Meine erste Brücken-Hängematte

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  • Schon vor langer Zeit hatte ich den Entschluss gefasst, mir eine Brücken-Hängematte zu nähen. Es ist toll, gute gekaufte Ausrüstung zu haben. Doch es ist deutlich lehrreicher, in selbst genähter Ausrüstung zu hängen und daraus eigene Schlüsse zu ziehen. Zudem macht mir das Nähen Spass. Und jetzt, wo ich auch zuhause wieder über eine Nähmaschine verfüge, ist das Arbeiten an der Nähmaschine auch gemütlicher geworden. Ich kann mich dann an die Maschine setzen, wenn ich Lust dazu habe, und brauche meine Einsätze an der Maschine nicht mehr zu planen.

    Stoffwahl

    Nachdem der Plan gefasst war, habe ich mir im September 2016 bei Dutch den Stoff für mein Projekt bestellt.

    Für den Hängemattenkörper habe ich Hexon 2.4 gewählt, weil ich diesen festen Stoff sehr gerne mag. Der Stoff ist zwar etwas schwerer als die meisten anderen Hängemattenstoffe, aber der Stoffbedarf ist bei einer Bridge eher bescheiden, weshalb mir das Mehrgewicht nichts ausmachte.

    Schon damals hatte ich im Hinterkopf, die Hängematte am Kopf- und Fussende nicht abzuschliessen, sondern dort eine "Verlängerung" fürs Gepäck anzunähen, so dass dieses prima von der Hängematte aus zugänglich ist. Um etwas Gewicht zu sparen, habe ich dafür das etwas leichtere Hexon 1.6 gewählt.

    Spreizstäbe (Spreader Bars)

    Das Projekt hat lange geruht, da sich andere in den Vordergrund gedrängt hatten. Doch diesen September habe ich wieder bei Dutch bestellt und mir aus seinem Sortiment endlich Spreader Bars und das vierteilige Set aus Titan zum Befestigen der Spreizstäbe geleistet.

    Da seine zweiteiligen Spreizen in zwei Längen und zwei Dicken zur Verfügung stehen, stand ich vor der Frage, wie ich sie kombinieren könnte und welche Dicke sich für mein Projekt empfehlen würde.

    Nach Rücksprache mit Dutch habe ich mich schliesslich dafür entschieden, für das Fussende zwei kurze Teile der dünneren Stangen (17mm) und für das Kopfende ein langes und ein kurzes in der dickeren Ausführung (19mm) zu wählen. Zwei lange Teile und damit eine Stange mit rund 127cm Länge fand ich doch etwas sehr breit.

    Die längere Stange muss grössere Kräfte aushalten, weshalb dort die dickeren Stangen sicher sinnvoll sind. Das hat zudem den Vorteil, dass ich eines der dünneren Teile im einen dickeren Teil verstauen kann, was das Set etwas handlicher macht (drei statt vier Teile für den Transport).

    Zusammengesetzt hatte ich somit die folgenden Längen zur Verfügung:

    - Kopfende: 110cm
    - Fussende: 92cm

    Hängemattenkörper

    Nach Vergleichen verschiedener Baupläne – auch dem von Dendronaut (vielen Dank fürs zur Verfügung stellen!) – und einem Blick auf die zur Verfügung stehenden Stangen (siehe oben), habe ich mich dafür entschieden, den Hängemattenkörper 130cm breit und 220cm lang zu gestalten und auf beiden Längsseiten eine Kettenlinie mit 15cm Tiefe wegzuschneiden.

    Ich habe mir erlaubt, Dendronauts Schema zu übernehmen und etwas anzupassen.

    Polyesterband für die Längsseiten

    Was ich nicht bedacht hatte: Das leichtere Polyesterband von Extremtextil ist nicht 12,5mm (1/2"), sondern satte 15mm breit. Das hatte ich falsch in Erinnerung. Und natürlich hat das Band auch eine gewisse Dicke, die ich auch nicht eingerechnet hatte. So ist die Hängematte nun nur 126cm breit geworden. Da ich aber eh zwischen einer Breite von 120cm und 130cm hin und her überlegt hatte, passt das ganz gut. In der Mitte der Hängematte ist sie lustigerweise – wie angedacht – rund 100cm breit geworden, was viel Raum zum Liegen verspricht, gerade für die Seitenlage mit angewinkelten Beinen.

    Das Band verfügt über eine Bruchlast von "nur" 350daN. Es kann pro Schlaufe also maximal eine Bruchlast von 700daN bieten. Ich halte diesen Wert allerdings nicht für realistisch, da die Endteile aus Titan relativ dünn und auch nicht vollständig abgerundet sind.

    Was meint ihr? Mit welcher Bruchlast pro Schlaufe darf ich in etwa rechnen?

    Ich werde das Material in nächster Zeit beobachten. Wenn ich eine bedenkliche Abnutzung feststellen sollte, werde ich aus dem etwas stärkeren und eine Spur schmaleren Band von Extremtextil eine zweite Schlaufe um die bestehenden Schlaufen legen und festnähen (falls die Nähmaschine diese dicke Lage überhaupt bewältigen kann!).

