(SE) Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden

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  • 4. Rödviken Vindskydd – Gaalovenjohke (18,3 km) 502m rauf - 412m runter

    Montag, 12.08.24

    Wetter: Heiter, kalt, windig



    Da der gestrige Tag mit 9km recht kurz und ich am Abend früh im Bett war, ist meine Bodybattery fast auf auf 100%. Ein gutes Zeichen für die heutige Etappe.



    Die Nacht war wärmer als erwartet und durch den offenen Windschutz gab es keine Probleme mit Kondens oder ähnlichen. Da nichts abzubauen, ist läuft die morning routine heute besonders schnell ab. Waschen, Kaffee trinken, Müsli essen, Sachen in den Rucksack und los.

    Ich verabschiede mich von den Jungs, die teilweise noch im Schlafsack liegen, und bin um 08:30h unterwegs.

    Der Himmel ist grau in grau, der Wind bläst unverändert von schräg hinten in den Nacken und so bleibt auch meine Kapuze am heutigen Tag wieder unentbehrlich. Gut, dass mein neuer Hut Kinnriemen hat, so sitzt er zuverlässig auf meinem Haupt.


    *eisiger Wind, wie jeden Tag


    Wie auch die letzten drei Tage geht es auf steinigen Singletrails weiter Richtung Norden. Vorläufiges Ziel heute, der Fluss Gaalovenjohke in gut 20km Entfernung.

    Gleich zu Beginn geht es etwas Bergan, herum um den Bustvålen zur Kreuzung Revahütten. Zwischendurch zeigt sich immer wieder der Rogen durch die Bäume. Im Hintergrund hängen dicke graue Wolken, die auch den ein oder anderen Regenschauer im Gepäck haben.

    Von der Kreuzung ist es nur ca. 1km bis zur Norwegischen Grenze. Ich biege hier allerdings rechts ab Richtung Skedbrostugan.

    *Im Hintergrund der Rogen, an dessen Ufer gelangt man allerdings nur selten


    Plötzlich ändert sich der Trail. Die Steine werden größer, die Landschaft wird rauer, öffnet sich und ich kann von oben in das Tal vor dem Skedrbofjället sehen. Es verschlägt mir die Sprache.

    *Blick ins Skedbrofjäll

    Es scheinen immer mehr blaue Lücken durch die Wolkendecke, welche die Spitze des gegenüberliegenden Berges fest umschlossen hält. Dazu die saftig grünen Kiefern…das Bild ist perfekt.

    Etwas weiter wird mein Weg von einer Gruppe Rentieren versperrt. Auch sie scheinen die Holzplanken zu nutzen, um leichter im sumpfigen Gelände voran zu kommen.




    Wir konnten uns allerdings ohne Probleme einigen und ich durfte passieren. Der weitere Weg wird immer beeindruckender. Die Kulisse wechselt irgendwo zwischen Herr der Ringe und Winnetou. Kleine Berge ganz aus Stein, über die es auf und ab geht, vorbei an Jahrhunderte alten Baumskulpturen. Bislang ist es eindeutig der schönste Abschnitt des gesamten Weges.



    *Da liegen ein paar Jahrhunderte auf der Seite


    Ich bin froh, als ich in der Ferne die wehende weiße Fahne der Skedbrostugan ausfindig machen kann. Trotz ständiger Bewegung bin ich durchgefroren, die Hände schmerzen vor Kälte. Ein paar Handschuhe wären toll, und das mitten im August.


    *Sekdbrostugan


    Nach kurzer Absprache mit dem Hüttenwirt darf ich eintreten. Auch wenn man sich mit eigenem Brenner nur eine Tüte Suppe warm machen will, werden 40SEK Servicegebühr fällig, als Mitglied im STF wohlgemerkt, sonst 80SEK. Aber gut, wir wollen nicht knauserig sein und einen warmen Ofen kann ich wirklich gebrauchen. Dieser knistert auch schon leise vor sich hin, als ich die Küche betrete. Ein weiterer Mann liegt in seinem Bett und liest ein Buch. Der einzige Gast vor Ort.

    Als mein Teekesselchen auf dem Ofen köchelt, kommen wir ins Gespräch. Er ist Angler und eigentlich mit dem Packcraft unterwegs, doch auf Grund des Windes musste er seine Plänen ändern und nun das beste draus machen. Einquartiert hat er sich in der Stuga und befischt nun die umliegenden Seen. Wir tauschen uns über das Angeln, die schwedischen Gepflogenheiten und Gott und die Welt aus. Mein Englisch wird von Tag zu Tag flüssiger und die Verständigung klappt, wenn auch teils mit Händen und Füßen, recht gut.

    Die Zeit vergeht wie im Flug und nach einer Tasse Cappuccino und einem Teller Tomatensuppe rödeln wir Beide langsam zusammen. Er will noch auf den See, Rotforellen fangen und anschließend hoch ins Skedbrofjäll, Ausschau halten nach Moschusochsen. Ich will weiter zu meinem angepeilten Rastplatz.


    *Skedbrofjället (1138m) mit Skedbrosjön

    Wie vorausgesagt ist zwischenzeitlich der Himmel vollends aufgeklart und richtig gutes Wanderwetter. Gut gelaunt geht es voran, als wie mit dem Pinsel gezogen plötzlich die Steine aufhören und ein weiteres Stück Sumpfland auftaucht.



    *keep on!

    Langsam entwickelt die sich die Landschaft weiter zu einer Art Seenplatte. Rechts und links überall Wasser, mittendurch der Trail als kleiner Trampelpfad in Kniehohen Blaubeersträuchern und Heidekraut.



    Hinter der nächsten Kurve tut sich ein Spot mit Mega Aussicht auf. Der Platz wirkt auf den ersten Blick sehr einladend, doch leider ist der Boden äußerst uneben und klitsch nass. So sehr ich mich auch anstrenge einen geeigneten Platz für mein Zelt zu finden, muss ich am Ende einsehen, dass es nichts wird. So weit kann es aber auch eigentlich nicht mehr sein.


    *was für ein schöner Platz


    Ich gehe rechts entlang des Dalstenhån, bis ich an dessen Ende wieder auf den Winterweg treffe. Von da an geht es erneut etwas hoch auf eine Anhöhe und langsam kommt in mir die Frage auf, ob und wie man hier bloß zelten soll? Hoffentlich habe ich mich nicht verzettelt bei meiner Recherche.

    Ein weiteres mal geht es Bergab und als die Kiefern langsam weniger werden, komme ich unter einem Blätterdach aus Moorbirken auf eine Lichtung. Das Tal macht den Eindruck eines ausgewaschenen Flussbettes, feiner weißer Kiesel auf den Wegen, verkrüppelte Moorbirken hier und da und immer wieder ebene, moosbedeckte Plätze zum Zelten. Im Hintergrund reihen sich die Berge aneinander, der glasklare Fluß schlängelt sich einmal schützend um den Platz durch grasbedeckte Moorlandschaft.


    *Im Hintergrund links das Rödfjället


    *der Fluss Gaalovenjohke


    Einfach ein mega Platz und ein toller Tag. Auf jeden Fall bisher der schönste der Reise, wenn nicht sogar der letzten Jahre. Ich bin hin und Weg und langsam gehen mir die die Superlativen aus. Ein großartiges Gefühl von Dankbarkeit überkommt mich für diese schöne Zeit.

