Finnskogleden im Oktober 2024

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • In der zweiten Oktoberhälfte 2024 bin ich den Finnskogleden gelaufen. Nach einer Tourbeschreibung folgen noch einige Infos zur Vorbereitung, der Strecke selbst und meiner Ausrüstung. An dieser Stelle möchte ich mich jetzt schon bei allen (aus diesem und dem blauen UL- Forum) bedanken, die mir bei der Planung geholfen haben.

    DER FINNSKOGLEDEN – Ein Tourbericht

    Die Anreise

    Es ist kurz vor 18 Uhr, als ich aus dem Bus der Linie 120 an der Haltestelle Morokulien aussteige. Das Tageslicht schwindet bereits, als ich mich auf die Suche nach dem Trailhead des Finnskogleden mache. Hier beginnt der 240 Kilometer lange Wanderweg, den ich in den kommenden neun Tagen gehen will.

    Hinter mir liegt eine knapp 18-stündige Anreise mit Bus und Bahn. Ein echtes Highlight war der Moment, als ich kurz hinter Arvika einen weißen Elch aus dem Zugfenster sah. Der Anblick kam mir so surreal vor, dass ich mich noch immer frage, ob es vielleicht ein Kunstobjekt gewesen sein könnte.

    Im Internet habe ich gelesen, dass Morokulien ein etwa sechs Hektar großes Gebiet ist, das zur Hälfte zu Schweden und zur Hälfte zu Norwegen gehört. 1914 wurde hier, zum 100-jährigen Jubiläum des Friedens zwischen beiden Ländern, ein Granitmonument errichtet, das ihre Einheit und Freundschaft symbolisiert. Seitdem wird dieser Ort auch als „Platz des Friedens“ bezeichnet. Morokulien, so lerne ich dabei, ist ein schwedisch-norwegisches (Svorsk) Kofferwort, das aus dem norwegischen Wort moro und dem schwedischen Wort kul besteht – beide bedeuten „Spaß“.

    Der Gedanke gefällt mir, und ich freue mich, dass mein Weg hier beginnt. Tatsächlich verläuft der Weg entlang und immer wieder auch direkt auf der Grenze zwischen den beiden Ländern.

    Bis die Dunkelheit vollständig hereinbricht, nehme ich mir vor, noch einige Kilometer zu gehen. Da die Temperatur nur knapp über 0 °C liegt, sehe ich zu, dass ich in Bewegung komme.

    Irgendwann biege ich dann rechts ab und suche mir zwei passende Bäume für meine Hängematte. Von der Fahrt habe ich noch ein Brötchen und ein paar kaltgeräucherte, luftgetrocknete Würstchen eines großen Discounters übrig. Außerdem habe ich mir für diesen Moment noch eine Dose ASTRA in St.Pauli-braun mitgebracht – die letzte für die kommenden zehn Tage.

  • Der erste Tag (Dienstag, der 15. Oktober 2024)

    Ich schlafe gut, und als ich aufwache, ist alles um mich herum weiß gefroren. Das Thermometer zeigt frostige -4 °C, und der Himmel strahlt in klarem Blau. Zum ersten Mal habe ich in meinem neuen, dicken Daunenschlafsack geschlafen – ein echter Panikkauf, da ich unsicher war, wie gut mein Daunenquilt die feuchte, kalte Nachtluft verträgt. Wäre da nicht der erhebliche Preisnachlass von 50 % gewesen, wäre ich trotzdem mit dem Quilt losgestiefelt. Laut meinen Recherchen fallen die Temperaturen hier im Oktober nur selten unter -6 °C. Mit einer Komforttemperatur von -15 °C des Schlafsacks bin ich also auf der sicheren Seite. Tatsächlich würde der Schlafsack in den kommenden Nächten manchmal sogar zu warm sein.

    Ich packe zusammen und brauche am Ende fast eine Dreiviertelstunde, bis ich endlich startklar bin. In den nächsten Tagen wird es schneller gehen, wenn ich eine feste Routine entwickelt habe. Außerdem werde ich von Tag zu Tag weniger einzupacken haben, da ich mein gesamtes Essen für die lange Tour bereits dabei habe – unsupported nennt man das, glaube ich. Das liegt jedoch vor allem daran, dass es auf dem gesamten Weg keine Einkaufsmöglichkeiten gibt.

    Essen werde ich später, wenn ich mich warm gelaufen habe. Für den Moment reicht ein halber Müsliriegel. So will ich es auch in den kommenden Tagen handhaben: Morgens einen schnellen Riegel, mittags dann Porridge als spätes Frühstück und abends eine warme Mahlzeit.

    Die herbstliche Färbung leuchtet wunderschön im klaren Sonnenlicht. Ich erinnere mich: Das ist einer der Gründe, warum ich das kühle, klare Skandinavien im Herbst so liebe. Kurze Zeit später komme ich an einem spiegelglatten See vorbei, über dem noch der dichte Nachtnebel schwebt, der langsam durch die Strahlen der aufgehenden Sonne vertrieben wird. Ich bin zutiefst dankbar für diesen magischen Moment.

    Ich komme gut voran, auch wenn ich meine Kilometer nicht so genau zähle. Dennoch habe ich mir vorgenommen, mich in den ersten beiden Tagen etwas zu bremsen. Ich kenne mich inzwischen: Zu Beginn einer Tour bin ich so voller Vorfreude und Adrenalin, dass ich länger und schneller gehe, als es meinen Muskeln und Sehnen gut tut. In ein paar Tagen darf es dann gerne mehr werden. Doch wenn ich es jetzt übertreibe, muss ich die Tour womöglich noch frühzeitig abbrechen.

