Mein grünes Sally-Jelly-Tarp

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    • Offizieller Beitrag

    Für meine nächste UL-Wanderung brauche ich ein leichtes Tarp, um mit meiner braunen 11-Fuß Hängematte aus Argon 1.6 im Trockenen zu hängen. Das DD Superlight Tarp ist mit seinen 300x290 zu kurz (das Schrägaufhängen ist mir zu fummelig) und das Warbonnet Superfly ist Overkill, was Größe und Gewicht betrifft. Vor einer Weile hatte ich mit dem Poncho als sehr sehr knappes Tarp experimentiert, aber ein Starkregen und etwas Wind brachten ein schnelles Ergebnis: untauglich. Eigentlich wäre das Warbonnet Edge die Lösung, aber mit Versand und Zoll ist es mir im Moment etwas zu teuer. Vielleicht als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk zum Black Friday, aber nicht jetzt. Also doch mit der Brückenhängematte und dem Ponchotarp (da funktioniert es) losziehen? =O

    MYOG? Hm, auf Extremtextil gibt es zur Zeit einen verlockenden Stoff. Das wäre definitiv preisgünstiger, aber ich habe keine Ahnung, wie man ein Tarp näht. Und dann noch der Kettenlinienschnitt! Nicht, daß mich die Kosinus-Hyperbolicus-Funktion abschrecken würde, aber das Ausrechnen und Anzeichnen der Koordinatenpunkte ist nicht mal eben so nebenbei erledigt. Aber Moment, da war doch was. Hat nicht Jellyfish aus dem amerikanischen Hängemattenforum neulich eine Anleitung für's Tarp-Selbermachen geschrieben?

    Also los. 6 Meter Silnylon bestellt. Nähmaschine habe ich. Schiefe und krumme Nähte nähen kann ich auch. Meine Packbeutel, Kopfkissen und selbstgenähte Hängematten erfüllen ihren Zweck. Wenn man dann noch Garn- und Stofffarbe in Übereinstimmung bringt, sieht man die schiefen Nähte gar nicht mehr. Computer eingeschaltet und Jellyfishs Anleitung studiert. Auf geht's!

    Nach fünf Abenden mit der Nähmaschine war das Tarp dann fertig. Wer Ölspuren auf der Straße und Blitzeis für glatt hält, hat noch nicht mit Silnylon gearbeitet. Ist das Zeug rutschig! Was habe ich geflucht! :mad: Gelernte Nähmaschinenfacharbeiter haben da sicher ihre Tricks, aber ich als doppelt linkshändiger Nähanfänger hatte da schon arge Probleme. Doppelsaumnähte "mit der Hand" zu nähen, gehört auch nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Der Rollsaumfuß für die Nähmaschine ist bestellt. Damit geht's dann hoffentlich leichter. Was großartig funktioniert hat, war das Anzeichnen der Kettenlinien. Dr. Sally, die Schwester von Jellyfish, hat eine großartige Vorlage kreiert. Einfach die PDF-Datei ausdrucken, 9 A4-Seiten zusammenkleben, Kurve ausschneiden und auf den Tarpstoff legen. Mit Kreide den Rand der Schablone entlangfahren, ausschneiden, fertig! :good:
    An einer Stelle bin ich von der Anleitung abgewichen- Mir gefällt die französische Naht mit Satinbandabdeckung, wie sie Warbonnet verwendet, doch besser. Näht sich auch einfacher, wie ich finde. Als Material für die Verstärkung an den Abspannpunkten (dort, wo die Kräfte wirken), habe ich den schwarzen Stoff eines kaputten Regenschirms verwendet. Er sollte sich nicht mit Wasser vollsaugen, da ja Regenschirme eigentlich nur ein Tarp mit Stiel sind. :)
    So, langer Rede kurzer Sinn - hier die technischen Daten: 427 Gramm für ein Hex-Tarp mit einer Breite von 2x1,55 m und einer Länge von 3,35 m sind durchaus erträglich. Länger und leichter als mein DD Superlight Tarp (460 g). Die Nähte sind zwar immer noch schief und krumm, aber was soll? Mir gefällt's trotzdem.

    Als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für die tolle Anleitung habe ich das Tarp nach den beiden Damen benannt. Hier seht Ihr das grüne Sally-Jelly-Tarp!

    So wird es an der Ridgeline abgespannt. (Mann, sind die Nähte krumm!)

    Hier die Abspannung zum Boden. Als Gurtbandlieferant mußte ein schon etwas ausgefranster Baumgurt dienen. Ich weiß, Overkill, aber ich hatte nichts anderes zur Hand.

