Die Bulli-Lüge

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Auch gerade gestern einem Hashtag-Vanlife-Jünger geschickt, konnte ich mir nicht verkneifen.
    Und dabei erinnerte ich mich an einen anderen Artikel, den ich ihm zur Anschaffung des Gefährts vor ziemlich genau einem Jahr auf's Brot schmieren musste.

    Interessant - also mal in's Archiv geschaut - und siehe da - es entpuppt sich eine beispielhafte Themenkarriere des anlasslosen, saisonalen Blattfüllers - der Vanlife Trend im Wandel der Jahre.
    Einfach immer wiederkehrend um die selbe Jahreszeit ausgegraben und weiter geritten.

    2018 zu Saisonbeginn wurde der Wohnmobil-Camper plötzlich vom Inbegriff des Spießers auf COOL [sic!] hoch gestuft
    https://www.zeit.de/mobilitaet/201…mer-boersengang

    2019 den neuen, coolen Wohnmobilisten, die nicht mehr caravanen, sondern vanlifen im übergriffigen Du und bestem Servicejournalismus-Clickbait-Stil à la 'DAS sind DIE drölf wichtigsten Dinge' noch großzügig Tipps gegeben

    Reisen: Das ist wichtig, wenn ihr Urlaub mit dem Wohnmobil machen wollt
    Camping mit dem Wohnmobil war früher was für Spießer. Heute ist es auch bei jungen Leuten beliebt, viele verbinden damit Selbstbestimmung und Abenteuer. Worauf…
    www.zeit.de

    2020 noch das große Plädoyer für die ubiquitären Heimvorteile des Schneckenhauses auf vier Rädern

    Camping: Heimvorteil überall
    Vom Wohnmobil träumen gerade viele. Ulrich Stolte ist schon ewig damit unterwegs. Er weiß, was man niemals kochen sollte und wie man am Meer richtig parkt.
    www.zeit.de

    2021 der Shift und eine ganz überraschende Erkenntnis: Moment mal - vielleicht gehören Autos gar nicht in die Natur? Und ist das eigentlich ein Problem, wenn das immer mehr (vom medialen Hype getrieben) ignorieren?
    https://www.zeit.de/entdecken/reis…elt-naturschutz

    Und 2022 dann der Abgesang auf den Albtraum und die Zurückstufung auf die anfängliche, jetzt aber ganz neue Spießbürgerlichkeit

    Vanlife: Das ist der Albtraum vom postmodernen Aussteiger
    Vanlife gilt als Befreiung vom Hamsterradleben: minimalistischer Lifestyle, gegen den Mainstream, in der Welt zu Hause. Die Wahrheit ist: Spießbürgerlicher…
    www.zeit.de

    Was dann 2023 zur Entdeckung der großen Lüge (wessen eigentlich im Hinblick auf die letzten Jahre Hype auf ZON?) und der obigen 'Abrechnung' mit dem Thema führt.

    Und das, obwohl es doch so wunderbar viel Content über gleich mehrere Jahre gebracht hat - ohne auch nur einen Fuß vor die Redaktionstür gesetzt haben zu müssen.
    Ich glaube also fest an ein stoisches weiterdrehen des Themas 2024 - vielleicht ja einfach besonders kreativ wieder von vorne und plötzlich wieder cool?

  • Moin,

    dank Insta! ist alles schön. ;) Ich habe schon in meinem Radleben original meine ich dreimal den Drahtesel ins eine motorisierte Blechbüchse gepackt um damit zum Radeln wohin zu fahren.

    Das erste mal zu einer Charitétour am westlichen Rand vom Pott, wo ich aber noch nicht so fahrfest war, geschweige denn bessere Streckenkenntnisse hatte. Da hab ich mein relativ frisches Rad in den damaligen Smart gepackt. Gut, die Augen der anderen beim Ausladen waren es schon alleine wert. =O  :/ :/ :/

    Das zweite Mal auf eine Rundtour in Wuppertal, wo es weder zeitlich bei mir passte, ich mußte also am gleichen Tag hin und wieder zurück, was dann eben nur so ging.

