Auf dem Westweg im Schwarzwald

  • Nachdem wir letztes Jahr schon zwei mal drei Tage auf dem Westweg unterwegs waren, sind wir von Mittwoch bis Freitag von Hausach zum Titisee gelaufen und abgehangen.

    Das Stück von Hausach den Berg hoch ist wirklich steil, aber auch über sehr schöne kleine und unterschiedliche Wege geführt, kaum breite Schotterforstwege. Das liebe ich ja.

    Das war nach den ersten Höhenmetern, und es war nicht gelogen ;)

    und es blieb nicht der letzte Anstieg, aber wie gesagt, echt schöne Streckenführung und immer wieder an gut unterhaltentenen Hütten (Haseneckle und Co. ) vorbei mit guten Aussichten aufs Umland.

    Der Häng am ersten Abend vom Westweg mal gerade durch die Bergkuppe getrennt und ohne Zivilisationsgeräusche. Dafür mit mächtig Vogelzwitschern. Wir lagen nach der Steigung und nur etwa 14 km Strecke schon vor 21 Uhr in der Matte. Ich habe meinen Körper seehr bewußt wahrgenommen. Aber wie so oft: nach ein paar Minuten in der Matte war ich eingeschlafen.

    Die Fussbox war am morgen feucht. Trockene Socken hatte ich aber angezogen zum Schlafen. Sonst habe ich das nicht. Woran liegt sowas?

    Am nächsten Tag war es kalt und windig. Aber wir sind an allen drei Tagen wie durch ein Wunder immer dem Regen ausgewichen. Und als es dann an diesem Kiosk beim Gasthof Brend Schnitzel mit Pommes, Salat und Soße gab, da mussten wir nicht überlegen. Ich glaube, das fällt unter Glamping und hat hervorragend geschmeckt. Kann ich nur empfehlen, war weit über Kioskniveau.

    Der Aufbau meines Freundes am zweiten Abend. Wir haben mit tiefen Temperaturen gerechnet und er wollte möglichst geschützt hängen.

    Sagt mal, wenn man möglichst tief hängt, wirkt sich das auch auf die Temperatur aus. So wegen Kaltluft sammelt sich am Boden?

    Ich habe mir die Plane nur übers Fussende gezogen und hatte nicht mehr Kondensation als sonst. Niederschlag war keiner angesagt und morgens in die Lichtung zu schauen und das erste Licht zu sehen...traumhaft:

    Der Platz war näher an der Strasse, aber abends wurde es still. OK, wir können eh nichts zu nach 21 Uhr sagen, weil wir wieder früh in der Matte lagen und die wilden Tiere mit Schnarchen fern hielten.

    Am dritten Tag war der touristenentleerte Titisee schon ein besonderer Anblick. Als wir dann am Bahnhof standen ging ein Wolkenbruch los: Perfektes Timing!

    il dolce far niente:sleeping:

  • Der Aufbau meines Freundes am zweiten Abend. Wir haben mit tiefen Temperaturen gerechnet und er wollte möglichst geschützt hängen. Sagt mal, wenn man möglichst tief hängt, wirkt sich das auch auf die Temperatur aus. So wegen Kaltluft sammelt sich am Boden?

    Wow! Das ist der niedrigste Häng, den ich je gesehen habe. :) Größer ist der Tarneffekt mit Biwaksack auch nicht.


    Eigentlich sammelt sich die kalte Luft am Boden, daher auch der Begriff BODENfrost. Andererseits wird man durch unter der Hängematte vorbeiziehenden Wind ausgekühlt. Ob nun der eine Effekt den anderen aufhebt? Keine Ahnung.


    Auf jeden Fall eine traumhafte Tor, die Ihr da gemacht habt. :thumbup:

    Omnia vincit lectulus pensilis.

  • Im September zur Tagundnachtgleiche (schreibt man das so?) war ich nochmal alleine drei Tage auf dem Westweg. In Gruppe ist gut, aber drei Tage solo ist auch eine gute Erfahrung.

    Los ging es vom Bahnhof Hinterzarten vorbei an einsamen Höfen.

    Die Wege beim Anstieg zum Feldberg am ersten Tag waren überwiegend urig und schmal. Teils über Bohlen, teils durch den Matsch. Das macht Laune.

    Ein bisschen Ernte war auch möglich

    und ein Gruß an Furbrain beim Pilzkurs. (Nein, den habe ich nicht geerntet ;-)

    Den Feldberg fand ich übrigens ziemlich enttäuschend. Ja, ist der höchste Gipfel im Lande, aber im Grund genommen eine langezogene kahle Kuhweide auf der Kuppe.

    Als dann der Nebel über die Kuppe kroch, habe ich mich schnell wieder nach unten verkrochen.

    Am späten Nachmittag war dann noch ein Nickerchen in der Sonne angesagt. In dem Fall einfach auf der Wiese, ich war so schnell weg, da hat es nicht mal gelangt, um die HM rauszuholen. Inzwischen ist Mittagsschläfchen bei mir Standard. Zuhause oder unterwegs. Ob das mit dem Alter zusammenhängt ;-)

    Vorbei an der Skisprunganlage am Notschrei.