    Unterwegs komme ich über eine schmale Brücke, und als ich ins Wasser blicke, sehe ich dort ein verendetes Reh liegen. Vermutlich ist es auf der glitschigen Brücke ausgerutscht und dann unglücklich gestürzt. Die Brücke ist tatsächlich sehr rutschig. Ich lasse das Tier dort liegen und gehe mit einem mulmigen Gefühl weiter. Wie immer in den menschenleeren Weiten Skandinaviens trinke ich direkt aus den Flüssen und Seen, ohne das Wasser zu filtern. Nur in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft verzichte ich darauf und hole mir mein Wasser dann lieber von Friedhöfen oder frage an den Haustüren nach.

    Gegen 17 Uhr erreiche ich eine wunderschön gelegene Windschutzhütte. Ohne zu zögern, beschließe ich hier zu bleiben. In einer guten Stunde wird es ohnehin dunkel. Ich suche mir also zwei Bäume und koche mein Abendessen. Nach dem Abwaschen will ich mich noch nicht sofort hinlegen; die Nacht wird ohnehin lang, und außerdem geht gerade der Vollmond auf. Kurz nach 19 Uhr klettere ich dann aber doch glücklich und erschöpft in meine Hängematte.

    Der Mond geht langsam auf:

  • Der zweite Tag (Mittwoch, der 16. Oktober 2024)

    Als ich gegen 7:30 Uhr aufwache, liegt dichter Nebel über der Landschaft, und das Thermometer zeigt frische 3 °C. Ich stehe auf, packe meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Immer wieder führt der Pfad an ruhigen Seen vorbei, häufiger jedoch durch feuchte, sumpfige Abschnitte. Die Entscheidung, meine Lundhags Forrest-Stiefel mitzunehmen, erweist sich als goldrichtig. Trotzdem werden meine Füße im Laufe des Tages feucht – ein Zustand, der sich auch in den kommenden Tagen kaum bessern wird. Nachts stecke ich die Socken zwischen Hängematte und Underquilt, damit sie bis zum Morgen trocknen. Am nächsten Tag dann dauert meist nur kurz, bis sie wieder klamm werden. Vier, fünf Tage später beginne ich dann, zur Mittagszeit die Socken zu wechseln, um wenigstens ein paar Stunden mit trockenen Füßen weiterlaufen zu können. Innerlich notiere ich mir: Dünne Socken trocknen über Nacht vollständig, dicke Socken nicht. Fazit: Beim nächsten Mal besser zwei Paar dünne Socken einpacken statt eines dicken Paares. Und das Wachs für die Stiefel sollte auch in den Rucksack.

    Auch heute komme ich zügig voran. Gegen halb zehn treffe ich in Mitandersfors auf zwei Handwerker und erzähle ihnen von dem toten Reh im Fluss. Ich frage, ob sie jemanden kennen, der jagen geht und sich darum kümmern könnte. Doch sie winken ab und erklären mir, dass der Fluss das tote Wild bald wegspülen werde. „Genau das ist ja meine Sorge“, denke ich.

    Leave no trace auf schwedisch:

    Immer wieder komme ich an verlassenen, verfallenen Häusern vorbei – manche sind nur noch ein Haufen Steine, während andere noch als kleine, historische Gehöfte an vergangene Zeiten erinnern.

    Eines dieser Gehöfte liegt auf halbem Weg zwischen Lebiko und Abborhøgda. Hier steht auch eine Hütte, die kostenlos von Wanderern genutzt werden kann (60°9'40" N 12°28'16" E).

    Der Trail Finnskogleden verdankt seinen Namen den Finnen, die hier seit dem 17. Jahrhundert siedelten. Diese Siedler stammten ursprünglich aus der Region Savonia in Ostfinnland und wurden oft als Waldfinnen oder „Svedjefinnar“ (Brandrodungsfinnen) bezeichnet, da sie die damals verbreitete Technik der Brandrodung nutzten, um Waldflächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

    Ihr Hauptgrund für die Auswanderung lag in den schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in Finnland, das damals unter schwedischer Herrschaft stand. Die finnischen Bauern litten dort unter schlechten Ernten, steigenden Steuern und dem starken Druck der schwedischen Krone, was viele zur Auswanderung bewegte. Schweden hingegen förderte die Ansiedlung in den dünn besiedelten Grenzregionen, um die Grenze zu Norwegen (das damals in Personalunion mit Dänemark stand) zu sichern und die Region wirtschaftlich zu beleben.

    Bis heute ist die Region Finnskogen, die sich entlang der Grenze zwischen Norwegen und Schweden erstreckt, ein kulturell und historisch bedeutendes Gebiet, das die Spuren dieser finnischen Einwanderer bewahrt. „Skog“ bedeutet „Wald“ und „Leden“ „Weg“.