    *Zelten in einem Bilderbuch. Die Götter meinen es heute gut mit mir


    Nachdem die Euphorie wieder etwas abgeklungen ist gehe ich zur Tagesordnung über. Ab 15:00h geht das heute ausnahmsweise Oberkörperfrei. Wäsche waschen, Zelt aufbauen, sich selber waschen, und ein Doppelpack Nasi Goreng von Travellunch zubereiten, im Anschluss ein kleines Nickerchen auf der recht neuen Holzbrücke. Während ich dort so liege, kommt in diesem Moment die einzige Person des ganzen Tages daher, geht wortlos über die Brücke und verschwindet wieder über den Berg zwischen den Birken.



    *Meine Küche. Topf, Schüssel und Kaffeebecher in einem


    Am Abend sammele ich noch etwas Holz um endlich mal mein Lagerfeuer zu entzünden. Das gehört auf so einer Reise bei so einer Kulisse für mich einfach dazu. Die trockenen Äste der Birken scheinen auf den ersten Blick ok, aber in den Flammen qualmt das Holz mehr als es brennt. Es ist mit viel Arbeit verbunden das Feuer am Leben zu halten, und so beschließe ich bei Einbruch der Dunkelheit ins Bett zu gehen. Besser kann es heute auch einfach nicht mehr werden .



  • 5. Gaalovenjohke – Fjällnäs Camping & Lodges (21,2 km) 612m rauf - 673m runter

    Dienstag, 13.08.24

    Wetter: heiter und kalt


    Um 06:20h werde ich wach und wundere mich, wieso die Sonne noch nicht aufs Zelt scheint. YR sagt ab frühen Morgen Sonne voraus. Der Blick aus dem Zelt schafft Klarheit. Sie steht noch nicht hoch genug, um über das Rödfjället mit stolzen 1243m zu scheinen.

    Die Nacht war wieder mal recht feucht. Die Nähe zum Fluß und die Windstille haben alles in der Umgebung mit einer Schicht Morgentau überzogen. Mit meinem 40x40cm Allzweckhandtuch wische ich die Feuchte von der Zeltwand ab und hänge die Wäscheleine um in die ersten Sonnenstrahlen. Danach gehe ich hinunter zum Wasser um zu Frühstücken. Ich kann mir alle Zeit der Welt lassen, denn so kann ich nichts einpacken. Gegen 09:00h bin ich dann abreisebereit.

    Es geht durch dichten Birkenwald hoch hinauf über die Hänge des Rödfjälls, was am frühen Morgen eine ernsthafte Anstrengung darstellt. An der Broktjärnskojan verschnaufe ich kurz und inspiziere die neu erbaute Hütte. Sie ist mit einem Ofen, gehackten Holz, Axt und Säge sowie einer Alu-Notfallkiste ausgestattet. Darin befindet sich alles was man zum Überleben benötigt, von nagelneuen Trangiazubehör bis hin zur Trockenration. Alles unversehrt und einsatzbereit. Wäre bei uns leider kaum vorstellbar.



    *Schutzhütte Broktjärnskojan


    Die Hütte ist aber erst der Anfang des Berges. Die nächsten Kilometer gehen weiter steil Bergan.


    Oben angekommen freue mich über den Ausblick, welcher den Weg der letzten zwei Tage erahnen lässt


    *hinten rechts das Skedbrofjäll, links dahinter der Bustvålen am Rogen

    *Kilometerweite Sicht nach Norwegen


    An dem moosbedeckten Bächlein fülle ich meine Flasche auf und bemerke beim Blick aufs Handy, das tatsächlich hier oben mal wieder Empfang ist. Ich nutze die Gelegenheit um mich zu Hause zu melden. Denn seit der Nacht an der Rogenstuga gab es kein Lebenszeichen mehr von mir.

    Beim Blick zurück erklärt es sich auch, wieso der Berg Rödfjäll heißt. Im Herbst muss es hier einfach herrlich aussehen.


    *Das Rödfjället


    Der Weg wird zunehmend besser und auch die Steine sind plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Ich erreiche nach vier Tagen das Ende des Rogen NP, auf das durch eine kleine Schautafel hingewiesen wird.


    *Das Ende des Rogen NP, im Hintergrund das Skedbrofjäll


    In der Ferne sieht man schon die ersten Bergkuppen des Hamrafjälls und noch weiter hinten ein paar letzte Schneefelder. Langsam wird es spannend.

    *bessere Wege Richtung Hamra



    An der Gabelung kurz hinter dem NP biege ich rechts ab Richtung Tänndalen, über den Bach Svanån und entlang des Sees Svansjön. Der Weg ist gut ausgelaufen und ich kann lange Meter machen. Ein ganz anderes Gehen als noch auf den steinigen Wegen zuvor.


    *Traumhaus


    Während einer Kaffeepause am Bach realisiere ich, wie viele Touristen hier umher spazieren. Nun scheint es wohl vorbei mit der Ruhe. Die Menschen beschränken sich allerdings auf einfache Wege, gut begehbar und am besten nicht weiter als 1h entfernt. Mein Weg entlang des Svansjön scheint allerdings wenig begangen zu sein.

    Die Strauchweiden werden immer dichter und zwischendurch verschwindet der Pfad dann endgültig. Hinzu kommt natürlich noch Wasser und Sumpfboden. Es sind glücklicherweise nur ein paar Abschnitte und nach guten 1 1/2h erblicke ich das Skigebiet/Bikepark von Tänndalen.



    Um so näher ich komme, um so erschreckender finde ich die ganze Kulisse. Aber man kann es nicht ändern. Die Leute hier sind wohl auf den Tourismus angewiesen und im Endeffekt kann ich mich davon ja nicht ausnehmen, nur weil meine Art der Reise zu Fuß ist, statt mit dem Bike. Trotzdem möchte ich nicht länger bleiben als es sein muss.



    *Schattenplatz


    *Ferien - Wohnpark ohne eine Menschenseele


    Was mich stutzig macht, ist, das niemand weit und breit zu sehen ist. Das ganze gleicht einer Geisterstadt wie aus dem Film. Unten vor den roten Häusern steht ein Kinderkarussell mit vier Reifen, befestigt an vier Armen, welches von alleine seine Runden dreht. Die Fallout Serie könnte es nicht besser darstellen. Es ist wirklich spooky.

    Ich erblicke einen Sportstore, wo ich gleich die Gelegenheit wittere, mir ein paar Handschuhe zuzulegen. Ich bin wirklich nicht zimperlich, aber der andauernde und kalte Wind hat mich schon so manche Nerven gekostet. Und die Richtigen Berge kommen ja erst noch, da will ich wenigstens etwas vorbereitet sein.

    Gesagt getan. Bikehandschuhe zum Downhill fahren müssen es richten. Die gefütterten Heestra waren mir dann doch etwas zu teuer. Der Verkäufer im Shop fragt mich ob ich auch die Polarlichter in der Nacht gesehen habe. Die sozialen Medien sind voll damit. Leider habe ich das nicht. Es hätte das Fass der Glückseligkeit gestern wahrscheinlich auch zum überlaufen gebracht. Traurig bin ich nun trotzdem etwas, diese Chance hier oben verpasst zu haben.

    Das gesparte Geld der Handschuhe gebe ich 100m weiter im Hamra Livs aus, wo es eine Packung Nudeln, neues Müsli, zwei Dosen Bier und eine Tafel Schokolade gibt. Zum Abendbrot einen Salat mit Baguettestange. Weiter geht es entlang der 84 Richtung Fjällnäs Camping & Lodges. Ein Päärchen, welches ich in der Storrödtjärnstuga kennengelernt habe, hat mir den Platz inkl. des Hikers Breakfast empfohlen. Das werde ich mir ansehen.

