90 Grad Hängematte Shark

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  • Hier ist nun meine neue 90° Hängematte Shark - in neuer, verbesserter Ausführung. Ich habe sie letzten Donnerstag sechs Leuten auf dem Berliner Hängemattentreff vorgestellt und wollte das jetzt auch hier für die Community tun. Nicht zuletzt deshalb, weil das Feedback, das ich bisher erhielt, so positiv war, dass ich jetzt sogar überlege, diese Matte in größerer Stückzahl herzustellen und anzubieten. Doch darauf komme ich später einmal zurück.

    Das Konzept der 90° Hängematte ist trotz der Konjunktur, die Hängematten in der letzten Zeit erleben, vergleichsweise unbekannt geblieben. Der einzige größere Hersteller einer solchen Hängematte, die Firma Exped, scheint die Produktion mittlerweile eingestellt zu haben. Auf der deutschen Exped-Seite ist von der Ergo, die ich vor zwei Jahren gekauft habe, nichts mehr zu sehen. Der andere Hersteller, Hammocktent, bietet hingegen seit einigen Wochen ein auch hier vorgestelltes Modell 2.0 an, das allerdings jetzt nicht mehr in Indonesien gefertigt wird, sondern vom Hersteller selbst in der Schweiz. Daraus resultiert wahrscheinlich auch der neue Preis von 375 CHF. Bei einem zugrundegelegten Porto von 15 € zahlt man in Deutschland inclusive Mehrwertsteuer also 400 € für diese Hängematte. Ob das dem Bekanntheits- und Verbreitungsgrad dieses Hängemattentyps dienlich ist, kann sich jeder selbst beantworten.
    Diese Entwicklung finde ich sehr schade, weil diese Hängematte meiner Meinung nach das Potential einer echten Alternative zu den aktuellen Gathered End Hängematten besitzt. Seht selbst:

    https://www.youtube.com/watch?v=6txVsvToQEk

    Die hier gezeigte Matte ist die letzte Entwicklung dieses Modells und unterscheidet sich in einigen Punkten von den vorher von mir gefertigten Matten:
    1. Ich habe diesmal Hexon 2,4 verwendet - einen etwas schwereren Stoff, der aber mehr Sicherheitsreserven bietet als der vorher von mir verwendete Hexon 1.6er Stoff. Prinzipiell ist auch der 1.6er Stoff für bis zu 80 kg schwere Nutzer ausreichend - wenn man eine Isomatte in der Hängematte benutzt. Alle meine bisher hier geposteten Touren habe ich mit einer 1.6er Matte unternommen.
    Wenn man aber ohne Isomatte liegen will, was prinzipiell möglich ist, treten beim Ein- und Aussteigen im ungünstigsten Fall Kräfte auf, die auch den 1.6er Stoff an seine Grenze führen. Zwei Zähne sind mir bei einem Stresstest einmal abgerissen. Deshalb werde ich in Zukunft den 2.4er Stoff verwenden.
    So liegt man in der (alten, noch gesäumten) Matte ohne Isomatte:

    Falls sich jemand dafür interessiert, wie dieses Bild (ohne Fotograf) entstanden ist:

    2. Eine andere Innovation ist die Veränderung der "Zähne". Bisher habe ich den Stoff um die Außenkante gesäumt. Die Herstellung dieser Saumnaht beansprucht einen erheblichen Teil der Zeit bei der Fertigung einer 90° Hängematte - und hat doch den negativen Effekt, dass im Grund zwischen zwei Zähnen eine Lücke klafft. Zwar ist dies die Stelle, wo die geringsten Kräfte in der gesamten Abspannung auftreten, aber eine Schwächung des Materials bedeutet es doch. Deshalb habe ich mich - probehalber - entschieden, die Außenform der Zähne nicht mehr zu umsäumen, sondern nur mit dem Heißschneider zu bearbeiten. Das Ergebnis kann sich, finde ich, sehen lassen und hat auch alle Testpersonen beim Hängemattentreffen überzeugt.

    Hier zum Vergleich das alte, gesäumte Modell:

    Weitere Tests werden zeigen, ob sich dieses Verfahren letztlich bewährt. Es wäre auch kostentechnisch eine große Ersparnis bei der Herstellung.

    3. Nicht mehr erprobt werden muss hingegen ein anderes Verfahren, nämlich die Verbindung der Zahnspitzen mit den Dyneema-Schnüren. Dieser Übergang wird am besten mit einem Knoten hergestellt - und sieht dann so aus:

    Baumkind macht es so, Lukas von Hammocktent macht es so und auch ich werde in Zukunft diese Verbindung knoten. Allen Zweiflern sei gesagt: das hält, bombenfest. Ich habe Reißtests gemacht, mit genähten Schlaufen und gespleißten Schnüren und es hat sich gezeigt: jedesmal reißt - natürlich - zuerst der Stoff (die Dyneemsschnur hält bis 195 daN), aber der geknotete Stoff hält viel besser als der genähte Stoff.
    Ein weiterer Punkt, den ich noch nicht realisieren konnte, ist die Anbringung eines Moskitonetzes. Eigentlich wollte ich eine der Testmatten am letzten Donnerstag mit einem Netz ausstatten, aber die Form ist verunglückt, sodass ich es wieder abgetrennt habe. Es gibt also noch Entwicklungspotential für die Zukunft.
    Das solls fürs erste gewesen sein. Was mich nun interessiert: Was haltet ihr von dieser Matte?

