Tarp für Hängematte und Schlafen am Boden

  • Vor einiger Zeit habe ich ein Video von «Evan's Backpacking Videos» gesehen, in welchem er darüber berichtet, wie er draussen übernachtet. Er nutzt ein quadratisches 8,5'-Tarp (259cm Seitenlänge). Da ich im Sommer auch gerne am Boden übernachte, fand ich das Video sehr interessant.


    Ich habe dann festgestellt, dass die Diagonale dieses Tarps 366cm (rund 12') misst. Mit anderen Worten: Ein solches Tarp könnte ich als Diamant aufgespannt auch für meine 340cm bis 350cm langen Hängematten nutzen!


    Ich habe mir deshalb bei Extremtextil mal 5,4m Stoff für das Tarp bestellt, der heute angekommen ist. Was ich mich nun frage: Ist ein Quadrat tatsächlich die beste Form für beide Welten?


    Wer hat Erfahrung mit beidem (Hängematte und Schlafen am Boden) und kann ein paar Gedankenanstösse geben?


    Was ich mir bereits überlegt habe:

    • Ein Quadrat hat bei gegebener Diagonale (365cm) die grösste Fläche (und das höchste Gewicht).
    • Ich vermute, dass ein Quadrat am Boden am vielseitigsten einsetzbar ist. Ist dem tatsächlich so?
    • Je mehr das Rechteck sich vom Quadrat entfernt, desto kleiner wird die Fläche und leichter das Gewicht.
    • Ein Rechteck kann in der Hängematte mehr Schutz bieten als ein Quadrat, da es – über die Diagonale abgespannt – eine Liegerichtung fast idealer abdeckt als ein Quadrat. (Stimmt das?)
    • Ich liege nicht immer in die gleiche Richtung, wechsle auch mal ab. Das würde bei einem nicht quadratischen Tarp einen Wechsel der Liegerichtung nachts über erschweren. Aber wäre das für mich so schlimm? (Meistens schlafe ich die ganze Nacht in die gleiche Richtung; ich habe aber auch schon die Richtung gewechselt.)

    Ich möchte das Tarp auf jeden Fall direkt an der Hängemattenaufhängung befestigen (optisch im «Hennessy-Stil»). Mit meinen 5,4m Stoff könnte ich voraussichtlich bis maximal 2,65m x 2,95m Fläche gehen (3,97m Diagonale). Das wäre natürlich zu gross für ein Sommertarp, mit dem man leicht unterwegs sein möchte.


    Weil ich aber bei den Maßen etwas Spielraum habe: Was gibt bei einer Diamantform (oder bei einem Asymtarp, falls ich mich doch für ein Rechteck entscheiden sollte) erfahrungsgemäss mehr Wetterschutz? Etwas längere Firstlänge und weiter oben aufgebaut? Oder kürzere Firstlänge und tiefer aufgebaut? – Ich würde eher das zweite vermuten.


    (Ich besitze das DD Superlight Tarp (2,9m x 3,0m) und das finde ich als Diamant aufgebaut eher sperrig; es bietet auch eine grosse Angriffsfläche für den Wind. Als direkt an der Hängematte befestigtes Tarp sähe ich das eher nicht.)


    Hier noch ein Bild zur Verdeutlichung mit möglichen Maßen:


  • Ich habe ein nur 1,47 m breites Ponchotarp, das ich bei Bedarf als Satteldach sehr dicht über der Hängematte, praktisch direkt über der Ridgeline abspanne. Damit bin ich bisher selbst bei starkem und böigem Regen trocken geblieben.

    Der Nachteil ist die Länge von nur 2,74 m. Bei Bodennutzung überhaupt kein Problem, aber bei Hängemattennutzung muß ich das Fußende der Hängematte mit einer übergestülpten Mülltüte vor dem Regen schützen. Wahrscheinlich an der unteren Grenze des Machbaren und ohne Reserven, aber es geht. Und spart reichlich Packmaß und Gewicht.


    Für Dein Problem der wechselnden Liegerichtung beim diagonal abgespannten Tarp: Entweder ist der Regen so stark, daß Dir der Wechsel der Liegerichtung nicht wichtig ist :) oder der Regen ist schwach, Du spannst das Tarp um und kannst die veränderte Liegerichtung genießen.


    Daß ein diagonal abgespanntes Rechteck durch die Asymmetrie die Hängematte besser schützt als ein symmetrisches diagonal aufgehängtes Quadrat, dürfte offensichtlich sein.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Ich hatte ein schlichtes 3x3m Silnylon Tarp ohne catcut von Tatonka (also mit völlig geraden Seiten), bevor ich mit dem Hängeschlafen angefangen hab und es ist bisher mein einziges geblieben.