    Nach 500m auf dem Asphalt habe ich allerdings die Schnauze voll von der Straße und halte das erste mal in meinem Leben den Daumen raus. Und tatsächlich dauert es nicht lange bis ein Norweger auf Einkaufstour anhält und mich zum einsteigen auffordert. Keine Frage wohin und wozu, einfach rein. Noch bevor wir uns richtig kennenlernen rauscht das Schild des Campers an uns vorbei und wir halten an. Danke für die tolle Fahrt.

    Der Platz liegt zwischen der Landstraße 84 nach Norwegen und dem See Malmagen. Mittig steht ein altes „Bauernhaus“, welches die Rezeption, Sanitären Anlagen und eine Küche beinhaltet. Runter Richtung See gibt es einen großen Schotterplatz für die Camper und Wohnmobile, ebenfalls Holzhütten zum mieten. Die Zeltwiese liegt oben an der Straße mit einem großen Tipi drauf für die Glampingfreunde.

    In der Rezeption gibt es auch das ein oder andere für Wanderer zu kaufen wie z.B Gaskartuschen, Trekkingnahrung, Süßes usw. Kein ausgestatteter Outdoorladen, aber ähnlich den Vorräten auf den Stugas würde ich sagen.

    Ich Buche eine Nacht im Zelt, das Frühstück für morgen und für den Abend die Sauna. Obwohl mein Zelt unmittelbar an der Straße steht, wird es abends ruhiger, sobald der Laden im Dorf zu hat und der Verkehr gen Null geht.

    Nachdem alles aufgebaut ist esse meinen Salat und begebe mich zum aufwärmen und entspannen mit meinem Multihandtuch in die Bastu ;)




    Als ich wiederkomme hat ein junger deutscher Wanderer neben mir Quartier bezogen. Er geht den Weg von Norden aus und hat einige Storys aus dem Fäll zu gebrochenen Zeltstangen und zerrissenen Zelten im Gepäck. Es ist kein Zuckerschlecken oben im Helags.

    Wir erzählen von unseren Erlebnissen auf dem Trail und geben uns gegenseitig Tipps für die nächsten Tage. Endlich im Schlafsack, genieße ich die Vorzüge des W-Lan, schaue mir noch Bilder an und schlummere dann friedlich und erschöpft ein.

  • 6. Fjällnäs Camping & Lodges – Klinken (19,6 km) 852m rauf - 934m runter

    Mittwoch, 14.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, warm


    Die Nacht war sehr windig, was aber zur Folge hat, dass es heute keinerlei Probleme mit Feuchtigkeit gibt. Um 06:00h muss ich raus aufs Klo. Bei dieser Gelegenheit nehme ich gleich meine Powerbank mit ins Waschhaus zum aufladen.

    Zurück im Zelt fallen mir sofort wieder die Augen zu. Als ich zum zweiten mal aufwache ist es bereits nach acht. Frühstück steht 08:30h abholbereit in der Rezeption. Ich packe meine sieben Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Ich bekomme einen schicken Korb mit allem was das Herz begehrt. Verschiedene Brötchen, Croissant, Wurst, Käse, Obst, Marmelade, ein Ei, Kaffee, Saft und Milch. Einfach großartig. Um das gebührend zu zelebrieren gehe ich runter zum See, wo ich gestern eine Picknikbank entdeckt habe, und lasse es mir gut gehen.

    *Hiker`s Breakfast am See


    Am Ende ist bis auf den letzten Krümel alles aufgegessen. Endlich mal die Menge an Kalorien, welche meinem Körper nach derartigen Anstrengungen auch zu steht;) Ganz andere Hausnummer als 150g Müsli jeden Morgen.

    Gegen 09:30h bin ich wieder auf dem Trail. Ein kurzes Stück weiter auf der Straße, dann geht es rechts ab den Hang hoch. Die Umgebung kommt einem langsam bekannt vor. In den Hängen der Täler ist immer alles voll mit Birkenwäldern, weiter oben lichten sich diese und es geht in Grasland und Sumpf über.



    *Blick zurück


    Einzig die Berge im Hintergrund nehmen langsam Form an und überragen die eher kleinen Hügel vergangener Tage deutlich. Die Kroktjärnstugan lasse ich nach ein paar Fotos links liegen und gehe auf schmalen Wegen weiter zur Långbrottjärnstuga.

    *Blick voraus


    *Schutzhütte Kroktjärnstugan


    Über den Fluss des Långbrottsjöarna kreuzt eine etwas größere Hängebrücke aus Metall und die wärmende Sonne lädt ein, um bei einer ausgiebigen Rast die Füße im kalten Wasser baumeln zu lassen.


    *Mit dem Arsch im Wind ;)


    *Verlassene Hütte der Samen


    Es gibt Knäckebrot mit Salami, eine Tasse Cappuccino und einen Riegel. Zum zweiten mal liege ich diesen Urlaub nun Oberkörperfrei in der Sonne. (Es sollte tatsächlich das letzte mal bleiben).

    Aus heiterem Himmel rennt plötzlich neben mir ein Rentier quer durch den Fluß. Bis ich mein Handy aus dem Hüftgurt gekramt habe ist er auf der anderen Seite die Böschung hoch und im Fjäll verschwunden.

    Nach der Pause geht es erneut bergauf ins Långbrottfjället. Die Felsen sind nun ganz verschwunden und die Landschaft besteht ausschließlich aus Grashügeln. Plötzlich kommen mir fünf Wanderer innerhalb von 10min entgegen. So viele habe ich die ganzen letzten Tage nicht gesehen.

    Oben angekommen gibt es einen ersten Blick auf den Helags. Auch der vorgelagerte, 1.681m hohe Predikstolen ist auf den Bildern zu erkennen. Das ist mir aber erst hinterher aufgefallen. Mein Ziel für die nächsten Tage ist also schon sichtbar, das motiviert und steigert die Vorfreude.

    *Helags voraus


    Hier oben ist es eigentlich ganz schön, jedoch macht der fast schon stürmische Wind einen längeren Aufenthalt recht ungemütlich. Hinter dem Klastjärnen See geht der Trail langsam wieder Bergab ins Tal und sobald man aus dem Wind heraus ist, sind gefühlte 25°. Die steigenden Temperaturen und die drückende Luft kommen mir komisch vor. Ein Blick in die App bestätigt meine Befürchtungen…Gewitter im Anmarsch.

    *Das Grüne Tal von Arryn, ähh Klinken


    *Brücke über den Ljusnan

    *Trinkwasserqualität an jedem Bach

    *alter Heuschober im Klinkental


    In der Talsohle angekommen führt eine Brücke über den Fluss Ljusnan, wo sich direkt auf der anderen Seite der Shelter befindet. Aber irgendwie kann ich mich mit diesem Spot nicht anfreunden. Es ist dieses Gefühl, was ab und an mal sagt: „Hier nicht!“

    Ich habe in der Vergangenheit immer gut daran getan, darauf zu hören. In der Karte ist Flußabwärts noch ein weiteres Shelter eingezeichnet und die Schilder zeigen an, das es 1,5km bis dahin sind. Die gehe ich nun auch noch. Wenn es nichts ist komme ich halt wieder zurück.

    Gesagt getan, beim zweiten Shelter gefällt es mir deutlich besser. Zugegeben ist es eher ein Bushaltestellenhäuschen als ein Shelter, aber die Vibes hier sind besser. Ich baue mein Zelt am Fluss auf und bereite im Anschluss einen Topf Spaghetti Bolognese.

    *Ein einfacher Unterstand steigert den Komfort bei Regen um 100%


    *erste Reihe


    Hier in der Nähe zu Ramundberget besteht sogar Handyempfang und die Akkus sind alle voll. Deshalb gönne ich mir heute um 18:00h mal die Blaue Stunde auf NDR1, während ich ein paar Dehnübungen mache und die gute Zeit genieße. Für den mentalen Akku einfach Gold wert.

