He, ich kann einen Topquilt nähen!

  • Ich habe einen guten Freund, mit dem ich öfter wandern gehe. Er ist zwar Bodenschläfer, aber trotzdem mein Freund. Man soll ja schließlich die Menschen nicht wegen ihrer (abartigen ^^) Schlafgewohnheiten diskriminieren. Außerdem kann er gut kochen, braten und grillen. Und er hat leckeren Whisky. Nur nähen kann er nicht. Aber das kann ich. Dafür sind meine kulinarischen Fähigkeiten auf das Essen beschränkt. Wir ergänzen uns also gut.


    Besagter Kumpel fror bei seiner Frühlingstour nachts im DD Topquilt und fragte mich, ob ich ihm nicht mal einen wärmeren Quilt nähen könnte. Dieser naive und völlig absurde Glaube an meine Nähkünste schmeichelte mir zwar, aber als ehrlicher Mensch wollte ich ihm diese Schnapsidee ausreden. Da sprach er die magischen Worte: „Muss nicht schön aussehen. Hauptsache, warm.“ Das änderte natürlich alles. Nicht schön nähen - das kann ich.

    Also stattete ich bei meinem kürzlichen Berlinaufenthalt Extremtextil einen Besuch ab. 2 Meter 200er Apex, 2,20 m rotes Pertex Quantum zu 35 g/m2 und 2,20 m sauschweren (55 g/m2) schwarzen Nylontaft zum Sonderpreis von 4,40 € pro Meter landeten im Einkaufskorb. Die Farben waren zwar nicht das, was ich eigentlich wollte, aber manchmal muss man eben nehmen, was da ist.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Als Vorlage diente der Topquilt von DD Hammocks.



    Das Apex ist sogar ein bißchen breiter. Breiter ist gut, da hat man ein paar Reserven. So, abschneiden!

    Ach nee, heute ist so schönes Hängemattenwetter und morgen ist auch noch ein Tag. Na gut, überredet. 8)

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Okay, morgen war wirklich auch noch ein Tag. Ausgeruht war ich ja nun durch intensives (oder exzessives) Erholen in der Hängematte. Also ran an den Zuschnitt!



    Als nächstes kriegte der schwarze Stoff (die spätere Außenseite) 7 cm vom Abschluss an der Kopfseite einen daumenbreiten Kanal für den Kordelzug verpasst. Den 5 mm breiten Auslaßschlitz ordnete ich außermittig etwa im Drittelpunkt an. Damit der Minitanka nicht von der 1,5-mm-Schnur rutschen kann, habe ich eine schwarze Kunststoffperle aufgefädelt. An den Seiten ist die Schnur mit dem Kanal vernäht.


    Nun wurden die rote und schwarze Stoffbahn „auf links“, also mit den Ansichtsflächen nach innen zusammengenäht.



    Zusätzlich nähte ich in den Bereichen, wo später die Druckknöpfe hinkommen, einen daumenbreiten Stoffstreifen zur Verstärkung als Schutz gehen das Herausreißen an.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Nun steckte ich die Isolierung und die Hülle mit Wonderclips zusammen.



    Mir fiel auf, daß das Apex, das als Sandwichkonstruktion aufgebaut ist (etwas dichter gewebte Schicht, flauschig-wattige Füllung und wieder dichter gewebte oder gesponnene oder was weiß ich gewirkte Schicht) eine etwas glattere-festere und eine etwas weichere Außenseite hat.

    Diese festere Seite kam nach unten auf die Stichplatte und auf das Apex die Stoffhülle. Die rote Seite nach unten, die schwarze nach oben. Hier spielt die Farbe aber keine Rolle, ich hätte auch rot nach oben nehmen können. Das Apex verfängt sich gerne im Nähfuß, mit der Stichplatte hatte es aber bei mir keine Probleme. Daher kam es in die unterste Lage.

    Die Wonderclips fixierten die Schichten gut, dennoch hielt ich die Lagen zwischen Daumen und Zeigefinger zusammen um das Nähgut führen zu können. Ein paar mal verschoben sich die äußeren stabileren Apexschichten gegeneinander. Das zu korrigieren war ziemlich fummelig.