    Es war also zum Bodenschlafen gedacht, hat mich aber dafür nie richtig überzeugt. Ich habe immer das Gefühl, zu wenig kreativ bezüglich der Aufbauformen zu sein, alle Experimente waren irgendwie nicht schlechtwettertauglich, aber wahrscheinlich sind die Varianten für nasses und gleichzeitig windiges Wetter wirklich sehr begrenzt. Als "Firstzelt" aufgebaut (2 gegenüberliegende Seiten auf dem Boden, die anderen Seiten mit Stangen aufgespannt, sodass zwei dreieckige Eingänge entstehen) finde ich es schön luftig und offen gegenüber einem Zelt, aber erstaunlich eng und schlecht gegen hereinwehenden Regen geschützt. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass man ohne Hängematte tendenziell windigere Orte wählt oder wählen muss (z.B. weil keine schützenden Bäume vorhanden sind). Kurz: Für den Boden theoretisch variabel, aber praktisch kompromissbehaftet.


    Wie sich 3x3m diagonal aufgespannt über der Hängematte verhalten, kennst du dann ja von deinem DD. Ich finde es - vielleicht auch mangels Alternativen - doch immer wieder erstaunlich trocken und komfortabel. Die großen trockenen Flächen zu beiden Seiten ermöglichen entspanntes Leben unter dem Tarp, besonders wenn der Boden noch trocken ist. Allerdings ist die Konstruktion nicht besonders windstabil, schon gar nicht verglichen mit dem Einsatz als Bodentarp. Dass sich die Windanfälligkeit bei einem etwas schmaleren Rechteck wesentlich ändert, kann ich mir dann aber auch nicht vorstellen. Zudem sehen mir die Ecken mit etwas spitzerem Winkel doch etwas knapp bemessen aus, sodass es dort vielleicht feuchter wird. Das wird aber ja von dem Grad der Abweichung von einem Quadrat abhängen. Ich wäre gespannt auf deine Erfahrungen damit.

  • Vielen Dank euch beiden!


    Jetzt habe ich zwei Meinungen... und selber noch keine defintive. ;)


    Letzte Nacht habe ich in meiner neuesten Hängematte im Wald geschlafen - die Ridgeline noch nicht optimal eingestellt. Ich habe immer wieder die Liegerichtung geändert - sicher vier oder fünf Mal. Wegen dieser "Freiheit" tendiere ich zum Quadrat / Diamantaufbau. Bei 365cm Firstlänge hätte ich einigen Überstand und auf jeder Seite einen gut 180cm langen "Flügel" zum Abspannen. Der dürfte bis zum Boden reichen.


    Meine Skizze oben zeigt aber: Ein Rechteck würde bei gleich langer Diagonale etwas Stoff sparen und bei fixer Liegerichtung auch etwas besseren Schutz bieten. Aber will ich - wenn es dumm läuft - mehrmals nachts aufstehen und das Tarp drehen? Wenn ich mich am Boden drehe, muss ich deswegen ja auch nicht das Zelt/Tarp umbauen. Ich bräuchte wohl die Quadratur des Kreises... 8o


    Das GoLite Poncho Tarp habe ich auch. Toller Regenschutz. Als Tarp ist es mir eher zu klein. Ein bisschen Luxus muss schon sein, bei aller Gewichtsersparnis. ;)


    Ich werde heute wohl mal den Stoff halbieren und die beiden Stoffbahnen zusammennähen, dann sehe ich weiter...


    Nochmals vielen Dank für eure hilfreichen Inputs!

  • Wenn die Diagonale länger ist als nötig, könntest du das Tarp auch so aufhängen:

    Danke für den Tipp! Auch schon gesehen, aber wieder vergessen...


    Angenommen, ich bleibe bei 258cm x 258cm, dann wäre das eine Ridgeline von 288cm Länge. Da müsste ich wohl grosszügig vergrössern, was bei maximalen 265cm x 265cm (bei einem quadratischen Tarp) nicht allzu viel ausmachen dürfte: Es wären dann 296cm. Hmmm... Und ein paar Schlaufen und Verstärkungspunkte mehr müsste ich auch noch nähen. Hmmm... Vielleicht doch zu früh gefreut... :/


    Aber mal beim Diamond-Tarp weitergedacht: 258cm x 258cm bedeuten:

    • Ridgeline: 365cm
    • Ridgeline der Hängematte ungefähr auf 130cm ab Boden (45cm + 85cm), am Fussende vielleicht 150cm
    • Tarp könnte am Fussende nur wenig überstehen, dafür am Kopfende mehr
    • wodurch der Kopf auch besser geschützt wäre

    Mit meinen «Kurven-Hängematten» liege ich deutlich weniger diagonal, da flacherer Hängewinkel...


