte ja auch teurer. Diese Hersteller kann man nicht mit manchen T-Shirt Herstellern in Indien oder Bangladesch o.ä. vergleichen.

    Auch in China gibt es mittlerweile etliche, hoch moderne Fabriken mit gut ausgebildeten und vernünftig bezahlten Mitarbeitern. Das erkennt man auch an den enorm gestiegenen Wohlstand der einzelnen Menschen dort in den letzten 20 Jahren. Nicht umsonst möchten so viele westliche Länder eigentlich gut Freund mit China sein (und natürlich wegen der Kredite😂). Fernost ist ein riesiger Absatzmarkt für unsere teuren Produkte geworden. Der einzelne Mensch kann sich nun auf Grund besserer Bezahlung mehr leisten als noch vor 20 Jahren.

    Das gilt leider nicht für alle, aber für viele...... leider gibt es auch noch viel Armut und Ausbeuterei!

    Deshalb würde ich aber nicht pauschal Produkte aus Fernost boykottieren. Lässt sich heutzutage eh schwer vermeiden keine Sachen Made in Fernost zu kaufen. Selbst renommierte westliche Hersteller bekommen ihre Grundstoffe aus Fernost und produzieren dann hier das fertige Produkt daraus.

    Selbst bei den weltweiten Synonymen für Made in Germany, die Deutschen Nobelkarren, ist nicht mehr alles Made in Germany.

    Aber ich denke ich schwief gerade einen Kilometer ab🤭🤓

    Ich würde mich auch sehr über gute GE Hm Made in Germany freuen...... Herr Cross Hammock 😁

    In diesem Sinne.... Gruß von der Ostsee

    • Offizieller Beitrag

    Vielleicht könnten wir ja Cross Hammock davon überzeugen in die Produktion von GE HM einzusteigen?

    Wieviele Leute wären denn bereit (gefühlt!!!) viel zu viel Geld dafür auszugeben? Wohl nur sehr wenige. Lohnt es sich, für so einen klitzekleinen Markt zu produzieren?

    Auf Vorrat wird dann eher nicht produziert, sondern nur auf Kundenwunsch. Einzelanfertigung macht die Sache dann noch mal teurer und führt zu längeren Bestellzeiten. Das schränkt den Markt noch weiter ein und führt schließlich zu dem Zustand, der jetzt schon besteht: Frag Ulrich einfach mal, ob er Dir eine näht!

    • Offizieller Beitrag

    Ich stelle das überhaupt nicht in Abrede, dass alle durch die Bank weg östlich produzieren. Hilleberg hat das lange nicht zugegeben. Ich rede über einen qualitativen Vergleich, der im HM-Markt offensichtlich nicht oder noch nicht gegeben ist.

    Es spielt im Preisvergleich nicht so die Rolle, wo sie produzieren.

    Natürlich hängen Preis und Qualität zusammen. Und damit auch wo produziert wird. Warum produzieren die Hersteller nicht in ihren eigenen Ländern? Weil die Produktionskosten dann sehr viel höher wären, und der Gewinn kleiner. Und warum wird entsprechend hochwertige Ausrüstung nicht direkt von den Produzenten in den Billiglohnländern selbst vertrieben? Sie haben ja immerhin die Materialien und die billigen Arbeitskräfte. Aber ihnen fehlt das Knowhow und meiner Erfahrung nach auch ganz einfach das Interesse. Um gute Ausrüstung zu designen, muss man am Thema interessiert sein, und die Ausrüstung selbst benutzen. Das kostet viel Zeit. Zeit muss man sich leisten können.

    Hersteller wie Dutch, Warbonnet, Dream Hammock oder Hammock Gear sind alle selbst Hängemattennutzer, die angefangen haben, Ausrüstung in für den Eigengebrauch zu designen - und erst später zu verkaufen. Ich bezweifele, dass der chinesische Fabrikbesitzer regelmäßig mit seinen Hängematten campen geht.

    Mich interessiert im Moment, dass Artikel im Outdoorbereich in Amerika etwa das selbe kosten, wie in Europa, unabhängig, wo produziert wird.

    Welche Artikel vergleichst du denn konkret?

