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Gruß DL1JPH
Hallo zusammen.
Vielen Dank für die wertvollen Infos!
Ich habe mir - inspiriert durch den Wooki - in letzter Zeit viele Gedanken zum optimalen Underquilt für gathered-end Hängematten gemacht und auch einige Experimente durchgeführt. Ich schätze die Situation momentan folgendermaßen ein:
Ein Underquilt sollte
1. warm halten,
2. den Liegekomfort nicht einschränken,
3. flexibel einsetzbar sein,
4. leicht sein und
5. günstig sein
In der Realität muss immer ein individuelles Optimum als Kompromiss all dieser Kriterien gefunden werden. "Den" perfekten UQ gibt es selbstverständlich nicht.
zu 1.) Um optimal warm zu halten muss die Isolation die Möglichkeit haben, eine möglichst stabile Luftschicht um den Körper zu erzeugen. Dafür sorgen das Isolationsmaterial (Daune, Apex, Primaloft), die Kammern mit Stegen sowie der allseits bewährte differentiale Schnitt. Die isolierte Fläche muss mindestens der Liegefläche entsprechen. Außerdem dürfen zwischen dem Hängemattenstoff und dem UQ keine Lücken, Spalten oder sonstige Abstände auftreten, da es hier zu Wärmeverlust kommen kann (cold spots).
zu 2.) Übt der UQ in irgendeiner Wesie Druck auf den Hänger aus, kann die optimale Liegeposition in der Hängematte (Sweet spot) nicht mehr eingenommen werden. Zusätzlich werden eventuell Phänomene wie Spannungsfalten (calf ridge, knee ridge) verstärkt. Dies führt zu Komforteinbußen.
zu 3.) Der UQ sollte problemlos mit verschiedenen Hängematten verwendet werden können. Die Position des UQ an der Hängematte sollte ohne großen Aufwand verändert werden können.
zu 4.) Am besten sollte der UQ nichts wiegen oder den Rucksack leichter machen. Ich würde hierfür heliumgefüllte UQs vorschlagen oder Anti-Schwerkraft-Module (Patent beantragt).
zu 5.) Analog zum vorherigen Punkt: Entweder sollte der UQ nichts kosten, oder man sollte noch Geld dafür bekommen, ihn zu benutzen. Hier sind einige Hänger schon nahe dran (Youtube).
Der bezüglich Komfort und Wärme in meinen Augen perfekte UQ ist eigentlich keiner: die isolierte Hängematte (siehe z.B. hier). Die Kammern mit dem Isolationsmaterial sind direkt an der Hängematte angebracht, sie passen sich immer optimal der Kontur des Hängers an, es gibt keine Cold Spots. Der große Nachteil: weil man quasi direkt "im" UQ liegt, wird dieser zwangsläufig im Laufe der Zeit schmutzig. Wenn man ihn reinigen möchte, ist das - insbesondere bei Daune - nur mit einem relativ großen Aufwand möglich. Auch kann man die Länge der HM nachträglich nicht verändern. Die Flexibilität ist hier also deutlich eingeschränkt. Darüber hinaus wird der HM-Stoff durch die Nähte der Isolierung geschwächt. Die Gefahr, dass das Material versagt, steigt daduch.
Das andere Extrem ist das, was wir heute im Grunde bei den meisten UQs realisiert sehen: höchste Flexibilität. Die Quilts sind an quasi jeder gathered-end HM verwendbar und können an diesen auch frei positioniert werden. Allerdings ist die Passform deutlich schlechter. Die Quilts werden mit diversen Gummiseilkonstruktionen versehen, sitzen aber nie perfekt. Vor allem, wenn die Quilts an ihr Temperaturlimit gebracht werden, ist es nicht oder nur mit sehr viel Fummelei möglich, cold spots zu vermeiden. Zudem werden durch die vielen Gummiseile Kräfte verursacht, die den Liegekomfort teilweise stark beeinträchtigen.
Beide Ansätze sind subotimal. Allerdings gibt es zwei derzeit heiss diskutierte, "neue" Ideen bezüglich UQ-Design, die Fortschritt versprechen.
