Video: Zugkräfte von Hängematten in der Praxis gemessen

  • Angestachelt durch verschiedene Beiträge zum Thema Zugkräfte, defekte Karabiner und den Wunsch zu wissen, welche Belastungen denn nun wirklich auf das Material einwirken, habe ich mich mal nach draussen begeben um mit Hilfe einer Hängewaage die tatsächlichen Kräfte in der Praxis zu erfassen. Das Ganze habe ich gefilmt und auf Youtube online gestellt.


    Der Hammock-Calculator und, wie ich leider erst heute gesehen habe, der Rechner von [USER="153"]Waldläufer70[/USER] (danke dafür!), lassen ja bereits erahnen mit was wir es hier zu tun haben. Leider werden aber nicht dynamisch auftretende Kräfte bei den Berechnungen erfaßt, bzw. lassen sich nicht abelesen. Ich hoffe, dass ich mit dem Video eine Lücke füllen kann, wenn auch nicht so wissenschaftlich...


    Viel Spaß!
    C.


    https://youtu.be/DRWjw83-rn0

    "Six by nine. Forty two."
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    "I always thought something was fundamentally wrong with the universe"

  • Hallo [USER="17"]dendronaut[/USER], vielen Dank für dieses sehr informative Video. Mir geht es wie [USER="14"]Mittagsfrost[/USER]. Was hilft es, mit diversen Berechnungswerkzeugen einen theoretischen Wert zu ermitteln, wenn man die Dynamik außer acht lässt.


    Wirklich sehr, sehr gut.

  • Danke für das Video!


    Dynamische Lasten werden immer unterschätzt.
    Über 170kg beim Drehen in der HM bei einem Gewicht von 110kg.
    Ich hab noch mein Gepäck drunter hängen...


    Darf das Video geteilt werden wenn es um die leidige Paracord Aufhängungsdiskussion geht?

  • Danke [USER="17"]dendronaut[/USER] für dein Video. Das ist eine sehr anschauliche Ergänzung zu den nicht-dynamischen Hängematten-Rechnern.


    Spannend finde ich zuerst einmal den Vergleich der Ruhewerte:

    • 110kg bei Hängewinkel 25°: Rechner zeigt 130kg, Hängewaage zeigt 132kg. Theorie und Praxis stimmen überein.
    • 110kg bei Hängewinkel 20°: Rechner zeigt 161kg, Hängewaage zeigt 147kg. Weshalb so wenig? Waren die beiden Aufhängungen gleich lang? War der Hängewinkel beidseitig der Hängematte 20°? Lagst du in der Matte am gleichen Ort wie beim Hängewinkel von 25°? Der tiefe Wert in der Ruheposition irritiert mich.

    Interessant ist natürlich auch die Beobachtung der dynamischen Elemente deines Tests. Ich hätte durchaus erwartet, dass da schnell einmal Schwankungen um die 40kg vorkommen. Man muss nur mal schauen, wie stark sich ein Auto kurzfristig senkt, wenn man sich hineinsetzt. Die Belastungen bleiben im Test hier aber alle noch in einem Bereich, der für sorgfältig ausgewähltes Material kein Problem darstellt. Problematisch wird es (respektive würde es), wenn man sich wirklich in die Matte fallen lassen, in ihr herumhüpfen oder (zusätzlich) den Hängewinkel weiter reduzieren würde. Da würde ich bei gleichem Aufbau viel höhere Spitzenwerte erwarten (300kg, 400kg, 500kg?), Werte jedenfalls, die das Material auf eine Harte Probe stellen würden und tatsächlich zum Reissen des Stoffes oder dem Überschreiten der Bruchlast der Aufhängung führen könnten. Wenn man sich zudem vor Augen führt, dass die Bruchlast mit zunehmender Nutzung und Alterung des Materials abnimmt, lernt man aus deinem Video, dass man sich in der Matte besser nicht zu wild aufführt. Aber bei Bewegungen im "normalen Bereich" besteht kein Grund zur Sorge. Wichtig ist einfach, die Ausrüstung regelmässig auf Abnutzung und andere Alterungserscheinungen zu untersuchen, älteres Material im Zweifelsfall auch mal zu ersetzen.


    Danke für den Test! :)

  • Wäre übrigens schwierig (und wohl auch absurd), die dynamischen Kräfte in einen Hängematten-Rechner zu integrieren. Mal abgesehen davon, dass es dazu hochkomplexe Formeln bräuchte, die zudem noch von der Art der Bewegung (und der Art der Hängematte) abhängen, müsste man bei den Parametern noch den "Zappel-Index" eingeben: Nicht alle Menschen bewegen sich (im Schlaf) gleich!


    Ich hatte in Spanien auf dem Jakobsweg mal einen grossen und kräftigen Australier über mir im Etagenbett. Der hat sich die halbe Nacht immer wieder mit sehr ruckartigen Bewegungen umgedreht. An Schlaf war da kaum zu denken, zumal ich immer Angst hatte, die obere Etage würde nächstens auf mich herunterfallen. Hätte er weichere Bewegungen gemacht, wäre es für mich wohl angenehmer gewesen.


