Schon vor langer Zeit hatte ich den Entschluss gefasst, mir eine Brücken-Hängematte zu nähen. Es ist toll, gute gekaufte Ausrüstung zu haben. Doch es ist deutlich lehrreicher, in selbst genähter Ausrüstung zu hängen und daraus eigene Schlüsse zu ziehen. Zudem macht mir das Nähen Spass. Und jetzt, wo ich auch zuhause wieder über eine Nähmaschine verfüge, ist das Arbeiten an der Nähmaschine auch gemütlicher geworden. Ich kann mich dann an die Maschine setzen, wenn ich Lust dazu habe, und brauche meine Einsätze an der Maschine nicht mehr zu planen.
Stoffwahl
Nachdem der Plan gefasst war, habe ich mir im September 2016 bei Dutch den Stoff für mein Projekt bestellt.
Für den Hängemattenkörper habe ich Hexon 2.4 gewählt, weil ich diesen festen Stoff sehr gerne mag. Der Stoff ist zwar etwas schwerer als die meisten anderen Hängemattenstoffe, aber der Stoffbedarf ist bei einer Bridge eher bescheiden, weshalb mir das Mehrgewicht nichts ausmachte.
Schon damals hatte ich im Hinterkopf, die Hängematte am Kopf- und Fussende nicht abzuschliessen, sondern dort eine "Verlängerung" fürs Gepäck anzunähen, so dass dieses prima von der Hängematte aus zugänglich ist. Um etwas Gewicht zu sparen, habe ich dafür das etwas leichtere Hexon 1.6 gewählt.
Spreizstäbe (Spreader Bars)
Das Projekt hat lange geruht, da sich andere in den Vordergrund gedrängt hatten. Doch diesen September habe ich wieder bei Dutch bestellt und mir aus seinem Sortiment endlich Spreader Bars und das vierteilige Set aus Titan zum Befestigen der Spreizstäbe geleistet.
Da seine zweiteiligen Spreizen in zwei Längen und zwei Dicken zur Verfügung stehen, stand ich vor der Frage, wie ich sie kombinieren könnte und welche Dicke sich für mein Projekt empfehlen würde.
Nach Rücksprache mit Dutch habe ich mich schliesslich dafür entschieden, für das Fussende zwei kurze Teile der dünneren Stangen (17mm) und für das Kopfende ein langes und ein kurzes in der dickeren Ausführung (19mm) zu wählen. Zwei lange Teile und damit eine Stange mit rund 127cm Länge fand ich doch etwas sehr breit.
Die längere Stange muss grössere Kräfte aushalten, weshalb dort die dickeren Stangen sicher sinnvoll sind. Das hat zudem den Vorteil, dass ich eines der dünneren Teile im einen dickeren Teil verstauen kann, was das Set etwas handlicher macht (drei statt vier Teile für den Transport).
Zusammengesetzt hatte ich somit die folgenden Längen zur Verfügung:
- Kopfende: 110cm
- Fussende: 92cm
Hängemattenkörper
Nach Vergleichen verschiedener Baupläne – auch dem von Dendronaut (vielen Dank fürs zur Verfügung stellen!) – und einem Blick auf die zur Verfügung stehenden Stangen (siehe oben), habe ich mich dafür entschieden, den Hängemattenkörper 130cm breit und 220cm lang zu gestalten und auf beiden Längsseiten eine Kettenlinie mit 15cm Tiefe wegzuschneiden.
Ich habe mir erlaubt, Dendronauts Schema zu übernehmen und etwas anzupassen.
Polyesterband für die Längsseiten
Was ich nicht bedacht hatte: Das leichtere Polyesterband von Extremtextil ist nicht 12,5mm (1/2"), sondern satte 15mm breit. Das hatte ich falsch in Erinnerung. Und natürlich hat das Band auch eine gewisse Dicke, die ich auch nicht eingerechnet hatte. So ist die Hängematte nun nur 126cm breit geworden. Da ich aber eh zwischen einer Breite von 120cm und 130cm hin und her überlegt hatte, passt das ganz gut. In der Mitte der Hängematte ist sie lustigerweise – wie angedacht – rund 100cm breit geworden, was viel Raum zum Liegen verspricht, gerade für die Seitenlage mit angewinkelten Beinen.
Das Band verfügt über eine Bruchlast von "nur" 350daN. Es kann pro Schlaufe also maximal eine Bruchlast von 700daN bieten. Ich halte diesen Wert allerdings nicht für realistisch, da die Endteile aus Titan relativ dünn und auch nicht vollständig abgerundet sind.
Was meint ihr? Mit welcher Bruchlast pro Schlaufe darf ich in etwa rechnen?