    Momentan sind die Preise für amerikanische Hängematten in Europa so, dass es sich vermutlich lohnen könnte, auch hier zu produzieren. MIch als Endkunden interessiert zunächst, wieviel ich gegenüber einem amerikanischen Endkunden zuzahlen muß, um eine HM in Warbonnet-Qualität in Europa in den Händen zu halten.

    Ich habe mir mehr als einmal durchgerechnet, ob ich nicht selbst Hängematten herstellen könnte. Das Interesse hätte ich. Aber mit dem Preisen von Warbonnet könnte ich nicht annähernd mithalten. Momentan verdiene ich mit dem Import und Verkauf der US-Ausrüstung weniger als den Mindestlohn. Wenn ich auch noch anfangen würde, die Ausrüstung selbst herzustellen, würde der Stundenlohn noch weiter fallen. Ich habe keine Ahnung, wie es die US-Hersteller bei den Preisen schaffen, profitabel zu arbeiten. Ich vermute mal, dass da an einigen Stellen wie z.B. der Krankenversicherung gespart wird.

    Es müssen nicht alle Produkte aus Fernost schlecht sein. Wenn man aber sieht, was für grottige Produkte etwa als Underquilt aus China angeboten werden, wundert man sich, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, so etwas überhaupt anzubieten. Die erfüllen ihre Funktion einfach nicht.

    Ich habe nie behauptet, dass alle Produkte aus Fernost schlecht sind. Die Chinesen lernen dazu. Ich kenne mich im Zeltbereich nicht so wahnsinnig gut aus, aber mir scheint, dass man mittlerweile recht brauchbare Zelte auf Ali kaufen kann. Die Frage ist aber woher die Designs kommen. Es fällt oft auf, dass die Zelte bekannten Produkten sehr ähnlich sind. Sind die Chinesen durch Versuch und Irrtum zu einem ähnlichen Design gekommen? Haben sie sich an bekannten Produkten orientiert? Oder haben sie die Originalprodukte für den Anbieter produziert, und nutzen das Wissen weiter? Ich würde eher auf die letzten beiden Antworten tippen.

    Der Grund warum bisher fast nur grottige Hängemattenausrüstung aus China kommt ist vermutlich, weil keiner der Hersteller von wirklich guter Ausrüstung in China produzieren lässt. Und weil sich die grottige Ausrüstung gut genug verkauft. Das Geschäftsmodell ist einfach ein ganz anderes. So lange das funktioniert, wird sich keiner die Mühe machen, bessere Ausrüstung herzustellen. Interessant wird es, wenn die Löhne auch in China steigen. Irgendwann wird das Geschäftsmodell Gewinne durch die Massenherstellung von Billigausrüstung zu erzielen nicht mehr funktionieren. Dann werden sie auf gutes - oder zumindest besseres - Design setzen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Aber damit werden auch die Preise steigen.

    Die amerikanischen Premiumprodukte fallen besonders durch ein innovatives Produktdesign und auch in der exzellenten Materialauswahl auf, eben Premiumsegment. Ich bin überzeugt, dass über kurz oder lang die polnischen und ungarischen Hersteller ein vergleichbares Designmanagement brauchen, wenn sie sich in diesem Markt behaupten wollen.

    Das sehe ich momentan nicht. Mein Eindruck ist, dass sich nur wenige Hersteller von günstigerer Ausrüstung mit den derzeit besten Produkten auseinandersetzen. Die, mit denen ich kommuniziert habe, hatten jedenfalls noch keine US-Hängematte in der Hand. Das heißt, sie fangen von 0 an, und müssen alle Fehler erst einmal selbst machen anstatt von anderen zu lernen.

    Was die Produktionskosten angeht, möchte ich dezent widersprechen, dass Deutschland viel teurer als die USA ,sei. Der Preisunterschied zwischen den Kontinenten beim Endverbraucher, der alleine durch Einfuhr, Umsatzsteuer, Bearbeitung, Handling und letztendlich Handelsmargin entsteht, liegt bei 120 € und mehr, und zwar pro Matte. Das finde ich erheblich. Umverteilt auf die Größe des Mattenmarktes, der, wie gesagt, durch die Pandemie im Steigen begriffen ist, könnte ich mir schon vorstellen, dass es sich für den einen oder anderen Hersteller lohnen könnte, in dieses Segment einzusteigen.

