Hängematte mit einem Baum und einem Hering aufhängen

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  • Ist alles gut, Konradsky. Es ist bloss nicht besonders zielführend, wenn du mir Dinge unter die Nase reibst, die ich selber bereits bedacht und geschrieben habe.

    Ihr könnt selbstverständlich weiterhin alles ausprobieren und davon berichten. Damit habe ich kein Problem. Es freut mich sogar, weil auch ich gerne Dinge ausprobiere, soweit ich das Material dazu zur Verfügung habe. Deshalb war ich auch einer der ersten, der diesem Beitrag einen «Daumen nach oben» gegeben hat.

    Ich wollte mit meinen Hinweisen dazu beitragen, die Belastungen im System zu reduzieren, weil ich Verbesserungspotenziel gesehen habe und immer noch sehe. Wie ich bereits schrieb: Ich werde das nun nicht mehr weiter ausführen.

  • Wenn jemand eine Kofferwaage oder Besseres hat, könnten wir in Mengerschied mal messen, wie die Belastungen so sind.

    Einen Enforcer von Rock Exotica hat sicher keiner.

    Aber ne digitale Kofferwaage bis 200kg oder mehr?

    Wäre ein cooler Workshop.

    Update: Ich bekomme ein Gerät als Leihgabe für das Treffen im Herbst.

    Damit können wir alle Lasten messen.

    Bei normalen HM, Brücken, 90° und bei dieser Seil Konfiguration.

    Das Gerät ist digital und man kann via App und Bluetooth die Daten auslesen.

    Wert über 1100€

  • Eigentlich wollte ich zum Thema nichts mehr schreiben. Dann ist mir eingefallen, dass man das Thema auch mal mit «Theorie light» ganz anschaulich darstellen kann. Ich habe mir dazu erlaubt, Bernds Foto etwas zu bearbeiten:

    Im belasteten Zustand wird die Hängematte wohl etwa in einem Winkel von 30° nach unten ziehen. Dann ergibt sich das folgende Kräfte-Parallelogram:

    Wenn in der Hängematte 100kg ruhen, dann ziehen auch 100kg an der Hängematten-Aufhängung: Faktor 1 = 100%. Der Zug auf dem Seil zum Ast ist dann 3.7x so stark, also rund 370kg. Der Zug am Abfalleimer rund 4.2x so stark, also etwa 420kg.

    Da das Statikseil (zum Glück!) etwas nachgibt und der Winkel im Seil dadurch günstiger wird (stärkere Richtungsänderung im Seil), fallen diese Kräfte noch ein ganzes Stück zusammen. Wenn ihr aber ein Seil aus Dyneema verwenden wollt wie oben angedacht, dann bleiben sie beim gleichen Aufbau aufgrund der geringen Dehnung nahezu so hoch.

    Welche Schlüsse ihr daraus für weitere Versuche ziehen wollt, überlasse ich euch.

  • Mein Gefühl sagt mir, dass 370kg bzw. 420kg nicht stimmen kann.

    Das wären ja in der Summe 790kg. Nee, das glaube ich ich nicht.

    Ich konnte den Abfalleimer ganz leicht durch drücken bewegen.

    Als das Seil dran war bewegte sich dieser viel weniger.

    Und mehr als 420kg kann ich nicht drücken.

    Bei 420kg hätte es den Abfalleimer durch die Luft katapultiert.

    Gruss

    Konrad

    • Offizieller Beitrag

    Schöne anschauliche Skizze. :thumbup:

    Da das Statikseil (zum Glück!) etwas nachgibt und der Winkel im Seil dadurch günstiger wird (stärkere Richtungsänderung im Seil), fallen diese Kräfte noch ein ganzes Stück zusammen.

    Die Rede war aber vom Kletterseil, und die sind gewöhnlich dynamisch. Die Dehnung schätze ich mal auf 10%. Was sagst Du, @Bernd Odenwald ?

    Bei derart hoher Dehnung ändern sich die Winkel beachtlich. (Liege gerade in der Hängematte und bekomme mit Kopfrechnen keine Größenangaben hin.)

    • Offizieller Beitrag

    Ich vermute, die Ergänzung von Waldläufer70 bezieht sich auf diese Aussage zu Beginn des Fadens:

    Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich beim Seil.