  • Echt schön geworden, deine Matte (wobei ich mir das Video noch nicht angeschaut habe)! Gratulation und Hut ab!

    Ich habe mir in den letzten Tagen - angesichts des Risses, den du hier mal gezeigt hattest - überlegt, ob man die Schlaufen vielleicht statt mit einer geraden Naht mit einer eckigen (wie bei den Verstärkungen der Tarps von Warbonnet) annähen könnte. Aber die Idee mit dem Knoten ist natürlich jeder Naht weit überlegen! Bei einer Naht wird zwar die Schlaufe selbst stabiler, aber was nützt das, wenn dafür der Stoff unter der Naht ausreisst?

    Ist das ein Schotstek? Oder welchen Knoten hast du verwendet?

    Wie bist du bisher mit dem hexon 2.4 zufrieden? Dieses bietet ja gemäss Dutch keine viel höhere Nutzlast (400lbs.) als das Hexon 1.6 (350lbs.), aber es ist sicher etwas stabiler und verzeiht einem etwas mehr. Gewichtsmässig dürfte der Unterschied bei einer 90°-Hängematte im Rahmen sein.

    Nochmals eine grosse Gratulation zu deinem neuesten Werk! Da dürfen wir ja gespannt sein!

  • Danke für deine wie immer schnelle und nette Resonanz! Der 2.4er Stoff macht auf mich einen sehr vertrauenswürdigen Eindruck und macht die Matte kaum 50 g schwerer. Insofern werde ich erst einmal damit weitertesten. Der Knoten ist ein Becket hitch, den ich noch zusätzlich mit einem halben Schlag gesichert habe.

  • Danke, und du hättest bestimmt auch keine Probleme beim Einsteigen. Das Umklappen kann meiner Meinung nach entfallen. Wichtig sind aber die Dyneema-Baumgurte, die sich nicht dehnen. Die Matte hängt auch nach dem Einsteigen kaum tiefer.

    • Offizieller Beitrag

    Interessantes Design. Wenn du die Ridgelinelänge veränderst, verändert sich denn dann nur die Höhe der Matte? Mit einer kürzeren Ridgeline müsste die Matte doch mehr Durchhang haben und damit auch gebogener sein - oder ist das bei der Verwendung einer Isomatte egal?

    Die Gründe warum du die Ränder nicht säumst leuchten mir zwar ein, aber für mich wäre das kein akzeptabler Dauerzustand. Und ich würde auch nicht viel Geld für so eine Hängematte ausgeben wollen. Ich denke zwar, dass sich die Versiegelung nicht so schnell aufdröseln wird, aber so sicher wie ein Saum ist sie nicht. Dazu machen die Kanten auf mich einfach einen unvollendeten Eindruck.

    Sofern die Hängematte den Langzeit-Test besteht, scheint sie mir aber ein gute Projekt für Einsteiger oder generell Leute zu sein, die nicht nähen wollen oder können.

    Hast du mal darüber nachgedacht die Schnittkanten mit Kanteneinfassband zu säumen?

  • Interessantes Design. Wenn du die Ridgelinelänge veränderst, verändert sich denn dann nur die Höhe der Matte? Mit einer kürzeren Ridgeline müsste die Matte doch mehr Durchhang haben und damit auch gebogener sein - oder ist das bei der Verwendung einer Isomatte egal?

    Die Gründe warum du die Ränder nicht säumst leuchten mir zwar ein, aber für mich wäre das kein akzeptabler Dauerzustand. Und ich würde auch nicht viel Geld für so eine Hängematte ausgeben wollen. Ich denke zwar, dass sich die Versiegelung nicht so schnell aufdröseln wird, aber so sicher wie ein Saum ist sie nicht. Dazu machen die Kanten auf mich einfach einen unvollendeten Eindruck.

    Sofern die Hängematte den Langzeit-Test besteht, scheint sie mir aber ein gute Projekt für Einsteiger oder generell Leute zu sein, die nicht nähen wollen oder können.

    Hast du mal darüber nachgedacht die Schnittkanten mit Kanteneinfassband zu säumen?

    Deine erste Beobachtung stimmt natürlich. Wenn man die Sache rein mathematisch betrachtet, müsste sich bei einer Veränderung der Ridgelinelänge auch der Durchhang verändern. In der Praxis ist das aber irrelevant. Weitaus wichtiger ist, dass sich bei sehr lang eingestellter Ridgeline die Belastung auf den Zahn-Schnüren signifikant erhöht. Das kann ich zwar nicht theoretisch belegen (das muss ich Waldläufer überlassen), kann es aber aus der Praxis bestätigen. Bei einem solchen Test mit langer Rideline ohne Isomatte sind mir zwei 1.6er Zacken rausgebrochen.
    Die no-sew-Verarbeitung bezieht sich natürlich nicht auf die gesamte Matte, sondern nur auf die Seitennaht.