    Das dritte Mal auf eine Radrunde in Paderborn, was auch mal eben 100km hin und dann auch wieder zurück gewesen wären, ohne die Radrunde.

    Kurz um, der Zusammenhang mit dem Vanlife, was in meinen Augen übrigens was ganz anderes ist als Camping, ist halt, mal eben so geht das alles nicht.

    Vanlife ist eher was für Jüngere Leute oder diejenigen die wieder jung geworden sind. Der Begriff Tiny, oder in deutsch Entsagung von all dem zum Teil sehr unnötigen Ballast des Luxuslebens, spielt da auch mit rein. Vielleicht auch Selbsterfahrung, mal was neues ausprobieren. Hier sehe ich aber durchaus auch eine Paraelle zum UL. ;)

    Kurz um Vanilfe ist ein, darf man das überhaupt noch schreiben, egal ich bin alt genug und gehöre noch zu der Generation Zigeuner- Leben auf Rädern. Vanlife ist was erkunden in Gegenden und Ländern wo das auch noch (rechtlich) irgendwie möglich/ geduldet ist oder es eben keinen (Deutschen) stört.

    Das findet auch nur (gefühlt) im Ausland statt, Klar, da scheint auch mehr die Sonne und man friert sich nicht den Pin in´n Ars*h.

    Aber eben diese jungen Leute "arbeiten" dann auch mit den "Überraschungen" die man da so erlebt. Ich habe mir da so das einen oder andere auf dem Videochannel angeschaut und liebe die teilweise Blauäugigkeit, Unzulänglichkeiten und Mistigkeiten die dann zu meistern sind.

    Den besten Stunt hatte ich mal gesehen, als es für einen Overnighter raus gegangen ist und man die Faltisomatte vergessen hatte. Tja... 8|   ;)

    Camping ist eben Camping. Campingplatz/ Stellplatz, abends zusammen mit Gleichgesinnten, Dusche, Küche und Co. Hab da ne´ Arbeitskollegin die da einen recht guten Camper hat und damit regelmäßig unterwegs ist. Hat auch was.

    Kurz um, eine kleine Karre, Minibus oder so mit einer Matratze, alternativ zu Hängematte und Kocher ausstatten und sich mal los machen ist keine Kunst.

    Es scheitert meist an den ungemütlichen Stellen. Gechäftchen wo machen, mal eine Dusche? Ja das zeigen sie kaum auf Insta! Nur Regen, Kälte oder beides hab ich mal in dem YT gesehen. Da übrigens auch einschließlich persönlicher Tiefpunkte und gesundheitlicher Indisponenz. Das aber war dann schon alleine einen Daum hoch wert.

  • Genial aufgearbeitet.

    Erinnert mich an die Lobgesänge auf Dieselmotoren der Regierung Schröder um 2000-2004. "umweltschonend" und "Kraftstoff der Zukunft" hieß es damals.

    Aktuell ist wiederum der Umstieg von einem TDI auf ein Lastenfahrrad total angesagt. ;)

  • Es ist wieder so weit - bei ZON hat wie immer pünktlich zu Saison und Sommerloch der Alarm für das jährliche, zeitlose Camper Urteil geschrillt

    Wohnmobil: Was kann es Schöneres geben als Urlaub im Wohnmobil? Sehr, sehr vieles
    Die Deutschen lieben das Wohnmobil. Komfortabel unterwegs in die einsame Natur. Und dann hockt man mit Helgas auf einem Parkplatz und fährt am Paradies immer…
    www.zeit.de

    Im Tenor weiterhin fatalistisch, man darf gespannt sein, wann der neuerliche Turnaround kommt.

    Zitat

    Die Deutschen lieben das Wohnmobil. Mit allem Komfort unterwegs zu den idyllischsten, einsamsten Winkeln der Natur: Was kann es Schöneres geben? Oh, sehr, sehr vieles.