    Dünner und statischer, vielleicht ein Dyneema Seil wobei man da mit dem Prusik experimentieren muss.

    ... aber "macht einfach und berichtet" ;)

  • Ein Statikseil hat relativ wenig Dehnung (siehe z.B. hier: «äusserst geringe Dehnung»). Ein Kletterseil hat eher viel Dehnung (siehe hier: Dehnung bei 80kg = 7%). Das Kletterseil soll ja einen Sturz auffangen: Das schont den Kletterer und das Seil selbst, sollte es tatsächlich zu einem solchen Ereignis kommen. Beim ersten Sturz ins Seil dehnt es sich um 31%.

    Bernd hat oben ja angemerkt, bei einem nächsten Versuch statt dem Statikseil ein Dyneema-Seil verwenden zu wollen. Darauf habe ich Bezug genommen. Da wäre die Dehnung dann noch geringer als beim Statikseil und die Belastungen tatsächlich nahezu so hoch wie mit Hilfe des Kräfte-Parallelogramms hergeleitet.

    Konradsky: Ich kann mir solche Belastungen auch nicht immer vorstellen. Der Punkt ist: Das Kräfte-Parallelogram hat sich in der Physik etabliert und spiegelt die tatsächlich auftretenden Kräfte wider. Vielleicht enthält meine Skizze ja einen Fehler, ich denke allerdings, dass sie stimmt. Dass du den Eimer unter einer sehr hohen Spannung nicht mehr mit deinem Gewicht bewegen kannst, spricht ja gerade dafür, dass da Kräfte im Spiel sind, die das, was du zu stemmen vermagst, deutlich überschreiten. – Zudem darfst du diese beiden Belastungen nicht summieren. Es handelt sich um drei Kräfte, die sich aufgrund der gegebenen Winkel ergeben: Die Belastungen 100kg, 370kg und 420kg bilden ein statisches Kräfte-Dreieck, bei dem das System im Gleichgewicht ist und die Summe aller Kräfte Null beträgt.

  • Bei 420kg hätte es den Abfalleimer durch die Luft katapultiert.

    Und wie bereits angemerkt: Aufgrund der Dehnung des Statikseils sind die Kräfte in der Praxis tiefer als die 370kg und 420kg in der Skizze. Mit einem Dyneemaseil wärt ihr dann allerdings recht nahe an diesen Belastungen dran, denn solche Seile dehnen sich i.d.R. bei Erreichen der Bruchlast nur etwa um 3%, bei vernünftiger Belastung um höchstens 1%.

    • Offizieller Beitrag

    ... Deren Flug sich erst dann erklären lässt, wenn man sich nicht an zu starken Vereinfachungen festhält.

    Waldläufer70 Ich sehe keinen Fehler in deiner Skizze. Allerdings vermute ich auch, dass du die Dehnung des Seils sehr niedrig angesetzt hast. Die Aussagen von Konradsky und @Bernd Odenwald passen soweit also zu deinen Überlegungen.

    PS: Da ich ungern einen Ast auf den Kopf bekommen möchte würde ich auch eher pessimistisch abschätzen... Dann kann man von der Praxis nur positiv überrascht werden - denn wir alle wissen, dass der Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Praxis weit größer ist, als in der Theorie ;) .

  • Allerdings vermute ich auch, dass du die Dehnung des Seils sehr niedrig angesetzt hast.

    Ich habe das Bild der unbelasteten Hängematte eins zu eins übernommen und die Belastungen im ungedehnten System ermittelt. Ich habe dann festgehalten, dass ein Statikseil eine gewisse Dehnung hat, die die Kräfte am Seil abschwächt. Um wie viel die Kräfte kleiner werden, habe ich offen gelassen. Ich habe bloss gesagt, dass man bei Verwendung eines Dyneemaseils (wie von Bernd fürs nächste Mal angedacht) deutlich näher an die ermittelten Belastungen herankommt als mit dem Statikseil (rund 1% Dehnung beim Dyneemaseil gegenüber der Dehnung des Statikseils, die ich nicht kenne). Wie gesagt: Ein Statikseil ist kein dynamisches Kletterseil, sondern eben ein statisches Seil mit sehr geringer Dehnung. Es darf keine Schockbelastung erfahren! Wie gering die Dehnung eines Statikseils ist, weiss ich auch nicht, sie ist aber auf jeden Fall geringer als die 7% Dehnung bei einer Belastung mit 80kg beim verlinkten dynamischen Kletterseil.