    Als ich in Abborhøgda ankomme, beschließe ich, hier zu übernachten. Ein Brunnen und ein einfaches Plumsklo sind ebenfalls vorhanden. Hier steht eigentlich eine Hütte, die vom Norwegischen Wanderverein (DNT) betreut wird. Im Vorfeld hatte ich erfahren, dass Mitglieder einen Universalschlüssel gegen Kaution erhalten können, der Zugang zu diesen Hütten gewährt (aktzeptiert werden auch Mitglieder des Schwedischen Tourismusvereins (Svenska Turistföreningen, STF)). Manche der Hütten werden im Sommer sogar bewirtschaftet. Für Notfälle hatte ich mir daher einen solchen Schlüssel besorgt, doch diese Hütte scheint geschlossen zu sein.

    Ich finde jedoch zwei passende Bäume am Rand des Geländes, koche mein Abendessen und gehe dann bald schlafen.

  • Der dritte Tag (Donnerstag, der 17. Oktober 2024)

    Langsam beginne ich, eine Routine beim Einpacken zu entwickeln, und werde immer schneller. Heute liegt ein leichter Nebel über der Landschaft und begleitet mich auch an den nächsten Tagen.

    Ich merke, dass mein Rucksack jeden Tag etwa 700 g leichter wird. Für jeden Wandertag habe ich einen Müsliriegel (125 g), drei Kaminwurzerl, zwei gute Handvoll Studentenfutter, rund 130 g Porridge für das Mittagessen und etwa 200 g Abendbrot eingeplant. Mit den 1,5 Litern Wasser wiegen meine Lebensmittel rund 8,5 kg. Auch der Spiritusvorrat schrumpft Tag für Tag. Wasser fülle ich bei Bedarf entlang des Weges nach.

    Kurz vor 13 Uhr erreiche ich den Fluss Rotna. Ich erinnere mich, in einem anderen Bericht gelesen zu haben, dass die Brücke, die über den Fluss führt, im Frühjahr vom Hochwasser weggerissen worden sein muss. Oben an der Straße steht inzwischen sogar ein Warnschild, bevor man zum Fluss hinuntergeht. Zuerst überlege ich, ob ich den Fluss einfach durchqueren sollte, entscheide mich dann aber doch für den etwa 5 km langen Umweg. „Falls ich mir hier die Füße verletze, könnte die Tour schnell vorbei sein“, denke ich mir. Wäre ich gegen Ende der Tour, hätte ich es wohl riskiert, aber nicht am dritten Tag.

    Also gehe ich das kurze Stück zurück und nehme den Umweg in Kauf. Da der Weg an einer Straße entlangführt, brauche ich dafür kaum eine Stunde. Außerdem fühlt es sich gut an, endlich etwas Strecke machen zu können.

    Auch heute wandere ich meist auf schmalen Pfaden durch den dichten Wald, manchmal kaum mehr als einfache Wildwechsel. Wo der Weg den Wald verlässt, geht es täglich mehrmals durch sumpfige Abschnitte – insgesamt eine anspruchsvolle Strecke. Es gibt auch einige Passagen auf Wirtschaftswegen, aber sie sind eher die Ausnahme.

    Typisch für diesen Trail ist, dass er immer wieder direkt auf dem Grenzstreifen zwischen Norwegen und Schweden verläuft. Oft sind das die anstrengendsten Abschnitte. Als die Norweger und Schweden die Grenze festlegten, haben die Planer auf der Landkarte einfach die Berggipfel mit geraden Linien verbunden. Wenn der Finnskogleden also dem Grenzverlauf folgt, führt er meist erst steil hinauf auf einen Gipfel, dann wieder hinunter durch sumpfiges Gelände, nur um direkt darauf den nächsten Berg zu erklimmen – und so weiter.

    An diesem Abend hänge ich meine Hängematte am Ufer des Sees „Nyckelvattnet“ auf, was wohl so viel wie „Schlüsselwasser“ bedeutet. Tatsächlich: Betrachtet man die Form des Sees aus der Luft, sieht sein Umriss aus wie ein Türschloss.

  • Der vierte Tag (Freitag, der 18. Oktober 2024)

    Als ich aufwache, hat sich der Nebel nur leicht verzogen – und das auch nur, um bald wieder zurückzukehren. Morgen ist Halbzeit, aber im Moment bin ich mir unsicher, ob ich den Weg tatsächlich in neun Tagen schaffen werde oder ob ich doch meinen Reservetag einsetzen muss. Nun, das wird sich zeigen, da ich nicht absehen kann, wie die Wegbeschaffenheit in den nächsten Abschnitten sein wird.

    Die Landschaft um mich herum wiederholt sich stetig: dichter Wald, einsame Übernachtungshütten, sumpfige Abschnitte, verfallene Gebäude, glitzernde Seen sowie kleine und größere Flüsse. Oft ist das Wasser in den Seen, aber vor allem in den Bächen und kleineren Flüssen, moorig braun. Manchmal bilden sich große Schaumwolken, fast so, als hätte jemand versehentlich zu viel Seife ins Wasser gekippt. Giftig ist das wohl nicht, aber besonders appetitlich sieht es auch nicht aus. Meist finde ich jedoch einen Brunnen; falls nicht, suche ich mir einen kleinen Bach, dessen Wasser klarer erscheint. Wasser gibt es hier ja im Überfluss.

