Hängematte mit 1 Baum und 2 Trekkingstöcken aufhängen

    • Official Post

    Ich verfolge gerade mit großem Interesse einen Thread auf HammockForums, in dem ein Taiwanese sein halbes Hängematten-"Gestell" aus zwei Trekkingstöcken vorstellt. Ich hatte mich schon häufiger mal gefragt, ob meine zwei Wanderstöcke mein Gewicht aushalten würden. Ich schätze, ich sollte mir endlich mal Schraubheringe bestellen und es ausprobieren.


    Leider kann ich die Bilder nicht spiegeln. Wer interessiert ist, muss sich auf HammockForums anmelden.

  • Ich habe das vorhin rasch ausprobiert. Auf die Schnelle hat das sehr gut funktioniert. Allerdings habe ich zwei 130cm lange Skistöcke (aus einem Stück) verwendet, da es mir diese sicher nicht zusammenschieben kann.


    Material

    • 2 Skistöcke 130cm (Leki Vista)
    • 1 Continuous Loop
    • ca. 7m Abspannleine dynaGlide von Teufelberger mit Endschlaufen (einfach geführt reichen rund 3,5m)
    • 2 Heringe
    • Hängemattenaufhängung
    • 1 Hängematte
    • 1 Baum


    Aufbau

    • Continuous Loop um die beiden Stockgriffe schlaufen (siehe Fotos)
    • Abspannleine (dynaGlide) durch das freie Ende des Continuous Loop ziehen
    • Hängemattenaufhängung um die Stockgriffe schlaufen
    • Stöcke mit etwa 40cm-45cm Abstand (mit beiden Spitzen gleich weit vom Baum entfernt) etwas vom Baum weggeneigt in den Boden stecken
    • Hängemattenaufhängung fürs Fussende am Baum befestigen (eventuell etwas höher als das Kopfende der Hängematte)
    • Hängematte auf beiden Seiten einhängen (Fussende am Baum)
    • falls nötig Position der Stöcke anpassen (Distanz vom Baum, Winkel)
    • die beiden Schlaufen der Abspannleine (dynaGlide) mit 2-3 Heringen (alle in eine andere Richtung, aber im 90°-Winkel zur Abspannleine) gut im Boden verankern (gut spannen!)
    • sich vorsichtig in die Hängematte setzen


    Fotos


    Continuous Loop um die beiden Stockgriffe legen


    Hängemattenaufhängung um die Stöcke legen


    Abspannleine durch den Continuous Loop ziehen


    Hängematte einhängen



    Abspannleine gut spannen und mit 2-3 Heringen (in verschiedene Richtungen, aber etwa im 90°-Winkel zur Leine) im Boden verankern

  • Wichtige Punkte:

    • Stöcke nur so breit wie nötig aufstellen (sonst verliert man nur Höhe und die Belastung nimmt zu)
    • Stöcke leicht vom Baum weg neigen (der Winkel zur Abspannung sollte ca. 90° betragen)
    • Stöcke vor dem ersten Belasten möglichst bis zum Anschlag (Tellerchen) in den Boden drücken
    • Heringe in verschiedene Richtungen, aber im Winkel von 90° zur Abspannleine im Boden verankern


    Funktioniert jedenfalls:


    Alle drei Fotos sind aus der aufgehängten Hängematte aufgenommen!


    PS: Meine 360cm lange Hängematte war für den Versuch zu lang, d.h. ich hätte das Fussende am Baum unangenehm hoch aufhängen müssen. Mit der 340cm langen Hängematte ging es, ich hing aber recht knapp (ca. 10cm) über dem Boden. Für einen ersten Versuch war mir das aber ganz recht.

  • Danke für den ersten Test!
    - Hattest du keine Angst, dass die Continous Loop oder die HM Aufhängung von den Griffen nach unten rutscht?
    - Die Idee mit den Ski Stöcken finde ich gut. Ich habe zwar keine, aber in nicht höhenverstellbare Stöcke habe ich auch mehr Vertrauen. Sind Skistöcke ansonsten aus den gleichen Materialien und von vergleichbarer Stabilität wie Wander- bzw. NordicWalking Stöcke?
    - Statt mehrere Heringe in verschiedene Richtungen einzuschlagen könntest du auch einfach einen Schraubhering nehmen. Das ist unkomplizierter...

