Leidiges Thema Lebendrupf contra geliebte Daune

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  • Ausgangspunkt ist bei mir mein Underquilt des polnischen Herstellers Cumulus. Ich bekam einige Antworten hier im Forum, in denen mir mitgeteilt wurde, dass ich mit Cumulus-Produkten auch Lebendrupf unterstütze.
    Nun, ich bin da nicht ganz sicher, aber nach meiner kleinen Recherche fühle ich mich auch nicht ganz schuldig.

    Grundsätzliches: Lebendrupf ist in der EU verboten. Dennoch halten sich nicht alle Produzenten an das Verbot und die Hersteller von Daunen-Produkten können oder wollen oft nicht belegen, von welchen Produzenten ihre Daunen genau kommen. Ein sensibles Thema, bei dem selbst Stiftung Warentest beim Nachfragen kaum Antworten bekam. Wer will schon WISSEND Daunen nutzen, bei denen die Herkunft aus Lebendrupf nicht ausgeschlossen werden kann? Und augenscheinlich kann das kaum ein Hersteller.

    https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/daunen-lebendrupf
    "Die Stiftung Warentest hatte zehn Anbieter von Daunendecken gebeten, Herkunft und Wege der von ihnen verwendeten Daunen offenzulegen. Doch trotz monatelangem Vorlauf und zahlreichen Nachfragen antworteten die Anbieter nur zögerlich oder lieferten gar keine Nachweise. Nicht einmal diejenigen Firmen, die dem Verbraucher garantieren, dass die von ihnen verwendeten Daunen und Federn nicht aus Lebendrupf stammen, wollten belegen, von welchen Höfen sie ihre Daunen beziehen."

    In der EU erlaubt ist ein "Abstreichen" oder "Ausbürsten" während der Mauser, was manche Produzenten sich aber auch wieder - im Sinne des Tierschutzes negativ - zu Nutze machen.
    http://www.provieh.de/stiftung-waren...pf-bei-gaensen
    "Während dieser Zeit [Mauser] ist die Prozedur für die Gänse weitgehend schmerzfrei. „Der traditionelle Mauserrauf ist in der Praxis aber kaum zu realisieren“, so PROVIEH weiter. Grund dafür sind die großen Herden von um die 1000 Gänse, die NIEMALS ZUR GLEICHEN ZEIT in der Mauser sind. Die Rupfbrigaden kommen jedoch nur einmal und bearbeiten dann gleich sämtliche Tiere. Durch Rupfen lassen sich auch wesentlich höhere Gewinne erzielen, da hierbei durchschnittlich 150 Gramm Daunen pro Gans gewonnen werden können. Beim Mauserrauf sind es lediglich 60 Gramm."

    Die polnische Firma Cumulus ist EDFA (European Down and Feather Association) zertifiziert. Was sagt mir das?
    https://utopia.de/ratgeber/daunen-zertifizierungen/
    Das Siegel soll auch gewährleisten, dass die zertifizierte Daune als "Abfallprodukt" bei der Fleischproduktion anfällt. Allerdings: Wer kontrolliert, dass nur solche Daune unter dem Siegel in den Handel gerät? UND Mauser-Rauf (s. o. Provieh, Problematik Mauserrauf) ist unter dem Siegel erlaubt.

    Hier hatte ich geschrieben, dass Cumulus ausschließlich Entendaune verwende. Cumulus verwendet aber ausschließlich GÄNSEDAUNE, dabei hätte in pukto Tierwohl Vieles für Entendaune gesprochen.
    http://www.provieh.de/stiftung-waren...pf-bei-gaensen
    "Qualitativ mag dies zu leichten einbußen führen, aber aus Sicht des Tierwohls ist es durchaus wünschenswert, dass Entendaunen verwendet werden. Bei Enten spielt der Lebendrupf nämlich keine Rolle, da mehr Enten geschlachtet werden, als die Bettenindustrie Daunen benötigt. Bei Gänsen ist es hingegen genau anders herum. In der Praxis wird jedoch trotzdem lieber auf Gänsedaunen zurückgegriffen, da diese etwas flauschiger sind."