    Nachdem ich die Längsseiten und die schmale Fußseite zusammengenäht hatte, kamen die Stütznähte dran.

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  • Vorher musste natürlich die Isolation zwischen die rote und die schwarze Stoffbahn gebracht werden. Das Umstülpen kennt sicher jeder vom Bettdecke beziehen. Oder nicht? Hier im Forum gibt es ja kaum Bettschläfer. :/

    So, nun war das innere nach außen gekehrt und die Konstruktion hatte Ähnlichkeit mit einem Quilt. Kontrolle. Ja, alles war dort, wo es hingehörte.

    Aller 20-25 cm nähte ich nun etwa 10 cm vom Rand rechtwinklig in Richtung Mitte, um die Isolationsschicht besser mit der Hülle zu verbinden. Da diese 10 cm am Rand sowieso unter den Schläfer geschoben und komprimiert werden, spielt die Naht als Kältebrücke keine Rolle.

    Anschließend schlug ich sowohl den roten, als auch den schwarzen Stoff am Kopfende etwa 1 cm nach innen ein und nähte die beiden Hüllen mit 1 mm Randabstand zusammen. Der Bereich zwischen Kordelzugkanal und Rand am Kopfende war nun ohne Isolation. Ich schüttelte den Quilt kopfüber etwas durch, zog und zupfte bis sich genug Material für einen Wärmekragen am Kopfrand des Quilts befand. Damit das auch so bleibt, setzte ich knapp unterhalb des Kordelzugs aller ca. 20 cm eine 2-3 cm lange Naht durch alle Schichten. Da die Naht sehr kurz ist, dürfte die Kältebrücke nicht ins Gewicht fallen.

    Nun noch die Druckknöpfe (cam snaps) anbringen.


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  • Der Topquilt ist fertig.



    Vielleicht spendiere ich ihm im oberen Drittel noch ein paar kleine Schlaufen, an denen man dünne Gummischnüre befestigen kann. Diese sollen verhindern, daß beim nächtlichen Umdrehen der Quilt verrutscht und kalte Luft an den Schläfer gelangt. Ich persönlich brauche so etwas nicht, aber der Quilt ist ja nicht für mich designt.

    Ob ich die Apex“wurst“, die am Fußende den Quilt abdichten soll und die halbe Quiltbreite (=Fußboxbreite) lang ist, an das Fußende annähe oder nicht, überlege ich mir noch. Es gibt gute Argumente dafür und dagegen. Vielleicht kommt von Euch eine Anregung.


    Ich bin jedenfalls zufrieden mit meinem Werk. Für rund 75 € Materialkosten ist der Quilt recht ansehnlich geworden. Meine Nähte werden immer besser (auch wenn sie wohl nie schön sein werden). Wie sich der Quilt in der Praxis schlägt, werden wir aber nicht so schnell erfahren. Für die jetzigen Sommertemperaturen ist er viel zu warm.

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  • Ja, das Apex-Nähen ist nicht ohne. Vor allem, wenn es auf Maßhaltigkeit und ein sauberes Nahtbild ankommt. Zum Glück hatte ich diesen Anspruch nicht und konnte daher unbekümmert drauflosnähen.

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  • Toller Topquilt! Das mit den Farben bei Extex kenne ich nur zu gut. Man hat immer ein tolles Farbkonzept im Kopf und dann gibt es den Stoff den man für das Projekt ausgesucht hat (stundenlange Recherche, vergleichen, abwägen) nur in 3 verschiedenen, schwierigen Farben. || Aber ich finde schwarz-rot ist doch ganz dufte. Prima Quilt.

  • Hier noch ein paar Detailfotos, leider in katastrophaler Farbqualität.



    Der Wärmekragen



    Der Quilt ist hinter dem Hals mit roten Druckknöpfen verschließbar.



    Die Stütznähte befinden sich im ohnehin komprimierten Bereich und bilden daher keine Kältebrücke.