    Immer wieder entdecke ich Erklärungstafeln, die vom früheren Leben der Menschen erzählen, die einst in dieser rauen Gegend lebten. So stoße ich auf ein Schild, das berichtet, dass hier einst Anna Johansson von Skraltbraten lebte. Sie ging als Missionarin nach China und wurde dort im Jahr 1900 im Alter von 33 Jahren gesteinigt. Zuvor war sie nach England gereist, um dort die chinesische Sprache zu lernen. Ihr Schicksal beschäftigt mich noch viele Kilometer lang, und ich frage mich, wie es wohl damals für sie gewesen sein mag, als Frau erst nach England und dann nach China zu reisen. Und wie kam es dann dazu, dass sie gesteinigt wurde? Jedenfalls spüre ich, dass ich Menschen bewundere, die so intensiv für ihre Glaubensüberzeugungen leben und sogar ihr Leben dafür opfern.

    Gegen 16:30 Uhr erreiche ich Abbortjärnsberg, einen alten Finnenhof. Zelten ist hier offiziell verboten, doch es ist gestattet, im ehemaligen Wohnhaus kostenlos zu übernachten. Wer länger als eine Nacht bleiben möchte, kann dies offenbar auch, muss jedoch zuvor telefonisch das OK holen.

    Fasziniert betrachte ich die Gebäude, die originalgetreu wiederaufgebaut wurden. Wenn ich die Bauweise richtig verstehe, werden die Dächer zunächst mit Brettern bedeckt. Darauf kommt eine Schicht Birkenrinde, um das Dach wasserdicht zu machen, und darüber liegen dann Fichtenstämme. Damit der Wind das Dach nicht bei erstbester Gelegenheit wieder abdeckt, sind an den Seiten halbrunde, gebogene Stöcker angebracht, die mit großen Steinen beschwert werden.

    Da ich weit und breit allein bin und nicht mit Zelt, sondern mit Hängematte unterwegs bin, entscheide ich mich zu bleiben und suche mir einen schönen Platz zwischen zwei knorrigen Birken. In dieser Nacht beginnt es zu regnen. Richtig nervig wird es jedoch erst, als der Regen aufhört, denn nun platschen dicke Tropfen in unregelmäßigen Abständen auf mein Tarp.

  • Der fünfte Tag (Samstag, der 19. Oktober 2024)

    An diesem Morgen „verschlafe“ ich und komme erst gegen 9:15 Uhr los. Ob heute Halbzeit ist? Wieder liegt dichter Nebel über allem, und langsam nervt es ein wenig. Dabei schätze ich normalerweise diese mystische, fast magische Stimmung, wenn man sich wie durch einen Schleier bewegt.

    Inzwischen sind meine Stiefel dauerhaft feucht, und ich spüre die Nässe bei jedem Schritt. Irgendwann höre ich vor mir das Bellen eines Hundes und eine fröhliche Kinderstimme. Wenig später hole ich eine Jägerin ein, die mit ihrem vielleicht fünfjährigen Sohn unterwegs ist. Über ihrer Schulter hängt ein Gewehr, dessen Kammergriffkugel eine auffällige, neonpinke Schutzhülle ziert. Wir kommen ins Gespräch, und sie fragt mich, ob ich einen Hund gesehen hätte. Ich verneine, und sie erklärt, dass er noch jung sei und sie ihn gerade trainiere. „Gute Idee“, denke ich mir schmunzelnd.

    Wir plaudern eine Weile, und weil es sowieso Zeit für eine Mittagspause ist, frage ich sie nach einem möglichen Unterstand in der Nähe. Sie erzählt mir, dass etwa 300 Meter weiter oben am Weg ein großer Unterstand sei, den ich nutzen könne. Bevor wir uns verabschieden, füllt sie mir im nahegelegenen Vereinsheim der örtlichen Jäger meine Wasserflasche auf. Hier wird mir bewusst, wie viele Norweger und Schweden wohl jagen. Und auch auf meinem weiteren Weg entdecke ich immer wieder Metallgitter auf den Grundstücken – oft mit mobilen Hundezwingern direkt daneben. Vermutlich werden die Gitter verwendet, um das erlegte Wild zu sichern, während die Hunde daneben wachen und verhindern, dass sich nachts Füchse oder Wölfe bedienen.

    Am Unterstand angekommen, mache ich mir mein Porridge und koche danach noch einen kräftigen Kaffee, bevor ich weiterziehe. Eine schöne Routine: Nach dem Porridge gibt es jeden Tag eine heiße Tasse Kaffee.

    Elchspuren und Elchlosung habe ich die letzten Tage oft gesehen, aber die großen Abdrücke hier kann ich nicht eindeutig zuordnen.

    Als es bereits zu dämmern beginnt, erreiche ich das kleine Örtchen Röjden. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt mir, dass der Weg die nächsten Kilometer der Straße folgt. Spontan beschließe ich, vom Weg abzuweichen und die Nacht an einem unspektakulären Platz zu verbringen. Und irgendwie gehört das auch zu einer solchen Tour: Manchmal findet man einen wirklich traumhaften Platz, und manchmal ist man einfach nur froh, einen Ort zu haben, der schlicht und einfach funktioniert.

  • Der sechste Tag (Sonntag, der 20. Oktober 2024)

    Und wieder ist es neblig und grau. Immerhin kann ich noch im Trockenen einpacken, bevor leichter Regen einsetzt. Temperaturmäßig war es in den letzten Tagen zwischen 4 und 11 Grad Celsius. Eigentlich zu warm für Ende Oktober.