    Einarbeiten des Gurtbandes

    In einem ersten Schritt habe ich das Kopf- und das Fussende des Hängemattenkörpers mit einem Einschlag-Umschlag gesäumt. Das Band habe ich dann beidseitig bündig mit dem seitlichen Rand auf der Hängematte festgenäht, einmal nach oben umgeschlagen, erneut festgenäht und schliesslich noch ein zweites Mal umgeschlagen und den beiden Rändern entlang erneut festgenäht. Dabei habe ich zwei Nähte durch die Mitte des Bandes (Aufnähen und erste Faltung) und je eine den beiden Rändern des Bandes entlang (bei der zweiten Faltung) gemacht. Ich habe darauf geachtet, dass der Stoff beim Festnähen am Gurtband immer etwas gespannt ist, sich dort keine Falten bilden. Die Endteile von Dutch habe ich jeweils an den Enden von Anfang an gleich mit eingenäht. Dazu habe ich rund 7cm des Bandes umgeklappt. Die Schlaufen habe ich zum Abschluss vierfach mit grobem Zickzack stabilisiert. Sie sind also mit vier geraden und vier Zickzack-Nähten fixiert. Ich denke, da reisst nichts aus. Da geht zuerst das Polyesterband in der Hardware kaputt:

    Das Band habe ich übrigens nach oben gefaltet, damit in Schlaufennähe nur Scher- und nicht zusätzlich noch Zugbelastungen aufs Nähgarn wirken. Der Stoff soll das Band von aussen gegen die Spreizstäbe drücken und nicht am Band ziehen.

    Man sollte beim Kauf des Bandes daran denken, dass man noch etwas Band für die Schlaufen braucht und die Kurve auch länger ist als der Hängemattenkörper selbst. Ich hatte für den 220cm langen Hängemattenkörper 500cm Gurtband gekauft und es blieben nur zweimal etwa 18cm übrig. Zum Glück hat es gereicht!

    Aufhänge-Dreiecke

    Für die Aufhänge-Dreiecke habe ich aus Amsteel 7/64" jeweils zwei Dog Bones in der gleichen Länge wie die Stangen gespleisst (gleichseitiges Dreieck) und diese am vorderen Loch der Hardware befestigt:


    Die Befestigung des Dog Bone auf der Innenseite des Titan-Teiles statt aussen verringert die Belastung ein ganz klein wenig.

    Die beiden losen Enden der Dog Bones habe ich in die beiden Enden eines kurzen Dog Bones eingefädelt. Damit hat sich eine stabile Schlaufe für die Aufhängung ergeben. Um Kopf- und Fussende auf einen Blick unterscheiden zu können, habe ich zwei verschiedene Farben gewählt.

    Das Resultat

    Die Hängematte sieht in ihrer Grundform wie folgt aus (Kopfende links im Bild):

       

    Gepäckablagen am Kopf- und Fussende

    Wie oben erwähnt, wollte ich am Kopf- und Fussende keinen Abschluss haben. Ich fand, dass ein solcher den Hängemattenstoff nur in seiner Bewegung und damit seiner natürlichen Anpassungsfähigkeit an Schultern und Füsse behindert. Stattdessen wollte ich "oben" und "unten" eine Gepäckablage einarbeiten, die gut von der Hängematte aus erreichbar ist.

    Am Fussende kann das Gepäck deponiert werden, auf das man nachts keinen Zugriff benötigt. Am Kopfende können etwas Zusatzkleidung, ein Buch, eine Trinkflasche und andere etwas sperrigere Dinge deponiert werden. Für den Kleinkram steht eine Ridgeline mit Täschchen (Organizer) zur Verfügung. Obwohl sich eine Brücken-Hängematte auch ohne Ridgeline recht gut aufhängen lässt, finde ich die Ridgeline doch auch recht hilfreich, um wirklich jedesmal die gleiche Spannung zu erwischen. Aber da muss ich noch weiter experimentieren.

    Soweit mein erster Bericht. Einige Gedanken nach ersten Tests werde ich später anfügen. Den ersten grösseren Test hat die Hängematte jedenfalls schon mal bestanden (siehe hier).

    Ein paar Fotos der Hängematte - unter anderem mit Gepäckablage - folgen im nächsten Post.

  • Hier noch ein paar Fotos der (vorerst) fertigen Hängematte. Es kann gut sein, dass ich noch die eine oder andere überschaubare Anpassung vornehme.

    Es spielt keine allzu grosse Rolle, wo ich Kopf oder Füsse platziere - die Hängematte passt sich an:

       
    Hier im Bild fehlen die Gepäckablagen noch. Man sieht schön, dass die Enden einer Brücken-Hängematte nie die Form einer Kettenlinie annehmen, ganz egal, wo man Kopf oder Füsse platziert.

    Natürlich verändert sich dabei die Belastung von Aufhängung und Stoff. Die Belastung der Aufhängung kann man leicht durch Zupfen am Dog Bone ermitteln. Je höher der Klang, desto höher die Spannung. Klingt eine "Saite" eine Oktave höher als die andere, so würde das bedeuten, dass die Belastung doppelt so hoch ist. Einen so grossen Unterschied konnte ich aber nie feststellen. Es waren stets kleinere Intervalle zu hören.

    Und hier noch ein paar Eindrücke mit den in einem zweiten Schritt angenähten "Gepäckablagen":

    Gepäckablage am Kopfende

    vom Fussende her betrachtet

    von der Seite her betrachtet (Kopfende links)

  • Wie nicht anders von Dir zu erwarten....... eine wirklich ansehnliche und durchdachte Bridge :good:

    Was mich noch interessieren würde wäre wie schwer dein Gesamtkunstwerk aber voralem wie schwer die Dutch Spreader Bars sind?