    Mein persönliches Fazit für einen, nämlich den Hersteller Cumulus:
    1. EDFA-Zertifikat soll mir zumindest zusichern, dass die Daune aus Totrupf stammt, auch wenn Kontrollen nicht wirklich gewährleistet sind
    2. Entendaune wäre fein, weil Gewissen leichter, aber die Qualität kommt selten maximal auf 700 cuin. Bei der Enten-Daune scheint es anders als bei der Gänsedaune genügend tote Tiere zum "Ernten" zu geben. Und sie ist weniger beliebt, weil weniger flauschig, also besteht auch weniger Nachfrage, die Produzenten eventuell zu unsauberen Praktiken bewegen könnte
    3. Weltweit gibt es bei beinahe keinem Hersteller die Sicherheit, dass die vom Produzenten gelieferte Daune ausschließlich aus Totrupf stammt. Also warum sollten andere Hersteller im Bezug auf das Tierwohl besser sein. Angaben zu tot oder lebend stammen meist vom Hersteller selbst.

    Nachdem ich also beim Lesen der Kommentare mit Hinweis auf "unsaubere Praktiken" der Firma Cumulus einige Tränen still in mein Inneres geweint habe, kann ich jetzt zumindest wieder Luft schnappen. Wenngleich ich immer noch nicht tief durchatmen kann.
    Ich werde mich also wie die Mitglieder so mancher Naturvölker vor mein Cumulus Quilt auf den Boden werfen und der Tiere gedenken, ihnen danken, für das, was ich vor mir habe.

  • [SIZE=12px]Etwas verstehe ich jetzt nicht. Cumulus schreibt auf der Website:

    "Für unsere Produkten verwenden wir ausschließlich polnische Gänsedaunen." Weiter lese ich: "Wir verwenden zwei Daunensorten, die eine Elastizität von 700 cuin bzw. 850 cuin haben." Meines Wissens gibt es aber keine Entendaune mit 700 cuin. Der Wert bei Entendaunen liegt tiefer. Leider habe ich hierfür keine Quelle gefunden.[/SIZE]

    Irgendwie kann da etwas nicht ganz stimmen.

  • Hier habe ich noch ein paar - wie mir scheint - sehr wichtige Gedanken zum Thema gefunden, die nicht nur zum Thema "Daunen" passen, sondern ganz grundsätzlich zur westlichen hohen Erwartungshaltung in Sachen Konsum:

    "Die Diskussion wirkt jedoch bei genauerem Hinsehen etwas undurchdacht. Mit keiner Silbe soll heirmit angedeutet werden, dass die Kritik an Lebendrupf nicht berechtigt wäre. Die Empörung ist verursacht jedoch lediglich eine klassische Stellvertreterdebatte. Die Problematik des Lebendrupf ist nicht das Problem an sich, nur ein Symptom. Genau wie bei der immer wiederkehrenden Kritik an der Haltung von Merinoschafen und der Gewinnung von Merinowolle geht es im Kern um etwas Größeres, etwas Komplexeres. Auch Kunstfaser kann keinesfalls als umweltfreundlich bezeichnet werden – es ist ein Erdölprodukt. Es geht also grundsätzlich um unser Konsumverhalten und unsere teilweise widersprüchlichen Ansprüche.

    Einerseits möchten wir hochfunktionelle Jacken, top verarbeitet, zu teuer darf es nicht sein und modisch muss es auch noch sein. Andererseits aber wollen wir nicht wahrhaben, dass diese Erwartungshaltung an die Produzenten viele der Probleme erst verursacht. Wir wehren und mit Händen und Füßen dagegen, den Elefanten im Raum thematisieren zu müssen: Eine industrielle Massenproduktion von natürlichen Gütern wie Wolle, Daune, oder auch Fleischwaren wird erst durch absurde und auf Effizienz getrimmte Praktiken möglich, bei denen das Tier selbst kaum noch eine Rolle spielt."

    Quelle: http://hugsforhikers.com/blog/2012/0...utdoorbranche/

    Wir* erwarten höchste Qualität, lange Garantiezeiten, einen guten Kundenservice inklusive Rückgaberecht, eine ökologische, nachhaltige Produktion, bei der weder Mensch, noch Tier, noch Umwelt zu Schaden kommen, und erst noch einen günstigen Preis. Irgendwo kann das nicht aufgehen.

    * Mit dem "wir" möchte ich keine allgemeine Aussage machen. Mögen alle für sich selber überlegen, welche der genannten und welche weiteren Punkte zur eigenen Erwarungshaltung gehören.

