Nahtbild Xenon Sil Wide - Pfaff 260

  • Hallo zusammen,


    ich habe mir bei Dutchwaregear einen Restposten Xenon Sil Wide für ein Asym Tarp gekauft. Nach längerer Wartezeit (dank dem Zoll), habe ich den Stoff nun endlich zu Hause und habe ihn auf die vorgegebene Länge zugeschnitten. Anschließend habe ich die Dreiecke für die Abspannpunkte ausgeschnitten und mit den Stoffresten wollte ich dann die Fadenspannung meiner Nähmaschine richtig einstellen. Leider bin ich bisher zu keinem vernünftigen Nahtbild gekommen und habe von sehr strammer bis relativ lockerer Ober- und Unterfadenspannung eigentlich so ziemlich alles durch.

    Das "beste" Nahtbild bekam ich bei (laut Pfaff - Anleitung) normal eingestellter Unterfadenspannung und volle Pulle Oberfadenspannung (10 von 10). Bei allen anderen Einstellungen gab es nur ein total wüstes Kuddelmuddel auf der Stoffunterseite.

    Weitere Infos:
    Genäht habe ich mit "Gütermann Tera 80". Anfangs mit einer 70ger Microtexnadel, später habe ich mal eine 90ger versucht.
    Die Stichweite war auf ca. 2,5mm eingestellt.

    Habt ihr vielleicht ein paar Tipps für mich?


    Hier das gut aussehende Nahtbild auf der Stoffoberseite


    Hier das schrecklich aussehende Nahtbild auf der Stoffunterseite (mit verschiedenen Spannungen gespielt):

  • Ich würde versuchsweise die Unterfadenspannung erhöhen und die Oberfadenspannung etwas senken. Wenn das nichts bringt, würde ich schauen, ob das Problem auch bei anderem Stoff (z. B. ein Einkaufsbeutel) auftritt.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Das sieht ja kräuselig aus!


    Unterfadenspannung muss idR nie verstellt werden.

    Ideal ist diese, wenn die Spule samt Kapsel am Faden gehalten, gerade so hält.

    Durch eine auf und ab Bewegung sich minimal Faden abspult.


    Nur die Oberfadenspannung einstellen.

    Das Nahtbild der unteren Bilder sieht zunächst nach keiner Unterfadenspannung aus.

    Ideale Oberfadenspannung ist, bei 2 gleichen Stoffen, wenn sich die Fäden in der Mitte der Stoffe treffen.

    Nehme dafür mal testweise unterschiedliche Farben. Weiss unten, Schwarz oben.

    Nähe ein Stück. Hole aber vorher Unterfaden nach oben.

    Ohne Stoff einmal die Nadel eintauchen lassen.

    Lege beide Fäden ungefähr handbreit auf den Nähtisch, Stoff dazwischen.

    Halte Beide Fäden die ersten paar Stiche fest! Das geht!

    Schau Dir jetzt das Nahtbild an. Nichts abschneiden, nur schauen. DU kannst ja den Stoff zu Dir drehen wenn Du den Nähfuß anhebst,

    und die Nadel unten lässt. Siehst Du den Unterfaden? Ist es ausgeglichen?

    Verstelle jetzt NUR den Oberfaden und nähe weiter.

    Auch direkt während des Nähens kannst Du an der Fadenspannung drehen.

    Bis sich Ober und Unterfaden in der Mitte treffen bzw. dort verschlaufen.


    Die Zahlen, falls welche da sind, an der Oberfadenspannung haben nichts zu sagen.

    Nur das Auge zählt.

    Wichtig ist auch, wovon spulst Du ab und wie.

    Von einer kleinen Haushaltsrolle, welche sich rollt, seitlich weg,

    Oder von einer feststehenden Miniking oder Kingspule, welche sich eben net dreht.

    Hier sollte der Faden nach oben ablaufen.

    Da entstehen schon die ersten Fadenspannungen.

    Falls sich während des Nähens etwas verändert obwohl DU nix verstellt hast,

    schau Dir den Fadenverlauf von der Spule Kone Rolle bis zur Maschine an.