    Landschaftlich wiederholt sich auch vieles. In meiner Erinnerung ist dieser Tag der anstrengendste, da der Weg mich wieder ein ganzes Stück entlang des Grenzstreifens führt. Und dieser Grenzstreifen führt mich direkt auf den Elgklinten, einen Berg, der 643 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

    Die Seite finnskogleden.com schreibt dazu:
    „Elgklinten (643 Meter über dem Meeresspiegel) liegt am Finnskogleden und ist der höchste Punkt der Gemeinde Åsnes. Von Elgklinten aus hat man einen fantastischen Blick auf den Finnskogen. Das macht ihn zu einem idealen Ort, um sich auszuruhen oder bei schönem Wetter in einem Zelt oder einer Hängematte zu übernachten.“

    Tatsächlich führt nur ein kleiner Trampelpfad den Berg hinauf, der irgendwann endet. Dann geht der Weg über Geröll und Steine, und irgendwann musste ich meine Trekkingstöcke zusammenpacken, da ich meine Hände brauchte, um weiter hochzuklettern. Dass es dabei auch noch regnet, macht es nicht gerade einfacher. Hinzu kommt, dass mir meine Brille ständig von der Nase rutscht und sich dank meines Schweißes und der Schwerkraft in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Als ich endlich oben ankomme, muss ich meinen Energiehaushalt erst einmal mit einem Müsliriegel auffrischen. Und dann weiß ich auch wieder, warum ich Nebel nicht immer mag: Ich kann keine zehn Meter weit sehen.

    Nach einem anstrengenden Anstieg ist der Blick in die Ferne für mich immer die größte Belohnung. Fehlt dieser jedoch, ist es, als hätte man die perfekte Pointe für einen Witz, aber niemand lacht, weil er den Kontext nicht versteht.

    Der fiese Nieselregen bleibt und begleitet mich den ganzen Tag lang. Im Vorfeld hatte ich mir eine Schirmhalterung gebastelt und sie am rechten Schultergurt befestigt, sodass ich die Hände frei habe und meine Stöcke nutzen kann. Natürlich ist das eine Redundanz neben der Regenjacke, dem Regenrock und den Gamaschen. Dennoch nehme ich die etwa 130 Gramm Mehrgewicht gerne in Kauf, wenn ich dafür meine Regenjacke nicht anziehen muss. Bei Wind funktioniert der Schirm in der Halterung allerdings nur so mittelmäßig – so wie heute.

    Als es zeitlich in Richtung Lagerplatzsuche geht, komme ich an einen richtig schönen Platz mit Windschutz und Campingstühlen. Und im Medskogsåa, einem Fluss, der hier vorbeifließt, kann ich auch noch kurz baden. Heute Abend gibt es Rote Linsen mit Thai Curry.

  • Der siebte Tag (Montag, der 21. Oktober 2024)

    Als ich aufwache, scheint sich das Wetter gebessert zu haben. Die Wetter-App bestätigt mir das: Sogar blauer Himmel soll mich heute erwarten. Und tatsächlich hat sich der Nebel der letzten Tage verzogen.

    Mein Weg führt mich heute durch einige kleine Dörfer. Allerdings treffe ich nur einen Spaziergänger, mit dem ich das Woher und Wohin austausche. Insgesamt kann ich heute ordentlich Kilometer machen, da der Weg über weiten Strecken auf einem Schotterweg verläuft.

    Meine Mittagspause mache ich auf einem ehemaligen (?) Gutshof. Hier steht auch ein Haus, das vom DNT verwaltet wird. Menschen treffe ich hier jedoch keine an. In der Mitte zwischen den Häusern befindet sich ein Brunnen, an dem ich meine Wasserflasche auffüllen kann.

    Als ich weitergehe, genieße ich es, endlich wieder einen weiten Blick zu haben. Bis Haldammen gehe ich fast ausschließlich auf Wirtschaftswegen. Hier an der Grenze gibt es jede Menge Hütten zum Übernachten. Da es jedoch erst 15:30 Uhr ist, entschließe ich mich, noch zwei Stunden weiterzugehen.

    Als ich in Gravberg ankomme, möchte ich mir die Kirche ansehen. Leider ist sie wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

    Ich gehe noch zwei oder drei Kilometer weiter, bevor ich mir an einem Hang ein nettes Plätzchen suche. Es wird spät, sodass ich gerade noch in der Dämmerung mein Lager aufbauen kann. Hier passiert es mir dann wohl auch, als ich nach dem Essen meinen Topf wieder einpacke: Ich verliere einen der beiden Topfgriffe.

    Sollte also jemand hier an dieser Stelle (60°52'43" N 12°14'40" E) vorbeikommen, würde ich mich freuen, wenn der Griff den Weg zurück nach Deutschland findet.

    Inzwischen ist richtig Wind aufgekommen, aber dieser soll über Nacht wieder abnehmen. Trotzdem mache ich mir Gedanken, da ich recht exponiert hänge. Als es dann zu regnen beginnt, schlafe ich durch das beruhigende Geplätscher auf dem Tarp jedoch sehr schnell ein.

  • Der achte Tag (Dienstag, der 22. Oktober 2024)

    Der Wind hat über Nacht deutlich nachgelassen. Als ich mich auf den Weg mache, ist es zum Glück nur leicht bewölkt.