    Du bist der Meinung, dass du eine der einlagigen XLC vergleichbare Hängematte für $180 also für ca. 150 € in Deutschland herstellen (lassen?) und verkaufen könntest, und dabei noch einen halbwegs akzeptablen Stundenlohn hast? Selbst wenn das der Nettopreis wäre, und Endpreis bei 180 € inkl. Mehrwertsteuer liegen würde --- das möchte ich sehen.

    Tatsache ist, dass der Hängemattenmarkt deutlich kleiner ist als der Zeltmarkt. Ich bin ziemlich sicher, dass das so bleiben wird - trotz Wachstum. Wer Geld verdienen will, sucht sich ein anderes Geschäft. Mit der Herstellung von realen Gegenständen Geld zu verdienen ist kein Zuckerschlecken. Wer in diesem Geschäft ist, macht das zu einem substantiellen Teil aus Spaß an der Freud, denn reich wird man damit eher nicht. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen :)

  • Ich hab mich ja Anfang letzten Jahres einige Zeit damit gespielt, einen kommerziell verwertbaren Synthetikunderquilt zu entwickeln (Wooki-Style). Es hat mich interessiert, ob das prinzipiell möglich und markfähig ist.

    Ich hab' 5 Prototypen eines 20°F-Quilts genäht und die Arbeitsabläufe dabei so gut wie möglich optimiert. Am Ende bin ich auf knapp 3 Stunden Arbeit pro Quilt gekommen (inkl. Materialbestellung, Zuschnitt, Näharbeiten, Finishing, Verpackung und Versand; ohne Marketing, weil ich über einen Partnershop verkauft hätte). Die Materialkosten lagen bei knapp 110,- € pro Quilt (alles inklusive außer Nähmaschinenverschleiß). Verkauft hätte ich ihn zu einem Endpreis von 199 €.

    Pro Quilt hätte ich also etwa 90 Euro verdient. 10% davon wären an den Shopbetreiber gegangen, bleiben 81 €. Davon die Hälfte weg für Steuerklasse V und Versicherungen, bleiben 40 €. Bei 3 Stunden Arbeit ergeben sich 13,30 € Nettostundenlohn. Das finde ich eigentlich ganz ordentlich, wenn man bedenkt was manche Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen verdienen. Immerhin deutlich über dem Mindestlohn!

    Ich habe mich aber letztendlich dagegen entschieden, das als Erwerbsarbeit zu machen, weil ich zwar super gerne entwickle, aber nicht 20 Stunden pro Woche immer wieder das gleiche nähen will. Und auf Kundewünsche einzugehen habe ich von vorneherein ausgeschlossen, weil dadurch die Wirtschaftlichkeit dramatisch sinkt (riesiger Overhead für Kommunikation, Entwicklung/Logistik und ggf. Reklamationen).

    Bottom Line: Man kann meiner Meinung nach durchaus im Cottage-Vendor-Stil in D produzieren, aber man darf nicht erwarten, dass man damit easy-peasy auf 50.000 € Bruttojahresgehalt kommt...

    • Offizieller Beitrag

    Bei 3 Stunden Arbeit ergeben sich 13,30 € Nettostundenlohn.

    Das ist aber nur die reine Arbeitszeit für das Nähen des Quilts. Oder hast du die Zeit die du mit der Materialbeschaffung, der Steuererklärung, Verpackung und Versand, Beratung, gelegentliche Reparaturen und alles was man sonst noch als Selbständiger tun muss mit eingerechnet?

    Das finde ich eigentlich ganz ordentlich, wenn man bedenkt was manche Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen verdienen. Immerhin deutlich über dem Mindestlohn!

