Leidiges Thema Lebendrupf contra geliebte Daune

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    • Offizieller Beitrag

    Auf Hammockforums gibt es viele DIYer, die Daune "recyclen". Die kaufen alte Daunenkleidung oder Betten im Charity Shop und nehmen die Sachen auseinander. Das Problem dabei ist, dass es sich meist nicht um hochwertige Daune handelt - und die Qualität unbekannt ist. Hochwertige Ausrüstung findet man zwar gelegentlich auch, aber die kostet dann meist mehr als die rohe Daune.

    Dann gibt es die Leute, die neue Daunensachen über Ali & Co. kaufen und auseinander nehmen. Das ist aber nicht wirklich recycling. Im Gegenteil: damit wird Müll produziert, weil die Hüllen ja meist entsorgt werden.

  • Neue Sachen zu plündern kann man wirklich nicht als Receycling bezeichnen, da gebe ich Dir vollkommen recht. Das ist ja auch nicht mein Ansatz. Man könnte sich ja tagelang hinsetzen und Daunen sortieren, aber dann sieht die Bude wohl ziemlich verschneit aus.

  • Ganz so einfach ist es nicht.
    Die Daunenbettdecke kann mit Sicherheit nicht für einen UQ herhalten, weil die Daune viel zu grob ist.
    Es ist schon sehr defferenziert zu betrachten.

    Ich schrieb ja, dass der Weg nicht schlecht ist. Meistens findet jedoch ein Downcyceling statt.

    Gruss
    Konrad

  • Deswegen kam ich ja auch auf sortieren. Wenn man eine Methode finden würde, die Spreu vom Weizen zu trennen, könnte man die Qualität zumindest verbessern. Wenn ich zB aus einem Kilo gebrauchter Daunen ca 300g gute Daunen extrahieren könnte, dann hätte ich immer noch eine gute Ausbeute. Die alles entscheidende Frage bleibt aber: wie soll das mit vertretbarem Aufwand gehen? Man müßte ja bei weitem nicht die Effektivität eines kommerziellen Recyclebetriebs erreichen, aber Handsortierung ist nur in zugfreier Umgebung möglich und zuhause möchte ich das wirklich nicht machen.
    Spontan würde ich sagen: Ein Sieb, in die Ich den Inhalt der geplünderten Bettdecke in kleinen Portionen lege, darunter ein sehr fein in seiner Leistung regulierbares, schwaches Gebläse und darüber/darum ein sehr feinmaschiges Netz im weiten Radius aufgespannt. Je weiter die Daunen fliegen um so besser sind sie. Das ist relativ nah an der Methode Spreu und Weizen. Das würde die Wohnung zumindest weniger verschneit zurücklassen.
    Klar scheint aber auch, dass ich niemals 850 Cuin erreiche, wahrscheinlich sind schon 500 Cuin nur sehr schwer und ihn mehreren Durchgängen zu erreichen.
    Das hinge wohl in erster Linie vom Ausgangsmaterial ab, immer mit der Voraussetzung, dass der vorgeschlagene Aufbau überhaupt funktioniert.

    Einfacher wäre es zB einen guten, gebrauchten aber defekten Schlafsack zu plündern, dann kann ich mir das Sortieren auch sparen.

  • Hat jemand schon mal hier Daunen gekauft? Leider machen sie keine Angaben zum Cuin, aber man könnte ja mal nachfragen.

    Ich hab bei denen mal angefragt wegen der Bauschkraft, vor einiger Zeit.

    Zitat

    Vielen Dank für Ihre Anfrage!
    Unsere Daunen haben einen Cuinwert zwischen 780 und 820!
    Gerne kann ich Sie auch persönlich beraten. Wenn Sie mir Ihre Telefonnummer schicken, rufe ich Sie gerne an!
    Liebe Grüße aus Oldenburg

    Wenn man eine Methode finden würde, die Spreu vom Weizen zu trennen, könnte man die Qualität zumindest verbessern.

    An der Uni in Regensburg hatten wir eine Maschine zum Sortieren von flugfähigem Saatgut. Die bestand im Grunde nur aus einen Ventilator und einem langen Rohr mit Öffnungen auf verschiedenen Höhen. An den Öffnungen waren Sammelbehälter angebracht, die die verschiedenen Qualitäten aufgefangen haben. Eine ähnliche Konstruktion sollte auch mit Daunen funktionieren.