    Nachdem ich eine weitere Sumpflandschaft durchquert habe, komme ich an eine kleine Hütte, vor der ein Auto steht. Dort treffe ich auf einen Norweger, der mir ganz stolz seine Jagdbeute zeigt. Ich vermute, dass es Birkhähne sind. Die norwegischen Begriffe haben jedenfalls keine Ähnlichkeit mit dem Deutschen. Wir schnacken eine Weile, und er erzählt mir, dass es letztes Jahr um diese Zeit bereits Schnee gegeben hat. 600 Meter weiter soll sich übrigens eine weitere Hütte befinden, die zurzeit unbewohnt ist. Für mich ist es jedoch noch viel zu früh am Tag, um jetzt schon einen Lagerplatz zu suchen. Außerdem sind Hütten für mich suboptimal, da ich keine Isomatte dabei habe. Trotz seiner warmen Fleecejacke friert er sichtlich. Ich bin barmherzig und kürze das Gespräch ab. Als ich weitergehe, kehrt er zitternd in die Hütte zu seinen Kumpels zurück. Sie haben in der Zwischenzeit den Ofen entzündet.

    Als ich an der besagten Hütte ankomme, scheint die Sonne und der Himmel ist blau. Ich beschließe jedoch, hier eine kleine Rast einzulegen. Wenn ich einfach so sitze, muss ich mir ebenfalls meine DIY-Hoodie aus Polartec Alpha und meine Synthetikjacke überziehen. Solange ich aber unterwegs bin, reicht mein Shirt vollkommen aus. Hier kann ich übrigens eine klare Produktempfehlung aussprechen. Es ist ein grünes Shirt mit hohem Kragen und Reißverschluss aus einer Merino-Polypropylen-Mischung. Bei den einschlägigen Auktionsplattformen wird es oft mit KSK, BW oder ähnlichen Begriffen angeboten und kostet ca. 30 €. Es stinkt selbst bei intensiven Gebrauch kaum, hält warm, auch wenn es nass ist, und trocknet ziemlich schnell. Original ist es wohl von Woolpower.

    Auch sonst bin ich mit meiner Kleiderwahl zufrieden. Ich trage eine Softshell-Hose mit seitlichen Belüftungsschlitzen, darüber dann Gamaschen (ohne Reißverschlüsse, mit Klett). Eine Regenhose habe ich nicht mitgenommen, dafür einen Regenrock. Unter diesem staut sich die Wärme nicht so wie bei einer Hose. Allerdings hätte er gut zehn Zentimeter länger sein können. Das hätte ich mal vorher austesten sollen. Aber da ich nur leichten Regen habe, passte das. Nur bei den Socken muss ich noch mal gucken. Meine sauteuren und knielangen Strümpfe von Woolpower (regulär € 36,--) kann ich entsorgen, da sie an mehreren Stellen sehr dünn geworden sind und vorne im Zehenbereich Löcher bekommen haben. Und das, obwohl ich darunter Zehensocken als Liner trage.

    Eine ganze Weile führt mich der Weg wieder direkt auf dem Grenzstreifen entlang. Zum letzten Mal auf dieser Tour. Kurz bevor ich diesen Abschnitt verlasse und abbiege, mache ich noch eine kleine Pause und fange an, über Grenzen und Grenzstreifen nachzudenken. Grenzen sind schon komische Erfindungen. Dass sie genau hier verlaufen, haben sich vermutlich irgendwelche Vermesser ausgedacht. Und wohlmöglich haben in früheren Jahrhunderten dafür viele gekämpft. Wie viele sind hier wohl gefallen? Dabei ist die Grenze mehr ein Grenzstreifen. Ich schreite ihn ab und komme auf zehn Meter. Die Grenze ist also mehr ein Bereich und keine exakte Linie. Und doch definiert sie, wer die einen und wer die anderen sind. Weil es sie gibt, bezahlen die einen in der einen Währung, die anderen in einer anderen. Und es gibt noch mehr Unterschiede: Nummernschilder, Sprache, usw. Und wenn sie hundert Meter weiter östlich oder westlich verlaufen würde? Auf einmal kommen mir Grenzen ganz schön fragwürdig vor. Dabei definieren sie Identität und Zugehörigkeit, aber auch Freiheit und Einschränkung. Eine merkwürdige Erfindung!

    Von hier aus führt mich mein Weg bergab. Kurz darauf komme ich in einen riesigen Windpark. Sogar die Straßen sind entsprechend der Windräder durchnummeriert. Und egal, wie sehr ich mich jetzt beeile, es gelingt mir nicht, ihn noch vor Anbruch der Dunkelheit zu verlassen. Also entscheide ich mich mehr oder weniger freiwillig, unweit einer dieser Giganten meine Hängematte aufzuhängen. Dass der Boden sumpfig-feucht ist, stört mich nicht. Viel mehr stört mich, dass die Windräder so laut sind, dass es mir vorkommt, als würde ich neben einem Flughafen übernachten. Es ist meine letzte Nacht auf dem Trail.

  • Der neunte Tag (Mittwoch, der 23. Oktober 2024)

    Als ich aufwache, bin ich fast ein wenig wehmütig. Wenn ich mich bis zum vierten Tag immer mal wieder gefragt habe: „Warum machst du das eigentlich?“, änderte sich das bereits seit der Hälfte der Strecke. Schon komisch, dass ich jetzt so melancholisch werde. Über Nacht hat es gefroren, sodass der Sumpf beim Gehen schön knistert.