    Und tatsächlich muss ich zum ersten mal auf dieser Reise mein Mückennetz auspacken. Der Wanderer auf dem Camper hatte es mir für das waldige Tal bereits prophezeit. Bislang konnte es problemlos im Rucksack verweilen, aber das Wetter, das viele und hohe Gras sowie die Nähe zum Fluss sind wohl eine gute Mischung für Mücken bzw Knots. Aber auch das tut der guten Stimmung heute keinen Abbruch.




    Ab und an kommt eine Gruppe mit dem E-Bike aus Ramundberget vorbei, aber sonst bleibe ich für mich alleine. Den Abend verbringe ich mit Tagebuch schreiben und Tagesplanung für morgen. Da es ab heute Abend die nächsten 24h regnen soll, buche ich ein Bett in der Fältjägarstuga. Das werden dann morgen 14km im Regen, aber mit Aussicht auf eine richtiges Bett und einen warmen Ofen stellt das kein Problem dar.

    Bis zum Einschlafen bleibt der Regen weiterhin aus

  • Und selbst die schönsten Fotos können nur einen Bruchteil dessen wiedergeben, wie es live vor Ort ist. Das muss man selbst gesehen haben.

    Und die endlose Weite ist wirklich beeindruckend. Die Alpen sind ja auch sehr schön, aber immer nur bis zur nächsten "Wand". Das Gefühl im Fjäll ist wirklich einzigartig

  • 7. Klinken – STF Fältjägaren Fjällstuga (16 km) 685m rauf - 333m runter

    Donnerstag, 15.08.24

    Wetter: regen, windig, kalt


    Um 04:00h morgens werde ich von dicken Tropfen geweckt, welche lautstark auf das Außenzelt prasseln. Da ich gut geschützt liege drehe ich mich kurz um und schlafe sofort wieder ein. Gegen acht drückt dann die Blase und ich muss hoch. Der Regen ist in einen leichten Niesel über gegangen und ich nutze die Gelegenheit, meine Sachen die 50m ins Shelter zu tragen. Dort kann ich mich in Ruhe ausbreiten, Frühstücken und den Rucksack packen. Das Zelt ist beim verstauen noch sehr klamm. Ich fürchte da muss ich mich später noch mal drum kümmern. Vorerst mache ich mich um 09:00h auf den Weg zurück zum ersten Vindskydd in Klinken.

    Von da aus geht es wieder steil bergan, hinaus aus dem Tal. Nach einer Weile höre ich ein plätschern in den Büschen. Ein Wasserfall rauscht neben dem Trail hinab ins Tal. Von der anderen Seit gestern konnte man ihn schon erahnen, nun weiß ich ungefähr wo ich bin.


    Oben angekommen gilt es den Fluß zu queren. Den Kollegen auf dem Campingplatz in Fjällnäs habe ich noch gefragt, ob es irgendwelche Probleme mit Furten gegeben hat. „Nein nein, alles in Ordnung“ war seine Aussage. Heute sieht es etwas anders aus und der Regen hat seine Hausaufgaben gemacht. Viele Steine sind von den Wassermassen verschluckt und ich habe gedanklich schon meine Schuhe ausgezogen.

    *Die kleinen Bäche sind nach dem Regen ordentlich gefüllt


    Nach ein paar Metern Fluß aufwärts finde ich jedoch eine halbwegs geeignete Stelle, die ich mit Hilfe der Trekkingstöcke gut queren kann. Glück gehabt.

    Die Sicht wird mit jedem Schritt schlechter und irgendwann gehe ich komplett im Nebel…oder den Wolken, das ist hier mittlerweile schwer zu unterscheiden. Nur auf die Rentiere ist wiedermal verlass, die sind immer in der Nähe, ganz gleich bei welchen Wetter.

    *mystic Moments


    Ich bin froh als ich nach einer Weile die Schutzhütte Svaaletjahke erreiche. Als ich die Tür öffne kommt mir eine gemütliche Wärme entgegen. Drinnen sitzt ein Vater mit seinen drei Söhnen. Sie warten das gröbste an Schlechtwetter ab. Da der Ofen in den Hütten nur im äußersten Notfall zu verwenden ist, haben die Jungs sich den Gasbrenner angeschmissen und heizen damit ordentlich ein. Mit Vatis Hilfe füllen die Kids das Logbuch aus, welches in den Hütten zur Nachverfolgung der Route ausliegt. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang, während ich mir einen kleinen Snack bereite.

    Unterdessen klart es draußen tatsächlich auf. Die blauen Lücken in der Wolkendecke werden immer größer und ich will die Chance nutzen und weiter ziehen. Bis zur Hütte sind es noch 8km laut Uhr.


    *Es sind die Kleinigkeiten auf die man achten muss



    Der Wind hat sich auch verändert, allerdings nicht zum guten. Er bläst mir heftig entgegen. Teilweise muss ich sogar die Stöcker nutzen und mich zur Windabgewandten Seite abstützen, um nicht aus dem Tritt zu geraten. Wenn das hier oben so weiter geht, habe ich wohl die letzte Nacht in meinem Zelt gelegen.

    (Allgemein kann ich mich mit dem Xmid nicht so 100%ig anfreunden. Es hat einfach zu viele große Flächen, die schon bei mittlerem Wind nicht straff genug sind, um Außen und Innenzelt verlässlich zu trennen. Resultat ist dann eine nasse Innenzeltwand, welche bei meiner Körpergröße wirklich sehr unvorteilhaft ist. Ich brauche eh schon die 2P Variante, damit ich diagonal liegen kann und nicht oben und unten anecke. Dazu kommt, das man im Auslieferungszustand einzig zwei Abspannleinen an den Poles dabei hat und acht mini Heringe. Für die laue Sommernacht wie Gestern im windstillen Tal ist es toll, aber für alles andere in dieser Gegend ist es m.M.n nichts. Hier oben sind die UL Zelte einfach im Nachteil und den Elementen nicht gewachsen. Es hat schon seine Gründe wieso die Skandinavischen Hersteller alle etwas Robuster und schwerer bauen.)

    Ca. 4km hinter der RH gilt es dann doch noch einen größeren Bach zu queren. Und das geht beim besten Willen nicht mit Schuhen. Also alles ausziehen, durchwaten und wieder anziehen. Aber halt! Vielleicht gehe ich erst mal weiter. Der nächste Anstieg ist zwar zu sehen, aber noch etwas hin. Es fühlt sich schon lustig an, wenn der aufgeweichte Boden unter dem Gewicht des Körpers zwischen den Zehen hindurch quetscht. Und das alles bei einstelligen Temperaturen. Aber ich lag mit meiner Vermutung richtig. Die nächste Furt lässt nicht lange auf sich warten.

    Als das geschafft ist geht es wieder einmal bergan. Am Scheitelpunkt des Weges sieht man ganz in der Ferne plötzlich die Fältjägarstugan. Ich bin wirklich froh als ich dort ankomme. Heute ist einfach kein schönes Wanderwetter.




    Ich werde freundlich von der recht jungen Hüttenwirtin begrüßt. Als ich die Küche betrete beginnt sie zügig mit der Einweisung. Von meiner Anmerkung, dass ich über die Regeln auf den Hütten im Bilde bin lässt sie sich nicht abbringe und rattert ihren Text runter.

    Direkt danach greift sie zum Schrubber und wischt meine Fußabdrücke über, welche von den feuchten Socken auf dem Holzboden zu sehen sind. Mir dämmert es, das die gute Frau es nicht so easy nimmt hier oben. Meine Frage, ob wir nicht den Ofen anfeuern können wird verneint. Es würde zu schnell zu warm werden und dann müsste man wieder Lüften. Holz sei hier Mangelware und wenn man nicht erfroren ist unterwegs würde man sich auch so aufwärmen können. Wäsche trocknet auch draußen im Wind.