  • Mich würde interessieren, warum ihr fast alle Daunen für besser haltet als Kunstfaser. Im Beitrag von Waldläufer steht, dass Kunstfaser aus Erdöl besteht, was sicher richtig ist. Aber viele Fleecepullover bestehen ja z.B. aus recycelten Flaschen und außerdem können Kunstfasern ja auch mehrfach verwendet werden, was ich sehr gut finde. Außerdem ist Kunstfaser viel pflegeleichter: einfach in die Waschmaschine und fertig. Ich habe z.B. ein Snugpagk Underblanket, das ich zu Hause verwende und auch nur Kunstfaser-Schlafsäcke und fühle mich damit sehr wohl. Und die HM, die wir ja fast alle verwenden, sind auch reine Synthetik und keine Naturprodukte.

  • Wie immer gibt es bei allem Vor- und Nachteile. Deshalb liste ich hier die wichtigsten Vorteile von Daune auf:

    • Daune ist bei gleicher Isolation viel leichter als Kunstfaser.
    • Daune lässt sich deutlich stärker komprimieren als Kunstfaser.

    Beide Punkte haben mit der sehr hohen Bauschkraft (Elastizität, Loft) und feinsten Verästelungen der Daune zu tun.

    • Daune hat i.d.R. eine deutlich höhere Lebensdauer als Kunstfaser (d.h. Daune ist in den beiden genannten Punkten der Kunstfaser nicht nur deutlich überlegen, sie behält diese Qualitäten auch viel länger bei (10 Jahre oder ein Vielfaches davon)).
    • Daune ist zu 100% biologisch abbaubar.

    Die genannten Punkte erhalten v.a. bei kalten Temperaturen und auf langen Fussreisen Bedeutung. In der warmen Jahreszeit oder wenn man keine längeren Strecken zu Fuss zurücklegt, sind die genannten Qualitäten weniger von Bedeutung.

    Der wichtigste Nachteil der Daune ist, dass sie bei Feuchtigkeit schnell klumpt und in der Folge ihre Isolationsfähigkeit weitgehend verliert. Man muss sie also unbedingt trocken halten.

  • Du hast Recht, dass bei sehr kalten Temperaturen und bei langen Fußmärschen Daune sicher günstiger ist.
    Bzgl. der Lebensdauer kann ich über meine Kunstfasersachen nur positiv reden und für mich ist der Punkt der Waschbarkeit schon recht wichtig. Ich habe im TV mal eine Sendung gesehen, wo sie Bettdecken aus Kunstfasern mit Federbetten verglichen haben, u.a. was die Hygiene angeht. Sie haben die Sachen gereinigt und geschaut, wie gut das geklappt hat und wie gut die Isolierung hinterher noch war. Ich habe hauptsächlich noch das Bild im Kopf, worauf man sieht, wie viel Exkremente und Schmutz von Milben u.a. noch an den Federn hing. Sah schon etwas eklig aus.
    Ich denke, dass man bei einem UQ darauf nicht allzu sehr Rücksicht nehmen muß, aber bei einem TQ finde ich die gute Waschbarkeit sehr wichtig.
    Für mich gilt: Da ich primär bei gutem Wetter und ab 10 Grad aufwärts unterwegs bin, brauche ich mich nicht mit dem Lebendrupf von Gänsen oder Enten zu befassen. Ich finde es aber gut, dass die "Daunenanhänger" das tun.

  • Das ist in der Tat irritierend. Magst du noch sagen, wo du das gelesen hast mit Entendaune und maximal 700 cuin...?

    Ich habe ein paar Quellen gefunden:

    Auf Bewährungsprobe heisst es, dass es Entendaunen von 200 bis 600 cuin gebe.

    Mammut sagt, dass Entendaunen von 200 bis 650 cuin gehen, 650 cuin Entendaunen aber 650 cuin Gänsedaunen in nichts nachstehen würden. Nur kommt man mit Gänsedaunen eben für den entsprechenden Preis bis auf 850 cuin.

    Vaude schafft es sogar, Schlafsäcke mit "hochwertiger 700 cuin Entendaune" zu füllen.

    Ich denke, man kann sagen, dass Entendaunen maximal 700 cuin erreichen, dann aber auch sehr teuer sind (siehe Preis des Schlafsacks). In der Regel liegen die Werte für Entendaunen tiefer:

    Entendaunen: 200 bis 650 (700) cuin (EDIT: bis 750? cuin, siehe unten)
    Gänsedaunen: 450 bis 850 cuin

  • Locolibre gibt für seine Entendaune eine Bauschkraft von 800 cuin an. Gänsedaune geht teilweise sogar bis 900 cuin (siehe hier und hier).

