Der «Grand Risoux» (Grand Risoud) gilt als der grösste zusammenhängende Wald der Schweiz. Ich wollte seit Jahren gerne mal dorthin reisen, hatte aber alleine nie Lust dazu. So kam es wie gerufen, dass ein Freund mir vor einigen Tagen mitteilte, dass er am Wochenende in den Grand Risoud fahren wolle, und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte mitzukommen. – Gesagt getan, und so treffen wir uns in Olten am Bahnhof und keine drei Stunden später steigen wir in Le Brassus, im hinteren Vallée de Joux, aus der Bahn.
Da der Jura kaum Oberflächenwasser führt, haben wir je vier Liter Wasser in den Rucksack gepackt, dazu noch das Übliche, was man halt so für ein Wochenende im Freien braucht. Wir überqueren die Orbe.
Der Fluss – hier fast eher noch ein Bach – mündet etwas weiter talabwärts in den Lac de Joux und später den Lac Brenet, versickert in diesen Seen und tritt 300 Meter weiter unten durch die Grotten von Vallorbe (sehr sehenswert!) wieder zu Tage.
Nach kurzer Zeit erreichen wir die ersten Ausläufer des grossen Waldgebietes und lassen die letzten Juraweiden und Höfe hinter uns. Der Weg steigt nicht allzu steil an und die Temperatur ist angenehm und nicht allzu heiss. Dennoch wechsle ich bald in die kurze Hose.
Der Grand Risoux scheint sehr zurückhaltend bewirtschaftet zu werden. Der Wald wird geprägt von mächtigen Fichten und vereinzelten Weisstannen. Dennoch ist das Gebiet von zahlreichen Waldwegen durchzogen, die forstwirtschaftliche Eingriffe leichter machen. Zudem stehen zahlreiche Forsthütten zur Verfügung, die man bis zu einen Tag lang nutzen darf, sofern sie nicht von den Forstleuten benötigt werden. Übernachtungen sind allerdings nur in einer Notsituation erlaubt, den Abfall muss man wieder mitnehmen.
Bekannt ist der Grand Risoux für seine uralten, mächtigen Fichten. Einer von 10'000 Bäumen eignet sich als Tonfichte für den Instrumentenbau oder für die Herstellung von «Soundboards», einer Art «Lautsprecher», die im Tal produziert werden.
Ein anderes Phänomen entdeckt man, wenn man allmählich die flacheren Höhenzüge des Grand Risoud erreicht. Hier hat sich im Verlauf der Jahrhunderte so viel Humus aufgeschichtet, dass sich – trotz dem Untergrund aus Kalkgestein – ein relativ saures Milieu bilden kann. Eigentliche Kalkflieher wie die Heidelbeere können sich hier oben problemlos und zum Teil in grossen Mengen ansiedeln. Als wir den Grossteil des Aufstiegs hinter uns haben, können wir uns an frischen Heidelbeeren stärken.
Hier oben fallen uns neben den Fichten zahlreiche Rotbuchen auf und auch der Bergahorn ist relativ häufig anzutreffen.
Endlich erreichen wir die Landesgrenze und nach wenigen Schritten in Frankreich stehen wir am Roche Champion und so fühlen wir uns auch. Die Aussicht von den Felsklippen hinunter ins Tal ist atemberaubend.