    Und hier die Innenseite. Nun können die Reste des Regenschirms mir doch noch helfen, trocken zu bleiben.

    Wenn Ihr jetzt sagt, der Mittagsfrost muss noch gerade Nähte üben, dann habt Ihr recht. Gerade vor dem Hintergrund der wie mit dem Lineal gezogenen Ripstopfäden kommt das deutlich zum Vorschein. Na ja, wer weiß? Wenn der Rollsaumfuß da ist, baucht er ja eine Aufgabe. Vielleicht gibt's ja auch rotoranges Garn, was zu diesem Stoff passt? :love:

  • Auf dem 1. Foto sieht das Tarp total professionel aus: mit den verstärkten Ecken, der oberen Kante etc.
    Die "Form" der Nähte kann man als kreativ bezeichnen, aber nachdem sie ihre Funktion trotzdem erfüllen: was solls: Wer macht schon Nahaufmahnen von Nähten....
    Gratuliere zu dem selbstgenähten Tarp!

  • Ich finde auch, dass das gut aussieht,
    Nachdem ich mit diesen rutschigen Stoffen meiner Perle zigmal über die Schulter geschaut habe, geht
    es langsam besser.
    Schlaufen für die Tarpleinen kann man sehr schön aus Paracord, aus dem die Seele entfernt wurde, nehmen.

    Gruss
    Konrad

  • Ist schwer zu erklären. So etwas kann man nur zeigen.

    Im Prinzip soll man den Stoff ca 20-25cm vor der Nadel entsprechend falten (Einschlagumschlag)
    Nadel ist unten und zwischen Daumen, Zeigefinger,und Mittelfinger spannen und beim Nähen hinten genauso
    viel ziehen wie der Transport ist. Erfordert einige Übung und Nadeln. Aber durch das Ziehen faltet sich der Stoff selbststätig auf diesen
    20-25cm.
    Auch schiebt meine Perle den Stoff des Tarps mit dem ganzen Unterarm während des Transportes in einer kreisförmigen Bewegung mit.

    Gruss
    Konrad

  • :good:
    Sehr schöne Arbeit. Bin auch Nähanfänger und fühle mit dir. Der Name des Tarps gefällt mir auch gut. Einen Rollsaumfuß habe ich auch gekauft( passt leider nicht für meine Victoria) , habe mal versucht den Stoff einzufädeln:stars:bei Handschuhgröße 11 sehr schwierig (auch ohne Handschuhe). Hoffe du berichtest über deine Erfahrungen mit dem Rollsaumfuß.

    Isch habe gar kein Zelt

  • Wow, sehr schönes Tarp was du dir da gebastelt hast. :good:
    Ich hab mir vor ein paar Monaten mal ein 2. Wahl SilNylon bestellt, weil ich das erst mal testen will, wie's zum nähen geht, vor allem das mit den Kettenlinien stell ich mir ziemlich schwierig vor. Ich hoffe ich bekomms so toll hin wie du. Wünsch dir viel Freude mit deinem Tarp.
    PS. Die krummen Nähte sind doch toll, macht das ganze sehr individuell und gibt dem ganzen eine persönliche Note :D

  • Ich denke, deine Entscheidung mit französischer Naht und Satinband statt der doppelten Kappnaht zu arbeiten, war goldrichtig. Mein erstes Tarp (ich erinnere an Nachbars Katze) habe ich mit Kappnaht, in die ich sogar ein ein halbes Inch breites Grosgrain Ribbon eingearbeitet habe, gefertigt. Das ging erstaunlich gut, birgt aber immer das Risiko, dass man ein Stück Stoff, das da nicht hingehört, mit annäht. Denn man muss da beim letzten Arbeitsschritt eine ganze Stoffbahn rechts vom Nähfuss unter dem Arm der Nähmaschine durchführen. Da muss man wirklich sehr aufpassen, dass nichts schief geht.

    Die Arbeit mit französischer Naht und dem Satinband (ich habe ein ein Inch breites Grosgrain Ribbon verwendet) ist da deutlich einfacher und es geht auch schneller, bis man fertig ist, wie ich finde. Und der senkrecht stehende Kamm sieht auch nicht schlecht aus. Gestern habe ich meines zum ersten Mal bei Regen aufgespannt: Die Naht scheint dicht zu sein, allerdings war der Regen auch eher bescheiden.

    Nochmals Gratulation zu deinem ersten Meisterwerk. Sieht wirklich toll aus.

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