    Ich denke, ein statischer Hängematten-Rechner ist eine gute Basis, um die Grundlagen zu verstehen, und gibt einen ersten Eindruck der wirkenden Belastungen. Man muss sich einfach klar machen, dass nur schon leichte Bewegungen das elastische System in "Schwingung" versetzen und bei den Belastungen schnell einmal das halbe Körpergewicht (respektive rund 50% der Ruhebelastung) dazukommt, selbst wenn man glaubt, sich in der Hängematte doch eigentlich ganz ruhig zu verhalten.

  • Danke [USER="17"]dendronaut[/USER] für dein Video. Das ist eine sehr anschauliche Ergänzung zu den nicht-dynamischen Hängematten-Rechnern.


    Spannend finde ich zuerst einmal den Vergleich der Ruhewerte:

    • 110kg bei Hängewinkel 25°: Rechner zeigt 130kg, Hängewaage zeigt 132kg. Theorie und Praxis stimmen überein.
    • 110kg bei Hängewinkel 20°: Rechner zeigt 161kg, Hängewaage zeigt 147kg. Weshalb so wenig? Waren die beiden Aufhängungen gleich lang? War der Hängewinkel beidseitig der Hängematte 20°? Lagst du in der Matte am gleichen Ort wie beim Hängewinkel von 25°? Der tiefe Wert in der Ruheposition irritiert mich.


    Also, ich habe versucht die WInkel immer auf beiden Seiten gleich einzustellen. Natürlich kann ich unmöglich Abweichungen ausschließen, waren ja keine Laborbedingungen. Aber ich habe die Winkel so oft korrigiert, bis ich zufrieden war.



    Quote


    Interessant ist natürlich auch die Beobachtung der dynamischen Elemente deines Tests. Ich hätte durchaus erwartet, dass da schnell einmal Schwankungen um die 40kg vorkommen.

    Dito. Und das, obwohl ich mich heftiger gedreht habe als ich es normalerweise tue. Dort wo die Waage eingebaut war, bestand die Aufhängung praktisch zu 100% aus Dyneema, die fast kein Reck hat. Ich gehe davon aus, dass die Kraft direkt zu Waage weitergeleitet wurde.



    Quote


    Man muss nur mal schauen, wie stark sich ein Auto kurzfristig senkt, wenn man sich hineinsetzt. Die Belastungen bleiben im Test hier aber alle noch in einem Bereich, der für sorgfältig ausgewähltes Material kein Problem darstellt. Problematisch wird es (respektive würde es), wenn man sich wirklich in die Matte fallen lassen, in ihr herumhüpfen oder (zusätzlich) den Hängewinkel weiter reduzieren würde. Da würde ich bei gleichem Aufbau viel höhere Spitzenwerte erwarten (300kg, 400kg, 500kg?), Werte jedenfalls, die das Material auf eine Harte Probe stellen würden und tatsächlich zum Reissen des Stoffes oder dem Überschreiten der Bruchlast der Aufhängung führen könnten. Wenn man sich zudem vor Augen führt, dass die Bruchlast mit zunehmender Nutzung und Alterung des Materials abnimmt, lernt man aus deinem Video, dass man sich in der Matte besser nicht zu wild aufführt. Aber bei Bewegungen im "normalen Bereich" besteht kein Grund zur Sorge. Wichtig ist einfach, die Ausrüstung regelmässig auf Abnutzung und andere Alterungserscheinungen zu untersuchen, älteres Material im Zweifelsfall auch mal zu ersetzen.


    Danke für den Test! :)


    Spätestens durch so einen Test wird man daran erinnert, mit seiner Ausrüstung sorgfältig umzugehen :tongue:

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  • Sehr gut, auf des -do- Video hab ich schon wie lang gewartet ?
    Interessant fänd ich noch die anderen Winkel (ja, ich weiss - aber ich wills mal gesehen haben) und die Frage: Wie schlimm kann es 'maximal' werden bei regelrechter Akrobatik in der Matte.

  • Danke für das Video, ein wirklich cooles Experiment! Eventuell würde ich das mal nachmachen, wenn du nichts dagegen hast. Ich möchte in meinem Hängemattenrechner gerne auch dynamische Effekte berücksichtigen und überlege aktuell an einer sinnvollen Annahme. Dabei hilft mir dein Video auf jeden Fall enorm weiter. Aber für eine rein rechnerische Lösung ist die dynamische Belastung einer Hängematte leider zu komplex. Es wird wahrscheinlich bei mir auf eine Art Sicherheitsfaktor hinauslaufen, mit dem der statische Wert multipliziert wird...

  • Quote

    Also, ich habe versucht die Winkel immer auf beiden Seiten gleich einzustellen. Natürlich kann ich unmöglich Abweichungen ausschließen, waren ja keine Laborbedingungen. Aber ich habe die Winkel so oft korrigiert, bis ich zufrieden war.


