«Himmelfahrt» in die Berge

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  • Über Auffahrt (Christi Himmelfahrt) fuhr ich zu einer Freizeit in den Bergen (Berner Oberland) mit ganz vielen Leuten. Um das etwas abzufedern, beschloss ich, einen Teil der Anreise zu Fuss zu machen. So reiste ich schon am Mittwochabend nach Spiez am Thunersee und machte mich auf den Weg in Richtung Simmental. Bei Oey bog ich nach Süden ins Diemtigtal ab und suchte mir einen für die Hängematte geeigneten Platz, was im eher engen Tal gar nicht so leicht war. Da es aber um 21 Uhr ohnehin am Eindunkeln war, hängte ich meine Hängematte nur wenige Meter vom Wanderweg entfernt auf und tarnte sie mit dem Tarp, denn es waren einige Niederschläge zu erwarten.

    Der Regen hatte freundlicherweise gewartet, bis ich meinen Platz gefunden hatte. Kaum lag ich im Trockenen, so begann es auch schon zu regnen. Das übliche Geräusch des Regens auf dem Tarp nahm ich nur leise wahr, denn nur ein paar Meter weiter rauschte der Chirel.

    Nicht gerade super gut, aber doch ganz ordentlich hatte ich geschlafen, als ich am Morgen einen ersten Blick aus der Hängematte wagte.

    Es hatte in der Nacht ziemlich viel geregnet und mein Tarp war nass. Weil ich das Tarp mit den Stöcken etwas zu flach abgespannt hatte, hatten sich sogar zwei kleine Pfützen auf dem Dach gebildet (rechts im Bild zu sehen), was aber nicht weiter schlimm war.

    Bald war alles zusammengepackt, zuvor hatte ich aber noch ein Foto meines Platzes vom Wanderweg aus gemacht. Doch, das Tarp stach einem zumindest nicht auf den ersten Blick ins Auge!

    Es ging weiter und bald wurde der Blick auf die ersten Berge und Schneeberge frei.

    Der Weg stieg recht steil in Serpentinen an und ich geriet ausser Atem. Grund genug, beim nächsten Bänklein eine Frühstückspause zu machen und mir einen Kaffee zu kochen...

    ... und die Sonne zu geniessen, die sich immer deutlicher den Weg durch den Wald bahnte.

    Wieder unterwegs begegnete mir dieses kleine Häuschen mit einer Kasse. Hier hätte ich mir auch einen Kaffee und etwas Käse aus dem Tal schmecken lassen können, aber ich war schon satt.

    Das Diemtigtal weitete sich und Schwenden, das Ziel meiner Reise, kam immer näher.

    Der Wanderweg dem Fildrich entlang war ein Traum und ich genoss die angenehmen Temperaturen und die frische Bergluft.

    Nach dem Mittagessen musste ich mein Tarp trocknen. Ich nutzte die Gelegenheit und hängte die Hängematte gleich mit auf. Natürlich legte ich mich auch gleich hinein und nickte nach kurzer Zeit ein.

    Die Befestigung des Tarps direkt an den Baumgurten hat bis jetzt gut funktioniert. Ob sie auch bei starkem Wind halten wird? Ich hoffe es.

  • Am Samstag setzte ich mich erneut von der Gruppe ab und wagte die Wanderung in Richtung Seebergsee. Dazu musste ich einige Höhenmeter auf einem ziemlich steilen Bergpfad hinter mich bringen.

    Nach etwa zwei Stunden hatte ich die Höhe erreicht, fand aber noch einigen Schnee vor. Wo er allerdings bereits weg war, waren die Wiesen von Krokussen und einzelnen Enzianen übersät.

    Als ich ein paar nette Fichten im richtigen Abstand erspähte, zückte ich natürlich die Hängematte und hängte sie auf:

    1'865m ü.M. zeigte mir das Smartphone an. Ich war ganz überrascht, so weit oben zu hängen. Da ich noch versuchen wollte, bis zum Seebergsee zu kommen, blieb ich nicht lange liegen.

    Tatsächlich habe ich es nach einigen Schritten durch den Schnee und mit etwas feuchten Socken geschafft.

    Für den Rückweg wählte ich den Weg über den Meniggrat.

    Nach einem weglosen Stück durch einen Streifen Wald gelangte ich bald ins Tal. Der letzte Teil der Wanderung entsprach dann meiner Anreise vom Donnerstag.