  • Danke für den ersten Test!
    - Hattest du keine Angst, dass die Continous Loop oder die HM Aufhängung von den Griffen nach unten rutscht?
    - Die Idee mit den Ski Stöcken finde ich gut. Ich habe zwar keine, aber in nicht höhenverstellbare Stöcke habe ich auch mehr Vertrauen. Sind Skistöcke ansonsten aus den gleichen Materialien und von vergleichbarer Stabilität wie Wander- bzw. NordicWalking Stöcke?
    - Statt mehrere Heringe in verschiedene Richtungen einzuschlagen könntest du auch einfach einen Schraubhering nehmen. Das ist unkomplizierter...


    • Nein, diese Angst hatte ich nicht. Der Wulst am unteren Griffrand ist so dick, dass es mich zuerst etwas anheben müsste, bevor Amsteel oder Gurtband über den Wulst rutschen könnten. Die meisten Stöcke haben sogar noch einen Wulst für den Zeigefinger weiter oben (siehe Bilder). Ob der auch funktionieren würde, weiss ich nicht. - Ich hatte eher Angst, ob die konisch zusammenlaufenden Stockspitzen sich eventuell zu stark biegen könnten und habe die beim Belasten der Hängematte im Auge behalten. Aber auch das ist bei zwei Stöcken letztlich wohl eine unbegründete Sorge, zumal die kritische Stelle in der Stockmitte liegt. - Eine weitere Sorge war, ob wohl die zwei relativ kurzen Heringe mein Gewicht - dank der unterschiedlichen Winkel zwischen Stöcken und Hängematte / Abspannung zwar abgeschwächt - halten würden. Da würde ich wohl zur Sicherheit einen dritten Hering empfehlen.
    • Die Skistöcke habe ich vor allem gewählt, um beim ersten Test das Problem des Zusammenschiebens sicher ausschliessen zu können. Auf einer Wanderung würde ich lieber handelsübliche zwei- oder dreiteilige Stöcke verwenden. - Zu Materialien und Stabilität von Ski- und Trekkingstöcken kann ich nichts sagen. Beide Stockarten müssen das Gewicht eines Menschen abstützen (nicht unbedingt tragen) können. Beim Skilaufen hat man zudem höhere Geschwindigkeiten und stösst sich mit vollem Stockeinsatz ab, insbesondere bei Skirennen. Für die Abfahrt der Profis werden dafür sogar gebogene Stöcke verwendet und die Athleten und Athletinnen haben viel Kraft und schonen den Stock nicht. Es kann aber sein, dass Stöcke für den professionellen Einsatz noch ein ganzes Stück stärker gebaut sind. Ziemlich sicher sogar. Meine waren eher günstig.
    • Das mit dem Schraubhering ist sicher richtig. Ich habe bloss keinen und habe deshalb meine "Methode" vom Handy Hammock Stand abgeschaut. Es waren übrigens nur zwei 14cm lange Heringe aus rundem Aluminium (Easton), die mein Gewicht gehalten haben, zumindest für den relativ kurzen Test. Der Boden war relativ fest, ich konnte die Heringe aber weitgehend von Hand in den Boden drücken und dann noch mit der Schuhsohle etwas weiter versenken.
    • Official Post
    Quote from Waldläufer70

    Kommt noch dazu, dass User lkk6783 (und auch manche weitere Personen) sich da einiges an Material selbst gebaut haben. Das hatte ich nicht mehr präsent. Ich habe ausschliesslich Dinge verwendet, die man - als Hängemattennutzer - vermutlich ohnehin im Haushalt hat. Ich bin zum Schluss gekommen, dass es all die komplizierten Selbstbauten nicht braucht. Oder wie du manchmal zu sagen pflegst: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Ich vermute, man könnte sogar den Continuous Loop / Dog Bone weglassen und die Abspannleine einfach zwischen den Stockköpfen durchführen und um die Hängemattenaufhängung legen.