    Danke für deine Rückmeldung [USER="17"]dendronaut[/USER]. Amsteel Blue weist eine Dehnung von 0,96% bei 30% der Bruchkraft auf. Bei den recht langen Seilen einer Bridge Hammock kommen da - auf beiden Seiten der Hängematte zusammen - schnell einmal 2cm bis 3cm Reck zusammen. Insbesondere die Hängematte selbst ist auch ziemlich dehnbar. Das hat zur Folge, dass der Aufhängewinkel immer steiler und damit die Belastung geringer wird, wenn du dich in die Hängematte setzt oder legst.


    Natürlich ist dieser Effekt umso ausgeprägter, je mehr Gewicht du auf die Waage bringst, dehnt sich das Material ja mehr oder weniger linear zur Belastung.


    Auch der Aufhängewinkel hat Einfluss auf diesen Effekt: Je flacher die Hängematte aufgehängt wird, desto mehr tritt dieser Effekt aufgrund der höheren Belastung ein. Allenfalls könnte das eine Erklärung dafür sein, weshalb beim flacheren Aufhängewinkel von 20° die Belastung der Aufhängung deutlich tiefer ausfällt, als der Hängematten-Rechner sie angibt. Der Winkel dürfte messbar grösser werden, wenn du dich in die Hängematte setzt oder legst.


    Die gemessenen 147kg Belastung bei einem Körpergewicht von 110kg beim Aufhänge-Winkel von 20° entsprechen der Belastung bei effektiven 22°. Das scheint mir aufgrund des Dargelegten durchaus realistisch.

  • Klasse, dass hier so viele gute Gedanken entstehen!


    Quote


    Die gemessenen 147kg Belastung bei einem Körpergewicht von 110kg beim Aufhänge-Winkel von 20° entsprechen der Belastung bei effektiven 22°. Das scheint mir aufgrund des Dargelegten durchaus realistisch.


    Ja, das wird wohl die Abweichung erklären. Und 2° Differenz beim Messen sind schnell erreicht. Interessant wieviel das ausmacht, oder?


    Die Winkelregel ist für mich vorallem eine gute Orientierung beim Aufbau, dadurch habe ich jedesmal dieselbe Ausgangssituation. Auch wenn ich es schon immer merkwürdig fand, dass es nirgendwo einen HInweis darüber gibt, ob der WInkel im besetzen oder im leeren Zustand der Matte erreicht werden soll. Aber dass sich der Winkel nach dem Hineinsetzten wieder ändert kann man ja hinnehmen, solange es bequem ist.


    Ich habe festgestellt, dass ich in der Gathered End Matte am bequemsten liege, wenn die Aufhängung und der Stoff eine Linie bilden und nicht abgeknickt werden, also den selben WInkel haben. Das klappt bei meinem Gewicht mit den 30° (leere Matte) schon ganz gut. Bei der Bridge bin ich toleranter und habe nichts gegen Winkel von 20° bis sogar 30° (tendiere in letzter Zeit mehr und mehr zu steileren WInkeln)

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  • [USER="17"]dendronaut[/USER] hat festgestellt, dass kaum irgendwo ein Hinweis zu finden ist, ob der für Gathered-End-Hängematten empfohlene Winkel von 30° aus der Horizontalen für den Aufbau der Hängematte oder für die belastete Hängematte gilt.


    Wie ist also der «ideale Hängewinkel von 30°» zu verstehen? Gilt er für den Aufbau der Hängematte oder für die belastete Hängematte (Sitzen oder Liegen in der Hängematte)?


    Aus praktischen Gründen muss man davon ausgehen, dass man den Hängewinkel einstellt, bevor man sich in die Hängematte setzt oder sich in ihr zur Ruhe legt. Liegt man erst mal gemütlich in der Matte, so wird ein nachträgliches Anpassen schwierig. ;)


    In der Praxis ist es ja so, dass sich der Hängewinkel aufgrund der Elastizität der Aufhängung und vor allem der Hängematte selbst immer etwas vergrössert, sobald man sich in die Hängematte setzt oder sich in sie legt. Die tatsächliche Ruhebelastung des Materials fällt somit immer etwas geringer aus, als ein statischer Hängematten-Rechner sie angibt.


    Wollte man erreichen, dass man bei einem Hängewinkel von 30° in der Hängematte liegt, müsste man beim Aufhängen derselben - je nach eigenem Körpergewicht und verwendeten Materialien - ein oder zwei Grad stärker spannen (28° bis 29°), um dann unter Belastung bei den 30° zu landen.


    Nun bin ich zum Glück bei Derek Hansen fündig geworden und wir können wieder ruhig schlafen: Wie nicht anders zu erwarten, gelten die 30° als Anhaltspunkt für den Aufbau der Hängematte.


    Hier die Stelle von Derek Hansens Website, die ich gefunden habe (siehe Kommentare unter dem Artikel):



    Frei übersetzt:
    F: Soll die Aufhängung vor oder nach dem Einstieg in die Hängematte 30° aus der Horizontalen aufweisen?
    A: Davor. Alle Hängematten dehnen sich und hängen dann noch etwas mehr durch, wenn Gewicht auf sie einwirkt (...)

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