    Okkeeeeeeeee, dann ist das wohl so. Ich gehe runter zum See um mich im eisigen Wind und noch kälteren Wasser zu waschen. Es ist wirklich kein schönes Ritual, aber der Schweiß muss ja irgendwie runter. Bei der Gelegenheit wasche ich auch gleich mein Kleidung ein mal durch. Oben hänge ich alles auf die Leine und verziehe mich ins Haus.

    Über den Tag verteilt kommen noch ein Vater mit seiner bereits erwachsenen Tochter und drei Trailrunner, ebenfalls von Klinken bzw. Ramundberget. Alle samt Schweden.

    Irgendwann fällt mir auf, das sich wirklich alle im Raum ausschließlich auf Englisch unterhalten. Ich meine es sind Landsleute, sie könnten es auch auf schwedisch tun. Da ich der Sprache jedoch nicht mächtig bin, scheint es wie selbstverständlich, das sie mich mit einbeziehen in ihre Gespräche. Ich bin wirklich gerührt, diese Art der Gastfreundschaft kannte ich noch nicht.

    Am Abend kommt die Hüttenwirtin noch mal vorbei, macht für alle eine Feuerunterweisung, kündigt Schlafen und Frühstückszeiten an und erkundigt sich zum Schluss noch im Namen des STF, ob und wie wir von der Schließung der STF Gåsen erfahren haben. Fehlt nur noch das wir alles Unterschreiben müssen;)

    (Gut das Sie nicht gesehen hat, wie ich mein Außenzelt im Schlafbereich hinter dem Vorhang getrocknet habe. Dann wäre es das für mich gewesen;)

    Morgen Früh soll die Sonne raus kommen, dann geht es schlanke 13km zur Helags Fjällstation.

  • 8. STF Fältjägaren Fjällstuga – STF Helags (13,3 km) 503m rauf - 526m runter

    Freitag, 16.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    Wie bestellt scheint um 06:30h die Sonne durch die Fenster. Um niemanden zu wecken stöbere ich noch eine Weile im Handy, schaue mir Fotos an, dies das. Gegen 07:00h mache ich mich langsam und leise fertig.

    Zum Frühstück gibt es erst Müsli, dann bereite ich mein Track`n eat Rührei, welches ich seit ca. 2 Jahren zu Hause liegen habe, und im Anschluss kommt noch die Herbergsmutter mit selbst gebackenen Brötchen und Butter herein. So lässt es sich leben.

    Gegen 09:00h verabschiede ich mich von den drei Trailrunnern mit einem Lächeln und dem Hinweis, dass ich später in der Sauna auf sie warten werde. Es geht 13km ziemlich gerade aus, mit einer kleinen aber langezogenen Steigung am Fuße des Helags. Als ich mich nach ein paar Hundert Metern noch mal umdrehe ist die Stuga bereits nur noch ein kleiner Punkt auf dem Berg.

    *Blick zurück zur Hütte


    Der Predikstolen liegt noch mit dem Gipfel in den Wolken und ich hoffe das sich das innerhalb der nächsten Stunde auflösen wird. Es wäre zu schade diesen Anblick nicht in voller Schönheit genießen zu können.

    *Predikstolen in den Wolken


    Als ich kurz verschnaufe und einen Schluck aus meiner Flasche nehme kommen die drei „Jungs“ aus der Stuga vorbei gelaufen. Schnell zücke ich mein Handy. So ein Foto von ihnen und dem Helags im Hintergrund haben sie bestimmt auch noch nicht.


    Um so weiter ich gehe um so besser kommt die steile Flanke des Predikstolens zur Geltung. Auch die Wolken haben sich derweil verzogen und wenn man denkt es geht einfach nicht mehr besser, kommt von irgendwo meist ein Rentier daher. Und wenn man sein Tellerchen ganz aufgegessen hat, auch mal ein weißes;) Da kann Harry Potter sein Patronus einpacken.

    *Laut den Sami bringen weiße Rentiere Glück



    Voller Freude über den heutigen Tag bemerke ich den Anstieg vor dem Rentierzaun gar nicht wirklich und plötzlich taucht auch schon der erste Hinweis zur Station auf. Die letzten 3h vergingen wie im Flug und in 500m ist es schon geschafft.


    *Helags Fjällstation


    Die Helags Mountain Station unterscheidet sich recht deutlich von allen vorhergegangenen Hütten, aber das war mir halbwegs bewusst. Ich bin schon sehr gespannt was mich dort erwartet.

    Nachdem ich mich etwas umgesehen habe betrete ich das Hauptgebäude, welches ziemlich mittig in dem Gebäudekomplex liegt und die Küche, Restaurant und Rezeption beinhaltet. Alles ist hier auf einmal ohne Einschränkungen vorhanden. Strom, Wärme, W-Lan, fließend Wasser, richtige Toiletten und ein gar nicht so kleiner Shop für alles was man braucht…oder auch nicht.

    Zugegeben, es gleicht mehr einem Hotel mit check in per PC und der ganzen Aufmachung, aber nach fast einer Woche ohne alles ist es mir ganz genehm. Man muss sich auch mal was gönnen.


    *Viele Wege führen zum Helags


    Während meiner Fika mit einem Kaffee und zwei Schokobällen beschließe ich heute Nacht hier zu bleiben und morgen in aller Ruhe den Helags zu besteigen. Ich habe Zeit ohne Ende und man muss auch mal genießen und nicht nur Kilometer abreißen. Oft denke ich mir nach den Touren ich hätte mir mehr Zeit lassen sollen. Diesen Vorsatz will ich nun mal in die Tat umsetzen. Danach werde ich weiter sehen.

    Ich buche die älteste Hütte auf dem Areal, ohne Strom und Licht (welche von dem Vater letzten Abend als „sehr Cozy“ empfohlen wurde) und das Abendessen, was laut Internet jeder mal gegessen haben sollte. Ich bin sehr gespannt.

    *cozy Cabin



    Im Shop gibt es noch eine Tüte Chips und ein Schlafsackliner als Unterstützung für den zu kalten Schlafsack. Heute Nacht wird der Liner aber als Hüttenschlafsack ausreichen.

    Von 15:00h - 17:30h geht es in die Sauna. Die Lage ist 1 Doppel A, mit toller Aussicht auf den Gletscher. Drinnen sitzen auch schon die drei Trailrunner, von denen ich mir nun natürlich anhören darf, was ich die ganze Zeit gemacht habe. Während man bei 100° in der Sauna schwitzt kommen einem allerdings schon ein paar Gedanken, ob das alles so seine Richtigkeit hat, unterdessen das 2km weiter der Gletscher allmählich abschmilzt. Den Rest der Saunarunde scheint es allerdings nicht weiter zu stören und es wird munter erzählt und diskutiert.

    *Bastu mit Ausblick auf den Helags Gletscher


    Zwischen den Saunagängen geht es jedoch nicht unter die nagelneuen Duschen einen Raum weiter, sondern ca. 150m splitterfasernackt durchs Fäll, hinunter zum Gletscherbach. Das „Helagsbadet“ ist dort etwa 50cm tief und lädt ein zur Abkühlung der anderen Art. Die uns entgegen kommenden Wanderer staunen nicht schlecht als wir uns auf den schmalen Holzplanken begegnen;) Muss man mal gemacht haben.