    Ich würde nur noch seitlich ein oder zwei Taschen dran nähen. Die haben sich in der Praxis als sehr komfortabel für allerlei Kleinkram (wie Brille, Kopfleuchte etc.) erwiesen. Aber vielleicht stört es Dich ja gar nicht diese Dinge über Kopf in der Nacht zu suchen. Oh seh gerade hab dass mit der Ridgeline überlesen.

    Ich finde die Idee mit der Gepäckablage genial. Die Koma wie auch deine Matte ist eigentlich lang genug um seinen Rucksack im Fußbereich unter zu bekommen und so handhabe ich dass auch, allerdings verrutscht dieser gerne mal in der Nacht. Daher ist deine Lösung nach dem Abschluss der Matte echt super!

    Never without my Hammock!

  • Danke für den ausführlichen Bericht und die Bebilderung. Das sieht nach einer sehr schönen Arbeit aus, an der du lange Freude haben wirst. Mich würde noch interessieren was die gesamte Matte inclusive Stäben wiegt. Den 2.4er Stoff habe ich mir übrigens jetzt auch bestellt, weil auch der Prototyp meiner neuen 1.6er Matte sich als zu schwach erwiesen hat. Nur die allererste gekürzte Matte aus 1.6er hält immer noch.

  • Gerne liefere ich noch die gewünschten Angaben zum Gewicht:

    - Hängematte (mit Ridgeline und Hängetäschchen) im Packbeutel: 480g
    - Spreizstäbe (Spreader Bars): 110cm à 177g (dickere Stange), 92cm à 134g (dünnere Stange) => Total: 311g
    - Aufhängung: variabel, je nach dem, was man verwendet

    Die Stäbe finde ich recht schwer. Ich habe mich für sie entschieden, weil mir das erlaubt hat, eine etwas breitere Hängematte umzusetzen. Ob ich meine leichten Trekkingstöcke von GossamerGear (264g das Paar) auch als Ersatz für die lange Stange (110cm) verwenden könnte, wage ich zu bezweifeln. Aber auch mit meinen Black Diamond Trail (528g das Paar) würde ich einiges an Gewicht sparen: Das wären ja immer noch 47g weniger als 311g (für die Spreader Bars) plus die 264g der leichten Trekkingstöcke. Vielleicht finde ich eine einfache und effektive Möglichkeit, meine stabilen Stöcke als Spreizstäbe zu verwenden.

    Auf weitere Aspekte gehe ich später ein.

  • WOW!!! Super Gerät! Echt jetzt - Chappeau!:thumbup:

    .....und es ist schön, zu lesen, daß auch alten Hasen wie Dir, mal kleinere Planungsungenauigkeiten unterlaufen;) ...dann komme ich mir beim nächsten mal nicht ganz so dumm vor:o.:-)

    Die Bilder vom Testhängen sind ebenfalls ganz großes Kino. Immer wieder inspirierend - weiter so und Danke!!!

    - Wer lang hat, lässt gern lang hängen *Ignatius Golz
    - Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage? *Koito Yavazuka
    - War doof - merkste selbst ne? *Unbekannter Sozialpädagoge

  • Zuschnitt des Hängemattenkörpers

    Wenn ich ein Projekt in Angriff nehme, habe ich oft sehr schnell eine klare grobe Vorstellung vom Endprodukt. Die letzten Details bearbeite ich allerdings meistens auf dem Weg der konkreten Entstehung. Manchmal bin ich dann nicht mehr bei allen Details ganz sicher, wie ich sie gelöst habe. Deshalb hier noch eine Ergänzung, bevor die letzten Erinnerungen in die Dunkelheit des Vergessens entschweben:

    Wenn ich die fertige Hängematte messe, komme ich auf eine Länge von knapp 220cm und eine Breite von rund 126cm. Ich schliesse daraus und meine mich auch zu erinnern, dass ich den Hängemattenkörper auf 220cm Länge und 135cm Breite zugeschnitten hatte.

    Kopf- und Fussende habe ich dann in einem ersten Schritt mit einem Einschlag-Umschlag von etwa 12mm gesäumt, was eine Länge des Körpers von rund 215cm ergibt. Durch die bisherige Nutzung hat sie sich aber etwas gedehnt, was man auch an den zahlreichen Querfalten erkennen kann, die sich durch die Nutzung ergeben haben.

    Die doppelte Faltung an den Längsseiten mit dem 15mm breiten Gurtband verbunden mit der Verkürzung der Matte auf ursprünglich etwa 215cm durch die Säume am Kopf- und Fussende erklären, weshalb von den 135cm Breite des Zuschnitts schlussendlich nur etwa 126cm Breite geblieben sind.

  • Eine wirklich gelungene Vorstellung deines Projekts, ist echt gut geworden! Ich freue mich schon auf weitere Berichte, wie sich deine neue Brücke so schlägt.
    Großes Lob - viel Spaß damit!!