    Am Abend habe ich mich an der Karte orientiert und eine Sackgasse bei den Waldwegen ausgewählt. Die erste war leider von Forstmaschinen umgepflügt. An der zweiten, die an einer Lichtung endete war leider ein Hochsitz. Aber an der dritten war dann ein schönes Plätzchen über dem Tal.

    Es zog noch Nebel auf und wurde schön gemütlich zwischen "meinen" Bäumen.

    Am zweiten Tag ging es am Wiedener Eck vorbei Richtung Belchen. Ich mag den mittleren Tag am liebsten, weil ich da von morgens bis Abends draussen bin.

    Der Aufstieg zum Belchen ist zwar durchaus steil, aber mit schönen Ruhebänken versehen.

    Die Aussicht Richtung Rheintal und Frankreich wurde immer besser.


    Und oben auf dem Belchen kamen die Alpen in Sicht.

    Auf dem Belchen grasen zwar auch Kühe, aber der An- und Abstieg kommt mir alpiner vor als beim Feldberg. Und teils hat mich die Vegetation mit den Nadelbäumen, die entsprechende geduftet haben, ans Mittelmeer erinnert - ein letzter Hauch von Sommer.

    Wahrscheinlich hat mir deshalb der Belchen auch besser gefallen. Liebe geht halt durch den Magen. Mit dem Trinkwasser, das ich im Gasthaus am Belchen getankt habe war ich dann bis zum nächsten Tag gut versorgt.

    Der Abstieg war eine einzige Pracht. Die Alpen am Horizont haben mich die ganze Zeit begleitet.

    Am späten Nachmittag hat es sich dann ein bisschen gezogen. Diese Etappe teilen viele laut Wanderführer in zwei auf, und so habe ich es auch gemacht. Ist schliesslich kein Wettlauf.

    . Und schliesslich war wieder Camp finden angesagt, kurz vor dem Blauen (Berggipfel). Solo war ich dann schon nicht mehr:


    Der Titanblech-Windschutz-Topfständer à la Mittagsfrost (ich weiß, Du hast das Design nicht gepachtet, aber von Dir habe ich es nunmal abgeschaut ;-) hat sich prima bewährt.

  • dritter Tag über den Blauen mit Aussicht vom Turm. wieder die Alpen in der Ferne

    jetzt überwiegend bergab und langsam breitere Forstwege, aber schöne Morgenstimmung. Weiß jemand, was das ist? Ich bin nicht so botanisch bewandert.

    Und auf die Sausenburg Ruine.

    Dann kam Kandern in Sicht. Da es jetzt flacher und die Wege breiter wurden, habe ich mir den Rest bis Basel gespart. Ich mag die schmalen holprigen abgelegenen Wege lieber.


    Das war von Juni 2020 bis September 2021 der Westweg für mich. In vier Etappen á drei Tagen, zwei Solo, zwei mit Kumpel. Den Start von Pforzheim muss man nicht machen, der ist noch sehr städtisch. Da würde ich mir eine halbe Tagesetappe sparen.

    An der Hornisgrinde haben wir mal vor lauter jungen Tannen keine Hängebäume gefunden und mussten eine Stunde weiter wandern als geplant: so kann es gehen mitten im Wald. :D

    Der Abschnitt um Hausach ist steil aber von der Wegführung und Ausschilderung hervorragend.

    Am Feldberg war es mit Trinkwasser nicht so leicht, aber dann habe ich doch Quellen etwas ab von der Route mit Hilfe der Karte gefunden. Und Gasthäuser oder Anwohner sind ja auch meistens nett. Sowieso sind die Anwohner wohl an Westwegwanderer gewöhnt und haben aufgrund des Gepäcks oft erraten, was geplant war. Allerdings denken die meisten doch eher an Z... statt an HM.;)

    Ich kann die Route empfehlen.:thumbup:

  • Weiß jemand, was das ist? Ich bin nicht so botanisch bewandert.

    Ich würde mal sagen, das ist das Drüsige Springkraut (auch Indisches Springkraut genannt). Bei uns in Europa gilt es als Neophyt und wird vielerorts bekämpft.


    Die Samen kann man problemlos essen, wie ich vor ein paar Tagen auf einer Wanderung ausprobiert habe. Siehe dazu auch hier (auch ein Schweizer).


    Ich hab's natürlich "ausprobiert", nachdem ich das Video gesehen hatte. Ich würde nie auf gut Glück die Samen / Beeren von Pflanzen probieren. Auf der gleichen Wanderung habe ich auch Tollkirschen gesehen. Da hätte das "ausprobieren" böse enden können.


    Und ganz abgesehen davon, scheinst du eine tolle Wanderung erlebt zu haben und hast schöne Stimmungen davon eingefangen.

  • Ganz toller Bericht und Bilder! 💯 Punkte!

    Danke für deinen Bericht!


    Ich hab mich dieses Jahr auch wieder neu in den Schwarzwald verliebt es gibt dort so viele schöne Ecken. Den Tourenbericht werde ich die Tage mal hier nach pflegen. Vorab wir hatten leider nicht so viel Glück mit dem Wetter.

    Never without my Hammock!

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