    ... Es denkt ...

  • Wenn die Diagonale länger ist als nötig, könntest du das Tarp auch so aufhängen:

    Dann hättest du etwas mehr Wetterschutz.

    Echt ein Blickfänger, nennt man das "asym tarp"?

    Würde man dann am besten mit dem Kopf rechts vorne liegen, wo das Tarp zwar weniger weiter runter reicht, aber länger ist?


    Auf dem Sofa und in der Theorie beneide ich ja immer diejenigen, die es scheinbar einfach mit ihrer festgelegten Liegerichtung haben.

    Draußen bin ich dann froh, mich frei nach der Sonnen- und Wetterseite oder einfach dem interessanten Ausblick richten zu können. Und gerade das Wetter kann ja schon mal über Nacht seine Richtung wechseln.

  • asym tarp

    Ein asymmetrisches Tarp ist in der Regel ein Rechteck, welches über die Diagonale aufgespannt wird. Kopf und Füsse liegen dann unter dem kurzen Flügel des Rechtecks. Wenn du meine Skizze im Startpost anschaust, weisst du auch warum: Man liegt dann quasi "exakt" längs unter dem Rechteck (das von oben betrachtet allerdings kein Rechteck mehr ist).


    Beim asymmetrisch aufgehängten Quadrat (es könnte auch ein Rechteck sein) wird das Tarp von oben betrachtet ebenfalls in Liegerichtung gedreht, einfach nicht bis zur Diagonalen. Kopf und Füsse liegen unter der längeren Seite des Rechtecks oder Quadrats, die über den First geht (wie ja TreeGirl bereits angemerkt hat).


    Ich habe bisher auch stets zwischen den Liegerichtungen abgewechselt. Gerade wenn ich nicht einschlafen kann, hilft ein Wechsel der Richtung bei mir manchmal. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Jedenfalls bin auch ich froh, wenn ich mir diese Freiheit – wenn immer möglich – nehmen kann.

  • weil da auch von selbstgemachten Tarps die Rede ist: hat jemand mit Dyneema (cuben fibre) bzw Polycro (transparent) Erfahrung? beides hätte extrem wenig Gewicht, doch Dyneema ist schweineteuer und Polycrol nicht in ausreichender Größe zu bekommen????

  • Ein paar Beispiele aus dem UL-Forum, allerdings eher 90° Hänger.


    https://www.ultraleicht-trekki…ngematten-setup/#comments


    https://www.ultraleicht-trekki…t-catcut/page/4/#comments


    https://www.ultraleicht-trekki…ab=comments#comment-94046



    Hier ist noch etwas neues im Gange, mit etwas komplexerem Schnittmuster, was als Halbpyramide mehr Spannung auf die Eckfalten bringen sollte, was ein Schwachpunkt der flat tarps all's Halbpyramide ist.

    https://www.ultraleicht-trekki…b=comments#comment-130785

  • Vielen Dank, hangloose . Da hat es tolle Ideen dabei! Scheint auch ein tolles Forum zu sein. Der letzte Link ist nur für eingeloggte Mitglieder sichtbar.


    Ich denke, für den Anfang bleibe ich mal bei einer möglichst einfachen Idee. Die Erfahrungen kann ich später für etwas Ausgeklügelteres nutzen, wenn Bedarf aufkommen sollte und ich besser weiss, was ich wirklich brauche.

  • So, die Stoffbahnen sind zusammengenäht. War wieder mal ein Kampf mit dem glitschigen Silnylon. Beim ersten Versuch dachte ich, ich hätte eine ganz tolle Idee und habe versucht, die beiden Stoffbahnen mit SilNet zu fixieren. Wäre wohl gegangen, wenn ich es etwas verdünnt hätte...


    Mir hat das Resultat dermassen nicht gefallen, dass ich die Naht weggeschnitten habe und heute mit einer anderen Methode ein aus meiner Sicht ganz brauchbares Resultat hinbekommen habe. Auf 275cm haben sich die Stoffbahnen jedenfalls nur um 2mm verschoben. Das ist schon nahe an der Kunst der Tunnelbauer.


    Heute Nachmittag habe ich mal alle meine Tarps am Boden aufgebaut, um für mich sinnvolle Maße zu eruieren. Das gleiche habe ich mit verschiedenen Hängematten gemacht. Irgendwie will ich ja die beiden Welten möglichst gut auf einen Nenner bekommen.