    Das Ziel von lkk6783 war es offensichtlich, beim wandern möglichst wenig zusätzliche Ausrüstung mitzuschleppen. Nachdem ihr Englisch anscheinend begrenzt ist, fehlen detailliertere Informationen. Sie schreibt aber:


    Quote

    put on suspension rope. add a hose to protect both the rope and trekking pole from friction when swing.


    Deshalb gehe ich davon aus, dass der Grund für das Gurtgeschirr die Reibung ist. Den Fotos nach zu urteilen lässt sie die Aufhängung durch laufen und verankert sie im Boden. Nicht wie beim Handy Hammock Stand, wo separate Seile verwendet werden. Ich vermute, dass sich damit der Flex der Stöcke nicht mehr so dramatisch auf die Hängematte auswirkt - etwas, was mich beim HHS immer gestört hat.


    Übermäßig kompliziert finde ich die Gurt-Schlauch-Konstruktion nicht. Wobei man das Geschirr sicherlich auch aus Seilen knoten oder spleißen kann. Wenn du bei HF angemeldet bist, kannst du ja mal deine Fotos posten und fragen, warum sie das Gurtgeschirr verwendet.

  • Den Fotos nach zu urteilen lässt sie die Aufhängung durch laufen und verankert sie im Boden. Nicht wie beim Handy Hammock Stand, wo separate Seile verwendet werden. Ich vermute, dass sich damit der Flex der Stöcke nicht mehr so dramatisch auf die Hängematte auswirkt - etwas, was mich beim HHS immer gestört hat.


    Ich vermute, die fehlende Stabilität beim Handy Hammock Stand rührt daher, dass du dort nur einen Stab hast und die seitlichen Bewegungen (Schaukeln) bei jenem von den Abspannleinen aufgenommen werden müssen. Mit den beiden Trekkingstöcken hast du eine recht stabile Position, um seitliche Bewegungen aufzufangen.


    Was ich in diesem Punkt nicht sicher weiss:

    • Werden die Stöcke nur wenig gespreizt (ca. 40cm am Boden), so ist die Längsbelastung der Stöcke grundsätzlich geringer. Du darfst aber nie weiter nach aussen schaukeln wie der jeweils betroffene Stock schräg steht, sonst kann das System kippen.
    • Spreizt du die Stöcke mehr, so kann man theoretisch etwas stärker schaukeln, hat aber grundsätzlich höhere Längskräfte, die auf die Stöcke wirken. Zudem kommt man bei stärkerem Schaukeln mit mehr Tempo am tiefsten Punkt vorbei, was die Längskräfte weiter erhöht (=> die Zentripetalkraft hängt neben dem Radius der Bewegung auch von deren Tempo ab). Im Übrigen verliert man immer weiter an Höhe, je mehr man die Stöcke spreizt.


    Wie auch immer: Seitliches Schaukeln gilt es möglichst zu vermeiden.


    Ich hatte gestern Abend das Gefühl, dass die Hängematte mit den beiden Stöcken eigentlich recht stabil stand. Dass sich die Hängematte eher unbequem angefühlt hat, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich sie nicht perfekt eingestellt hatte (es war bereits am Eindunkeln) und auch nicht so recht wusste, ob ich dem System wirklich trauen kann. Es war ja der erste Versuch. Jedenfalls war ich etwas in Eile.


    Man soll und darf die Abspannungsleine durchaus gut spannen. Eventuell muss man dann sogar an der Hängemattenaufhängung noch etwas nachspannen, bis die Firstschnur die richtige Spannung hat.


    PS: Ich vermute übrigens, dass das "Geschirr" dazu dient, die Abspannungsleine und Hängemattenaufhängung etwas höher am Stock befestigen zu können. Ich könnte mir zwar denken, dass man dazu auch den Wulst für den Zeigefinger nutzen könnte, habe das aber noch nicht ausprobiert. Sicher hält ein "Geschirr" die Aufhängung und Abspannung besser in Position.