    Dem kann ich nur zum Teil zustimmen. Denn selbst in einem schlechten Job hat man als Arbeitnehmer noch ein Recht auf eine bestimmte Anzahl an arbeitsfreien Tagen wie z.B. Wochenenden und Urlaub. Der Lohn - auch wenn er schlecht ist - wird fortgezahlt. Die Frage ist, ab wann die Vorteile (keine Chefs und Manager, man arbeitet in einem Bereich der zugleich das eigene Hobby ist) das Risiko und das schlechte Einkommen endgültig nicht mehr wett machen.

  • Ich nicht. Da du ja auch nicht permanent Aufträge hast, somit auch geldmäßig vorabeiten / aufholen musst.

    Zumal du noch mit Versand Arbeit hast und eben die monotone Arbeit.

    Naja, ein Altenpfleger wäre froh über einen solchen Stundenlohn.

    Verpackung und Versand sind schon eingerechnet.

    Wie viel dann der Markt hergibt und ob Du damit Deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst, ist eine andere Frage. Ich hätte gerne im Schnitt 500 € pro Monat netto verdient, dafür hätte ich etwa 150 Quilts pro Jahr verkaufen müssen. Ob das geklappt hätte, weiß ich nicht. Jemand, der den Markt gut kennt, hat damals gemeint, dass 50-100 Quilts pro Jahr durchaus drin wären...

  • Das ist aber nur die reine Arbeitszeit für das Nähen des Quilts. Oder hast du die Zeit die du mit der Materialbeschaffung, der Steuererklärung, Verpackung und Versand, Beratung, gelegentliche Reparaturen und alles was man sonst noch als Selbständiger tun muss mit eingerechnet?

    Am Ende bin ich auf knapp 3 Stunden Arbeit pro Quilt gekommen (inkl. Materialbestellung, Zuschnitt, Näharbeiten, Finishing, Verpackung und Versand; ohne Marketing, weil ich über einen Partnershop verkauft hätte).

    Buchhaltung/Steuerklärung ist nicht mit drin, Beratung auch nicht.

    Reine Nähzeit inkl. Zuschnitt sind 2 Stunden.

  • Lohnt sich nicht. Zu viel Risiko und Arbeit, zu wenig Geld.

    Da musste Verträge mit den Stoffherstellern usw. haben, dann wird da was draus.

    Für Paar Matten oder Sookis lohnt sich das aber nicht.

    Hat schon seine Gründe warum es nicht wirklich was adäquates im GE-Bereich in DE gibt.

    • Offizieller Beitrag

    Buchhaltung/Steuerklärung ist nicht mit drin, Beratung auch nicht.


    Reine Nähzeit inkl. Zuschnitt sind 2 Stunden.

    Dann ist der reale Stundenlohn deutlich niedriger. Ich bin mittlerweile auch der Meinung, dass man seine Arbeitsbedingungen nicht an den schlechtesten Jobs messen sollte. Es kann doch nicht das Ziel sein, gerade mal so eben über die Runden zu kommen. Und es ging ja gerade auch darum, Ausrüstung von vergleichbarer Qualität wie die Amerikaner zu einem ähnlichen Preis in Europa herzustellen bzw. herstellen zu lassen. Die Erfahrung und das Wissen, das man für die Herstellung von guter Ausrüstung braucht, sowie qualitativ hochwertige Beratung sollten auch ein akzeptables Einkommen Wert sein.

  • Buchhaltung/Steuerklärung ist nicht mit drin, Beratung auch nicht.

    Reine Nähzeit inkl. Zuschnitt sind 2 Stunden.

    Dann ist der reale Stundenlohn deutlich niedriger.

    Die Beratung hätte ich an den Shopbetreiber abgegeben, da hier ja auch der Verkauf stattfinden würde (was aber noch nicht besprochen war).

    Für die Steuererklärung hätte ich eine Woche/Jahr eingerechnet, also etwa 40 Stunden.

  • Vielleicht könnten wir ja Cross Hammock davon überzeugen in die Produktion von GE HM einzusteigen?

    Danke, dass du mir das zutraust! Ob ich dazu die Möglichkeit haben werde, hängt wesentlich davon ab, wie sich Cross Hammock weiterentwickelt. Wenn es dieses Jahr so weitergeht wie letztes, dann wird mir für die Entwicklung neuer Produkte leider nicht viel Zeit bleiben.

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