Hängematte in Eis und Schnee

  • Da es gerade so aussieht, als würde der Winter doch noch in Gang kommen, nutze ich die Gelegenheit, euch von zwei Hängemattenübernachtungen bei strammen Minusgraden zu berichten.
    Die erste war auch die kälteste bei -13 Grad und fand im tschechischen Isergebirge statt. Ich hatte ein Tarp aufgespannt, obwohl ich wusste, dass es keinen Schnee geben würde.


    Da es auch keinen Wind gab, war der Schutzeffekt gleich Null. Vor diesem Hintergrund habe ich bei der zweiten Tour im Harz von vornherein kein Tarp benutzt, wohl aber mein ofenbeheiztes Tipi aufgestellt, das mir am Abend und auch am nächsten Morgen als Wärmezone diente.



    In beiden Fällen habe ich eine meiner neuen Netzhängematten verwendet.


    Wie auf den Bildern zu erkennen, hat sich im Moskitonetz jede Menge Atemluft gesammelt und ist dort festgefroren. Das war insofern nicht ganz angenehm, als beim morgendlichen Aufstehen erst einmal ein kleiner Eisregen auf mich niederging, Als ich den Schlafsack verlassen hatte - die Outdoor-Dusche sozusagen...


    Auch der Mattenstoff war völlig vereist.


    Da es aber sonnig war und das Zelt in unmittelbarer Nähe stand - das freilich erst mal geheizt werden musste -, habe ich beide Morgende in guter Erinnerung. Wovon es leider keine Fotos gibt, ist die zweite Nacht im Isergebirge, in der ich eine Hängematte ohne Netz benutzt habe. Obwohl die Nacht wärmer war (-6°), ist sie mir als deutlich unangenehmer in Erinnerung. Das lag vor allem daran, dass das schützende Moskitonetz fehlte, das wie eine Klimascheide wirkt, die besonders beim Atmen spürbar ist. Unter dem Netz entsteht ein deutlich wärmerer Raum als beim direkten Kontakt mit der Nachtluft, die doch sehr in den Lungen stach, sodass ich immer wieder mal aufgewacht bin.
    Was habt ihr für Erfahrungen in der Hängematte bei Minusgraden gemacht?

  • Die Bilder sind nicht in den Beitag eingebunden.
    Schau mal ob damit alles passt.


    Ich liebe Minustemperaturen.
    Bei Schönwetter kann jeder.


    Ich bin mal in der Pfalz aufgewacht und der Schnee hat das Mückennetz meiner DD Frontlinie herunter gedrückt.
    Der Wind drehte nachts und mein Tarpaufbau, der den Wind samt Schnee fernhalten sollte, funktionierte nicht mehr.
    Es wehte direkt von der Seite hinein auf die HM.
    Da war ich wieder froh, zu jeder Jahreszeit eine HM mit Mückennetz zu nutzen.
    Es hält auch leicht den Wind ab und wie hier, den Schnee.
    Es war so kalt, -13°C, dass dieser nicht schmolz und der Schlafsack trocken blieb.


    Auch der UQ war durch einen Protector aus beschichtetem Ripstop geschützt.
    Die Gearhammock so groß bemessen, dass man sie schließen kann.
    Alles trocken, wieder hinein gelegt und weiter gepennt.


    Was mir am Weihnachtsabend passierte am Feldberg,
    ich trat mit meinen Winterstiefeln von Kamik den Schnee um meine HM herum platt.
    Das frohr auch dann zu einer Platte und ich musste nicht ständig "stapfen". Also wie ein Storch gehen.
    Nachts musste ich raus, Pipi und hatte nur Socken an. Trat auf die Folie vor der HM und knack, brach durch die plattgetretene Schneeschicht.
    Der Schreck war schlimmer.
    Was war passiert?
    Die Auflagefläche des Fußes war natürlich geringer als die, der Stiefelsohle. Also mehr Belastung pro cm/2.
    Das reichte um ohne Schuhe einzubrechen.
    Darunter waren kleine Sträucher, Heidelbeerbüsche.

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    30.04. - 04.05.20 Hängemattenforum Sommer Treffen Mengerschied

  • Schoene Bilder! Mit Schnee sieht alles besser aus! Ich sehe Dein Hot tent war ebenfalls im Einsatz! Ein Wintercover zu benutzen (selbst Moskitonetz hilft schon), bringt auf jeden Fall ein paar Grad und hilft weiter. Nachteil ist halt die Frostbildung. Mein Gen 2 WB Wintertopcover hat Netzeinsaetze im Kopf- und Fussbereich und wenn es windig ist, zieht der Kondens so ganz gut ab. Bei Windstille nicht so sehr. Bei sehr kalten Temperaturen habe ich mir da eine Canvas Socke besorgt (siehe Bilder in meinem Scandinavian Wooki Bericht), die hier atmungsaktiver als Nylon sein soll. Die habe ich aber erst seit kurzer Zeit und habe deshalb kaum Erfahrungswerte. Hier meine WB Wintersocke im Einsatz am vergangenen Wochenende. Vorteil ist auch, dass man aufs Tarp verzichten kann, wenn es kalt genug ist.
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  • Du, Boundry Waters hast ja noch bei viel kälteren Temperaturen in der Hängematte übernachtet. Ist es tatsächlich so, dass man die trockene kontinentale Kälte besser erträgt? Hast du da einen Vergleich? Ja und die Bilder, Bernd, keine Ahnung was da los ist. Probleme hatte ich damit - im Unterschied zu manchen anderen eigentlich nie. Vielleicht mal abwarten bis das System upgedatet wird. Boundrys Bild wurde ja auch nicht genommen.

  • Ja, was die Bilder angeht stimmt hier glaube ich was nicht?! Ich hab's auch genauso gemacht wie die letzten Male.
    Was verschiedene Regionen betrifft, habe ich leider keine Vergleichsmoeglichkeiten, aber bei Minusgraden schlafe ich immer mit irgendeiner Art topcover und man merkt schon einen deutlichen Unterschied wenn man das cover mal zuruechzieht. Ich habe auch immer ein balaclava dabei, mit dem ich bei Bedarf Nase und Mund verdecken kann. Das hilft dann natuerlich auch beim atmen der kalten Luft. Meine Erfahrung ist, das man recht schnell merkt, wenn man sich wirklich einwickeln muss, um seine Haut zu schuetzen. Tiefsttemperatur letztes We lag am Freitag bei -11 Grad C und mit dem WB Topcover drueber, brauchte ich z.B. keinen Schutz fuers Gesicht. Ohne Topcover haette es da bestimmt anders ausgesehen....

  • Was mir bei den Übernachtungen unterm Netz auffiel, ist, dass der Schlafsack doch eine ganze Menge Kondenswasser abbekommen hat. Nachdem ich ihn mit ins warme Zelt genommen hatte, taute das auf und er war klitschnass außen. Ich habe mich nicht groß drum gekümmert, denn ich konnte ihn nach der Tour zu Hause trocknen. Aber wenn man eine längere Wintertour unternimmt, muss man Wenn möglich entweder aufs Netz verzichten oder jeden Tag eine längere Trockenphase einplanen. In meinem Fall wäre das mit dem Zelt auch möglich, kostet nur einiges an Zeit.

  • Das stimmt und dafuer gibt es ja die "frost bib" die das verhindern bzw. im Rahmen halten soll. Normalerweise bleibt es ja im gefroren Zustand, bis es dann zuhause getrocknet werden kann. Wenn die Sonne scheint, kann man natuerlich auch versuchen den Quilt so tagsueber abtrocknen zu lassen oder halt in einem hot tent, wenn es zur Verfuegung steht.

  • [USER="170"]Seitenschläfer[/USER] wenn du schon ein Zelt und die HM mitnimmst: wäre es nicht einfacher, du würdest dir ein Zelt um die HM konstruieren? Also quasi ein Tarp mit Türen, das bis auf den Boden reicht und in das du evt. noch deinen Ofen stellen kannst? Dann wäre es in der HM viel gemütlicher und gewichtsmäßig käme es auch aufs Gleiche. Die Probleme mit dem Kondenswasser oder der "Morgendusche" gäbe es dann wahrscheinlich auch nicht.
    Ich habe immer schon mal überlegt, ob "HM im Zelt" nicht eine gute Sache wäre. Falls es da "was Offizielles" zu kaufen gäbe, wäre ich evt. daran interessiert .

  • Den Schlafsack bzw topquilt kann man auch gefriertrocknen.
    Man legt den Schlafsack direkt, und das ist wichtig, nach dem aufstehen in die Kälte. Dann friert die Feuchtigkeit auf dem Gewebe und man kann es einfack abklopfen.
    Ich hab neulich bei ca -10 draußen geschlafen. Da hatte ich null Kondens. Es war aber auch extrem trocken in der Luft.
    Scheint im Winter hier kein so großes Problem zu sein.
    Je näher men an den taupunkt kommt desto feuchter wird’s.

  • Danke für eure Rückmeldungen. Was die Zeltkonstruktion um die Hängematte betrifft, barfuß, habe ich mir tatsächlich schon Gedanken gemacht. Der Wawhiker benutzt eine solche Konstruktion. Aber ich werde das aus mehreren Gründen lassen. Einmal brauchte es für meine Crosshammock Hängematte eine ganz andere Raumlösung als bei einer gathered end Hängematte. Ein über die Ridgeline gespanntes Tarp mit Türen, das bis zum Boden reicht, brauchte eine ganze Menge mehr Stoff und böte doch keine Möglichkeit, den Ofen im Liegen zu befeuern. Vor dem Ofen habe ich auch einen Heidenrespekt, denn der wird richtig heiß. Eine Berührung mit einem Nylonstoff und das wars. Ich habe deshalb auch nie erwogen, ein Tipi aus Nylon zu nähen. Außerdem mag ich es doch auch, im Kalten zu schlafen. Die Nacht im Harz ohne Tarp war auch deshalb so schön, weil ich immer wieder den nur durch Netz getrübten Blick in den Sternenhimmel genießen konnte. Das hat mich tatsächlich mehr vom Schlafen abgehalten als die Kälte. Mein DIY-Schlafsack ist aber auch wirklich sehr warm.
    Der Tipp mit dem Gefriertrocknen ist gut, funktioniert aber nur bei trockener Kälte. ich habe mir den Schlafsack wahrscheinlich vermeidbarerweise nass gemacht, weil ich ihn mit ins warme Zelt genommen habe. Aber irgendwie war die Nacht obwohl sternklar doch auch feucht. Normalerweise lasse ich, wenn der Wetterbericht keinen Niederschlag verspricht, auch die Kamera immer draußen, weil ich manchmal per Handyverbindung aus dem Liegen raus noch Bilder machen will. So auch diesmal. Am nächsten Morgen sah die Kamera dann so aus - und ich hab erstmal einen kleinen Schreck bekommen.

    Ist zwar nichts passiert, die Kamera hat nach dem Anschalten sofort funktioniert, nur das Objektiv musste geputzt werden. Aber es zeigt, dass es trotz der Minustemperaturen bei klarer Luft doch wohl Feuchtigkeit in der Luft gegeben hat.

  • Die Beachtung des Taupunktes ist bei richtig kalten Bedingungen von Belang. Dafür muss es so kalt sein, dass die vom Schläfer abgegebene (feuchte) Wärme auf dem Weg nach draußen bereits innerhalb des Schlafsacks kondensiert und dann gefriert. Dann hat man ein richtiges Problem, denn diese Nässe kriegt man nur durch ausgedehnte Trocknung wieder raus. Dafür wäre ein Hot Tent wie meins nötig. Und das müsste man wahrscheinlich einen halben Tag beheizen. Die ganz harten Wintercamper reagieren auf diese Bedingungen, indem sie innen in den Schlafsack eine Plastiktüte o.ä. stecken, also im eigenen Saft kochen und damit den Feuchtigkeitstransfer durch den Schlafsack verhindern.
    Aber solche Bedingungen hatte (und suche) ich nicht. Die Nässe bei mir kam von der Atemluft, die nur bis zum Moskitonetz entweichen konnte und dann dort und auf dem Schlafsack kondensierte und anfror.

  • Die Beachtung des Taupunktes ist bei richtig kalten Bedingungen von Belang.


    Nicht ganz. Der Taupunkt ist abhängig von der Temperatur UND der Luftfeuchtigkeit. Es kann auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt dazu kommen, dass transpiriertes Wasser in der Isolation abkühlt und kondensiert. Wenn die Lufttemperatur unter den Taupunkt sinkt, dann steigt die Luftfeuchtigkeit auf 100% und Wasser kondensiert in der Luft (Nebel). Wenn die Temperatur weiter sinkt, dann kondensiert das Wasser in der Isolation. Bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt ist das nicht so schlimm, weil man tagsüber vermutlich immer mal wieder dazu kommt, die Isolation zu trocknen.


    Die ganz harten Wintercamper reagieren auf diese Bedingungen, indem sie innen in den Schlafsack eine Plastiktüte o.ä. stecken, also im eigenen Saft kochen und damit den Feuchtigkeitstransfer durch den Schlafsack verhindern.


    Was Du hier ansprichst ist eine sogenannte Dampfsperre (Vapor barrier; VB). Die Meinung, dass man bei der Verwendenung einer VB im eigenen Saft kocht, ist weit verbreitet, aber falsch. Wenn man die Transpiration gut kontrolliert, dann fühlt es sich überhaupt nicht nach Sauna an. Also einfach beim in's Bett gehen gerade so viel zudecken, dass man nicht friert. Wenn man dann in der Nacht aufwacht und leicht fröstelt, dann kann man sich weiter zudecken. Das ist auch gut, wenn man keine VB verwendet. Shug: "Put on the insulation as you go." Schwitzen im Winter ist nie gut.

    "It is a mistake to think you can solve any major problems just with potatoes." DNA

  • Ich muss gestehen, dass ich mir diese Taupunkt -Diskussionen schon manches Mal durchgelesen habe, aber für mich nichts Praktisches draus lernen konnte. Wie soll das von dir empfohlene dosierte Zudecken denn praktisch aussehen? Ich habe nur einen Schlafsack mit - und der hat aus Isolationsgründen keinen Reißverschluss. Weiter zudecken ist also unmöglich, aber bei mir auch nicht nötig. Man rutscht in den Schlafsack, freut sich, wenns warm geworden ist und schläft ein. Auch bei Shug, der irgendwo davon erzählt hat, 11 Stunden am Stück zu schlafen, kann ich mir nicht vorstellen, dass er nachts mehrmals die Isolierung verändert. "As you go" - o.k. - aber nicht "as you sleep". Und schwitzen bei Minusgraden war bei mir noch nie ein Thema.

  • Man muss bestimmt keine Wissenschaft daraus machen. Ein bisschen Frost auf dem TQ klopft man entweder ab, laesst es trocknen oder einfach so wie es ist. Alles gut. Meistenes geht es ja auch nur um ein paar Tage und nicht um Expeditionen. Auch bei Minusgraden kannst Du schwitzen. Das passiert in meiner Erfahrung, wenn Du zuviel an hast und dann auch relativ frueh in der Nacht und reguliert sich dann zu fortgeschrittener Stunde. Shug kontert es halt, indem er sich nachtsueber noch eine Lage anzieht. Macht man es oft genug, weiss man glaube ich schon ganz gut welche Klamotten, Quilt, etc bei welchen Temperaturen angemessen sind.