    Auf die Eiderentendaune habe ich schonmal hingewiesen. Sie ist die unangefochtene Königin der Bauschkraft (über 1000 cuin) und ihre Gewinnung ist ethisch unbedenklich (wird aus verlassenen Nestern gesammelt). Allerdings kostet dann die leichteste Decke mit 200 g Füllung bereits stolze 1695,- Euro, bei Winterdecken gehen die Preise rauf bis 10.000 Euro!

    [USER="14"]Mittagsfrost[/USER] hat vollkommen recht: am Ende ist alles eine Frage des Preises. Wenn wir bereit wären, 3000 anstatt 300 Euro für einen Quilt auszugeben, dann wäre die Sachlage ganz anders.

  • Interessant. Von Entendaune mit 800 cuin lese ich nun zum ersten Mal (abgesehen von der Eiderente).

    Mit dem Preis ist das aus meiner Sicht so eine Sache:

    Ist etwas sehr billig, so ist die Quelle meistens bedenklich. Ist etwas sehr teuer, so kann die Quelle lobenswert sein.

    Wären wir alle bereit, ein Vielfaches für die Produkte auszugeben, was ich für utopisch halte, so würde die schiere nachgefragte Menge immer noch ökologische Probleme verursachen.

    Ein Beispiel: Wenn die Meere überfischt sind, kann Fisch aus nachhaltiger Quelle nicht die zielführende Antwort sein. Die Antwort kann nur (drastische) Reduktion des Fischkonsums heissen.

    Der ökologische Fussabdruck des Menschen ist inzwischen sehr gross geworden und wird noch deutlich weiterwachsen. Für viele Probleme liegt dort die Ursache.

  • [SIZE=12px]Bei Enten, die zur "Fleischgewinnung" gehalten werden, spielt die Qualität der Daune keine Rolle. Hochwertige Daunen kommen ja auch meist von Tieren, die aus kalten Gebieten stammen. Das sind aber nicht unbedingt die Gebiete, in denen Enten ihres Fleisches wegen gehalten werden. Auch stellt sich die Frage, ob es Entenrassen/-züchtungen gibt, die sowohl für die "Fleischproduktion" optimiert sind, als auch hochwertige Daunen liefern. (Bei Kühen beispielsweise wird zwischen Fleisch- und Milchrassen unterschieden, beides ist meines Wissens kaum in einer Rasse zu haben.)

    Entendaunen mit besonders hoher Bauschkraft dürften deshalb vermutlich eher nicht einer Züchtung entstammen, bei der der "Fleischertrag" besonders hoch ist, und falls doch, so wäre das fast schon ein "glücklicher" Zufall (glücklich für die Daunenindustrie, nicht unbedingt für die Enten).

    Arc'teryx schreibt: "[/SIZE][SIZE=12px](Haben Enten- oder Gänsedaunen einen Vorteil gegenüber der jeweils anderen Daunenart?[/SIZE][SIZE=12px] Nein, Enten- und Gänsedaunen mit gleicher Bauschkraft weisen auch das gleiche Wärmevermögen auf.) Da Gänse größer sind als Enten, sind Daunenbüschel von Gänsen in der Regel jedoch größer als die von Enten. Aus diesem Grund sind Entendaunen mit höherer Bauschkraft schwerer zu bekommen, weshalb in den meisten Daunenprodukten mit hoher Bauschkraft Gänsedaunen zum Einsatz kommen.[/SIZE][SIZE=12px]"

    Man sollte den Aussagen eines Herstellers von Daunenprodukten gegenüber immer auch ein Stück weit kritisch sein. Man kann hier aber sicher ablesen, dass hochwertige Entendaunen weniger häufig sind als gleich hochwertige Gänsedaunen. Dass Entendaunen günstiger sind als Gänsedaunen, dürfte deshalb in erster Linie für Daunen (tiefer und) mittlerer Qualität zutreffen, nicht unbedingt für Entendaunen von hoher Qualität.[/SIZE]

  • Locolibre gibt für seine Entendaune eine Bauschkraft von 800 cuin an. Gänsedaune geht teilweise sogar bis 900 cuin (siehe hier und hier).

