Test-Tour mit meiner neuen Brücken-Hängematte im Neuenburger Jura

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Kürzlich sind meine Spreader Bars von DutchWare Gear bei mir angekommen. So habe ich letzte Woche spontan meine Pläne geändert und mir endlich die schon lange angedachte Brücken-Hängematte genäht. Und weil das Wetter im Moment derart bombastisch schön ist, bin ich am Donnerstag gegen Abend spontan auf den Col de la Tourne oberhalb von Neuchâtel gefahren. Da ich vor dem Aufbruch von zuhause noch die letzten Details an der Hängematte fertigstellen wollte, ist es bis zu meiner Ankunft auf dem Pass etwas später geworden (18 Uhr) und so bin ich schon bald in die Dämmerung gewandert und habe etwas vor halb acht im Dunkeln mein Camp aufgeschlagen, vielleicht zehn Meter von einer Felswand entfernt, die steil ins Val de Travers abfällt.

    Am nächsten Morgen habe ich aus der Hängematte die Dämmerung beobachten können und war dann pünktlich für den Sonnenaufgang über dem Neuenburgersee und den Alpen (ca. 8 Uhr) vorne an der Felsklippe bereit.

    Die Wanderung führte mich dann am Freitag weiter über den Jura-Höhenweg nach Noiraigue im Val de Travers und dann durch die Areuse-Schlucht hinunter nach Boudry am Neuenburgersee (Areuse-Delta). Das hat richtig gut getan!

    Vom Col de la Tourne bis zum Abstieg nach Noiraigue finden sich immer wieder wunderbare Hängemattenplätze, oft mit einer (inoffiziellen) Feuerstelle, was mir bereits auf einer Mehrtageswanderung im Juni 2015 aufgefallen war.

    Hier ein paar fotografische Eindrücke:

    Letzte Sonnenstrahlen am Abend über dem Val de Travers

    Sonnenaufgang über dem Neuenburgersee...

    ... mit Alpenpanorama

    Die Hängematte im Morgenlicht

    Blick vom Jura-Höhenweg zum Felsabbruch

  • Pilze hätte es auch ein paar gehabt... (hier ein Parasolpilz)

    Letzter Sommerbote an einem Grenzstein

    Sonne im Herbstwald

    Blick übers Val de Tavers zum Chasseron (1'607m ü.M.)

    Bei der Mittagsrast, wo ich mir Pasta ai Funghi Porcini (Teigwaren mit Steinpilzen) gekocht habe (Fertiggericht)

  • Klingt nach einer klasse Tour. Und das alles vor der Haustür, beneidenswert! Wie liegt sich so eine Brückenhängematte? Ist es darin recht eng? Und liegt man darin gerader als in einer brasilianisch genutzten Gathered End Matte (die ich zugegebenermaßen ja auch nicht kenne)?

  • Nachtrag zur Tour

    Hier noch ein Überblick der kurzen "Zweitagestour":

    Mit dem Öffentlichen Verkehr erreicht man relativ leicht Neuchâtel, die Hauptstadt des Kantons Neuenburg. Von dort fährt ein direkter Bus nach Le Locle, der nach einiger Zeit den Col de la Tourne passiert, wo man den Jura-Höhenweg kreuzt. Diesem bin ich bis Noiraigue gefolgt:

    Öfters hatte ich den Creux du Van vor mir. Diesen imposanten Felskessel, der in seinem Grund noch heute Reste des eiszeitlichen Permafrosts beherbergt (der dortige Brunnen wird ganzjährig von 4°C kaltem Wasser gespeist) und ebenso die einzige Steinbock-Population der Schweiz ausserhalb der Alpen. (Ich habe das sehr lohnende Ziel mit einem blauen Kreis markiert. Es lohnt sich den Ort zu googeln.)

    Mein Weg führte mich zuerst der Krete oberhalb des Val de Travers (klassische Verkehrsverbindung durchs Juragebirge, die die Schweiz mit Frankreich verbindet) entlang. Dort habe ich irgendwo übernachtet.

    Schliesslich führt der Höhenweg nach Noiraigue hinunter. Dort habe ich den Höhenweg verlassen und bin durch die Areuse-Schlucht nach Boudry hinunter gewandert. (Von Noiraigue würde der Jura-Höhenweg dann auf den Creux du Van hoch führen.) Von Boudry führt eine Strassenbahn zurück nach Neuchâtel zum Place Pury, von wo einem ein Bus zurück zum Bahnhof bringt.