Ich werde das Material in nächster Zeit beobachten. Wenn ich eine bedenkliche Abnutzung feststellen sollte, werde ich aus dem etwas stärkeren und eine Spur schmaleren Band von Extremtextil eine zweite Schlaufe um die bestehenden Schlaufen legen und festnähen (falls die Nähmaschine diese dicke Lage überhaupt bewältigen kann!).
Einarbeiten des Gurtbandes
In einem ersten Schritt habe ich das Kopf- und das Fussende des Hängemattenkörpers mit einem Einschlag-Umschlag gesäumt. Das Band habe ich dann beidseitig bündig mit dem seitlichen Rand auf der Hängematte festgenäht, einmal nach oben umgeschlagen, erneut festgenäht und schliesslich noch ein zweites Mal umgeschlagen und den beiden Rändern entlang erneut festgenäht. Dabei habe ich zwei Nähte durch die Mitte des Bandes (Aufnähen und erste Faltung) und je eine den beiden Rändern des Bandes entlang (bei der zweiten Faltung) gemacht. Ich habe darauf geachtet, dass der Stoff beim Festnähen am Gurtband immer etwas gespannt ist, sich dort keine Falten bilden. Die Endteile von Dutch habe ich jeweils an den Enden von Anfang an gleich mit eingenäht. Dazu habe ich rund 7cm des Bandes umgeklappt. Die Schlaufen habe ich zum Abschluss vierfach mit grobem Zickzack stabilisiert. Sie sind also mit vier geraden und vier Zickzack-Nähten fixiert. Ich denke, da reisst nichts aus. Da geht zuerst das Polyesterband in der Hardware kaputt:
Das Band habe ich übrigens nach oben gefaltet, damit in Schlaufennähe nur Scher- und nicht zusätzlich noch Zugbelastungen aufs Nähgarn wirken. Der Stoff soll das Band von aussen gegen die Spreizstäbe drücken und nicht am Band ziehen.
Man sollte beim Kauf des Bandes daran denken, dass man noch etwas Band für die Schlaufen braucht und die Kurve auch länger ist als der Hängemattenkörper selbst. Ich hatte für den 220cm langen Hängemattenkörper 500cm Gurtband gekauft und es blieben nur zweimal etwa 18cm übrig. Zum Glück hat es gereicht!
Aufhänge-Dreiecke
Für die Aufhänge-Dreiecke habe ich aus Amsteel 7/64" jeweils zwei Dog Bones in der gleichen Länge wie die Stangen gespleisst (gleichseitiges Dreieck) und diese am vorderen Loch der Hardware befestigt:
Die Befestigung des Dog Bone auf der Innenseite des Titan-Teiles statt aussen verringert die Belastung ein ganz klein wenig.
Die beiden losen Enden der Dog Bones habe ich in die beiden Enden eines kurzen Dog Bones eingefädelt. Damit hat sich eine stabile Schlaufe für die Aufhängung ergeben. Um Kopf- und Fussende auf einen Blick unterscheiden zu können, habe ich zwei verschiedene Farben gewählt.
Das Resultat
Die Hängematte sieht in ihrer Grundform wie folgt aus (Kopfende links im Bild):
Gepäckablagen am Kopf- und Fussende
Wie oben erwähnt, wollte ich am Kopf- und Fussende keinen Abschluss haben. Ich fand, dass ein solcher den Hängemattenstoff nur in seiner Bewegung und damit seiner natürlichen Anpassungsfähigkeit an Schultern und Füsse behindert. Stattdessen wollte ich "oben" und "unten" eine Gepäckablage einarbeiten, die gut von der Hängematte aus erreichbar ist.
Am Fussende kann das Gepäck deponiert werden, auf das man nachts keinen Zugriff benötigt. Am Kopfende können etwas Zusatzkleidung, ein Buch, eine Trinkflasche und andere etwas sperrigere Dinge deponiert werden. Für den Kleinkram steht eine Ridgeline mit Täschchen (Organizer) zur Verfügung. Obwohl sich eine Brücken-Hängematte auch ohne Ridgeline recht gut aufhängen lässt, finde ich die Ridgeline doch auch recht hilfreich, um wirklich jedesmal die gleiche Spannung zu erwischen. Aber da muss ich noch weiter experimentieren.
Soweit mein erster Bericht. Einige Gedanken nach ersten Tests werde ich später anfügen. Den ersten grösseren Test hat die Hängematte jedenfalls schon mal bestanden (siehe hier).
Ein paar Fotos der Hängematte - unter anderem mit Gepäckablage - folgen im nächsten Post.