  • Packsack

    Zufälligerweise passt der allererste beidseitig zu öffnende Packsack, den ich im Juni 2016 aus Hexon 1.6 (Brick Red) genäht hatte, genau zur Hängematte. So nutze ich den vorläufig dafür. Vielleicht ersetze ich ihn mal durch einen aus wasserdichtem Material, der dann auch eine Spur grösser sein dürfte:

    Packsack aus Hexon 1.6 in Brick Red

    Der gefüllte Packsack misst etwa 26cm in der Länge und 12,5cm im Durchmesser. Die Aufhängeschlaufen lasse ich beidseitig herausschauen, damit mit den Leinen kein Chaos entsteht.

    Aufhängung

    Wie oben beschrieben habe ich fürs Aufhänge-Dreieck (ein gleichseitiges Dreieck) jeweils zwei Dog Bones in der gleichen Länge wie die Spreader Bars (Spreizstäbe) gespleisst. Diese habe ich mit den beiden Enden eines überlappend gespleissten Dog Bones verbunden (Ankerstich / Cow Hitch). Der Dog Bone selbst bildet dann die Aufhängeschlaufe. Die Ridgeline habe ich - ebenfalls mit einem Ankerstich / Cow Hitch - über die "Dogbone-Schlaufe" gelegt:

        Befestigung am Kopfende

    Eine Ankerstich-Verbindung mit Amsteel reduziert die Bruchlast des Materials um etwa 15% (Seite 33 im verlinkten Manual). Ob das auch eins zu eins auf die doppelte Ausführung wie hier übertragen werden kann, weiss ich nicht. Nach dieser Rechnung hätte ich jedenfalls rein bei der Verbindung von den 1'400 lbs minimaler Bruchlast des einfachen Amsteel-Blue noch 1'190 lbs übrig, was in meinem Fall etwa das Doppelte sein dürfte, also 2'380 lbs (rund 1'080kg). Diese Verbindung ist also ganz bestimmt nicht die Schwachstelle der Aufhängung!

    Am Fussende habe ich zudem für die verstellbare Schlaufe der verstellbaren Ridgeline - ebenfalls mittels Ankerstich - die beiden Schlaufen eines kleinen überlappend gespleissten Dog Bones aus Lash-It (1,75mm) eingearbeitet:

        Befestigung am Fussende

    Die zwei ineinander greifenden Ankerstiche bilden eine Verdickung, die dafür ausreicht, dass die Schnüre der Hängematte im Packsack bleiben und nur die beiden Schlaufen herausschauen. So bleibt alles, wo es soll und es bilden sich keine Verwicklungen.

    Wie das bei der Koma von Dendronaut oder anderen Brücken-Hängematten gelöst ist, weiss ich nicht. Ich google eigentlich nur nach Lösungen, wenn ich selber nicht auf eine mich überzeugende Lösung komme. Dabei entgeht mir zwar die eine oder andere gute Idee, dafür bleibe ich bei meinen Projekten wesentlich unvoreingenommener.

    PS: Für die Ridgeline habe ich erstmals das etwas dickere Lash-It (2,2mm) verwendet. Ich finde, dieses lässt sich deutlich schlechter spleissen als das dünnere (1,75mm). Die einzelnen Faserbündel (strands) sind steifer und ich empfand sie als recht widerborstig meinen Spleissversuchen gegenüber.

  • Länge der Hängematte und Ridgeline

    Bei meinem zweiten Test habe ich versucht, die Ridgeline etwas länger einzustellen und damit die Hängematte etwas flacher abzuspannen, um noch etwas flacher zu liegen. Eigentlich gefällt mir das nicht so, wird die Belastung des Materials bei flacherem Abspannen doch zunehmend gross und grösser. Es hat aber alles gut gehalten und bisher kann ich nirgendwo Abnützungsspuren erkennen.

    Es ist übrigens gar nicht so einfach, eine Hängematte flach abzuspannen, wenn man dazu einen eher dünnen Baum verwendet. Der Baum gibt immer ein wenig nach, sobald man sich in die Hängematte legt. Es scheint, das verwendete Bäumchen sei in den acht Tagen nur unwesentlich gewachsen.

    Ich habe nun mal die aktuell eingestellte Ridgeline-Länge gemessen. Zu meinem Erstaunen ist diese sage und schreibe 400cm lang. Zuzüglich der Aufhängeschlaufen komme ich da auf einen minimalen Baumabstand von rund 430cm. Das ist für mich nicht wirklich ein Problem, aber es hat Folgen beim Tarp.

    Tarp

    Vor einiger Zeit hatte ich mir ja ein Hex-Tarp für meine Gathered-End-Hängematten gemacht. Dieses hat eine 12' (366cm) lange Firstlinie und passt wunderbar über meine gut 340cm langen Hängematten. Hier kommt das Tarp aber an seine Grenzen. Einerseits würde ich mir etwas mehr seitliche Abdeckung wünschen (180cm-200cm statt "nur" rund 140cm), was im Übrigen auch für die Gathered-End-Hängematten nichts schaden würde. Aber vor allem würde ich mir eine längere Ridgeline wünschen. Möchte ich die Aufhänge-Dreiecke komplett abdecken können und mir damit zusätzliche Abtropfleinen dafür sparen, so sollte ich wohl eine Ridgeline des Tarps von gegen 5 Yard (457cm) haben. Oder etwas zurückhaltender: 450cm sollten es wohl schon sein.