    Dabei ist mir aufgefallen, dass mein Hex-Tarp sich am Boden gar nicht schlecht macht:




    Dann habe ich noch eine Google-Tabelle für rechteckige Tarps gemacht. Vielleicht ist ja auch sonst mal jemand froh darum. Ich denke, sie ist weitgehend selbsterklärend:


    Rechteck-Tarp


    Ach ja, und mein überarbeitetes Opus 2 macht sich am Schattenplatz hinter dem Wohnblock auch nicht schlecht:


  • Mit welcher anderen Tunnelbauer Methode? 😉

    Werde ich sicher im Detail verraten. Vielleicht starte ich dann auch noch einen neuen Faden unter dem TItel «Rutschige Stoffe nähen», in welchem wir unsere Tipps und Tricks austauschen können. Wir haben das da und dort schon diskutiert, aber – soweit ich das überblicke – noch nie an einem speziell dafür erlesenen Ort.


    Meine Methode in Kürze: Ich nutze ein 1/2"-Einfassband als Hilfe (Grosgrain Ribbon), um das ich den Saum aufbaue. Das Tarp wird dann zwar etwa 15g schwerer, dafür habe ich ein schönes Resultat. Und falls die Naht später zum First wird, ist sie auch gleich auf Zug verstärkt. Ein weiterer Trick ist: Vertraue dem Stoff und dem Transport der Maschine und entspanne dich... Führe so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Könnte so auch in einem Ratgeber für angehende Chefs stehen... ;)


    Aber Details später. Kann noch dauern...

  • Sieht wirklich sehr gut aus :)! Mich würde die Methode im Detail auch interessieren. Erst gestern habe ich ein rechteckiges Asym Tarp genäht (Bericht folgt nach der Klausurenzeit) welches aus einem Stück Stoff gefertigt wird, sodass kein Vernähen von zwei Schichten notwendig ist.
    Aber mir steht noch ein Tarp für die Brückenhängematte meiner Freundin bevor, welches dann endlich das schwere DD-Tarp ablöst :).

  • Für den First eines Tarps, das praktisch immer schräg nach unten abgespannt wird, empfiehlt sich die Variante der französischen Naht, die auch bei den Warbonnet-Tarps angewandt wird. – Dazu werde ich in diesem Faden hier nichts schreiben.


    Da ich mein aktuell in Arbeit befindliches Tarp in allen möglichen Aufbau-Varianten nutzen und die Naht auch voll auf Zug beanspruchen möchte, wollte ich keine französische Naht anwenden. Auch bei jener könnte man zwar den Kamm einfach flach auf den Stoff kippen und dort festnähen. Das wäre auch eine gute Möglichkeit gewesen, wie ich gerade merke. – Hier habe ich die folgende Naht angewendet: den so genannten «Flat Felled Seam» (doppelte Kappnaht) in der hier gezeigten Variante:


    Doppelkappnaht.JPG© Quelle


    Allerdings gibt es bei mir in der Mitte eine weitere Naht, die aber nur auf einer Seite sichtbar ist. Details später.

  • So, das Tarp ist fertig. War eine Riesenarbeit. Aber eigentlich unterschätze ich immer, wie viel Zeit ich für etwas Handwerkliches brauche...


    Die Eckdaten:

    • Maße: 239cm x 279cm (Längenverhältnis: 0,86)
    • Diagonale (Firstlänge): 367cm
    • Länge der Flügel vom First gemessen: 181cm (das was runterhängt, wenn man das Tarp über die Ecken aufhängt)
    • Versetzung der Ecken: 56cm
    • Fläche: 6,66m²
    • Gewicht: 332g (im Packbeutel, ohne Gummi-Schlaufen, Leinenspanner, Schnüre und Heringe)
    • Abspannpunkte (Ösen): 17
    • Material: Ripstop-Nylon 6.6, silikonbeschichtet, 30den, 40g/m², laubgrün *

    * in Laubgrün und Schwarz als 2. Wahl etwas günstiger


    Hätte ich das Tarp auschliesslich für die Verwendung am Boden genäht, hätte ich es wohl quadratisch gemacht (258cm x 258cm). Hätte ich es ausschliesslich für die Verwendung über der Hängematte gemacht, dann wohl eher etwas in Richtung pointiertes Rechteck (230cm x 285cm). Die gewählten Maße sind ein Kompromiss.


    Tarp im Packsack (Breite: 23,5cm, Höhe: 24cm):



    Aufbau am Boden:



    Aufbau über Hängematte:



    Es hat sich gezeigt, dass es eine sehr gute Idee ist, dass ich in der Mitte des Firstes noch eine weitere Öse festgenäht habe. So kann ich das Tarp in der Mitte noch etwas nach oben spannen. Da in der Naht ein ½"-Nylon-Einfassband integriert ist, besteht auch nicht die Gefahr, dass da etwas ausreisst: