Ich möchte nochmals auf die Geschichte mit der Belastung von Trekkingstöcken und Heringen zurückkommen.
Mittagsfrosts Szenario
Ich erlaube mir, hier Mittagsfrost s Skizze mit ein paar Stichwörtern angereichert noch einmal zu posten:
Linke Seite:
- Sowohl die Hängemattenaufhängung als auch die Abspannung gehen in einem Winkel von rund 60° gegenüber dem Stock nach unten.
- Die Hängemattenaufhängung und die Abspannleine erfahren die etwa gleich grossen Zugkräfte.
- Hängemattenaufhängung wie auch Abspannleine bewirken beide eine Längskraft, die den Stock belastet.
- Die Belastung entspricht in der Summe etwa der Gewichtskraft der Person in der Hängematte, also etwa 100% der Personenlast.
- Die Belastung muss von einer 120cm langen Stange getragen werden.
Rechte Seite
- Der Winkel zwischen Stock und Abspannung beträgt etwa 90°
- Somit trägt die Abspannung nichts zur Längsbelastung des Stockes bei.
- Der Winkel zwischen Stock und Hängemattenaufhängung beträgt etwa 30°.
- Somit überträgt die Hängemattenaufhängung rund 86,6% der Gewichtskraft der Person in der Hängematte auf den Stock, also etwa 13% weniger als im ersten Fall.
- Diese Belastung muss von einem Stock getragen werden, der 140cm lang ist, und dessen Belastungsfähigkeit gegenüber dem kürzeren Stock nur noch etwa 73,5% beträgt. (120/140)²
Wenn wir die beiden Möglichkeiten vergleichen, stellen wir fest:
- Im Linken Fall muss der Stock 100% der Hängemattenlast tragen. Die Belastung des Herings beträgt ebenfalls 100% der Hängemattenlast (<= gleiche Winkel, gleiche Lasten).
- Im rechten Fall beträgt die Belastung des Herings 50% der Hängemattenlast (<= Sinus 30°). Die Längsbelastung der Stütze beträgt in absoluten Zahlen 86,6% der Hängemattenlast, unter Einbezug der längeren Stocklänge und deren geringerer Bruchlast aber stolze 117,9% der Hängemattenlast (<= 0,866 / 0,735)
- Bei gleicher Aufhängehöhe ist der rechte Fall in Bezug auf die Belastung der Heringe idealer, der linke Fall in Bezug auf die Belastung des Stocks.
Mein Eindruck ist, dass Mittagsfrost in seinen bisherigen Ausführungen vor allem das oben Dargestellte vor Augen hatte. Er hat allerdings bei seinen Überlegungen den zweiten Teil von Punkt 2 nicht berücksichtigt: Wenn wir für die gleiche Aufhängehöhe einen längeren Stock benötigen, so setzt das die Stabilität des Stockes (deutlich) herab!
Abspannung im 90°-Winkel
Anders als in der von Mittagsfrost eingebrachten Skizze ging ich bei meinen bisher gemachten Aussagen immer von der Voraussetzung aus, dass wir zwischen den Stöcken und der Abspannleine einen Winkel von 90° (oder auf jeden Fall möglichst nahe bei 90°) einhalten. Das habe ich auch immer explizit als Voraussetzung genannt. Im linken Fall (siehe oben) ist das nicht der Fall!
- Bei Einhaltung des 90°-Winkels halten wir den Zug auf den Hering (oder die Heringe) optimal tief. Bei jedem anderen Winkel wird die Belastung der Heringe erhöht.
- Gleichzeitig gilt bei Einhaltung des 90°-Winkels zwischen Stock und Abspannleine, dass die Längsbelastung des Stocks tiefer wird, je senkrechter wir ihn aufstellen.
Hier nun meine Skizze:
Es gilt: Je senkrechter der Stock aufgestellt wird, desto kleiner ist die Längskraft, die durch die Hängemattenlast auf ihn übertragen wird.
- Zur Erinnerung: Der Stock ist im 90°-Winkel abgespannt, durch die Abspannung erfolgt kein Eintrag einer Längskraft auf den Stock!
Fazit
Es gibt ein Zwischending zwischen senkrechtem und stark geneigtem Stock:
- Steht der Stock zu senkrecht, so wird die Last auf die Heringe ungünstig hoch.
- Wird der Stock zu stark geneigt, so wird die auf ihn einwirkende Längskraft höher, was durch die zusätzlich benötigte Länge weiter verschärft wird.
Zwischen den roten Bereichen «zu steil aufgerichtet» und «zu stark geneigt» gibt es einen gewissen grünen Bereich. Zu dem habe ich dann auch noch eine Grafik, die von zahlreichen Faktoren wie Hängemattenlast, Hängewinkel, Stabilität der Trekkingstöcke und Haltekraft der Heringe abhängt.