    Verdreht sich da was, das zu einem Stau führt?

    Beheben.


    Unterfaden korrekt aufgespult?

    Zu feste Spannung beim Unterfaden spulen bedeutet zwar, ein paar Meter mehr drauf bekommen, aber es wickelt sich uU scheisse ab.

    Zu locker gespult auch. Verwickelt sich auf der Unterfadenspule.


    Das Nahtbild oben sieht mir nach zu dickem Garn und kleiner Nadel aus.

    Hast Du Probleme ihn in den Schlitz zu bekommen?
    Ich meine, das Garn in das Öhr. Ich schreibs mit h.

    Mal mit nem 120er Allesnäher Polyestergarn probiert in der 80er Microtex Nadel.

    Ist die Nadel neu? Ist sie ganz oben am Anschlag? Hat sie seitlich Spiel?


    Ferndiagnose immer schwer.

    Die Pfaff 260 ist fein. Schönes Stück.

  • Ach, Stichlänge war auch Thema.

    Zu hohe Fadenspannung, zu hohe Stichlänge, ziehts Dir den Stoff wie ein Raffrollo zusammen.

    Das kann man auch gewollt so nähen.

    Stichlänge 6 und Spannung Holla die Waldfee. SIeht an einer Gardine vielleicht super aus.

    Ich würde bei dünnerem Garn sogar auf 2 runter gehen.

    Da passiert nix mit dem Stoff. Eine neue Microtex Nadel ist eine Rundkopf bzw Verdrängernadel.

    Sie perforiert den Stoff nicht sondern schiebt ihn beiseite.
    Falls da Bedenken bestehen.

    Der Stoff liegt glatter direkt an der Naht, wird net gerafft und höher Stichzahl hat ja auch Vorteile bei der Festigkeit.

    Probiers mal!

    120er Garn, 80er Microtex neu, 2mm Stichlänge, Fadenspannungen ausgeglichen, Fäden festhalten bei Nahtbeginn.

  • Wenn die Nester auf der Unterseite sind, ist die Unterfadenspannung zu fest bzw. die Oberfadenspannung zu locker. Geht der Fadensalat gleich am Anfang los oder erst nach ein paar Stichen? Ich nähe meist auf einem kleinen Stückchen Papier an, und lege auf den letzten 2cm zusätzlich den Stoff unter. Dann kurz Faden sichern, und los geht's. Durch das Papier werden beide Fäden fixiert. Man kann natürlich auch gleich auf dem Stoff loslegen, und beide Fäden festhalten, damit sie nicht nachgezogen werden. Aber bei den dünnen Stoffen hat das häufig einen zusammengezogenen Stoffknubbel zur Folge.

  • Für mich sieht es auch eher nach einer zu hohen Unterfadenspannung aus. Ich hatte dieses Nahtbild mal – ganz plötzlich aus heiterem Himmel – und hatte keine Ahnung, warum die Nähmaschine aufs Mal nicht mehr richtig nähen wollte. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte den Oberfaden nicht durch die Umlenkung geführt, die für die Oberfadenspannungsregulierung zuständig ist. Zu dumm: Da meint man, man wisse, wie man näht und wie die Maschine funktioniert – und dann plötzlich vergisst man etwas, was man sonst immer gemacht hat. Ohne Oberfadenspannung war natürlich die Unterfadenspannung im Vergleich viel zu hoch und prompt gab es unten dieses Fadenchaos. – Naja, aus Fehlern lernt man.


    Was bei dir der Grund für das Chaos unten ist, kann ich aus der Ferne auch nicht sagen. Befolge am besten mal Bernds Tipps, dann findest du hoffentlich die Lösung.

  • Ich habe ja keine Ahnung von Nähmaschinen, aber sollte die Naht bei hoher Unterfadenspannung an der Unterseite nicht eher straff sein? Das lockere Gewusel auf der Unterseite würde ich eher als Folge eines viel zu lockeren Unterfadens sehen.