    Allerdings sollte man hier beachten, dass die US-Norm für Fillpower grosszügiger ist als die EU-Norm:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Fill_power#Measurement
    http://www.trailspace.com/forums/gea...ics/90935.html

    Oder etwas vereinfacht ausgedrückt:
    "There are 2 fill power tests. They are Lorch (EU) and US. The US test returns a higher score for the same down sample. For US fill powers 800 and above then subtract 50 to get the Lorch result. For US Fill Powers below 800, subtract 25 to get the Lorch result. For fill powers below 600 no adjustment is needed. Warning - much detail has been glossed over in this summary, please read below."
    http://www.facewest.co.uk/Down-Fill-Power.html

    Vereinfachte Umrechnung:
    Fillpower ab 800 cuin aufwärts => minus 50 ergibt die Bauschkraft nach EN
    Fillpower unter 800 cuin => minus 25 ergibt den Wert nach EN
    Fillpower unter 600 cuin => keine Anpassung nötig

    Die Entendaune von Locolibre entspricht nach EN also "nur" etwa 750 cuin. Die angegebenen 900 cuin für Gänsedaune bei North Face und Locolibre entsprechen nach EN "nur" etwa 850 cuin.

  • Hier wird immer ausschliesslich von der Fillpower gesprochen. Aber es gibt ja noch eine andere Komponente, ich sag mal Grifffestigkeit dazu. Eine 700er Daune mit 10% Federn ist halt grifffester als eine 850er mit nur 5% Federn (da ist die gleiche Dauen drin, nur der Federanteil variiert). Deshalb habe ich für mein aktuelles Quilt-Projekt die 700er vorgezogen. Aber was ist nun mit Entendaunen? Wenn die mühsam 700er Fillpower erreichen, wie griffest ist das dann und wie hoch ist der Anteil Federn? Ich denke mal, da gibts dann doch Unterschiede. Ich werde auch Skeptisch, falls Hersteller die Entendaune auf einmal so hervorheben (was ich nur hier aus dem Thread rausgelesen aber nicht geprüft habe). Welche Eigeninteressen könnten da hinter stecken? Typischerweise Gewinnoptimierung, billig eingekaufte Entendaune teuer zu verkaufen.

    Noch ein Wort zu Kunstfaserfüllungen: Die wurden bei mir immer sehr schnell platt. Ausnahme ist bisher nur ein KuFaSack einer bekannten Nordgesichtmarke. Thru-Hiker laufen wahrscheinlich aber auch nicht zwei Jahre hintereinander mit dem selben KuFa-Quilt los. Da wird das Material zu sehr beansprucht.
    Das Problem mit Kunststoffkleidung, auch aus recyceltem Kunststoff, ist, dass sich ständig Fasern lösen und in die Umwelt und schliesslich in die Meere gelangen. Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/…n/muell-im-meer

    Bei allem Tierleid, für mich ist das ein Argument pro Daune. Mal abgesehen von der erheblich besseren Komprimierbarkeit, die mir in Grenzen sogar wichtiger ist als das Gewicht.

    • Offizieller Beitrag

    Mich würde interessieren, warum ihr fast alle Daunen für besser haltet als Kunstfaser.

    Waldläufer70 hat darauf ja schon geantwortet. Für mich ist Daune allen Synthetik-Produkten die ich bisher gesehen habe (leider!) haushoch überlegen. Synthetik ist vor allem dann ein Vorteil, wenn man nicht viel Isolierung braucht, sprich für Sommer-Quilts. Da ist ein Top Quilt bei gleicher Wärmeleistung sogar leichter. Leider ändert sich das sehr schnell, wenn man wärmere Ausrüstung braucht. Wenn ich meinen 25°F Daunenschlafsack und meinen 0°F Daunen-Underquilt durch Synthetik ersetzen würde, müsste ich locker mit 2kg mehr Gewicht rechnen. Und mein Rucksack wäre auch zu klein, d.h. es käme noch mehr Gewicht dazu.

    Dazu kommt, dass Daune einen wesentlich größeren Temperaturbereich abdeckt. Meinen 25°F Schlafsack kann ich zur Not auch bei 30°C verwenden. Das ist zwar nicht ideal, aber versuch das mal mit einem entsprechend warmen Synthetik-Schlafsack. Deshalb habe ich zu Hause auch 2 unterschiedlich dicke Synthetik-Bettdecken; eine für die wirklich heissen Sommernächte; eine für Frühjahr bis Herbst; und im Winter habe ich immer beide zusammen verwendet. Meinen Daunen-Schlafsack verwende ich fast das ganze Jahr über.