    Auch frage ich mich, ob eine rechteckige Form nicht sinnvoller wäre. Oder zumindest ein Tarp mit "Türen", um die Hängematte - gerade bei Wind - etwas besser vor Regen zu schützen.

    Ein so grosses Tarp bringt aber auch mehr Gewicht mit sich.

    Wie sind da die Erfahrungen der erfahrenen Brückenhängematten-Nutzer unter uns? Wie schützt ihr eure "Brücke" vor Regen? Ist bei euch das Aufhänge-Dreieck komplett vom Tarp abgedeckt? Oder nutzt ihr für jedes Leine (allenfalls inklusive Ridgeline der Hängematte) eine separate Abtropfleine? Und nicht zuletzt: Welche Form und welche Abmasse hat euer Tarp im Vergleich zur Ridgeline (egal, ob vorhanden oder nur gedacht) eurer Brücken-Hängematte?

    Verkürzung der Hängematte und Reduktion der Belastung

    Natürlich taucht in diesem Zusammenhang auch die Frage auf: Wie könnte man bei einer Brücken-Hängematte Länge einsparen, ohne dabei Komfort einzubüssen?

    • Eine Möglichkeit wäre die Verkürzung des Aufhänge-Dreiecks: Diese Möglichkeit kommt für mich aber nicht in Frage. Dadurch würde die Hängematte nicht nur kippeliger, vor allem würde die Belastung auf die Spreizstangen sehr schnell deutlich zunehmen. Ich möchte da unbedingt bei einem gleichseitigen Dreieck bleiben. (In meinem Fall sind die Seile durch die Belastung noch eine Spur länger geworden. Man könnte sie also noch eine Spur kürzer machen, so dass sie die genau richtige Länge bekommen, nachdem das Geflecht sich gesetzt hat.)
    • Eine weitere Möglichkeit wäre die Verkürzung der Liegefläche: Die rund 215cm der fertigen Hängematte sind inzwischen durch die Dehnung des Stoffes auf fast 220cm angewachsen. Hier wäre sicher ein gewisses Potential vorhanden. Zu kurz möchte ich sie aber sicher nicht haben, denn ich fühle mich nicht gerne eingeengt.
    • Und nicht zuletzt könnte man eine Verkürzung der Hängematte eventuell durch eine tiefere Kettenlinie an den Seiten erreichen: Wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe, so könnte ich die Hängematte stärker durchhängen lassen, wenn die seitlichen Kettenlinien tiefer eingeschnitten wären. Der Hängewinkel wäre dann etwas steiler und damit bräuchten die Aufhänge-Dreiecke weniger Platz. Zudem hätte das den erfreulichen Nebeneffekt, dass das ganze System etwas weniger belastet würde. Der Nachteil wäre dafür, dass von den 100cm Breite an der schmalsten Stelle etwas weniger übrig bleiben würde. Ich denke aber, dass mir da auch 90cm reichen würden. Da wäre sicher etwas zu machen. (Andererseits bedeutet eine tiefere Kettenlinie auch eine längere Kettenlinie. Das muss man sich dabei auch vor Augen führen.)

    Wie schätzt ihr die drei genannten Möglichkeiten ein? Habt ihr weitere Ideen? (Von der erstgenannten Möglichkeit würde ich persönlich auf alle Fälle absehen. Die zweitgenannte wäre allenfalls sinnvoll, weil ich ja auch noch die Gepäckablagen habe, die etwas Raum in der Länge schaffen. Von der dritten Möglichkeit würde ich persönlich mir den grössten Erfolg versprechen.)

    Die Fragen sind für mich vorerst theoretischer Natur. Ich habe nicht vor, mir sofort eine weitere Brücken-Hängematte zu nähen. Aber wer weiss. Zudem können andere vielleicht von den hier gemachten Erfahrungen und Überlegungen profitieren.

    • Offizieller Beitrag

    Ich würde die Hängematte einschließlich Abspanndreiecke lassen, wie sie ist. Wenn an der Abspannung Abtropfschnüre angebracht sind, müssen die Dreiecke nicht komplett vom Tarp bedeckt sein. Ich habe in der rund 220 cm langen KOMA schon erfolgreich unter dem GoLite-Ponchotarp (264x147 cm) abgewettert. Natürlich war das tüchtig knapp, aber es funktionierte.

  • Auf der Seite liegen

    Die Meinungen darüber, wie gut man in einer Brücken-Hängematte auf der Seite liegen / schlafen kann, scheinen auseinander zu gehen. Gerade mit stark angewinkelten Beinen kommen die Oberschenkel / Knie oft auf das straff gespannte, harte Gurtband zu liegen.

    Das ist bei meiner Brücken-Hängematte nicht der Fall. Bleibe ich ganz in der Mitte liegen, so kann es etwas knapp werden. (Mich persönlich stört das Gurtband am Bein nicht wirklich.) Rutsche ich nur wenig auf die andere Seite, so finden die angewinkelten Beine problemlos auf dem mindestens 100cm breiten Hängemattenkörper Platz:

    Mit den Beinen in Richtung Fussende ...

    ... und zur Abwechslung mal in Richtung Kopfende

    Beim Liegen respektive Schlafen auf der Seite fand ich das Hexon 2.4 an der Schulter etwas hart. Es wurde deshalb mit der Zeit etwas unbequem. Vielleicht wäre das etwas elastischere Hexon 1.6* doch die bessere Wahl gewesen? Insgesamt bin ich aber mit dem Hexon 2.4 sehr glücklich.