    Bitte klärt meinen Denkfehler auf, falls es einen solchen gibt!

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Ich würde versuchsweise die Unterfadenspannung erhöhen und die Oberfadenspannung etwas senken.

    Das Nahtbild der unteren Bilder sieht zunächst nach keiner Unterfadenspannung aus.

    Mir ist auch aufgefallen, dass du und Bernd genau das Gegenteil geschrieben haben. Ich habe das geschrieben, was ich erlebt habe.


    Ich kann da völlig falsch liegen. Meine Erklärung dazu: Wenn die Oberfadenspannung grösser ist als die Unterfadenspannung, dann überkreuzen sich die Fäden nicht in der Mitte des Stoffes, sondern etwas oberhalb. Der Unterfaden ist dann oben etwas sichtbar (wenn man eine andere Farbe verwendet). Ist die Unterfadenspannung grösser als die Oberfadenspannung, so liegt der Kreuzungspunkt der beiden Fäden etwas unterhalb des Stoffes. Wenn – wie in meinem Fall – die Oberfadenspannung praktisch vollständig wegfällt, dann reisst es den Oberfaden zusammen mit dem Unterfaden «en masse» nach unten und es entsteht dort ein Chaos.


    Wenn ich unten etwas lose, nicht ausreichend gespannte Stiche habe, dann erhöhe ich die Oberfadenspannung. Das hilft meistens. Das Stichbild ist dann wieder ausgeglichen.

  • Stell Dir vor, Du sitzt im Auto.

    DIr ist egal ob das Lenkrad gerade steht.

    Du fährst geradeaus.

    Jetzt verstellst Du die Spur rechts. Was passiert?

    Du fährst immer noch geradeaus.

    Je mehr Du rechts verstellst, desto schräger stehen die Reifen, rubbeln sich einseitig ab,

    aber beide werden immer gleich sein. Und Du fährst geradeaus.


    So ist das mit der Fadenspannung.

    Unterfadenspannung wird einmal eingestellt wie beschrieben.

    Dann reicht es aus, NUR den Oberfaden zu justieren und zwar so wie oben beschrieben.


    Es kann aber auch eine Fehlstellung der Nadel sein. Oder sie kommt etwas zu spät runter.

    Ein Zahnrad oder Riemen ist eins übergesprungen oder oder oder.

    Aber an der Unterfadenspannung wird nicht rumgefummelt.


    Es kann auch ein verschlissener Greifer sein.

  • Wie Bernd schon sagte, würde ich an der Unterfadenspannung nichts verändern. Für die meisten Standardgarne kannst du alles über die Oberfadenspannung ausgleichen. Je dicker ein Faden ist, desto weniger leicht lässt er sich aus der Unterfadenkapsel ziehen. In der Regel musst du dann die Oberfadenspannung etwas erhöhen, um die Fadenspannungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.


    Wenn du ein wirklich sehr dickes Nähgarn verwenden möchtest, kann es passieren, dass der Widerstand in der Unterfadenkapsel so gross wird, dass du die Oberfadenspannung bis zum Anschlag (oder theoretisch darüber hinaus) erhöhen müsstest, um ein gleichmässiges Stichbild zu erreichen. Die allgemeine Spannung ist dann aber so hoch, dass es dir vermutlich den Stoff zusammenzieht. In einem solchen Fall wäre es theoretisch angebracht, etwas an der Unterfadenspannung zu verändern (Schräubchen etwas lösen). Ich würde mir dann aber eher über die Anschaffung einer zweiten Unterfadenkapsel Gedanken machen und die dann grundsätzlich für besonders festes Garn einstellen. Das Ziel sollte immer sein, nur über die Oberfadenspannung ein schönes Nahtbild zu erreichen.