  • Was lkk6783 auf hammockforums.net schreibt, ist übrigens absolut sinnvoll:


    «I have hanged with several different length of hammock, from 6 feet to 10 feet. every one is OK.
    the highest point of poles is (0.25 x the length of hammock)+(the lowest point of hammock from ground)
    for a 10 feet hammock with 1feet the lowest point
    the highest point of poles is about (0.25 x 10) +1=3.5 feet
    »


    Die Höhe des Aufhängepunktes sollte ein Viertel der Hängemattenlänge plus den gewünschten Abstand zum Boden betragen. Dann erreicht man einen schönen 30°-Winkel als Hängewinkel.


    Paul Tomlin zeigt auf hammockforums / YouTube eine ähnliche Variante wie ich, einfach mit um die Griffe gewickelten Bändern. Auch da rutscht nichts nach unten, obwohl er die Bänder sogar ganz oben an den Handgriffen anbringt:


    https://www.youtube.com/watch?v=Z89s2Vpui8M

  • Heute habe ich versucht, den Continuous Loop wegzulassen, so dass sich das zusätzlich benötigte Material auf eine 3,5m (respektive doppelt genommen 7m) lange Leine und die Heringe beschränken würde. Das hat auch gut funktioniert. Allerdings war der Boden heute bereits wieder so viel trockener als am Montag, dass die Heringe nur noch schlecht gehalten haben. Nachdem ich einmal auf dem Boden gelandet bin (nur von 10cm Höhe, also alles kein Problem), habe ich es nicht mehr gewagt, mich in die Hängematte zu legen. Lust hätte ich durchaus gehabt. Die von barfuß genannten Schraubheringe wären also tatsächlich keine schlechte Idee. (Vielleicht kannst du auch hier nochmals den Link angeben, wenn du magst.)


    Ich könnte mir denken, dass das Gurtband im Dutch Clip etwas stärker beansprucht wird als am Baum, weil die Bewegung bei gleich starkem seitlichem Wippen am Dutch Clip natürlich viel grösser ist, wenn die Aufhängung so kurz gehalten wird.



    Simple Befestigung der Abspannleine an den Stöcken (7m Leine, doppelt genommen)



    Abspannen in zwei Richtungen bringt aus meiner Sicht zwar etwas mehr Schutz vor seitlichem Kippen, dafür wird der Zug auf die Heringe in der Summe höher.



    Die Stöcke verrutschen unter Last so, dass sie sich leicht überkreuzen.



    Funktioniert einwandfrei, sofern die Heringe halten.

  • Ich glaube fast, die von barfuß - und inzwischen auch einigen anderen hier - genutzten Schraubheringe sind die normalen, 20cm langen Schraubheringe von «Peggy Peg». Wenn ich die Fotos richtig gedeutet habe, nutzt sie zum Einschrauben der Heringe auch dieses «Kombi Tool».


    Ich habe mir jedenfalls nun mal ein solches Set samt Kombi Tool bestellt und bin schon gespannt, ob die (im wörtlichen Sinn) halten, was sie versprechen.

  • Ja, das sind die Schrauben, die ich mir gekauft hatte. Ich gebe aber keine Garantie für die Haltbarkeit....
    Deutlich grösser sind die "orange srews", die Schaumkupppel mit seinem tensa4 verkauft. Die sind länger (30 cm) und haben einen deutlich viel grösseren Durchmesser, sind damit aber schon wieder recht unhandlich....


    Waldläufer70 wie gut halten denn die Baumgurte am Griff der Skistöcke? Drücken die nicht unheimlich stark auf die Abspannung (Richtung Heringe)? Was hast du als Abspannschnur verwendet?

  • Ja, das sind die Schrauben, die ich mir gekauft hatte. Ich gebe aber keine Garantie für die Haltbarkeit....
    Deutlich grösser sind die "orange srews", die Schaumkupppel mit seinem tensa4 verkauft. Die sind länger (30 cm) und haben einen deutlich viel grösseren Durchmesser, sind damit aber schon wieder recht unhandlich....