  • Das ist doch mal ein guter Tipp. Das macht den Aufbau einfacher und platzsparender. Mit den Dimensionen einer solchen Anlage müsste man wohl ein wenig experimentieren um die richtigen Abstände der Öffnungen bei einem gegebenen Durchmesser zu finden. Am besten wäre ein durchsichtiges Rohr, dann könnte man das Gebläse so einstellen, dass die wirklich gute Qualität gerade bis ganz oben fliegt.

  • Mir geht es aber in erster Linie auch um das DIY-Receycling. Als bisher völlig Unbeleckter stelle ich mir das so vor: Alte Bettdecke nehmen und entleeren (Staubsaugermethode?), dann Daunen in einen Sack einnähen und waschen, dann Quilt, oder was auch immer damit befüllen. Klar ist, dass ich damit nicht die bestmögliche Daune habe, aber evtl. erreiche ich ja ein ausgewogenes Ethik/Gewichtsverhältnis, mit dem ich leben kann.

    Die Idee finde ich grundsätzlich topp. Leider ist die Daune in normalen Bettdecken viel zu schwer, da der Federanteil deutlich zu hoch ist. Auch die Daune selbst ist von eher minderwertiger Qualität: geringe Bauschkraft, hohes Gewicht. Für den Outdoor-Bereich brauchen wir wenigstens ein Verhältnis von 90/10 und natürlich auch eine sinnvolle Bauschkraft.

    Mir ist vor einiger Zeit beim Waschen ein altes Kissen geplatzt (Riesenschweinerei!). Das, was da rauskam, waren grösstenteils feine Federn, nicht Daunen. Ein Duvet für zuhause ist ja auch viel dicker als ein vergleichbarer Schlafsack / Quilt für draussen, und das, obwohl wir drinnen ja Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt haben.

    Man könnte aber auf alle Fälle alte Schlafsäcke recyceln. Wie oft sich Daune allerdings ohne oder mit geringer Qualitätseinbusse waschen lässt, weiss ich auch nicht. Man sagt ja immer, dass man Daune so wenig wie möglich waschen soll, aber doch gelegentlich, damit sie von Schmutz befreit wird und sich wieder besser aufbauscht.

    Den Recycling-Gedanken finde ich auf alle Fälle gut. Und ich will mir auf alle Fälle das verlinkte Video noch anschauen.

  • Wie ich gerade erst gelernt habe sind in Kissen normalerweise mehr Federn als in Decken, da beim Kissen so die Stützkraft verbessert wird.
    Aber insgesamt denke ich auch, dass die Ausbeute bei alten Federbetten nicht gerade gut sein wird. Deshalb ja die Gedanken zur Sortierung und wie schon geschrieben, wird man wohl nie die Bauschkraft von hochwertiger kommerzieller Daune erreichen, was man wiederum mit höherem Gewicht und größerem Packmaß bezahlt. Aber mir kommt es ja auf das Ethik/Nutzverhältnis an. Im Kajak sind die Faktoren Gewicht u. Packmaß nicht ganz so entscheidend wie bei einem Fußwanderer, obwohl auch ich nicht gerne unnötiges Gewicht transportieren möchte.

  • Wie ich gerade erst gelernt habe sind in Kissen normalerweise mehr Federn als in Decken, da beim Kissen so die Stützkraft verbessert wird.

    Das leuchtet ein. Ich habe die alten Daunen aus meinem Kissen - so weit wie möglich - gerettet. Qualitativ bringen die aber leider nicht viel, da der Federanteil sehr hoch ist. Vielleicht werfe ich sie schliesslich doch weg.

    ... wird man wohl nie die Bauschkraft von hochwertiger kommerzieller Daune erreichen, was man wiederum mit höherem Gewicht und größerem Packmaß bezahlt.