    Es dauert noch eine Weile, bis ich den Windpark hinter mir lasse. Trotz Energiespar- und Flugmodus bei meinem Handy bin ich inzwischen bei knapp 20 % Akku angelangt. Meine Powerbank hat zwar noch etwas Saft, aber den will ich mir für die letzte Nacht aufheben, damit der Wecker auch wirklich klingelt. Am Ausgang des Windparks komme ich an einem Umspannwerk vorbei. Hier steht auch ein Haus, in dem wohl normalerweise das technische Personal die Anlage verwaltet. Ich klingle, um zu fragen, ob ich mein Smartphone aufladen kann. Leider öffnet niemand. Es gibt allerdings einige Außensteckdosen, und da diese an sind, mache ich für eine halbe Stunde Pause. Sogar einen Starkstromanschluss hätte ich gehabt – das aber macht mein USB-C-Anschluss nicht mit. Macht nichts, da ich gut in der Zeit bin und heute auf alle Fälle ankommen werde.

    Als mein Smartphone wieder 60 % hat, gehe ich weiter. Erst geht es noch über einige Schotterwege, bevor der Weg richtig anstrengend wird. Der Weg besteht hier oft mehr aus Wildpfaden, ist sehr steinig und ist zeitweise auch nur mittelmäßig ausgeschildert.

    Es ist 13 Uhr als ich laut GPX-Track an meinem Ziel ankomme. Aber hier ist nichts. Allerdings signalisiert mir die Wegmarkierung, dass ich noch weiter gehen muss. Folgsam gehe ich weiter, kehre aber nach 20 Minuten um. Vermutlich führt mich der Weg um den Soere Osten herum zu einem Campingplatz. Ich aber will zuvor noch zur Hauptstraße, um zu sehen, wo der Bus abfährt, den ich am nächsten Morgen nehmen will. Also mache ich dort, wo der Trail laut GPX endet, mein Siegerfoto. Etwas enttäuschend ist es jedoch schon: Mit einem Empfangskommitee habe ich nicht gerechnet, aber wenigstens ein Schild wäre schön gewesen, zum Beispiel mit folgendem Text: „Herzlichen Glückwunsch! Du hast es geschafft! Und wäre das norwegische Königspaar heute nicht leider verhindert, dann hätten sie dir zu deiner Leistung sehr gerne persönlich gratuliert!“

    Na ja. Ich gehe andersherum um den See, nehme die Bushaltestelle in Augenschein und mache mich auf zum Campingplatz. Hier stehen auch Hütten, die man anscheinend mieten kann. Ich entscheide mich jedoch, stattdessen zur Tankstelle zu gehen und mir ein Hefeteilchen zu kaufen. Dann gehe ich zum See hinunter und koche mir meinen Kokkaffe (schwedischer Cowboy-Kaffee aus grob gemahlenem Kaffee). Weil es inzwischen richtig weht, ist es ein mühsames Unterfangen, und ich muss ständig meinen Kocher festhalten. Als ich aufgegessen und ausgetrunken habe, schaue ich noch einmal zum Campingplatz. Ich hatte gehofft, dass hier vielleicht die Duschen auf sind – leider nicht. Also nehme ich ein eiskaltes Bad im See und ziehe danach eine frische Unterhose (die ich nur für diesen Zweck mitgenommen habe!!) und mein Schlafshirt an. Meine Mitreisenden im Bus und in der Bahn morgen werden es mir danken.

    Um wieder warm zu werden, gehe ich die 2 km zurück in Richtung Hauptstraße und biege dann rechts in den Wald ab. Ein letztes Mal suche ich mir ein nettes Hängeplätzchen, während im Hintergrund die Autos die Schnellstraße entlang rauschen.

  • Der zehnte Tag (Donnerstag, der 24. Oktober 2024)

    Am nächsten Morgen klingelt mein Wecker um 5:45 Uhr. Ich packe schnell zusammen, gehe zur Straße und warte auf den Bus um 6:44 Uhr, der mich nach Elverum bringen wird. Im Bus kann ich mit Kreditkarte zahlen, aber das Ticket ist fast doppelt so teuer (knapp €10) als mit der Entur-App. Also installiere ich mir die App und buche mit ihr das Ticket für den nächsten Bus nach Charlottenberg (Schweden). Wofür ich neun Tage gebraucht habe, schafft der Bus in knapp vier Stunden.

    In Charlottenberg angekommen, buche ich mir einen Zug über die SJ-App, der mich zunächst nach Kristinehamn und dann weiter Richtung Süden bringt. Nach einem langen Reisetag erreiche ich gegen 20 Uhr das Ferienhaus, wo mich bereits meine Familie erwartet.

    Ich bin angekommen.

  • HINTERGRUNDINFOS ZUM FINNSKOGLEDEN

    Der Trail

    Die Webseite des Svenska Turistförenigen (STF), http://www.finnskogsleden.com, gibt eine grundlegende Übersicht zum Finnskogleden-Trail und beschreibt die Route in 13 Etappen über 240 km. Die Seite scheint jedoch nicht regelmäßig aktualisiert zu werden – meine mehrfachen E-Mail Anfragen blieben leider unbeantwortet.

    Ursprünglich hatte ich für die Strecke etwa 9–10 Tage eingeplant und am Ende neun Tage gebraucht. Der Trail ist gut markiert, mit blauen Markierungen auf der norwegischen und orangenen auf der schwedischen Seite. Orientierungsschwierigkeiten hatte ich nur gelegentlich in größeren Sumpfgebieten, kleinen Ortschaften und nach Kahlschlägen.