    Danke. Du brauchst mir keine "Garantie" zu geben. Ich probiere die jetzt einfach mal aus. Ist ja ein 12er-Pack. Ich schätze, dass ich doppelt abspanne wie auf den Fotos gezeigt und deshalb zwei Schraubheringe für die Abspannung benötigen werde. Mit vier Trekkingstöcken und vier Schraubheringen hätte ich dann quasi einen "Handy Hammock Stand" der Gewichtsklasse 800g bis 1'200g, je nach Gewicht der Stöcke.


    Jetzt muss ich mal schauen, wie sich Gurtband und dünne Abspannleine auf Dauer miteinander vertragen. Eventuell könnte ich im Bereich der Stöcke ein Stück Aquarienschlauch über die Abspannleine ziehen, um den Druck besser zu verteilen. Oder einen überlappend gespleissten Dog Bone verwenden analog zum Continuous Loop beim ersten Versuch; der wiegt ja auch nicht alle Welt und ist relativ dick.


    Eine Alternative könnte sein, die Gurtaufhängung um die Stöcke zu legen und die Abspannleine darüber zu legen oder zwischen den Stöcken durchzuführen und um die Gurtaufhängung zu legen.


    Eine weitere Möglichkeit wäre, mit zwei Evo Loops zu arbeiten. Sie werden beide um die Trekkingstöcke gelegt wie oben beim Continuous Loop oder mit der Abspannleine gezeigt, einfach einer in Richtung Abspannung, der zweite in Richtung Hängematte. Am einen Knoten könnte dann direkt die Hängematte, am anderen die Abspannleine eingehängt werden. Auch ein doppelter Evo Loop (Knoten an beiden Enden) wäre eine Möglichkeit.

  • Waldläufer70 wie gut halten denn die Baumgurte am Griff der Skistöcke? Drücken die nicht unheimlich stark auf die Abspannung (Richtung Heringe)? Was hast du als Abspannschnur verwendet?


    Kann sein, dass das etwas drückt. Die Abspannschnur ist dynaGlide von Teufelberger. Link siehe oben.

  • Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich finde das faszinierend! Da kalkuliert man mit Schnüren rum, die 580daN Bruchlast haben und grübelt, ob das wohl richtig ist oder auch nicht, wenn man durch Knoten Bruchlastreduzierung betreibt - und dann kommt jemand daher, stellt zwei kleine "Stöckchen" auf, macht irgendeine Schnur dran und steckt zwei mickrige Häringe in den Boden, wo jeder weiß, wie leicht die wieder rauszuziehen sind und legt sich in die Hängematte. Irre!
    Danke für alle Tests, die hier veröffentlicht werden/wurden.

  • Ja, ich finde die Einfachheit auch toll, finde den Hauptnachteil dabei aber, dass die Stocklängen doch sehr an der Untergrenze sind. Noch idealer wäre, wenn sie so lang wären, dass man sowohl HM als auch Tarp verwenden könnte.
    Wenn ich wieder zu Hause bin, will ich das in jedem Fall auch mal probieren. Ich habe allerdings nur Nordic Walking Stöcke aus alten Zeiten unbenutzt rumliegen, von denen ich nicht weiss, ob sie zusammenrutschen. Es waren zwar eher teure Leki Stöcke, aber eigentlich sind sie ja nicht für die Belastung von HM gedacht...

  • Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich finde das faszinierend! Da kalkuliert man mit Schnüren rum, die 580daN Bruchlast haben und grübelt, ob das wohl richtig ist oder auch nicht, wenn man durch Knoten Bruchlastreduzierung betreibt - und dann kommt jemand daher, stellt zwei kleine "Stöckchen" auf, macht irgendeine Schnur dran und steckt zwei mickrige Häringe in den Boden, wo jeder weiß, wie leicht die wieder rauszuziehen sind und legt sich in die Hängematte. Irre!
    Danke für alle Tests, die hier veröffentlicht werden/wurden.