Die erste "neue" Idee ist der Wooki: Es wird quasi eine isolierte HM mit fast identischen Maßen unter die eigentlich HM gehängt. Die Passform ist nahezu perfekt, man liegt aber nicht direkt in der Isolation. Dadurch kann die HM relativ einfach gereinigt bzw. bei Beschädigung ausgetauscht werden. Der HM-Stoff wird nicht durch Nähte geschwächt. Die Flexibilität ist hier höher als bei der isolierten HM, allerdings müssen HM und UQ relativ genau aufeinander abgestimmt sein. Der UQ kann nicht ohne weiteres mit verschiedenen HMs verwendet werden, und die Lage der isolierten Fläsche lässt sich nicht verändern. Die "neue" Idee, die hinter dem Wooki steckt, ist im Grunde nicht ganz neu (deshalb die Anführungszeichen). Ed Spear hat mit seinem SnugFit Underquilt vor über 10 Jahren bereits ein ähnliches Konzept verfolgt.
Näher an den traditionellen Underquilts und damit deutlich flexibler einsetzbar ist eine andere, vielversprechende Idee, die kürzlich auf hammockforums.net vorgestellt wurde: die clew suspension. Hier wird wie beim Wooki das Grundproblem klassischer Underquilts angegangen: Die Richtungen der Kräfte, die am Underquilt wirken sind anders als bei der Hängematte. Die Gummikrodeln drücken den in der HM Liegenden zusammen (=> Komfortverlust) und bringen gleichzeitig an einigen Stellen nicht genug Zug auf den Quilt, um ihn sauber am Körper anliegen zu lassen (=> cold spots). Dies hat seine Ursache darin, dass die primäre Aufhängung an den Ecken bzw. den Seiten des Underquilts angreift. In der HM entstehen bei liegen unweigerlich Falten, diese Faltenbildung kann der Underquilt nicht mitmachen. Wenn der Zug der Aufhängung aber gleichmäßig auf die Querkannten der Isolation verteilt wird, dann funktioniert das. Und genau hier schafft die clew suspension Abhilfe: es werden viele Gummiseile am Quilt befestigt, verteilt über seine komplette Breite. Dadurch bekommt man auch in der Mitte des Quilts Zug, und damit kann auch Faltenbildung der HM mitgemacht werden. Und: die clew suspension ist deutlich (!) bequemer als die aktuell meist verwendete Aufhängung mit Gummiseilen. Bye bye cold spots, hello comfort.
Die clew suspension sitzt zwar nicht so gut wie der Wooki, baer deutlich besser als ein Underquilt "traditioneller" Bauart. Dafür ist sie flexibler als der Wooki: der UQ kann mit sehr geringem Aufwand an verschiedenen HMs eingesetzt werden und auch die Position der Isolation unter der HM kann sehr einfach angepasst werden - man muss nur die Länge der Gummiseile verändern. Darüber hinaus können auch bereits vorhandene UQs "gemoddet" werden, man muss also nicht wegen dem Wooki alle anderen Quilts wegschmeißen (oder an mich schicken).
Die clew suspension wird derzeit noch intensiv getestet, die ersten Ergebnisse sehen aber sehr vielversprechend aus. Auch ich habe sie schon ausprobiert und kann bestätigen, dass der Komfort deutlich höher ist als mit allen bisher von mir getestenen UQs und quasi keine cold spots mehr auftreten. Und das, obwohl ich nur eine quick-and-dirty-Umsetzung des Konzepts gemacht habe. Ich finde es erstaunlich, dass es keine kommerziell angebotenen Quilts mit dieser Aufhängung gibt.
Den Wooki fände ich persönlich noch besser, wenn Warbonnet die Stoffbahn etwas länger gemacht hätte und die Enden auf die ganz traditionelle Art gewhippt hätte. Dann könnte man das Whipping aufmachen und den UQ ihn an die Hängematte der Wahl anpassen. Ein Wookie für alle Hängematten, sozusagen. Ansonsten ist das Konzept fantastisch und ein echter Fortschritt.
Entschuldigt bitte meinen umfangreichen und teilweise etwas ausschweifenden Post. Ich mach mir gerde sehr viele Gedanken und experimentiere sehr stark. Das wollte ich einfach loswerden.
Gruß,
Roland