    *Helagsbadet;)


    Pünktlich um 18:00h wird zum Essen gebeten. Die Köche und Kellnerinnen, alle samt sehr jung, stellen vor versammelten Publikum ihr Menü vor. Dazu gibt es Empfehlungen zu Wein und Bier. Es gibt frischen Fisch mit Gemüse und Wurzeln aus der Region, dazu selbstgemachte Butter und Brot, das alles in Buffetform und so viel man mag. Dazu ein kühles Helagsbier für 105,- SEK/Flasche


    Die allgemein tolle Atmosphäre, das leckere Essen und die netten Gespräche am Tisch lassen die Preise jedoch vergessen. Ich sitze mit einem jüngeren Mann Mitte Ende 30 zusammen und wir erzählen uns von unseren Reisen. Er ist in Ljungdalen gestartet und hat sich schon am ersten Tag den Arm verletzt. Sein Handgelenk ist angeschwollen wie ein Apfel. Da es aber seine letzten Tage vom Vaterschaftsurlaub sind, hat er sich nicht beirren lassen, und ist trotzdem weiter gezogen.

    Über den Helgas, nach Vålåstugorna, weiter zur Sylarna Fjällstation und gestern wieder hier her zurück. Das alles mit kaputten Handgelenk. Ich frage ihn ob er eine dicke Baumwollbinde zur Stabilisation haben möchte, aber er ist überzeugt das Ibu`s reichen. Ich biete ihm meine Pillen aus der Reiseapotheke an. Es ist das erste und letzte mal auf der Reise, dass ich den Beutel des Medikits öffne, dazu noch nicht mal für mich. So kann es gerne bleiben.

    Die Empfehlung, hier auf den Hütten das Essen zum probieren wenn man mal die Möglichkeit hat, kann ich nur bestätigen. Ein rundum tolles Erlebnis. Vielleicht auch den entbehrungsreichen Tagen zuvor geschuldet, aber was solls. Am Abend liege ich in meinem Bett, schreibe noch etwas im Tagebuch und mache dann bald die Augen zu.

    Morgen geht es hoch hinaus.

  • 9.1 STF Helags (9,5 km) 800m rauf - 826m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: heiter, windig und kalt



    Heute bin ich tatsächlich mal der letzte der wach wird. Überall in den Betten regt sich schon was. Es ist 07:00h und wie versprochen scheint die Sonne. Genau so habe ich mir den Aufstieg seit langer Zeit vorgestellt. Erneut muss ich an Berichte aus dem Forum denken, wo die Leute an den wirklich schönen Stellen im Regen oder in den Wolken standen, und nichts sehen konnten. Gott sei es gedankt, bleibt mir das größtenteils erspart.

    Es folgt die morning Routine und die Überlegung, wie ich mein Wasser und etwas Proviant auf den Berg bekomme, ohne es die ganze Zeit tragen zu müssen. Ich bastele mir aus meinem Gürtel und einem Drybag eine Art Umhängetasche vom Typ Talahon. Rein kommen meine Flasche, Nüsse und Riegel. Das sollte reichen für eine kleine Rast.

    Um 08:10h bin ich auf dem Weg nach oben. Die Runde im Uhrzeigersinn soll man laut Flurfunk besser gehen können, also versuche ich es so herum. Auf dem Weg fallen mir ein großes Keron und eine Person mit vier Schäferhunden auf. Das Zelt steht wie eine eins und trotzt den Elementen. Ich freue mich, dass hier oben die Zelte ihre Verwendung finden, wie von Bo Hilleberg einst gedacht. Kein tristes Leben auf dem Campingplatz in Parzellen, eingepfercht von Lorbeerhecken und Hagebuttensträuchern.

    *Keron 4GT in seinem Element


    Der Einstieg in den Berg beginnt rechts neben dem heuabrauschenden Bach.

    *mittig rechts im Bild die Helags Fjällstation


    Etwas weiter oben wird dieser dann gequert und man erreicht ein Plateau mit kleinen Gletscherseen.



    Weiter geht es auf unterschiedlich großen Steinbrocken bzw. Platten. Diese sind mehr schlecht als recht mit einem orangenen Punkt markiert. Jedoch verliere ich des öfteren die Übersicht und verlasse mich letztendlich ganz auf den Track auf meiner Uhr. Gut, dass ich im Rogen diese Art des Wanderns vorher ausreichend üben konnte.


    *den Aufstieg kann sich jeder selber suchen


    Nachdem der lange Anstieg überwunden ist, geht es etwas geradeaus und der Predikstolen zeigt sich aus einer ganz anderen Sicht.

    *Predikstolen von Oben


    Im Hintergrund liegt der Sylsjön, nahe der Norwegischen Grenze. Eine Idee den Menschenmassen zu entgehen war eine Tour entlang des Ostufers des Sees. Leider ist dies auf Grund der Wetterverhältnisse nicht möglich gewesen, was sich später auch noch als Glücksfall herausstellen sollte.

    Weiter geht es Richtung Gipfel. Eine kleine Kletterei über größere Felsen und dann ist es geschafft. Weder vor noch hinter mir ist irgend jemand zu sehen. Oben liegt eine Box aus Edelstahl, welche das Gipfelbuch beinhaltet. Ein Turm aus Steinen ist aufgeschichtet und mit einer Planke aus Holz wurde notdürftig eine Sitzgelegenheit geschaffen. Leider zieht es hier oben so dermaßen, das ein längerer Aufenthalt, und sei es nur für eine Tüte Nüsse, nicht möglich ist. Der durchgeschwitzte Körper kühlt in wenigen Minuten aus.

    So trage ich mich mit einer leeren Kugelschreibermine in das Buch ein, schieße ein paar Fotos und mache mich wieder auf den Weg hinunter. Während der Fotos verdunkelt eine graue Wolke den Himmel, aus der sogar kurzzeitig Schneeflocken fallen. Und das mitten im August.

    *Helagstoppen 1.797m



    Die andere Seite des Berges unterscheidet sich landschaftlich vom Aufstieg. Der Untergrund besteht eher aus glatten Felsen und man kann bis an die Abbruchkante heran gehen.

    *nördliche Flanke des Berges


    *Blick nach Süden




    Ich steige langsam weiter ab und nach 3:50h bin ich wieder an der Fjällstation angekommen. Pünktlich zum Mittag. In der Gemeinschaftsküche bereite ich mir Porridge und Kaffee, dazu noch einen dicken Schokoball von der Rezeption.

    *Gemeinschaftsküche der Fjällstation


    Über das W-Lan der Station mache ich noch ein paar Handyupdates und checke den Wetterbericht. Es ist noch früh am Tage und eigentlich zu schön, um hier den Tag zu vergeuden. Ich beschließe heute noch ein paar Kilometer zu machen und spontan zu sehen, wo sich was finden lässt. Um 13:15h bin ich erneut auf dem Weg Richtung Sylarna.

  • 9.2. STF Helags – Zeltplatz irgendwo im nirgendwo (5,9 km) 93m rauf - 170m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    In Reichweite zur Fjällstation meine ich ein Tarptent Stratospire erspäht zu haben. Ein Junger Mann kniet im Eingang und bastelt herum. Da ich die Zelte von Tarptent im Vorfeld auch auf dem Schirm hatte, bin ich neugierig und gehe drauf zu. Wir kommen ins Gespräch und er verrät mir, dass der Wind in der letzten Nacht die Ösen bzw. die Bänder herausgerissen hat und das ganze Zelt über ihm zusammengebrochen ist. Er musste in Eiseskälte das nötigste retten und in die Fjällstation umziehen. Nun will er den Schaden genau begutachten und einpacken. Sein Bruder schwört auf das HB Niak, aber ihm war es zu schwer. Nun zahlt er den Preis für das eingesparte Gewicht.