    Als ich um 21 Uhr wieder von meiner Wanderung zurück war, tauchte die untergehende Sonne gerade den Gsür (2'710m ü.M.) in ein wunderbares Licht.

  • Hier mal noch ein konkreter Vergleich zwischen «Schweizer Landeskarte» und «OpenTopoMap»:

    Beide Karten zeigen viele Details, doch die auf OpenStreetMap basierende OpenTopoMap beinhaltet diverse Fehler, die ich als Nutzer meines Wissens nicht korrigieren kann:

    • Höhenlinien / Höhenkurven stimmen nicht mit der Realität überein (weder von der Höhe noch vom Verlauf her).
    • Bei zahlreichen markanten Punkten fehlt eine Höhenangabe.
    • Höhenlinien verschwinden in einem Gewässer und kommen wieder heraus (was ein logischer Widerspruch ist).

    Mir geht es hier nicht darum, die OSM-Karten schlecht zu machen. Ich nutze sie auch, da sie leicht verfügbar und erst noch kostenlos sind und man aus ihnen vieles herauslesen, sich mit ihnen im Gelände orientieren kann. Ich finde die OSM-Karten ein grossartiges Projekt, das weltweit für viele Gebiete, für die es sonst gar keine oder nur sehr schlechte Karten gäbe, erstaunlich detaillierte Karten verfügbar macht. Im Vergleich zu den Schweizer Landeskarten sind die OSM-Karten für mich aber viel weniger gut lesbar:

    • Geländeformen sind nur schwer erkennbar: Es fehlen viele Details.
    • In schwierigem Gelände vermitteln sie kein klares Bild vom Gelände: Eine präzise Navigation mit der Karte kommt viel schneller an ihre Grenzen.
    • Die Karten können nicht gleich leicht intuitiv gelesen werden: Es entsteht viel weniger ein plastisches Bild des Geländes vor dem inneren Auge.

    Das hat bestimmt auch viel mit der eigenen Gewohnheit zu tun. Für mich braucht das Lesen einer OSM-Karte einfach viel mehr intellektuelle Anstrengung, weil ich mir alles, was die Karte nicht zeigt, gedanklich erschliessen muss. Bei der Schweizer Landeskarte passiert das praktisch von alleine, sie liest sich viel intuitiver.

    Hier ein Beispiel vom Gelände um den im Bericht genannten Seebergsee in zwei Massstäben, beide sehr detailliert, um das oben Ausgeführte zu veranschaulichen. Das Koordinatennetz bei der gezeigten Auflösung der Schweizer Landeskarte – jeweils links abgebildet – markiert einen Kilometer:

      

    Noch näher herangezoomt:

       

    © Schweizer Landeskarten: https://map.geo.admin.ch/

    © OpenTopoMap: https://opentopomap.org/

  • Danke dir für die tollen Eindrücke.

    Wahnsinn, dass du da so locker im Schnee unterwegs warst. Ich war letzte Woche in den Allgäuer Hochalpen unterwegs, u.a. auf dem Hochgrat (ca. 1.800m Höhe). Da lag sehr viel Schnee und es war teils sehr steil. Zudem hatten wir je nach Höhe den ganzen Tag über Regen, Hagel und Schnee. Am Ende nach knapp 20 km und etlichen Höhenmetern waren wir völlig am Ende. Ich fand gerade die steilen Stellen sehr gefährlich im Schnee, da man auf der Etappe fast ausschließlich auf einem Grat gelaufen ist und beim Abrutschen hunderte Meter gerutscht oder im schlimmsten Fall gestürzt wäre. Wir haben ab dem zweiten Tag dann die geplante Route abgebrochen und weitere Etappen auf unter 1600m Höhe gemacht. Das war dann wirklich wunderschön und man hat sich sicher gefühlt, auch wenn dort noch teils 1-2m Schnee lagen - die Aufstiege waren aber nicht mehr so steil.

    Hier noch zwei Eindrücke von den Umständen meiner Tour:

  • MoPe, vielen Dank fürs Teilen deiner Eindrücke und Bilder. Das ist natürlich eine ganz andere Situation als die, die ich an Auffahrt hatte. Ich war zwar noch etwas weiter oben unterwegs (bis knapp 2'000m ü.M.), aber ich hatte wirklich sehr gutes Wetter und nirgends Absturzgefahr. Zudem hatte ich dank der sehr guten Karten samt GPS-Empfang immer genau im Blick, wo ich mich befand und an welchen Stellen weiter unten Absturzgefahr herrschen könnte. Die Wege selbst waren – abgesehen vom steilen Aufstieg zu Beginn – nicht wirklich steil. Die einzige Ungewissheit war der Schnee: Ich wusste nicht exakt, wo ich mit ihm rechnen musste, konnte nur grob abschätzen, dass es in nach Norden ausgerichteten Hängen und in Waldstücken auch in tieferen Lagen noch etwas mehr Schnee geben könnte, was dann auch der Fall war.