  • Ich mach neides: Minimalistisch mit der Hängematte und luxuriös (Heizung!) im VW-Bus, beides das ganze Jahr über.

    Mit dem Bus in die Natur geht nicht denn man braucht ja eine Strasse. Doch dem Trend sei Dank gibt es immer mehr offizielle Stellplätze in Bauernhand. Das ist dann häufig recht idyllisch, von November-April auch einsam und auch den Sommer über versammeln sich da keine Massen, da meist nur eine Handvoll Plätze am selben Ort vorhanden sind.

    Einfall losziehen und im erstbesten Gebüsch campen wie mit der Hängematte geht so natürlich nicht, es braucht etwas Planung. Und im Idealfall steht man dann auch länger am gleichen Platz und nutzt ihn als Ausgangsort für muskelbetriebene Ausflüge, denn auch das stimmt: es hat schon genug Autos auf der Strasse. Alles in allem also ein eher inkonsequentes Vergnügen.

    Aber eben: Ein Vergnügen. Ich schlafe herrlich im Bus und dann in der Morgensonne bei Minusgraden vor dem Bus Pancakes mit allem Klimbim und Gedöns backen hat halt schon was.

  • Da ich gerade über den jahreszeitgemäßen Weiterdreh für 2026 gestolpert bin, fiel auf, dass ich den '25er doch glatt verpasst hatte.


    Also in einem Aufwasch chronologisch:

    2025: Die groß angekündigte Pleitewelle nach dem Pandemie-hoch, analog zur Fahrradbranche. Zwar waren zum Jahresende die Preisnachlässe schon beeindruckend, aber gab es denn tatsächlich nennenswert Pleiten?

    "Ciao Vanlife? Hallo Schnäppchen!

    Während der Pandemie erlebte die Caravaning-Branche einen Aufschwung. Doch nun melden einige Anbieter Insolvenz an. Das verändert nicht nur die Preise."

    Caravaning: Ciao Vanlife? Hallo Schnäppchen!
    Während der Pandemie erlebte die Caravaning-Branche einen Aufschwung. Doch nun melden einige Anbieter Insolvenz an. Das verändert nicht nur die Preise.
    www.zeit.de


    Und in 2026 standesgemäß zum bundesdeutschen Rollback in die mentalen 70er ein bisschen Elektro-Bashing, damit der Stammtisch was zum Nicken hat. Aber immerhin gefolgt von ein wenig Nachhaltigkeits-Wahrheit, die nur leider kaum noch interessiert - Klimakrise erlebt die ergraute Mehrheitsgesellschaft eh nicht mehr in voller Wucht.

    "Ab ins Grüne – mit dem Diesel

    Die Deutschen lieben Camping. Reisen mit dem Wohnmobil gilt als naturnah und nachhaltig. Elektrische Modelle aber werden fast gar nicht verkauft. Warum?"

    Wohnmobile in Deutschland: Im gar nicht mal so grünen Bereich
    Die Deutschen lieben Camping. Reisen mit dem Wohnmobil gilt als naturnah und nachhaltig. Elektrische Modelle aber werden fast gar nicht verkauft. Warum…
    www.zeit.de

    Einmal editiert, zuletzt von hangloose (7. März 2026 um 17:04)

  • Ich weiß nicht wo das gebasht wird, komme nicht an der Bezahlschranke vorbei.

    Die Antwort, warum die E-Wohnmobile nicht gekauft werden, ist aber so offensichtlich das es schon fast weh tut und kein Hersteller sollte sich da beschweren das das Konzept nicht aufgegangen ist.