    Erneut passiere ich das Keron der vier Hunde. Anders als in meiner Nuckelpinne oder dem Strato muss sich hier vor Sturm und Regen niemand fürchten. My Home ist my Castle, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Es geht weiter auf dem Weg Richtung Sylarna. Bis zur Sylarna Fjällstation sind es gute 20km. Das Ganze heute noch am Stück ist natürlich abwegig, aber irgendwo vor der Misehketjahke Schutzhütte soll der Fluss Handölan bis nah an den Weg reichen. Vielleicht findet sich ja dort in der Nähe ein Fleckchen, irgendwo im Flussbett oder einer Senke.

    *Blick Richtung Norden auf`s Sylarna Massiv


    *Blick zurück zum Helags


    Nach einer guten Stunde kommt mir eine Person mit einem Rudel Hunde entgegen. Da mir meine Freude über die Vierbeiner wohl anzusehen ist, bleibt die Frau stehen und wir schnacken miteinander. Es ist die Frau aus dem Keron, welche heute den Tag mit den Hunden in der Sonne verbracht hat. Ein Zwei Kilometer weiter soll es links hinter einem Bach eine kleine, grasbewachsene und ebene Stelle geben, wo man herrlich liegen kann. Auch wurde aus einer halben Holzbohle für die Wege eine Bank zum Sitzen gezimmert. Sie hat es von einem anderen Wanderer erfahren und gibt diesen Tipp nun gerne weiter. Das werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

    Was Outdoorequipment angeht, scheint sie gut informiert zu sein, was sich im Gespräch immer wieder herausstellt, da wir teilweise die selbe Ausrüstung verwenden , bzw. verwendet haben. Zwei Gearjunkies unter sich;)

    Sie hat im Zelt alles dabei und das meiste Gewicht auf ihre Hunde aufgeteilt, welche ebenfalls alle mit Hunderucksäcken ausgestattet sind. Bei vier ausgewachsenen Schäferhunden kann man da schon einiges unter bekommen. Nach 20min verabschieden wir uns und ich mache mich auf die Suche nach „ihrem“ Spot. Hoffentlich gehe ich nicht dran vorbei.

    Tatsächlich kreuzt 10min später ein Bächlein den Weg und links davon führt ein kleiner Trampelpfad zum besagten Platz. Er ist wie auf einem Plateau gelegen, abgeschirmt von einem 50cm hohen Absatz, auf dem wiederum 50cm hohe Blaubeerbüsche wachsen. Der Wind kommt aus Südwest, abgeschwächt vom nördlichen Ausläufer des Helags. Der Rest der hier noch ankommt, wird von den Büschen abgehalten. Dieser Platz ist hier draußen tatsächlich ein Glücksgriff und ich bin sofort überzeugt.

    *Bergausläufer als Windschutz, links oben die Spitze des Helags


    Das Zelt stelle ich heute drei Mal auf, da ich zuerst schlecht liege und die anderen beiden Versuche die windanfällige Seite des Zeltes genau gen Wind zeigt. Falls es hier draußen doch noch umschlägt, will ich zumindest halbwegs aufgestellt sein. Ich melde mich bei meiner Familie, koche mein Abendbrot und erkunde etwas die Gegend. In der Ferne scheint es mehr zu regnen, was sich deutlich am Himmel abzeichnet. Allerdings zieht bis auf einen kleinen Schauer alles unweit von mir vorbei.

    *Über dem Sylarna regnen sich die Wolken ab


    *hier geht es morgen weiter


    Gegen 21h soll die Sonne direkt hinter dem Sylarnamassiv unter gehen. Da bin ich mal gespannt.

    Zum Reisebuch schreiben lege ich mich vorerst ins Zelt. Es dauert aber nicht lange, und ich nehme ein paar Meter weiter hinter dem Zelt merkwürdige Klopfgeräusche wahr. Die Rentiere sind neugierig und sind bis auf paar Meter heran gekommen. Ich sehe, wie sie mit ihren Hufen auf den bewachsenen Boden stampfen, und so unter der Oberfläche liegende Wurzeln und andere Leckereien freilegen, die sie dann genüsslich abgrasen können. Sobald man sich allerdings bewegt, schrecken die Tiere auf und suchen das Weite.

    Das alleine ist schon schön anzusehen, so ganz aus der Nähe, aber was ich in weiter Ferne über den Bergen sehe, verschlägt mir die Sprache. Ein nahendes Gewitter verdunkelt die gerade untergehende Sonne und erzeugt ein Naturschauspiel der Extraklasse. Ein diffuses Licht und der herabfallende Regen rahmen das ganze Bild perfekt ein…und ich habe einen Logenplatz.

    *mächtig gewaltig




    Nachdem alles ausgiebig abgelichtet wurde, geht es in den Schlafsack. Es war ein langer Tag.

    Mitten in der Nacht werde ich wach. Es ist arschkalt und ich muss raus zum Pinkeln. Während ich da so stehe und in den Himmel blicke, fallen mir weiße Schlieren am Nachthimmel auf. Ich hatte mal davon gehört, dass weniger intensive Polarlichter erst durch die Belichtung der Kamera wirklich sichtbar werden. In echt hatte ich bisher noch keine Lichter sehen können, aber einen Versuch ist es Wert. Ich ziehe mich wärmer an und hole mein Handy raus….und tatsächlich. Aurora Borealis gibt sich die Ehre, direkt über meinem Zelt. Ich kann mein Glück kaum fassen.


    *Aurora Borealis


    *fehlt nur noch ein Rentier im Hintergrund



    Sollte morgen meine Reise aus Gründen zu Ende sein, hätte ich alles gesehen, was ich mir auch nur im entferntesten ausgemalt habe. Mit einem großartigen Gefühl der Dankbarkeit und einem breiten Grinsen steige ich zurück in meinen Schlafsack.

  • 10. Zeltplatz irgendwo im nirgendwo – STF Sylarna (16,4 km) 570m rauf - 460m runter

    Sonntag, 18.08.24

    Wetter: wechselhaft, kalt


    Am nächsten Morgen ist es leider nicht mehr ganz so schön. Das Zelt ist innen voller Kondens, der Wind hat wieder deutlich aufgefrischt und der Himmel hängt voller grauer Wolken. Erstaunlich, wie sich der Eindruck des Lagerplatzes nur durch einen Wetterwechsel ändern kann.

    *kalter Morgen mit eisigen Wind


    *Handschuhe zum Frühstück sind heute Pflicht


    Ich wische innen ein mal feucht durch, spanne die Türen auf beiden Seiten auf und lüfte quer. Bis es abgetrocknet ist, habe ich etwas Zeit. Also mache ich mich auf die Suche nach Blaubeeren, um mein Frühstück etwas aufzupimpen, bereite mir einen Kaffee und starre so vor mich hin.

    Zum Frühstück trage ich alle Kleidungsschichten die mein Rucksack her gibt, inkl. Handschuhen. Es ist jämmerlich kalt und die Frage, ob ich wirklich alles benötigt habe ,was im Vorfeld eingepackt wurde, kann ich nun nach dieser Tour guten Gewissens mit JA beantworten. Um 09:30h bin ich dann endlich unterwegs. Dick eingehüllt in meine Kapuze geht es auf gut gehbaren Wegen durch relativ unspektakuläre Landschaften.



    Klar, das Sylarna Massiv liegt immer gut sichtbar voraus, allerdings hatte ich mir das gestern schon gefühlte 5h angesehen und die äußeren Umstände machten es nicht interessanter. Heute kommen mir dafür schon ein paar mehr Leute entgegen und in der Rasthütte Miesehketjahke sitzen wir nach kurzer Zeit zu viert und machen Pause.