    Das Kartenmaterial

    Für den Trail gibt es Karten aus der Reihe TOPO 3000, von denen drei Karten das gesamte Gebiet abdecken. Auch wenn es praktisch ist, sich zwischendurch zu orientieren, habe ich sie wenig gebraucht. Nützlicher war ein GPX-Track in meiner OSM-App. Ein kurzer Blick aufs Handy reichte in den meisten Fällen aus, um die richtige Richtung zu finden. Die Navigation bei OSM funktioniert auch im Flugmodus.

    Alternativ kann man auf kartverket.no eigenes Kartenmaterial ausdrucken.

    Unterkunft & Schlafen

    Die Entscheidung, in der Hängematte zu schlafen, erwies sich als goldrichtig: Der Untergrund war oft nass, und so konnte ich schnell einen passenden Lagerplatz finden. Ich hätte mich jedoch auch nicht getraut, in diesem Forum etwas Anderes zu behaupten.

    Alternativ gibt es Windshelter, kostenlose Wander- und Jägerhütten (manche mit Ofen), sowie buchbare Unterkünfte. Außerdem betreibt der Den Norske Turistforening (DNF) ebenfalls einige Hütten.

    Verpflegung

    Entlang des Weges gibt es nur eine Einkaufsmöglichkeit, für die allerdings ein Umweg von etwa 8 km erforderlich ist. Ich habe diesen Umweg ausgelassen und den gesamten Proviant für die Wanderung mitgenommen.

    Tiere und Pflanzen

    Außer dem weißen Elch habe ich nur noch einen weiteren gesehen, der vor mir Reißaus genommen hat, aber Elchlosung gab es reichlich, auch frisch. Bären und Wölfe sind mir nicht begegnet, jedoch fand ich einige große Spuren. Mücken haben zu dieser Jahreszeit gar keine Rolle gespielt, und die wenigen Hirschlausfliegen, die sich in meinen Haaren verfangen haben, ließen sich schnell entfernen.

    Mit dabei hatte ich auch eine Angel und einige Blinker. Die habe ich jedoch nicht genutzt. Entweder brauchte man Angelkarten oder ich wollte die Zeit zum Gehen nutzen. Und auch wenn ich etwas gefangen hätte, hätte ich ein Lagerfeuer machen müssen, da so ein Hecht nur schlecht in meinen Titantopf reinpasst.

    Pilze gab es noch reichlich, besonders Trompetenpfifferlinge und normale Pfifferlinge.

    Ausrüstung und Bekleidung

    Wer Interesse an meiner Packliste hat, kann sie hier einsehen:

    https://lighterpack.com/r/1zogae

    Ein kleines Fazit

    Auch wenn der Nebel durchaus eine mystische Atmosphäre schafft, wäre der mittlere Teil des Weges bei klarer Sicht bestimmt schöner und auch eindrucksvoller gewesen. Da es um 8 Uhr morgens erst hell wurde und ich gegen 17 Uhr einen Lagerplatz finden musste, um bei Tageslicht noch kochen zu können, war die Wanderzeit begrenzt.

    Dennoch schätze ich den skandinavischen Herbst – die Temperaturen sind ideal für längere Wanderungen. Gerade die bunten Laubbäume liebe ich zu dieser Jahreszeit. Tatsächlich bestand der Wald jedoch hauptsächlich aus Fichten.

    Würde ich den Weg noch einmal gehen? Im Moment steht das nicht zur Debatte. Beim nächsten Mal reizt mich ein Trail mit weniger Wald.

    Nur: Was mache ich dann bloß ohne meine Hängematte?

  • Vielen Dank, dass du dir so viel Mühe gemacht und deine Wanderung so gut beschrieben hast!

    Ja - wirklich schade, dass du nicht mehr Sonne und damit mehr Wärme und Aussicht hattest.

    Hast du dich zwischendrin mal einsam gefühlt oder hast du das Alleinsein genossen?

  • barfuß Ich kann gut mit mir allein sein. Einsam habe ich mich daher nicht gefühlt. Ob ich es genossen habe? Ich hätte mir auch vorstellen können, diesen Weg zu zweit oder dritt zu gehen, allerdings auch nicht mit jedem.

    Genossen habe ich es, dass ich nicht viel denken musste. Ich kann das ganz gut: Nicht denken. Mein Alltag besteht aus so vielen Dingen, die immer parallel laufen. Da empfinde ich es als sehr erholsam, wenn die wichtigsten Fragen des Tages sind: Wann esse ich und wo lagere ich?

    Und das mit der Tour-Beschreibung: Ja, es hat etwas gedauert, bis ich alles aufgeschrieben habe. Allerdings fließen die Tage im Rückblick bereits jetzt schon ineinander. Dieser Bericht ist daher auch für mich eine gute Erinnerungstütze.

    Umso schöner ist es, wenn ich andere hierhin mitnehmen konnte. Und vielleicht hilft es anderen bei ihrer Tourplanung. Ich profitiere ja auch von den Erfahrungen und Berichten anderer.

  • Vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht und die schönen Fotos.

    Respekt vor dem Gewicht, dass Du getragen hast. Deine LP Liste ist wirklich ausführlich, ich erinnere mich noch, wie Du damals auf Grammjagd warst. Einiges finde ich krass (nur eine Unterhose), einiges erschreckend (2 KG schwere Stiefel). Das Meiste jedoch gut gelöst (o.k., das Schlafsack-Monster war ein bisschen drüber).

    Wären Seelskinz und leichtere Stiefel nicht eine Option gewesen?

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!