    Noiraigue

    Zu Noiraigue noch ein interessantes Detail: Der Ortsname leitet sich von "Schwarzes Wasser" ab. Tatsächlich entspringt im Ort das "schwarze Wasser" direkt aus dem Fels und ergiesst sich kurze Zeit später in die Areuse. Vermutlich handelt es sich bei der Noiraigue, die dem Ort den Namen gab, um einen der kürzesten Flüsse / Bäche der Schweiz. Die Quelle wird vom oberhalb gelegenen Moorgebiet gespeist, was vermutlich den Namen erklärt.

    Die Quelle der Noiraigue in Noiraigue (21.10.2017)

    Kartenangebot von SchweizMobil

    Das Kartenmaterial von Swisstopo habe ich für die drei Kartenausschnitte von map.schweizmobil.ch bezogen, wo ich auch meine Toruen plane oder oft einfach nochmals nachvollziehe. Das Netzwerk "SchweizMobil" bietet auch eine kostenlose App, die mit den offiziellen Schweizer Landeskarten arbeitet. Möchte man die Karten auch offline nutzen und über die Planungsfunktion am Desktop PC verfügen, so wird ein jährlicher Beitrag von CHF 35 fällig. Das kann sich aber lohnen, zumindest wenn man gute Karten genauso schätzt wie ich. Die Karten können aber auch kostenlos in beliebigem Massstab als PDF heruntergeladen werden.

    Offizielle Schweizer Landeskarten

    Sehr empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang auch das offizielle Portal der Schweizer Landeskarten: map.geo.admin.ch
    Hier findet man zu einer schier unendlichen Vielfalt von Themen zusätzliche Karten-Layer (z.B. auch die Steinbock-Populationen der Schweiz). Sehr interessant ist auch die "Zeitreise", die ermöglicht, die Karten für ein beliebiges Jahr bis weit zurück ins 19.Jahrhundert anzuschauen. Auch hier können alle Karten in beliebigem Massstab (sogar noch in grösserem Massstab und damit detaillierter als bei SchweizMobil) als PDF heruntergeladen und ausgedruckt werden. Ich liebe dieses Portal.

    Hier noch die Steinbock-Kolonie am Creux du Van:

  • Ach ja, für Abenteuerlustige gibt es oberhalb von Noiraigue noch die Via Ferrata (Klettersteig) "Tichodrome". Den Einstieg passiert man auf dem Jura-Höhenweg:

    https://www.youtube.com/watch?v=kKmfhgxodUo
    https://www.youtube.com/watch?v=ycXKqizI6l8

  • Ich habe vom Freitagabend auf den Samstag nochmals fast die gleiche Tour wiederholt, um weitere und vergleichbare Erfahrungen mit meiner neuen Brücken-Hängematte zu sammeln. Dieses Mal war ich eine Stunde früher dran und konnte mir so etwas mehr Zeit für den Aufbau lassen. So hatte ich dieses Mal auch noch weitgehend Tageslicht dafür zur Verfügung. Die Taschenlampe habe ich nicht benötigt. Im Gegensatz zum letzten Wochenende habe ich die Tour in Noiraigue beendet (siehe Foto der Quelle des "schwarzen Wassers", das ich weiter oben nachträglich eingefügt habe).

    Die Stimmung war eine völlig andere: Vor einer Woche noch ein Gefühl von Sommer (trotz farbiger Bäume und kühler Nacht), dieses Mal so richtige Herbststimmung: die Bäume schon deutlich kahler, mehr Laub am Boden, Luft feuchter, Farben viel weniger intensiv. Dafür ergaben sich ein paar wundervolle Wolkenstimmungen und Lichtspiele. Erstaunlich, wie viel sich in nur acht Tagen ändern kann:

    Blick zurück zum Col de la Tourne

    Blick hoch nach Tablettes

    Blick in Richtung Wegweiser und Aussichtspunkt von Tablettes

    Blick vom Aussichtspunkt Tablettes über den Neuenburgersee...