    *Rasthütte Miesehketjahke auf halben Wege


    Beim Blick auf die Karte überlege ich links abzubiegen, Richtung Ekorrdörren und dann über den Templet zur Fjällstation zu gelangen. In der Realität kann ich mit Blick von der Hütte aus allerdings nur Sumpfland und kleinere Seen ausmachen. Es ist wohl eher ein Winterweg und irgendwie fehlt mir heute auch die Lust, weiter danach zu suchen. Nach ein paar Snacks und etwas Klönschnack gehe ich weiter. Der Handölan hat hier über viele viele Jahre eine Landschaft aus Altarmen, Abbrüchen und kleinen Seen geschaffen.


    Er setzt sich schon etwas vom Rest der Umgebung ab, aber richtig genießen kann ich es nicht. Das erste Mal auf meiner Reise bekomme ich ein Gefühl von Müdigkeit, von satt gesehen. Der Aufnahmespeicher ist voll. Eine Art Reizüberflutung?

    Am Kläppen muss ich die nächste Pause einlegen. Die Oberschenkel Brennen und die Schritte werden schwerer. Eine heiße Tasse Tomatensuppe schafft Abhilfe. Vielleicht habe ich auch ein Kaloriendefizit, und die dauerhafte Ernährung aus den Tüten Reicht einfach nicht aus, um täglich 3.500 Kalorien aufzufüllen? Darüber sollte ich mir bei zukünftigen, längeren Touren auf jeden Fall Gedanken machen. Circa 3km vor der Fjällstation trennt sich der Weg, und man kann entweder über den Herrklumpen (1.289m) oder drum herum gehen. Ich entscheide mich für den längeren Weg drum herum und hoffe, so noch etwas mehr von Sylarna sehen zu können.


    *Wollgrasfelder in den Sumpfgebieten


    Bis auf ein paar Schneefelder bzw Gletscher, welche sich im Schatten des Berges der Sommersonne widersetzt haben, gibt es aber nicht viel zu sehen.


    Hier oben hat der Wind auch noch eine Schippe drauf gelegt und ich bin froh, als langsam in der Ferne die Häuser der Sylarna Fjällstation auftauchen.

    *Sylarna Fjällstation


    Von außen eher unscheinbar entpuppt sich die Fjällstation von innen als modernes und ziemlich frisch renoviertes Hotel.

    *Restaurantbereich


    Schon gestern Abend hatte ich auf Grund der Wettervorhersage ein Zimmer gebucht. An der Rezeption checke ich ein und erkundige mich, was wohl abends auf der Speisekarte steht. Reindeerstew ! Lecker! Eigentlich wollte ich ja an meinen Vorräten arbeiten, aber der Gedanke an ein richtiges, vollwertiges Abendessen lässt mich das noch einmal überdenken.

    Ich bekomme ein 8er Zimmer den Gang runter, Nummer 31, Värmland. Es ist nagelneu, mit richtig bequemen Betten und viel Platz. Kurz nach mir öffnet sich erneut die Tür und das Pärchen von der Rast in Miesehketjahke tritt ein. Mehr werden es auch heute nicht in diesem Zimmer.
    Nachdem alles eingerichtet ist, wird mal wieder Wäsche gewaschen. Die Trockenräume in den Hütten sind der Hammer und bereits am selben Abend kann ich die Wäsche wieder trocken in meinen Beuteln verstauen.

    Bis zum Abendessen lege ich mich in die bereits eingeheizte Sauna. Einfach herrlich. Ein kleines Fenster erlaubt den Blick auf die Berg, welcher allerdings bald durch lang anhaltenden Regen verblasst.

    Nach dem sehr leckeren Abendessen hänge ich noch eine ganze Weile alleine im Leseraum ab, welcher hart nach dem Ikea ScandiStyle Lehrbuch eingerichtet ist. Aber anders als in einer hippen Stadtwohnung passt es hier wenigstens ins Bild.

    Die völlig losgelösten und interessanten Gespräche der vergangenen Tage gibt es hier leider nicht mehr. Der Tagestourismus hat die Oberhand und alle Leute sind einander fremd. Die Trailmagic, wie ich sie zum Beispiel in der Fältjägarstugan erlebt habe, ist plötzlich nur noch eine schöne Erinnerung. Warum ist das so? Wieso haben Tageswanderer ein anderes Bedürfnis nach Gesellschaft als Distance Hiker? Im Gedanken an die ein oder andere Frage und etwas gemischten Gefühlen mache ich mich langsam auf den Weg ins Bett.

  • Vielleicht habe ich auch ein Kaloriendefizit, und die dauerhafte Ernährung aus den Tüten Reicht einfach nicht aus, um täglich 3.500 Kalorien aufzufüllen? Darüber sollte ich mir bei zukünftigen, längeren Touren auf jeden Fall Gedanken machen.

    Moin,

    Da helfen Speck und Nüsse zum aufpeppen der Mahlzeiten sehr gut.........😋

    Ich habe mir früher auf ähnlich anstrengenden Touren oft ein Hochkalorien Müsli selbst zusammengemixt und unterwegs zusätzlich alles essbare gesammelt oder auch gefangen.........

    Tolle Tour und sehr schöne Bilder 👍😍

    Gruß von der Ostsee

  • Moin,

    Nüsse, Studentenfutter u.ä habe ich für die Pausen dabei gehabt. Das mit dem Müsli habe ich im Vorfeld versucht nach einem Rezept aus dem Internet. Leider war es sehr sehr süß, und ich habe nach dem Essen regelmäßig Bauchweh bekommen. Dann habe ich kurz vor der Tour auf hochwertiges Müsli von Seitenbacher zurück gegriffen und es mit Oatsome für den geschmack gestreckt.

    Speck und frische Lebensmittel nachzukaufen gab es nur eine Möglichkeit, kurz vor dem Campingplatz. Da hätte man evtl mehr einkaufen müssen. Von Pilzen habe ich leider keine Ahnung, da habe ich mir schon ein paar mal gewünscht besseren Input zu haben. Vielleicht noch mal ein Plan für die Zukunft.

  • Moin,

    Nüsse, Studentenfutter u.ä habe ich für die Pausen dabei gehabt. Das mit dem Müsli habe ich im Vorfeld versucht nach einem Rezept aus dem Internet. Leider war es sehr sehr süß, und ich habe nach dem Essen regelmäßig Bauchweh bekommen. Dann habe ich kurz vor der Tour auf hochwertiges Müsli von Seitenbacher zurück gegriffen und es mit Oatsome für den geschmack gestreckt.

    Speck und frische Lebensmittel nachzukaufen gab es nur eine Möglichkeit, kurz vor dem Campingplatz. Da hätte man evtl mehr einkaufen müssen. Von Pilzen habe ich leider keine Ahnung, da habe ich mir schon ein paar mal gewünscht besseren Input zu haben. Vielleicht noch mal ein Plan für die Zukunft.

    Falls ich es noch nicht getan habe, kann ich ja meine Müslimischung ja mal hier auflisten..........könnte ich aber dann erst später tun.

    Pilze schmecken zwar gut haben aber einen sehr geringen Nährwert.

    In nördlichen Regionen gibt es oft nicht soviel zum sammeln und fangen aber zwischendurch findet man doch manchmal etwas brauchbares wie z.B. deine Blaubeeren 👍

    Geräucherter Speck hält sich auch ohne Kühlschrank ganz gut und bietet enorm viele Kalorien. So kann man den schon von zuhause aus mitbringen.

    Im Winter habe ich manchmal auch Butter oder Margarine in Squeeze Tuben mitgenommen.

    Einmal editiert, zuletzt von wuppitom (30. Dezember 2024 um 16:59)

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