Ich hab mich nun endlich dran gemacht, eine isolierte Hängematte (also einen Wookie, der nicht kaputt geht, wenn man sich reinlegt
) mit Apex 133g/qm 4oz/sqyd zu nähen. Darüber werd ich später noch berichten. Hier möchte ich aber erstmal meine leider nicht so begeisterten Eindrücke von dem Isoliermaterial loswerden, das ja eigentlich seit Jahren bewährt ist bzw. sein sollte.
Positiv kann ich festhalten, dass das angegebene Flächengewicht meines 2,20 x 1,50m Stücks exakt eingehalten wurde. Mit viel Wohlwollen aufgebauscht, konnte ich auch die angegebene 2,5cm Dicke messen. Das ließ hoffen.
Aber gleich nach dem Ausbreiten auf dem Boden dachte ich laut: „Und das soll jetzt wirklich Hightech sein?“. Dieser Eindruck verstärkte sich mit der Zeit noch. Aber der Reihe nach.
Inhomogenität
Das Vlies lag auf dem dunklen Mattenstoff und war sichtbar inhomogen: An der Oberfläche gab es unregelmäßig schichtartige Lagen, die teilweise halb lose wie Lappen anhafteten. Mir fiel auf den ersten Blick auf, dass es weiße, also undurchsichtige Stellen gab und dunklere, bei denen die Unterlage durchschien. Als ich später das Apex mit dem Außenstoff eingeschlagen habe, war eindeutig eine unterschiedliche Bauschkraft bei genau einer Lage zu spüren. Und wenn ich das schon mit den Fingern spüre, wird der Unterschied nicht gering sein, ich schätze Faktor 2. Diese unterschiedlich beschaffenen Stellen können meiner Meinung nach unmöglich gleich isolieren. Seitdem mein Außenstoff auf dem Vlies lag (40g/m²), kann ich mit viel Wohlwollen noch 1,5cm Dicke messen (statt 2,5), an gedoppelten Stellen knapp 3,5cm (statt 5cm).
Das alles war leider nicht so einfach zu fotografieren. Die ersten beiden Bilder sind Auflicht fotografiert (hell = dick), das dritte ist Durchlicht (dunkel = dick):
Schichtaufbau
Ähnlich wie Hammock Fairy schon beklagte, war auch mein Vlies grundsätzlich aus zwei Schichten aufgebaut, die nur wenig miteinander verbunden waren und sich daher an den Stoffrädern oft voneinander lösten und sich verschoben. Es machte an den dickeren Stellen (siehe oben) einen verfestigten Eindruck auf den Außenflächen, war innen jedoch watteweich, filigran und kaum verbunden. Der Schichtaufbau mag auch Vorteile haben, wenn man etwa bei Jacken Apex-Stücke aneinander ansetzen will und überlappen lässt. Die verfestigten Oberflächen lassen sich zudem besser verarbeiten. Einfach zu handhaben ist es aber durch die Schichttrennung nicht. Irritierend kam hinzu, dass das Vlies aufgrund seiner Inhomogenität an manchen Stellen mit einer von zwei Lagen etwa so dick wie an anderen Stellen mit zwei Lagen war.
Kunststoffkrümel
Mein Apex sonderte bei Bewegung weiße Kunststoffkrümel ab. Das habe ich bemerkt, als ich das Vlies ein paar Tage auf dem Trägerstoff liegen hatte und dann hochnahm: Der untere Stoff hatte flächendeckend ein merkwürdig sandiges Gefühl. Weil ich es nicht glauben konnte und mich über den scheinbaren Dreck in meiner Wohnung wunderte, nahm ich den Handfeger und fegte den ganzen Stoff ab. Übrig blieb neben einem Dutzend eigenen Brotkrümeln (im Bild dunkel) eine Art feines, weißes Pulver oder Granulat. Das Krümeln wiederholte sich später nochmal, während schon der Außenstoff auf dem Vlies lag und ich gehe davon aus, dass das Vlies auch weiterhin zwischen den Stoffen fleißig vor sich hin krümeln wird.
Mein Fazit + Frage an euch
Es ist zweifellos ein Fortschritt, wenn die Fasern gleich zu einer Art Matte verbunden sind. Auch fand ich die Verarbeitung aufgrund der verfestigten Oberflächen einfacher als gedacht und die zwei Schichten mögen in anderen Verarbeitungsfällen durchaus von Vorteil sein. Im Großen und Ganzen wird die Isolierung ihren eigentlichen Zweck erfüllen.
Mich enttäuschen aber die sicht- und spürbare Inhomogenität und der Krümelkram, mit denen ich nicht gerechnet habe. Gäbe es eine echte Alternative, würde ich beim nächsten Mal eine andere Isolierung ausprobieren.
Ich könnte mir andererseits auch eine „Qualitätsschwankung“ vorstellen, die vielleicht auch eine Reklamation rechtfertigen würde (wenn ich Lust hätte, alles wieder auseinander zu nehmen…). Deshalb würde mich interessieren, wie eure Erfahrungen mit dem Zeug waren - wenn ihr mal Lust habt, so kritisch damit zu sein wie ich.