    * Bei Gathered-End-Hängematten muss ich beim Hexon 1.6 immer eine leichte Kurve in den Stoff am Kopf- und am Fussende schneiden, um keine Rückenschmerzen zu bekommen. Deshalb wollte ich bei meiner ersten Brücke unbedingt auf das Hexon 2.4 zurückgreifen.

    Auf dem Bauch liegen

    In meiner zweiten Testnacht habe ich versucht, auf dem Bauch zu liegen und auch so zu schlafen. Das geht, wenn ich die Hängematte ausreichend straff abspanne. Nach meinem Geschmack hänge ich aber etwas zu sehr im hohlen Kreuz. Vielleicht gelingt es besser, wenn ich das nächste Mal einen etwas dickeren Baum wähle, der weniger nachgibt. Jedenfalls bin ich auch auf dem Bauch eingeschlafen, aber nach einiger Zeit wieder aufgewacht. Ich war dann froh, wieder eine andere Position einnehmen zu können.

    Rückenlage / Vorläufiges Fazit

    Insgesamt finde ich meine Brücken-Hängematte in Rückenlage oder ganz leicht auf eine Seite geneigt (allenfalls als "Ballerina" mit einem angewinkeltem Bein) am bequemsten. Aber auch die Seitenlage ist gut möglich, einfach nicht zu lange am Stück wegen dem Druck auf die Schulter.

  • Spannung der Ridgeline

    Immer wieder habe ich die Beobachtung gemacht, dass die Ridgeline sich entspannt, wenn ich mich in die Hängematte lege. Das hat mich anfangs irritiert, denn bei all meinen Gathered-End-Hängematten verhält sich das eher umgekehrt: Dort nimmt die Spannung der Ridgeline eher zu, wenn ich mich in die Hängematte lege. Nachdem ich bei der Brücken-Hängematte aber immer wieder die Erfahrung gemacht hatte, dass die Spannung abnimmt, habe ich beschlossen, die Ridgeline mittels Mini-Karabiner am Kopfende der Hängematte zu befestigen.

    Befestigung der Ridgeline am Kopfende

    Damit der Karabiner einfach ein- und ausgehängt werden kann, habe ich - gleich wie am Fussende - ebenfalls einen kleinen überlappend gespleissten Dog Bone eingebaut.

    HammockGear Incubator als Underquilt

    Vielleicht ist einigen aufgefallen, dass ich die Titan-Teile mit dem Dorn nach oben an der Hängematte befestigt habe. Das ist kein Fehler, sondern so beabsichtigt. Der Dorn dient dem Einhängen des Underquilts. Vermutlich ist die Idee, ihn umgekehrt an der Hängematte zu befestigen. Ich hatte mich dafür entschieden, ihn nach oben schauen zu lassen:

    • Der Dorn ist dann aus der Hängematte leichter zugänglich. Ein allfälliges Nachjustieren der Gummischnüre ist leichter möglich, wenn der Dorn nach oben zeigt.
    • Zudem hatte ich die Absicht, vorerst den Incubator von HammockGear als Underquilt zu verwenden. Dieser ist eigentlich für Gathered-End-Hängematten gedacht. Entsprechend verfügt er über ein vollständig umlaufendes Gummiseil. Meine Idee war, dieses Gummiseil über die Aufhänge-Dreiecke zu legen und dann in die Dornen der Titan-Teile einzuhängen.

    Dummerweise war dann die nachträglich angebrachte Ridgeline im Weg, weshalb Gummiseil und Gepäckablagen einander jeweils in die Quere kamen. Das Gummiseil drückte die Gepäckablage nach oben:

    Gummiseil drückt Gepäckablage nach oben

    "Dumm gelaufen!", dachte ich zuerst. Der Mini-Karabiner gibt mir nun die Möglichkeit, den Underquilt wie ursprünglich geplant an der Hängematte anzubringen:

    Gummiseil wird um den "Pole Tip" gelegt und sitzt auf dem Dorn

    Der Quilt sitzt nun schön unter der Hängematte und die Gepäckablagen können frei durchhängen. So soll es sein:


    Underquilt in Position mit frei hängenden Gepäckablagen: am Kopfende links zwei Jacken, Telefon, Kamera und eine Wasserflasche, am Fussende rechts der (fast) leere Rucksack

    Schlussendlich nutze ich nun aber die Dornen gar nicht (siehe Bild oben): Ein unter dem Dorn eingehängtes Gummiseil kann nicht mehr verrutschen, was die Bewegungsfreiheit des Quilts einschränkt. Es reicht, das Gummiseil einfach über den Metallstift des Spreizstabes zu hängen. So bleiben die Gummiseile beweglich und Spannungen können sich viel besser ausgleichen.

    Die Seiten des Underquilts, da für eine Gathered-End-Hängematte konzipiert, sind an der Brücken-Hängematte etwas lose. So habe ich beim zweiten Test die seitlichen Ösen genutzt, um den Quilt zusätzlich nach oben abzuspannen:


    Gummiseil wird am Kopf- respektive Fussende der Hängematte (Aufhänge-Dreieck) eingehängt (vgl. auch erstes Foto in diesem Post)

    Die Lücke zwischen Hängematte und Quilt ist dadurch deutlich kleiner geworden. Ob er so allerdings besser isoliert, kann ich nicht sagen, denn die zweite Testnacht war - trotz mehr Wind - deutlich wärmer, was ich an der warmen Nasenspitze feststellen konnte. In der zweiten Testnacht brauchte ich jedenfalls - ganz anders als in der ersten - keine Jacke und mir war immer schön warm.