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  • Die „Wurst“ ist seitlich befestigt und kann nicht verloren gehen. Sie verhindert, daß kalte Luft zwischen den durch Druckknöpfen verschlossenen Bereichen in die Fußbox eindringen kann. Man kann aber auch den Kopf durchstecken und den Quilt als Umhang nutzen. :)



    Aus dem Restmaterial habe ich dann noch schnell ein Kopfkissen genäht.


    Technische Daten: Topquilt 789 g, Kopfkissen 79 g. Natürlich geht es auch wesentlich leichter. Vielleicht wage ich mich eines Tages mal an Daune ran?

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  • Nein, ich habe gar keine Nahtzugabe gemacht. Ich hatte erst Zweifel, ob das funktioniert, aber mehrere erfahrene Näher hatten geschrieben, daß eine Nahtzugabe nicht nötig wäre. Das vereinfacht den Stoffzuschnitt natürlich erheblich. Einfach die Isolierung auf den Stoff legen, anzeichnen und zuschneiden. Keep it simple!

    Ein Stauchen der Isolierung wegen der zu engen Hülle habe ich nicht bemerkt.

    Was man aber beachten muss, ist der Umstand, daß der fertige Quilt kleiner (kürzer/schmaler) als die Maße des zugeschnittenen Stoffes wird. Also Apex und Stoff lieber ein paar cm (5-10 wurde von verschiedenen Quellen genannt) größer zuschneiden, als der fertige Quilt werden soll.

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  • Nein, ich habe gar keine Nahtzugabe gemacht. Ich hatte erst Zweifel, ob das funktioniert, aber mehrere erfahrene Näher hatten geschrieben, daß eine Nahtzugabe nicht nötig wäre. Das vereinfacht den Stoffzuschnitt natürlich erheblich. Einfach die Isolierung auf den Stoff legen, anzeichnen und zuschneiden.

    Die Nahtzugabe ist der Abstand zwischen der Naht und der Schnittkante. Es ist meiner Meinung gar nicht möglich, keine Nahtzugabe zu machen, weil die Naht dann exakt auf der Schnittkante verlaufen würde, und bei der geringsten Belastung ausreissen würde. Deinen Fotos nach zu urteilen, hast du eine recht großzügige Nahtzugabe gemacht - du hast doch auf der angezeichneten Linie genäht, oder? Alles was außerhalb der Naht liegt, wird beim Umstülpen zurück gefaltet. Darauf zielte meine Frage ab. Ich habe versucht, knapper an der Schnittkante zu nähen (ca. 2-3cm), und hatte da das Problem, dass ich nicht immer alle "Schichten" des Apex erwischt habe.

  • Oh, da hatte ich Dich mißverstanden. Ich hatte den Begriff Nahtzugabe als den planmäßig größeren Stoffzuschnitt interpretiert, der nötig ist, um die gewünschten Maße des Endproduktes zu erreichen. Diese bewußte Zugabe habe ich nicht gemacht, weil mir die exakten Maße des fertigen Quilts ziemlich egal waren.


    Eine Nahtzugabe im Sinne von Randabstand der Naht zur Stoffkante hatte ich natürlich. Ich habe etwa Daumenbreite gewählt um sicherzugehen, daß sowohl die obere als auch die untere feste Oberfläche der Sandwichkonstruktion des Apex mit der Stoffhülle vernäht werden. Zusätzlich habe ich sehr genau darauf geachtet, daß sich das Sandwich nicht verschiebt, was aufgrund der Wattefüllung sehr leicht geschehen kann.


    Die auf dem Foto zu sehende Linie auf dem Apex ist übrigens keine Nahtzugabelinie, sondern nur der erste Plan des Zuschnittes. Als ich gesehen hatte, daß die Stoffbreite noch rund 10 cm mehr hergibt, habe ich das Apex dann etwas größer zugeschnitten.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Sieht top aus, dein Quilt! Du solltest dich ruhig mal an Daune rantrauen und würdest einiges an Gewicht sparen. Ich habe letztens einen Quilt mit 200 g Daune aus dem leichtesten Material genäht, das es bei Ripstop gibt, der wiegt nur knapp über 300 g und ist doppelt so groß wie eine Faust. Ich habe aber die Fußbox geschlossen und Kammern genäht.