DIY Underquilt Protector

  • Da der (sogenannte) Winter noch nicht rum ist und der Berliner Winterhang noch bevor steht, habe ich mir gestern einen Underquilt Protector (UQP) genäht. Für alle, die es nicht wissen: Ein UQP wird an den Aufhängungen der Hängematte unter den Underquilt gehängt, um diesen vor Nässe und Schmutz zu schützen. Er hilft auch Wind von der Seite zu stoppen, der die Wärme aus dem Underquilt raubt und ist somit eher etwas für kalte Tage und schlechtes Wetter. Es gibt noch keine Anleitung für das Selbernähen eines UQP im deutschen Hängemattenforum, daher an dieser Stelle mein Rezept.



    Mein UQP hat eine Länge von 280cm (Stofflänge vor dem Säumen: 288cm), ist aus Argon 90 und wiegt inkl. Packsack 177g. Mit Aufhängung im Packsack verstaut ist sein Volumen etwas größer als das eines Tennisballs. Letztlich näht sich ein UQP wie eine Hängematte, nur dass an den Endtunneln Shockcord durchgezogen wird, um ihn unter die Aufhängung der Hängematte und unter den Underquilt zu bringen.


    Die käuflich zu erwerbenden UQPs sind meist ca. 270cm lang. Da ich unterschiedliche Hängematten bis zu einer Länge von 340cm besitze, habe ich mich entschlossen ihn ein wenig länger zu machen. Orientiert habe ich mich bei den Maßen an der Nähanleitung von jellyfish auf Youtube. Sie hat ihrem UQP eine Länge von 83% der Hängematte gegeben, was der allgemeinen Orientierungslänge für die Ridgeline entspricht.


    Sonst findet man auf YouTube keine weiteren Nähanleitungen, sondern nur Präsentationsvideos von Hängern, die sich einen UQP von 2QZQ zugelegt haben oder Videos vom kanadischen "Little Shop of Hammocks". Diese gehen aber (im wahrsten Sinne des Wortes) mit der Kamera leider nicht so ins Detail, wie ich es mir gewünscht hätte. Jellyfish hat sich extra Tunnel für den Knotty-Mod an den UQP genäht und Ziplocks genutzt, um bei Bedarf die Kordel zu straffen damit die Ränder des UQP auch am Underquilt seitlich anliegen und nicht im Wind herumflattern.



    Ich fand die Tunnel-Lösung von Jellyfish nicht so toll und habe das Experiment gestartet, den Knotty-Mod und die Straffung der Seiten mit Hilfe von drei kleinen Ösen pro Seite zu lösen. Dafür habe ich mit einem Lötkolben vor dem Säumen jeweils ca. 95 cm von den Enden entfernt sowie in der Mitte der Seite drei kleine Löcher in das Argon 90 geschmolzen (doppellagig!) und jeweils eine Öse mit dem Hammer "sanft" durchgetrieben, um ein späteres Ausreißen des Stoffes zu vermeiden.



    Nachdem ich den Stoff dann als Rollsaum gesäumt hatte (immer schön mit der Nadel knapp an der Öse vorbei!), konnte ich eine 2mm dicke Gummikordel durch den Tunnel fädeln und die Enden jeweils mit einem kleinen Tanka/Kordelstopper versehen. Damit die Gummikordel nicht unter Spannung durchflutscht, habe ich die Enden noch extra mit einem doppelten Unterknoten hinter dem Tanka versehen. In der Mitte habe ich die Kordel durch die Öse nach oben geholt, durch einen weiteren Mini-Tanka gezogen und mit einem schlaufigen Unterknoten fixiert, den man gut mit den Fingern fassen kann. Im entspannten Zustand sind die Ränder genauso labberig wie ohne Gummikordel, können aber trotzdem bei Bedarf schnell auf Spannung gebracht werden.



    Man hätte die Enden des Shockcords auch innerhalb des Rollsaums mit der Nähmachine fixieren können, das wäre aber endgültig gewesen und ein Austausch der Gummikordel wäre nicht mehr ohne weiteres möglich. Durch die offene Fixierung mit Tankas an den Enden nehme ich zwar etwas mehr Gewicht in Kauf, behalte aber die Flexibilität bzgl. des Austausches, wenn mal eine Kordel ausleiert oder gar reißt.


    Die Shockcords an den Enden der Hängematte sind mit 3mm bzw. 4mm Durchmesser etwas dicker. Diese sollte man in ihrer Länge eher wohlwollend bemessen, da der UQP nicht von unten am Underquilt anliegen und dadurch die Wärmedämmung zusammendrücken sollte. Ich habe für die Endschnüre jeweils einen Zwei-Loch-Tanka genutzt und erst dahinter verknotet, um ggf. die Länge des UQP bei kürzeren Hängematten anpassen zu können.

  • Hallo Furbrain,


    vielen Dank für deinen Bericht. Wenn ich solche Berichte lese, ermutigt mich das, es auch selber zu machen! Ich finde die Lösung mit der elastischen Kordel und den Ösen sieht auch echt gut aus, und scheint praktisch zu sein. Man kann die Länge auch von jeder Liegeposition anpassen.

    Was ist den "Argon 90" für ein Stoff? Und kannst du dein UQP auch als Poncho benutzen?


    Lg!

  • Argon 90 ist ein kalendrierter 15D Stoff, der sich tendenziell anfühlt wie eine Mülltüte. Er scheint eine von Dutch's Entwicklungen, zumindest verkauft nur er das Stöffchen, afaik. Ein Stoff mit ähnlichen Eigenschaften könnte dieser hier sein. Ich habe ihn aber selber noch nicht ausprobiert. Grundsätzlich ist es ziemlich schwer in Europa Stoffe mit 20D oder weniger zu beziehen.


    Wer mehr oder es besser weiß, immer her mit der Info :)


    Die Sache mit dem Poncho müsste man mal durchdenken. Dadurch, dass es nur eine (Spritz-)wasser abweisende Schutzhülle ist, könnte man überlegen, ob man unten in die Mitte einen überlappenden und sich selbst verschließenden Schlitz als Kopföffnung einsetzt (ähnlich des Bottom-Entry bei den Hennessy-Hängematten). Lästig sind die Shockcords an den Enden des UQP, die würden nur sinnlos runterbaumeln ...

  • Eine Ergänzung noch: Argon 90 ist stark wasserabweisend - aber nicht wasserdicht! Das hat auch seinen Sinn, da sich sonst evtl. Kondenzfeuchtigkeit in der äußeren Senke sammeln und den Underquilt "von unten" nass machen würde. Bleibt die Frage, wie lange ein Poncho dich trocken halten würde. Gegen Wind wird er allerdings helfen und dich auch warm halten.