  • Warum hast du überhaupt eine Ridgeline angebracht? Wenn ich mich richtig erinnere, haben weder die kommerziellen Brückenhängematten eine Ridgeline, noch die von Professor Grizz (?).

    Ich finde es praktisch für den Organizer. Zudem hilft sie mir auch hier dabei, immer die gleiche Spannung zu erreichen. Aber du hast Recht: Viele gehen davon aus, dass eine Ridgeline nicht nötig ist. Ich schaue mal: Wenn sie sich als überflüssig erweisen sollte, ist sie schnell entfernt. In diesem Fall würde ich mir eventuell seitlich noch beidseitig je ein Täschchen annähen wie bei der Ridgerunner respektive der Koma. Mal schauen.

    Ach ja, meine bisherigen Beobachtungen sehen wie folgt aus: Wenn ich die leere Hängematte so zwischen zwei Bäume spanne, dass die Ridgeline etwa so stark gespannt ist wie bei einer Gathered-End, wenn man darin liegt, dann hängt sie bei der "Brücke" ganz leicht lose, nachdem ich mich in die Hängematte gelegt habe. Ich kann sie dann noch etwa 45° zwischen den Fingern "knicken", bis sie gespannt ist.

    Ach so, noch eine Ergänzung: Sollte ich mal ein Moskitonetz für die "Brücke" nähen, so bin ich froh, wenn ich dieses irgendwo über mir befestigen kann. Allerdings stellt sich dann die Frage, wie ich das Netz am Kopf- und am Fussende abschliesse:

    • Ich könnte dem Netz am Kopf- und am Fussende dem Reissverschluss entlang die Form einer Kettenlinie geben. Dann hätte ich einen Abschluss wie bei der Ridgerunner oder der Koma. Allerdings würde ich damit wieder die Bewegungsfreiheit des Hängemattenstoffes beeinträchtigen und - je nach Liegeposition - mehr oder weniger Spannung aufs Netz bringen. Das möchte ich eigentlich nicht.
    • Alternativ müsste ich die Gepäckablage geschlossener gestalten.
    • Eine dritte Möglichkeit wäre, das Netz am Kopf- und am Fussende einfach halbkreis- oder ellipsenförmig herunterhängen zu lassen – vielleicht leicht beschwert durch eine in den Abschluss eingearbeitete Gummikordel. So dürfte sich auch ein zumindest einigermassen guter Abschluss ergeben. Man müsste dann halt unter dem losen Netz durchgreifen, wenn man etwas aus der Ablage braucht.
  • Ich würde die Hängematte einschließlich Abspanndreiecke lassen, wie sie ist. Wenn an der Abspannung Abtropfschnüre angebracht sind, müssen die Dreiecke nicht komplett vom Tarp bedeckt sein. Ich habe in der rund 220 cm langen KOMA schon erfolgreich unter dem GoLite-Ponchotarp (264x147 cm) abgewettert. Natürlich war das tüchtig knapp, aber es funktionierte.

    Falls ich das mit dem GoLite Poncho Tarp mal ausprobieren möchte: Wie hast du das Tarp aufgebaut? Hast du es direkt an der Hängematte befestigt oder an einer separaten Ridgeline aufgespannt?

    Da ich ja (vorerst) eine Ridgeline verwende, würde ich das Tarp wohl einfach über die Ridgeline legen und mit Gummiseilen in die kleinen Dog Bones am Kopf- und am Fussende einhängen. Eine Abtropfschnur auf beiden Seiten unter dem Tarp sollte verhindern, dass Wasser der Ridgeline entlang unters Tarp läuft. Da die Hängematte naturgemäss schaukelt, würde ich sie auch seitlich mit Gummiseilen mit ordentlich Zug zum Boden hin abspannen.

  • Eine Ridgeline halte ich auch für unnötig. Da muss man einfach ein wenig testen welcher Aufhängewinkel einem am besten passt. Ich bin bei ca. 27,5° Grad (was mir persönlich Zusagt damit die Matte weder zu weich noch zu straff gespannt ist) am Ende gelandet und dieser ist dank Smartphone App auch sehr leicht einzustellen und immer wieder einzuhalten.

    Never without my Hammock!

    • Offizieller Beitrag

    Fall ich das mit dem GoLite Poncho Tarp mal ausprobieren möchte: Wie hast du das Tarp aufgebaut? Hast du es direkt an der Hängematte befestigt oder an einer separaten Ridgeline aufgespannt?


    Ich hatte erst versucht, Gewicht zu sparen und hatte das Tarp über die Firstschnur der Brückenhängematte gelegt. Durch die wechselnde Spannung hing das Tarp mal durch, mal war es sehr straff gespannt. Mit separater Abspannung war es dann wesentlich einfacher zu handhaben.