    Wie so oft steckt da auch ein wenig Physik dahinter. Bis hin zu den Stöcken sind die Lasten relativ hoch. Zur Erinnerung: Bei einem Hängewinkel von 30° zieht das eigene Körpergewicht an der Aufhängung.


    Nun kommt aber der Clou: Wenn der Winkel (von der Seite betrachtet) zwischen Aufhängung und Stöcken kleiner ist als der Winkel zwischen Abspannleine(n) und Stöcken, dann wird diese Last schnell deutlich verkleinert. Solange zudem der «Übergang» von Hängemattenaufhängung zu Abspannleine(n) nahezu auf der gleichen Höhe am Stock erfolgt, so ergibt sich auch nur ein kleines Biegemoment, das auf die Stöcke wirkt. Die Belastung der Stöcke erfolgt dann recht ideal, die Gefahr, dass sie brechen, ist dann minimal.


    Stehen die Stöcke nicht zu "breitbeinig" da, so kann man grob das eigene Körpergewicht, auf die beiden Stöcke verteilen. In der Tendenz ist es sogar so, dass jeder Stock eher mit (deutlich) weniger als der Hälfte des eigenen Körpergewichts belastet wird (siehe unten).


    Die von mir verwendete Abspannleine (dynaGlide von Teufelberger) hat zudem eine Bruchlast von mindestens 380daN (ungeknotet), doppelt genommen also rund das Doppelte. In beide Enden habe ich eine fixe Schlaufe gespleisst, so dass ich kaum eine Reduktion der Bruchlast wegen Knoten habe. Man könnte aber - auch mit einem Sicherheitsfaktor von 5 - eine deutlich schwächere Leine verwenden, gerade wenn man sie doppelt legt.


    Auf das Risiko hin, dass mein Ruf nun wieder vom Praktiker zum Theoretiker pendelt, hier ein Beispiel der auftretenden Kräfte für ein realistisches Szenario (Abbildung hier:(


    Vorgaben

    • Hängemattenlast: 80kg
    • Hängewinkel: 30°
    • Stocklänge: 125cm (beim Aufhängepunkt)
    • Winkel der Stöcke: 75° zum Boden (von der Seite betrachtet, von der Hängematte weggeneigt)
    • Abspannleine(n): 350cm
    • Abstand der Stöcke am Boden: 40cm

    Berechnungen

    • Aufhängehöhe ab Boden: 119cm
    • Zugkraft durch Hängematte: 80kg (45° zwischen Hängemattenaufhängung und Stöcken)
    • Längskräfte auf beide Stöcke: ca. 64kg (=> ca. 32kg pro Stock)
    • Zugkraft auf Abspannleine(n): 57kg (85° zwischen Abspannleinen und Stöcken)

    Die 57kg verteilen sich auf die Anzahl der verwendeten Heringe. Ideal ist, wenn der Winkel zwischen Stöcken und Abspannleine um 90° herum liegt; dann ist die Zugkraft an den Heringen am geringsten.
    Verwendet man zwei Abspannleinen und spannt diese zur Seite hin ab, so wird die Belastungssumme höher, als wenn man einfach gerade in Hängemattenrichtung abspannt (vergleichbar der Zunahme der Hängemattenlast am Baum bei flacherem Hängewinkel).


    Ich rechne mir solche Experimente fast immer grob durch, bevor ich etwas einfach mal ausprobiere. Mir macht das Ausprobieren dann mehr Spass. Zudem kann ich ein Phänomen leichter auf andere Anwendungen übertragen, wenn ich es auch theoretisch durchgedacht habe.


    Mein zweiter Versuch hat übrigens gezeigt, dass 14cm lange Heringe bei sehr trockenem Boden sehr schnell knapp werden... selbst wenn man drei, vier Stück verwendet. Bei eher feuchtem, aber doch festem Untergrund können zwei Stück gut reichen. - Ich bin mal auf die 20cm langen Schraubheringe gespannt!

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