    Beispielsweise im hier gequerten weglosen Waldstück lag noch etwas Schnee (auf der Karte bläulich eingefärbt). Ich habe mich aber oberhalb der Gefahrenzone immer nordwestlich der Krete bewegt, um auch im schlimmsten Fall nicht in Gefahr geraten zu können. Auf der Wiese unterhalb vom Waldstück fand ich dann einen schneefreien Korridor vor, den ich nehmen konnte. Im Waldstück bin ich aber mal bis Mitte Oberschenkel eingesunken.

    © https://map.schweizmobil.ch (Planungstool bearbeitet)

    Insgesamt hatte ich nie den Eindruck, mich in eine gefährliche Situation zu begeben. Im Zweifelsfall wäre ich umgekehrt. Das Waldstück war der «gefährlichste» Abschnitt: einfach weil ich nicht sehen konnte, wie es weiter unten aussieht, und eine Umkehr ziemlich beschwerlich gewesen wäre.

    Ausserhalb des Waldes bin ich nie mehr als vielleicht 30-40cm im Schnee eingesunken, meistens konnte ich auf dem Schnee laufen. Die Spuren im Schnee waren meist schon gut ausgetreten.

    Bei mir waren es auch knapp 20km und insgesamt gut 1'150m hoch und wieder runter.

  • Noch eine Ergänzung zum Thema «Schweizer Landeskarte» und «OpenTopoMap»:

    Solange man sich auf ausgeschilderten Wegen bewegt, reicht eine auf OpenStreetMap basierende Karte völlig aus. Schwierig und auch schnell einmal gefährlich wird es, wenn man im Gebirge respektive in schwierigem Gelände die Wege verlässt und einen Weg abseits von Wanderwegen suchen und auch finden möchte. Ich illustriere das am relativ kurzen Stück, das ich weglos zurückgelegt hatte – teilweise durch den Schnee:

     

    Auf der Schweizer Landeskarte (links abgebildet) kann ich den Verlauf von steil abfallenden Felswänden genau lokalisieren. Ich weiss, dass die eingezeichneten Felswände mit der Realität übereinstimmen.

    • Unter anderem hatte ich mir überlegt, mir den Weg nach Nordosten durch die relativ enge Schneise zwischen den Felswänden nach unten auf den Weg zur Alp «Obere Ring» zu suchen (auf den Karten blau eingezeichnet). Rein von der Navigation mit der Karte her wäre das kein Problem gewesen. Die relative Steilheit und die Ungewissheit in Sachen Schnee und allenfalls umgestürzter Bäume liessen mich nach kurzem Abwägen von dieser Variante absehen, weil eine Umkehr im steilen Gelände sich sehr schwierig gestaltet hätte. Zudem wäre dieser Abstieg – entgegen meiner ursprünglichen Vermutung – gar keine Abkürzung gewesen.
    • Ich hatte mich dann für die Variante über den Menigwald hinunter zur Sennhütte entschieden (rot eingezeichnet), weil dieser Weg deutlich weniger steil und der Korridor zwischen den Felsen ungleich breiter ist als bei der zuerst angedachten Variante. Abgesehen vom an einigen Stellen über einen Meter tiefen Schnee innerhalb des zu querenden Waldstreifens gestaltete sich dieser Abstieg denn auch weitgehend einfach.

    Hätte ich nur eine auf OpenStreetMap basierende Karte (wie z.B. die OpenTopoMap, rechts im Bild) dabei gehabt, so hätte ich mich womöglich für die rot eingezeichnete Variante entschieden, hätte die Gefahren und Schwierigkeiten aber nur sehr schlecht einschätzen können. Vermutlich wäre ich aber eher umgekehrt und hätte einen ausgeschilderten Weg weiter südwestlich genommen. Die blau eingezeichnete Variante wäre mit OSM äusserst gefährlich gewesen, weil die Karte einem fälschlicherweise vermittelt, dass es in diesem Gebiet keine steil abfallenden Felswände mehr gibt. Eine präzise Navigation zwischen den entgegen der Karte doch vorhandenen Felswände wäre unmöglich gewesen.