    Außerdem ist Kunstfaser viel pflegeleichter: einfach in die Waschmaschine und fertig.

    Daunenausrüstung KANN auch pflegeleicht sein. Der Grund warum sie es meist nicht ist, ist dass bei Daunenausrüstung der Fokus meist auf UL liegt. Wenn ich mich richtig erinnere ist mein ZPacks-Schlafsack aus einem 0.7oz Stoff genäht, und die Kammern sind aus noch leichterem Cuben Fiber. Zusammen mit der 900er Daune ergibt sich dadurch ein lächerliches Gesamtgewicht. Aber weil der Stoff so dünn ist, traue ich mich auch nicht, den Schlafsack in der Maschine zu waschen. Bei meinem Western Mountaineering Schlafsack habe ich keine solchen Hemmungen. Der war schon mehrfach bei 30° in der Waschmaschine und ich kann keine Schäden feststellen. Das Trocknen ist insofern etwas nervig, als dass ich keinen Trockner habe, der auch ohne Hitze läuft. So muss ich die Daunenklumpen halt immer wieder aufbrechen. Damit dauert das Trocknen natürlich länger als bei einer Synthetik-Decke.

    Aber wenn ich entscheiden muss, ob ich alle paar Monate (oder selbst Wochen) mal einen Tag mehr Zeit investieren muss, oder jeden Tag spürbar mehr Gewicht schleppen muss, weiss ich was mir wichtiger ist.

    Und die HM, die wir ja fast alle verwenden, sind auch reine Synthetik und keine Naturprodukte.

    Richtig, aber das hat mehr mit Reissfestigkeit, Verrottungsresistenz und natürlich Gewicht zu tun. Und es gibt ein paar Leute, die sich Hängematten aus Seide genäht haben und darauf schwören. Aber das ist halt teuer. In diesem Fall hat Synthetik deutlich mehr Vorteile.

    Bzgl. der Lebensdauer kann ich über meine Kunstfasersachen nur positiv reden

    Synthetik verliert recht schnell an Isoliervermögen. Solange man nicht an die Grenzen geht, fällt das vermutlich nicht so auf. Nutzen kann man die Ausrüstung natürlich weiterhin, aber sie ist dann einfach nicht mehr so warm wie am Anfang. Richtig gepflegte Daunenausrüstung verliert dagegen kaum an Effektivität. Da geht die Hülle wohl schneller kaputt.

    Ich habe im TV mal eine Sendung gesehen, wo sie Bettdecken aus Kunstfasern mit Federbetten verglichen haben, u.a. was die Hygiene angeht. Sie haben die Sachen gereinigt und geschaut, wie gut das geklappt hat und wie gut die Isolierung hinterher noch war. Ich habe hauptsächlich noch das Bild im Kopf, worauf man sieht, wie viel Exkremente und Schmutz von Milben u.a. noch an den Federn hing. Sah schon etwas eklig aus.

    Naja, da vergleichst du Äpfel mit Birnen. In einem halbwegs anständigen Daunenquilt wirst du a) keine bzw. nur wenige Federn finden und b) definitiv keine Exkremente oder Schmutz. Ehrlich gesagt sollte letzteres auch bei einem günstigen Federbett nicht der Fall sein. Da könnte man sicher auch eine Synthetik-Bettdecke finden, die voller Schadstoffe ist. Das klingt für mich etwas nach Propaganda von Organisationen wie PETA & Co.

    Milben sind im Übrigen auch in Synthetikbettdecken. Als Hausstauballergiker kann ich ein Lied davon singen. So oft kannst du keine Decke waschen, dass da nicht schon nach kurzem wieder Milben drin sitzen.

    Auf die Eiderentendaune habe ich schonmal hingewiesen. Sie ist die unangefochtene Königin der Bauschkraft (über 1000 cuin) und ihre Gewinnung ist ethisch unbedenklich (wird aus verlassenen Nestern gesammelt). Allerdings kostet dann die leichteste Decke mit 200 g Füllung bereits stolze 1695,- Euro, bei Winterdecken gehen die Preise rauf bis 10.000 Euro!

    [USER="14"]Mittagsfrost[/USER] hat vollkommen recht: am Ende ist alles eine Frage des Preises. Wenn wir bereit wären, 3000 anstatt 300 Euro für einen Quilt auszugeben, dann wäre die Sachlage ganz anders.