    Mein Eindruck ist auch, dass wirklich hochwertige Daune kaum Federkiele aufweist, weshalb sie viel besser bleiben, wo sie bleiben sollen: nämlich im Schlafsack oder Quilt. Bei schlechterer Qualität passiert es häufig, dass sich die feinen "Federkiele" durch den Stoff nach aussen bohren und so immer wieder mal eine Daune verloren geht. Das dürfte bei aussortierter Daune häufiger passieren, da die Daune dort weniger fein ist. Wenigstens wird die Decke dann leichter. ;)

  • Das ist doch mal ein guter Tipp. Das macht den Aufbau einfacher und platzsparender. Mit den Dimensionen einer solchen Anlage müsste man wohl ein wenig experimentieren um die richtigen Abstände der Öffnungen bei einem gegebenen Durchmesser zu finden. Am besten wäre ein durchsichtiges Rohr, dann könnte man das Gebläse so einstellen, dass die wirklich gute Qualität gerade bis ganz oben fliegt.

    Wir hatten da ein Plexiglasrohr mit etwa 2 m Höhe und 10 cm Durchmesser. Für Daune müsste man das deutlich größer dimensionieren. Ich würde mir einen stufenlos regelbaren 30-cm-Ventilator besorgen und ein mind. 3 m langes Plexiglasrohr mit ähnlichem Durchmesser. Könnte funktionieren, ist aber sicherlich sehr zeitaufwändig. Allerdings muss man ja nichts machen außer alle 15 Minuten oder so die großen Federn aus dem Rohr holen und neues Gemisch nachfüllen. Dann Ventilator wieder einschalten und wieder warten.

  • Ich denke im Moment eher an 100mm Abflußrohr mit kleinen eingebauten Sichtfenstern. Da kann mann wegen der Muffen leicht mal mit der Gesamtlänge experimentieren und wenn mann 45° Winkel mit dem Abgang nach unten nimmt, kann man da prima mit einem Gummi eine Strumpfhose als Sammelbehälter drüber stülpen.

  • Nachdem ich gerade bei Globetrotter gelesen habe, "Weniger als 10 % aller am Weltmarkt befindlichen Daune stammt aus Lebendrupf." vermute ich, daß das Problem bereits weitestgehend gelöst ist. PETA-Aktivisten werden das natürlich anders sehen.

    Die Zahl kenne ich so auch aus dem Wikipediaartikel zur Daune. Über 90% aller Daunen und Federn sollen heute aus Schlachtrupf stammen. Ein dort zitierter Bettwarenhersteller geht sogar davon aus, dass der Marktanteil von Daunen aus Lebendrupf mittlerweile bei nur noch etwa 3% liege.

    Wenn dem so ist, dann wäre das natürlich erfreulich. Allerdings dürfen gerade wir hier uns sicher nicht zu früh freuen. Es gibt - wie mir scheint - gar keine verlässlichen Zahlen. Zudem ist der Grossteil der verarbeiteten Daune nicht hochwertig und kann somit leicht aus Totrupf gewonnen werden. Das Problem stellt sich ja erst bei hochwertiger Daune (hohe Bauschkraft / Fillpower). Um hochwertige Daune gewinnen zu können, müssen die Tiere (Gänse) ein Alter erreichen, das man ihnen bei der üblichen Fleischgewinnung gar nicht zugesteht. Deshalb habe ich (leider) meine leisen Zweifel, ob bei hochwertiger Daune immer alles mit rechten Dingen zugeht.

    Cumulus hat meine diesbezüglichen kritischen Fragen leider nicht beantwortet (siehe oben). Das hat meine Zweifel - auch den oft zitierten Zertifikaten gegenüber - wieder neu aufleben lassen.

  • Wenn man natürlich ein Hersteller ist, der sich mit Daunen sehr gut auskennt, nimmt
    dieser nur Daunen aus Winterrupf und nicht wie Cumulus alles an Daunen was man
    vom Schlachthof bekommt. So muß man natürlich einen ganz andere Lagerhaltung
    machen und das Kapital ist gebunden.

    Man sollte einmal Cumulus und Yeti Polen Schlafsäcke vergleichen und wird
    dann sehen wieso da so riesen Daunenunterschiede bei gleicher Füllmenge und Volumen sind.
    Auch bei Cumulus kann man Winterdaunen bekommen. Nur wann?

    Gruss
    Konrad

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