    Kurz, für eine Tour abseits von ausgeschilderten Wegen braucht man zwingend eine präzise topografische Karte, «OSM» und erst recht «Google Maps» reichen da schlicht nicht aus, ausser man möchte sich in akute Lebensgefahr begeben.

  • Höhenlinien / Höhenkurven stimmen nicht mit der Realität überein (weder von der Höhe noch vom Verlauf her).

    Ja, das ist mir bei Openstreetmap / Opentopomap auch schon aufgefallen. Im Detail würde ich mich nicht darauf verlassen, nur als grobe Orientierung. In etwas flacheren Wäldern kann ich damit absolut keine Vorstellung von der Topografie entwickeln.

    Die Schweizer Landeskarten, die es da online gibt, erinnern mich an die offiziellen norwegischen und schwedischen Online-Karten. Beeindruckend. Gibts nicht öffentlich verfügbar für Deutschland, oder?

    Schöne Bilder, schöne Hängeplätze (besonders der oben zwischen den Fichten), schöne Holzkocherfrühstückspause!

  • Für Deutschland habe ich schon oft gesucht, aber letztlich nichts «Gescheites» gefunden. Bei uns in der Schweiz hat die Kartografie eine lange Tradition. Auf dem Link kann man unter «Zeitreise – Kartenwerke» teilweise bis 1844 zurückgehen und sich dann von damals Jahr um Jahr bis in die Gegenwart durchklicken. So lässt sich nachvollziehen, wann ein Gebäude gebaut worden ist oder wo es früher einen offiziellen Wanderweg gab, der heute nicht mehr gepflegt wird.

    Auch toll sind die Kartenwerke Frankreichs, die ebenfalls online verfügbar sind. Am besten gefällt mir dort die «Carte topografique IGN». Eine Reduktion der Höhenlinien im Gebirge würde dem Kartenbild allerdings gut tun. Zu viel Information auf engem Raum macht die Karte nicht leichter lesbar. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau.

    Vielleicht könntest du, Siebenschläfer, die offiziellen Online-Karten Schwedens und Norwegens noch hier verlinken. Allenfalls wäre eine Sammlung von guten Online-Kartenwerken sogar mal einen eigenen Faden wert. Oder man könnte sie bei den Wandertipps unterbringen.

    PS: Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Schweden, Norwegen und die Schweiz mit zu den erfolgreichsten Nationen im Orientierungslauf gehören. Wenn ein Land über gute Kartenwerke verfügt, findet man leichter Zugang zu dieser Sportart. Die meines Wissens erfolgreichste Athletin bisher war die Schweizerin Simone Niggli-Luder mit 23 OL-Weltmeistertiteln zwischen 2001 und 2013 (inklusive zwei Baby-Pausen).

  • Vielleicht könntest du, Siebenschläfer, die offiziellen Online-Karten Schwedens und Norwegens noch hier verlinken.

    Die Links zu Norwegen und Schweden kann ich gern beisteuern. Allerdings kann ich im Gegensatz zu deinem obigen Direktvergleich zu beiden relativ wenig sagen, was tatsächliche Quelle, Qualität und Funktionen angeht - insbesondere zu der schwedischen Website. Das liegt vor allem daran, dass ich noch nie ein Smartphone oder Tablett besessen hab und in jedem Fall Papierkarten benutze. Für mich sind Online-Karten meist nur zur Vor- oder Nachbereitung interessant.

    Norwegen: https://norgeskart.no stammt vom staatlichen Kartverket und enthält u.a. auch Satelliten- und Seekarten

    Schweden: https://kso.etjanster.lantmateriet.se/ ist vielleicht in etwa vergleichbar

  • Ich ziehe auch Papierkarten vor - nur schon vom Überblick her. Eine App ist aus meiner Sicht immer zweite Wahl. Der grosse Vorteil ist der geringe Platzbedarf, sofern man ein Smartphone mitnimmt. Der grösste Nachteil einer App ist die Abhängigkeit vom Strom.

    Die Links schaue ich mir gerne zuhause an. Vielen Dank dafür!

  • Ich fände es toll, wenn ihr einen eigenen Faden für die Kartenlinks aufmachen würdet und sie auch gleich mit einem passenden Schlagwort auffindbar machen könntet.

    Hier würde ich die Frankreichkarten, die mich interessieren, sicher nie wiederfinden....

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