    ... den grössten Binnensee der Schweiz (gut 38km lang und bis gut 8km breit)

  • Von gestern auf heute bin ich meine geliebte Strecke über dem Val de Travers wieder gewandert. Auch dieses Mal wieder mit Übernachtung. Die Stimmung war wieder eine völlig andere. Etwas mehr Wind in der Nacht. Und am Morgen erstmals ein Nebelmeer mit Blick auf die Alpen...

    Start beim Col de la Tourne kurz vor Sonnenuntergang

    Dämmerung beim ersten möglichen Übernachtungsplatz

    Blick übers Val de Travers

    Nebelmeer mit Blick über auf die Alpen heute morgen

    Die Alpen etwas herangezoomt

  • Noch ein paar Eindrücke von heute morgen. Nachdem ich alles zusammengepackt hatte, stieg der Nebel auf und hüllte mich ein. Es wurde deutlich kälter und ich war froh, dass ich die Handschuhe dabei hatte. Später löste sich der Nebel dann wieder auf und ein wunderschöner Herbsttag bahnte sich den Weg ins Tal. Leider musste ich am frühen Nachmittag wieder nach Hause...

    Blick ins Tal

    Der Nebel steigt auf / Rucksack wartet auf den Aufbruch

    Im Nebel...

    frühe Mittagsrast

    Abstieg ins Val de Travers

  • Sehr schöne Fotos! Ein bißchen wie auf der schwäbischen Alb, von der es auch ab und zu Alpensicht gibt. Und Kalksteinfelsen mit schmalen Pfaden am Trauf entlang.... mir gefällt das sehr - vorallem, wenn kaum jemand unterwegs ist.

    Aber wo ist denn deine Hängematte? Hast du von der keine Fotos gemacht? Und wie hast du geschlafen? Hattest du eine Isomatte, wie kalt war es und hast du gefroren?

  • Alpensicht hatte ich auf der schwäbischen Alb noch nie. Aber ich kenne auch nur die Ecke um Heidenheim (Meteorkraterweg in Steinheim, etc.), das ist wohl schon zu weit nördlich. Tatsächlich ist die schwäbische Alb aber geologisch/tektonisch mit dem Schweizer Jura verwandt, nur deutlich weniger hoch. Ich habe etwa auf 1'240m ü.M. geschlafen und die höchsten Juragipfel reichen bis auf 1'720m ü.M.

    Eigentlich wollte ich es ja gar nicht verraten, aber wenn du danach fragst: Ich hatte zwar die Hängematte dabei, hatte mich dann aber spontan dazu entschieden, am Boden zu schlafen, weil doch etwas Wind aufkam. Allerdings war mir dann trotz Oberquilt mit Unterquilt drüber auch am Boden eher etwas kalt und immer wieder geriet beim Drehen und Wenden etwas kalte Luft zwischen Decken und Isomatte, so dass ich nicht wirklich gut geschlafen habe. Das Nebelmeer hat mich dann entschädigt und kurz vor Noiraigue auf dem Weg ins Tal habe ich dann in der Hängematte etwas gedöst, davon dann aber kein Foto gemacht.

  • Heidenheim ist zu weit weg. Die westliche Alb ist nur ca 40 km nördlich vom Bodensee und es gibt dort 10 Berge, die über 1000m hoch sind. Hier zwei Bilder vom Frühjahr
    [ATTACH=JSON]{"data-align":"none","data-attachmentid":"51169","data-size":"large"}[/ATTACH]

    mit wenig Zoom

    und mit Nebel im Tal mit Blick Richtung Schwarzwald

    [ATTACH=JSON]{"data-align":"none","data-attachmentid":"51170","data-size":"medium"}[/ATTACH]

    Schade, dass das mit der HM nicht geklappt hat. Meine Erfahrung ist, dass bei Kälte eine HM wärmer ist, als das Schlafen im Zelt, weil da der Boden doch ziemlich kalt ist. Und ich finde einen Wooki von unten einfach wärmer als eine Isomatte. Allerdings hört es bei mir bei ca. 5 Grad trotz Winterwooki auf. Letzte Woche habe ich bei 5 Grad draußen geschlafen und immer, wenn ich mich umgedreht habe, war die "neue Liegestelle" erstmal wieder "anzuwärmen". Überall wo ich nicht lag, war es schnell kalt von unten... (Aber ich gehöre auch zu den Leuten, die nachts schneller frieren als andere)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!