  • Verhältnis von Spreizstab (Spreader Bar) und Stoffbreite

    • Einige Hersteller verwenden fürs Kopfende einen - im Verhältnis zur Stoffbreite - längeren Spreizstab als fürs Fussende, damit der Oberkörper gegenüber dem Stab etwas höher liegt. Dadurch wird der Ausblick aus der Hängematte besser. Zudem nimmt der Druck auf die Schultern aufgrund des flacheren Winkels ab. Dafür nimmt der Druck auf den Spreizstab etwas zu. (Der Druck lässt sich nicht in Luft auflösen; irgendwo drückt es immer.)
    • Beim Fussende ist der Stab im Vergleich zur Stoffbreite meist kürzer. Dadurch wird der Schwerpunkt insgesamt etwas gesenkt. Den Füssen macht es nichts aus, denn sie beanspruchen weit weniger Raum in der Breite als die Schultern. Höchstens beim Liegen auf der Seite könnte sich das nachteilig auswirken, weil der Stoff in der Breite mehr durchhängt.

    Wenn man die Länge des Spreizstabes duch die Stoffbreite teilt, erhält man das Verhältnis der beiden Grössen. Beispiel: Ist der Stab 75cm lang, der Stoff hingegen 100cm breit, so erhält man ein Verhältnis von 0,75 respektive 75%. In meinem Fall ergibt sich am Kopfende ein Verhältnis von 110cm (für den Stab) zu 126cm (Stoffbreite), was ein Verhältnis von rund 0,87 respektive 87% ergibt. Ein Verhältnis von 87% bringt einen höheren Druck auf den Spreizstab als ein Verhältnis von 75%, dafür nimmt der Druck auf die Schultern ab und man liegt etwas weiter oben. Das wiederum hat den Nachteil, dass der Schwerpunkt etwas höher liegt.

    Verändern der Hängematten-Maße

    Möchte man die Maße der Hängematte verändern, so muss man sich ein paar zusätzliche Gedanken machen:

    • Die Füsse nehmen nicht viel Raum ein, zumindest nicht, wenn sie direkt nebeneinander liegen. Sie entsprechen somit grob einem "Punkt" am Fussende der Hängematte. Möchte man die Maße der Hängematte vergrössern oder verkleinern, so kann man die Länge des Spreizstabes und der dazu passenden Stoffbreite grob mit dem oben erläuterten Verhältnis berechnen.
    • Beim Kopfende der Hängematte sieht das etwas anders aus (zumindest wenn man in erster Linie auf dem Rücken oder auf dem Bauch liegt): Da der Stoff von Schulter zu Schulter mehr oder weniger waagrecht unter dem Körper durchführt, kann man das oben erläuterte Verhältnis nicht eins zu eins auf eine breitere oder schmalere Hängematte übertragen. Hier muss man sich klar machen, dass bei einer Verbreiterung der Hängematte der Spreizstab weniger verbreitert werden muss als der Stoff, um den gleichen Winkel des Stoffes an den Schultern zu erreichen. Das Verhältnis zwischen Spreizstab und Stoffbreite wird in diesem Fall also kleiner, der Stoff hängt im unbelasteten Zustand etwas mehr durch. Möchte man die Hängematte hingegen schmaler gestalten, so sollte man das Verhältnis zwischen Spreizstab und Stoffbreite etwas vergrössern. Im unbelasteten Zustand hängt der Stoff also etwas weniger durch.

    Natürlich lässt sich das gewünschte Verhältnis nur näherungsweise berechnen. Wie weit eine konkrete Berechnung allerdings überhaupt sinnvoll ist, darüber kann man streiten. Wären die Schultern exakt unter dem Spreizstab positioniert, so wäre eine grobe Berechnung sicher sinnvoll. Da die Schultern aber ein ganzes Stück vom Spreizstab entfernt liegen, wird die Berechnung ziemlich komplex.

    Was ich letztlich sagen will: Bei einer Veränderung der Hängemattenbreite (insbesondere am Kopfende) erhält man ein vergleichbares Liegegefühl nicht, indem man das oben erläuterte Verhältnis einfach eins zu eins auf die neue Breite umrechnet. Eine solche Rechnung greift zu kurz. Entscheidend für das Liegegefühl sind die Winkel, die sich am Rand zwischen Spreizstab und Hängemattenstoff ergeben. Denn diese Winkel bestimmen, welche Kräfte auf Stoff, Spreizstab und Schultern wirken. Nur wenn der Winkel gleich bleibt, bleiben auch die Kräfte und somit das Liegegefühl (ungefähr) gleich.

    Hier noch eine Veranschaulichung, die vielleicht zum besseren Verständnis beitragen mag:

    Situation am Fuss- und am Kopfende bei Veränderung der Hängemattenbreite

    • Am Fussende liegt eher eine punktförmige Belastung vor. Eine Umrechnung grob anhand des oben erläuterten Verhältnisses liegt folglich nahe.
    • Beim Kopfende sieht die Sache anders aus: Hier wird (bei Rücken- oder Bauchlage) ein ordentliches Stück Stoff nahezu waagrecht geführt. Bei einer Veränderung der Hängemattenbreite führt eine exakte Übertragung des oben erläuterten Verhältnisses deshalb nicht zum gleichen Liegegefühl. Es drängt sich eine Anpassung des Verhältnisses auf. (=> siehe oben im Abschnitt zum Kopfende)

    Eine Erklärung, weshalb sich das so verhält, kann ich auf Wunsch gerne geben.

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