    - Wohnwagen werden in der Regel für lange Strecken genutzt, die Dieselvariante ist dem Stromer da deutlich überlegen

    - Die Batterien sind sauschwer, die ohnehin lächerliche Zuladung schwindet noch mehr

    - E-Wohnmobile sind deutlich teurer, wenn ich eh schon überlege ob ich 70-80k für einen Diesel ausgeben möchte, hilft der Gedanke an noch größere kosten nicht

    - E-Antriebe haben, wenn ich das richtig verstanden habe - eher Vorteile für Vielfahrer, Wohnmobile stehen meistens mehr als das sie fahren

    - Camper mögen das autarke Gefühl, unser Ladennetz in Europa ist da vermutlich eher kontraproduktiv

  • Da sollte man erweitern um den expliziten Hinweis 'für Menschen ohne Abo - aber hoffentlich mit vorhandenem adblocker mit entsprechender Blockierung der eingebauten DDoS Attacken' ☝️

    Archive.today: Betreiber setzt Nutzer für DDoS-Attacke ein
    Der Betreiber von Archive.today setzt Besucher seiner Seite ohne deren Wissen für eine DDoS-Attacke ein. Betroffener ist ein finnischer Blogger.
    www.heise.de

    Und ja, bis auf das gemeinnützige Internet Archive, archive.org ist .is, .today, .undwasnichtnoch alles die selbe Soße.


    In die inhaltliche Diskussion will ich gar nicht groß einsteigen, das geht dann im Hängemattenforum doch etwas zu weit über Bord. Aber es sei der Hinweis erlaubt, dass die angenommenen Punkte eigentlich fast alle jetzt schon ziemlich genau das erwartbare Vorurteilsbingo erfüllen. Von der bereits in den Startlöchern stehenden Generation ganz zu schweigen (https://www.spiegel.de/mobilitaet/aut…a1-315281354f35)

    Natürlich gibt es edge cases in Bezug auf die deutschen Führerscheinklassen und das Gewicht - und natürlich sind Camper noch selten - in Anbetracht dieser Skepsis der potentiellen Kunden. Aber das ist ja auch ein sehr nischiges Problem. Es gibt daneben ja auch noch andere (Camper)Fahrzeuggrößen, bei der die Gewichtlimitierung des Führerscheins keine Rolle spielt. Und durch die deutlich einfachere Bauweise und neue Batterietypen würde ich nicht mal bei der Gewichtsthematik pauschal derart schwarz malen.

    Im Van Bereich sind wir jetzt schon z.b. bei gerade mal grob ~100-300kg Gewichtsdifferenz über den Daumen, denn - Überraschung, fehlender Motor, Getriebe und Abgasanlage wiegen auch. Und auch eine Preisdifferenz ist nicht mehr unbedingt vorhanden, bzw. fällt beim Vergleich asiatischer Stromer vs. deutscher Verbrenner sogar bereits auch gerne mal zu Ungunsten des Verbrenners aus.

    Happy Freiheit und Autarkie dem Dieseldieter mit seinem Freiheitsverbrenner, der größten Freiheitstechnologie seit Erfindung der freiheitsliebenden Shahed Drohne (pardon my cynicism, aber Gefühl ist halt kein Argument, sondern das Problem)

    3 Mal editiert, zuletzt von hangloose (8. März 2026 um 20:49)

  • Es gibt ja auch noch was dazwischen: mein Nissan Bus ist eigentlich ein ganz normales Auto: so lang wie ein Golf (4,40m), aber schmaler (1,69m) und braucht 6l. Ich übernachte fast immer auf Campingplätzen, weil ich das am ökologischsten finde (WC etc), fahre zwischen 60 und max. (auf der Hinfahrt ausnahmsweise auch mal) 400 km und den Rest vor Ort erledige ich mit dem Rad, das ich im Auto habe und schlafe in der HM, die entweder zwischen Bäumen oder im Auto hängt.

    Einmal war ich auf einem Stellplatz bei einem Freilichtmuseum: da kann man schön den Größenunterschied sehen....

    Vieles von dem, was oben geschrieben wird - Freiheit auf 4 Rädern, irgendwo in der Natur herumstehen, sich dort nicht angemessen benehmen etc - kann ich auch nicht gut finden. Und ich habe schon Städte in Frankreich gesehen, wo an schönen Stellen zig. Riesen-Wohnmobile das Stadtbild verschandeln....

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!