    Du verarbeitest - soweit ich weiß - die Stoffe doch auch mit Heißschneider. Ist dir da je aufgefallen, dass die Schnittkanten mit der Zeit aufdröseln? Gut, bei dir sind sie wahrscheinlich meistens gesäumt und somit unsichtbar. Ich habe bei meiner ersten Shark die kurzen Matteneinschubfächer am Kopf- und Fußteil nicht gesäumt - und da hat sich in den vier Monaten, die ich sie zig-Mal aus- und eingepackt, auf- und abgebaut und benutzt habe, überhaupt nichts aufgedröselt. Deshalb bin ich überhaupt auch erst auf die Idee gekommen, nicht mehr zu säumen. An Kanteneinfassband habe ich natürlich auch schon gedacht, frage mich aber 1. ob die 170°-Kurven gut aussehen würden und 2. ob diese Kosmetik auch irgendeinen Gewinn in punkto Haltbarkeit bringen würde. Ich verstehe aber deine Skepsis und werde das durch intensiven Gebrauch weiter austesten.

    • Offizieller Beitrag

    Du verarbeitest - soweit ich weiß - die Stoffe doch auch mit Heißschneider. Ist dir da je aufgefallen, dass die Schnittkanten mit der Zeit aufdröseln?

    Nach meinen Beobachtungen hängt das stark vom jeweiligen Stoff und/oder von der Art der Belastung ab. Ich habe längere Zeit verschiedene Whipping-Techniken mit einem ungesäumten Rohling getestet. Dort haben sich keine Fäden gelöst. Bei dünneren Stoffen die in Packsäcken oder Taschen zur Anwendung kamen ist es jedoch vorgekommen, dass sich Fäden gelöst haben. Und wenn der erste Faden gezogen ist, folgen die nächsten schnell nach. Ich würde einfach das Risiko nicht eingehen wollen, und - auch wenn nur zwei Kanten ungesäumt sind - es läuft meinem ästhetischen Empfinden zuwider. Bei einer Testhängematte kann ich mich damit abfinden. Aber nicht bei einer Kauf-Hängematte. Ich würde mir aber auch nie neu-verschlissene Klamotten kaufen. Andere sehen das anders - insofern ist es durchaus möglich, dass dein Konzept aufgeht.

    An Kanteneinfassband habe ich natürlich auch schon gedacht, frage mich aber 1. ob die 170°-Kurven gut aussehen würden und 2. ob diese Kosmetik auch irgendeinen Gewinn in punkto Haltbarkeit bringen würde.

    Das müsste man ausprobieren. Ich habe mit simplen Satinband gute Erfahrungen gemacht. Ich habe bei meinen Footbox-Hängematten die lange Kante auf der Footbox-Seite gesäumt um sie stabiler zu machen. Das ging relativ gut und sieht auch gut aus.

  • Je dünner die Stoffe, desto notwendiger der Saum - das sehe ich auch so. Aber die 1.6er und 2.4er Hexonstoffe gehören zweifellos zu den dickeren Materialien. Ich bin gespannt, wie sie sich im Langzeittest verhalten. Hast du zu dem Satinband vielleicht einen Link?

  • Aus dem hohlen Bauch heraus: Wäre es allenfalls möglich, alternativ zu einem Saum / Einfassband, die Ränder anderweitig zu fixieren: elastischer "Lack", Silikon, ein farbloser Leim, der elastisch bleibt...?

    Auch auf mich wirken die Ränder etwas "unfertig". Wenn man aber erklären könnte, wie man die Ränder fixiert hat, dass die Erfahrungen gut sind und quasi eine Garantie auf die Haltbarkeit bekommen könnte, würde ich mir als Kunde einen Kauf allenfalls überlegen.

    Das Säumen mit einem Einfassband halte ich ebenfalls für eine gute Idee, nur ist der Aufwand dafür halt auch sehr gross. Zudem müsste das Resultat optisch überzeugend sein. Das zusätzliche Gewicht wäre wohl im Rahmen.

    • Offizieller Beitrag

    Hast du zu dem Satinband vielleicht einen Link?

    Doppelseitiges Satinband kannst du im Bastel-, Handarbeits- oder Geschenkladen kaufen - das wird häufig als Geschenkband verwendet. Ich habe einseitiges Satinband (single face satin ribbon / tape) verwendet, das ich auf eBay bestellt habe. Die Bänder gibt es in allen Breiten.

  • Sehr schön deine Matte - Kompliment auch von mir!
    Nachdem ich nun meine Bridge fertig habe will ich als nächstes ebenfalls eine 90er Matte machen. Erste Prototypen sind fertig, sie gehen von der Aufhängung aber eher in Richtung von Konrad's Modell (mit Seitengurten). Eine Frage die allerdings noch unbeantwortet für mich ist: gibt es eine besondere Schnittform für den Kopf- und Fußbereich? Dort "schließt" sich die Matte ja und man kann so die Matte mit den Füßen strecken bzw. am Kopfende kann nichts (so leicht) rausfallen.

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