  • Bei meiner Pfaff ergibt sich genau dieses Nahtbild, wenn die Unterfadenmechanik länger nicht geölt wurde. Mir fehlen da die entsprechenden Vokabeln, ich meine die runden Metallteile, die sich drehen und aufeinander gleiten. Begleitet wird das ganze von einem unregelmäßigen Klackern, das in frisch geöltem Zustand nicht vorkommt. Um das Geräusch zu bemerken, muss man seine Maschine allerdings gut kennen. Ein Tropfen Öl an die entsprechenden Stellen kann in jedem Fall nicht schaden.

  • Ich habe ja keine Ahnung von Nähmaschinen, aber sollte die Naht bei hoher Unterfadenspannung an der Unterseite nicht eher straff sein? Das lockere Gewusel auf der Unterseite würde ich eher als Folge eines viel zu lockeren Unterfadens sehen.

    Ich glaube, jetzt verstehe ich dein Argument besser. Hilfreich wäre, das Chaos mit zwei unterschiedlichen Farben noch einmal zu wiederholen. Ich habe den Verdacht, dass das «Gewusel» nicht nur aus dem Unterfaden besteht, sondern da auch der Oberfaden «mitwuselt», im Chaos also zwei Farben sichtbar wären.

  • Ich glaube, jetzt verstehe ich dein Argument besser. Hilfreich wäre, das Chaos mit zwei unterschiedlichen Farben noch einmal zu wiederholen. Ich habe den Verdacht, dass das «Gewusel» nicht nur aus dem Unterfaden besteht, sondern da auch der Oberfaden «mitwuselt», im Chaos also zwei Farben sichtbar wären.

    Es sind bereits zwei verschiedene Farben bestellt, sowie ein neuer Gummi zum Aufspulen des Unterfadens (hoffe ihr wisst, was ich meine) um auszuschließen, dass es einfach an einem schlecht aufgespulten Unterfaden liegt. Beim Garn hab ich aufgrund von Bernds Tipp jetzt Mal Güttermann 120 Allesnäher bestellt. Außerdem hab ich gestern Abend noch die Maschine sauber gemacht (waren aber nirgends Fäden und auch nur sehr wenige Flusen). Ich melde mich, wenn ich weitergekommen bin :)!

  • Bei meiner Pfaff ergibt sich genau dieses Nahtbild, wenn die Unterfadenmechanik länger nicht geölt wurde. Mir fehlen da die entsprechenden Vokabeln, ich meine die runden Metallteile, die sich drehen und aufeinander gleiten. Begleitet wird das ganze von einem unregelmäßigen Klackern, das in frisch geöltem Zustand nicht vorkommt. Um das Geräusch zu bemerken, muss man seine Maschine allerdings gut kennen. Ein Tropfen Öl an die entsprechenden Stellen kann in jedem Fall nicht schaden.

    Das ist glaube ich der Greifer und den Öle ich tatsächlich relativ regelmäßig.

  • Re "Verändere nie die Unterfadenspannung" - ich glaube das trifft nur zu, wenn man mit normalen Nähgarnen näht. Ich musste sie jedenfalls verstellen, um mit dem dicken Mara 70 nähen zu können. Da hat es nicht mehr geholfen, die Oberfadenspannung zu erhöhen. Da ich viel mit verschieden Garnstärken nähe, habe ich mir mittlerweile eine Spulenkapsel für jedes Garn geholt und die Fadenspannung angepasst. So klappt es auch mit Mara 70.

  • Ich habe von Gütermann das Tera 15 bekommen zum testen obs mit meiner Maschine geht.

    Und Du empfindest Mara 70 als dick???

    Mit dem 15er kannste Tarps abspannen.

    Da macht eine eigene Unterfadelkapsel sinn, die einmal auf dieses Garn eingestellt wird und nur damit verwendet wird.

    Generell ist es in der Industrie so, dass es für jeden Arbeitsschritt eine Maschine gibt.
    Die ist dann eingenäht auf dieses Garn und diesen Stoff.

    Brrrt brrrrt Klack fertig.

    Da wird net aufwändig umgestellt auf anderes Garn und probegenäht.

    Einfache Industrie Schnellnäher sind selbst neu net so teuer sofern sie kein Schnickschnack haben.