    Das einfach zur Klarstellung zu meiner Skizze und zu den Überlegungen dazu.

  • Ihr seid ja lieb!
    Rechnet mit 100kg bei mir. :*

    Ihr Charmeure ihr! Hach! Da werd ich ganz rot.

    Rechnet mal lieber mit mehr.

    In Mengerschied, ich kanns kaum abwarten, messen wir mit einem Gerät, dass wir beim Industrieklettern und bei Special Rescue für Lastmessungen verwenden. Bei dem Preis ist das kein Spielzeug und wird die ungefilterte Wahrheit ans Licht bringen.

    Ich werd unzählige Screenshots der App machen um die Daten festzuhalten.

    Das sogenannte Statikseil hat lt Hersteller eine Dehnung von 3,5%.

    Der Mülleimer war halt wie normal mit dem Rohr wohl einbetoniert.

    Mir ging das mit dem Ast, was Jan meinte, ebenfalls "durch den Kopf".

    Ich hatte ja bewusst nicht direkt am Stamm das Seil eingebaut sondern so ca 2m außerhalb.

    Die dicke des Astes war aber auch enorm. da bewegte sich nix.

    ABER es ist ein Baum. Natur. Man kann nicht hinein sehen.

    Wenn es da oben drin gammelt, ein Spechtloch drin ist und der Pilz, das siehste von unten nicht.

    Ich hab schon Bäume in der Fußgängerzone liegen sehen, da war eine Woche vorher der Sachverständige dran und hatte nichts zu bemängeln.

    Ich selbst hing schon an Ästen, die sahen von unten super aus und baute oben mal ganz schnell ne KuSi am Stamm ein.

    Aber klar, WENN der Ast nachgegeben hätte, totaler Abriss, dann wäre er auf mich gefallen.

    Bei dem Ast wäre das fatal gewesen.

    Da aber mein Abstand zum Boden, als ich drin lag, sehr gering war, hoffte ich dass es den Ast auch nicht komplett abreisst.

    Dass die Eiche eher faserig bricht und dann aufhört, da ich ja bereits am Boden liege.

    Again, ist das nur ein Notbehelf. Ich würde das nicht ständig bauen wollen.

    Aber das ist wie mit Funkenschlagen beim Feuer machen.

    Gut zu wissen wie es geht, aber idR macht man es doch anders.

    • Offizieller Beitrag

    Wie sieht es mit der Hebelwirkung auf den ganzen Baum aus? Könnte die den ganzen Baum umreissen? Das ist ja bei Konstruktionen wie den Tentsile Baumzelten ein Problem, weil sie nicht nur ultra straff gespannt werden, sondern auch noch weit über den Wurzeln. Ich habe mindestens einmal gelesen, dass es einen Baum herausgerissen hat - mit tödlichen Folgen für den Baumzeltbesitzer. Könnte man die Kräfte vielleicht besser verteilen?

  • Da sollte man, wie so oft mit offenen Augen und gesundem Menschenverstand vorgehen.

    Ist der Baum geeignet, ist er gesund?

    Muss es der Baum sein oder ginge ein Anderer?

    Ein dünner Baum würde sich zuerst biegen bevor man ihn samt Wurzel raus zieht.

    Ein flachwurzelnder Baum wie eine Fichte ebenso.

    Der fällt auch nicht so einfach um.

    Das dürfte man hören und spüren.

    Das kündigt sich an.

    In dem Fall dürfte die Wahl die beste gewesen sein.

    Deutsche Eiche, gesund, alt.

    Deutscher Mülleimer, einbetoniert mit verzinktem Rohr, TÜV geprüft...

    ;)

  • Wäre toll, wenn ihr beim Treffen Fotos der belasteten Hängematte exakt von der Seite machen könntet. Am besten aus etwas Distanz und mit dem Zoom herangeholt, dann gibt es – so denke ich – geringere Verzerrungen. Dann könnte ich eure Messungen mal mit den geometrischen Skizzen und Berechnungen vergleichen. Ich fände das interessant.

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