    Ach, für uns ist doch nur lose Eiderdaune interessant! Come on - 600€ für einen Eiderdaunenquilt ist doch nicht zuviel :)

  • Ich finde eure Diskussion zur Daune sehr interessant. Natürlich ist es eine Gewissenssache wo die Daunen von welchen Vögeln nun herkommen. Ich muss für meinen Teil allerdings sagen, dass ich seit ein paar Monaten von KuFa auf Daune wechsle, nicht nur weil sie Gewichtsvorteile mit sich bringt, das ist für mich eher nebensächlich. Daune ist für mich einfach komfortabler. Wie [USER="46"]TreeGirl[/USER] bereits geschrieben, hat Daune einen größeren Temperaturbereich, was letztendlich auch umwelttechnisch wieder einen Vorteil hat. Bei KuFa bräuchte ich, um über alle Jahreszeiten zu kommen 2 bis 3 UQ oder TQ. Bei Daune reicht eine bis zwei, je nachdem bis zu welchem Temperaturbereich man gehen möchte. Wenn man das nun als ganzes betrachtet ists für die Umwelt ggf. mit Daune besser (auch wenn Lebendrupf nicht ausgeschlossen werden kann), da mit weniger Materialeinsatz eine größerer Temperaturbereich abgedeckt werden kann, was zur Folge hat, dass weniger Ressourcen (Herstellung der Stoffe, KuFa, etc.) benötigt werden.

    So leid es mir für die Tiere tut, aber ich werde für meinen Teil bei Daune bleiben, auch wenn niemand garantieren kann, dass diese ggf. aus Lebendrupf stammen.

  • Hier wird immer ausschliesslich von der Fillpower gesprochen. Aber es gibt ja noch eine andere Komponente, ich sag mal Grifffestigkeit dazu. Eine 700er Daune mit 10% Federn ist halt grifffester als eine 850er mit nur 5% Federn (da ist die gleiche Dauen drin, nur der Federanteil variiert). Deshalb habe ich für mein aktuelles Quilt-Projekt die 700er vorgezogen. Aber was ist nun mit Entendaunen? Wenn die mühsam 700er Fillpower erreichen, wie griffest ist das dann und wie hoch ist der Anteil Federn? Ich denke mal, da gibts dann doch Unterschiede. Ich werde auch Skeptisch, falls Hersteller die Entendaune auf einmal so hervorheben (was ich nur hier aus dem Thread rausgelesen aber nicht geprüft habe). Welche Eigeninteressen könnten da hinter stecken? Typischerweise Gewinnoptimierung, billig eingekaufte Entendaune teuer zu verkaufen.

    Einfach zur Vermeidung von Missverständnissen:

    Die Fillpower und der Daunen-/Feder-Anteil sind zwei unterschiedliche Masse und sollten bei einer guten Qualität / Bezugsquelle beide angegeben sein:

    Beispiel Extremtextil:
    - 700 cuin, 90/10 (günstigere Qualität) => € 17,90 / 100g
    - 860 cuin, 95/5 (teurere Qualität) => € 27,90 / 100g

    Je höher die Bauschkraft (cuin) und der Daunenanteil (erste Zahl beim Bruch), desto teurer ist die Daune.

    Es kann gut sein, dass beim Beispiel von Extremtextil die höhere Bauschkraft bei der 860er-Daune allein durch die Reduktion des Federanteils zustande kommt. Grundsätzlich haben die beiden Angaben aber nur teilweise miteinander zu tun:

    a) Zwar führt die Reduktion des Federanteils immer zu einer höheren Bauschkraft => Es besteht ein Zusammenhang.
    b) Es gibt aber auch ganz unterschiedliche Fillpower (Bauschkraft) bei beispielsweise 90/10-Daune => In diesem Fall besteht kein Zusammenhang zwischen den beiden Angaben.

    Zu Punkt a): Das Aussortieren der Federn ist zeitaufwändig und macht das Produkt teurer. Meist geschieht es maschinell. Bei extrem hohen Werten wird von Hand sortiert, dann wird es sehr teuer.

    Zu Punkt b): Hier kommt der Unterschied durch die unterschiedliche Qualität und Herkunft der Daune zustande: Ente oder Gans? Zucht aus kalter oder gemässigter Klimaregion? Alter der Tiere?

    Für den Vergleich der Qualität muss man beide Werte (Bauschkraft und Daunen-Feder-Verhältnis) betrachten und vergleichen und dabei a) und b) vor Augen haben.

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