Frühlingstour durchs Schweizer Mittelland mit dem Ziel Jura

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Ich hatte noch ein paar Tage Zeit und wollte zwei Dinge ausprobieren:

    1. Den Jura zu Fuss und mit gelegentlicher Nutzung des ÖV erreichen ohne die Hilfe von Karte und Smartphone
    2. Ein paar Nächte in Folge in der Hängematte schlafen
    • Zum ersten Punkt: Da ich nicht auf einen Fotoapparat verzichten wollte, habe ich mir erlaubt, die Karten, die auf Informationstafeln ersichtlich waren, zu fotografieren und sie zur Navigation zu nutzen. Das hat mir eine einigermassen zielgerichtete Navigation erlaubt. Weiter habe ich einen Kompass eingepackt, um die Richtung von Wegen – gerade wenn ich keine Karte habe fotografieren können – etwas genauer einschätzen zu können. Gleich nach meinem Start lief ich dann tatsächlich eineinhalb Mal um einen Hügel, weil ich eine ausgeschilderte Abzweigung verpasst hatte. Die fotografierte Karte auf dem kleinen Display des Fotoapparats zu studieren, erwies sich als nicht ganz einfach. Ansonsten ist die Topografie der Schweiz übersichtlich genug, dass ich keine Probleme mit der Navigation hatte.
    • Zu Punkt zwei: Es ist schon eine tolle Sache, wenn man wandern kann, bis es Abend wird, und nicht bereits im Vorfeld einen Platz für die Übernachtung organisieren muss. So habe ich einmal erst gegen halb neun Uhr einen Platz ein Stück abseits des Weges gesucht, ein anderes Mal einen Picknickplatz angesteuert, den ich bereits kannte. Die dritte Übernachtung in der Hängematte ist dann wortwörtlich ins Wasser gefallen. Da ich kein Smartphone dabei hatte und deshalb die aktuelle Wetterlage nicht kannte, wurde ich im Jura von heftigen Winden und Regenschauern – verbunden mit einem Temperatursturz – überrascht und wurde ziemlich nass.

    Ein paar Eindrücke von der Tour:

    Nachdem ich mehrmals im Kreis gelaufen bin, habe ich den gewünschten Weg in Richtung Westen gefunden.

    Etwas abseits des Weges habe ich in der Hängematte geschlafen.

    Bei wunderschönem Wetter ging es am nächsten Tag geradewegs durchs Mittelland in Richtung Jura.

    An einem öffentlichen Grillplatz habe ich mir auf dem Bushbuddy etwas gekocht...

    ... und dann erneut in der Hängematte geschlafen.

    Der Jura war inzwischen zum Greifen nahe.

    Die Felsen des Creux du Van kurz vor dem Wetterumschwung.

    Am nächsten Tag hat es dann im zweiten Anlauf doch noch geklappt mit dem Creux du Van. Bei meinem fünften Besuch habe ich auch erstmals Steinböcke gesehen! :)

    Die bis zu 200m hohen Felsen des Creux du Van sind immer wieder eindrücklich.

    Beim Abstieg eröffnete sich ein wunderschöner Ausblick über den Neuenburgersee mit Sicht bis in die Alpen.

    • Offizieller Beitrag

    Toller Ansatz für einen Kurztripp und schöne Bilder :thumbup:Da es dir ja auch - wie mir - schwerfällt, in der Hängematte gut durchzuschlafen, noch meine Frage: Auch wenn es wohl nur bei zwei Nächten am Stück geblieben ist, hat sich etwas bei dir schlaftechnisch eventuell positiv verändert?

  • Gute Frage!

    In der ersten Nacht bin ich einige Male aufgewacht. Nachdem ich Wildschweine jahrelang nur vom Hörensagen kannte, hatte ich nun bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Begegnung mit ihnen. Zum Glück hielten sie dieses Mal ausreichend Distanz und rannten mich nicht beinahe über den Haufen. Dennoch waren das immer wiederkehrende Rascheln im Laub, die Scharrgeräusche verbunden mit dem Schmatzen und dem gelegentlichen «Oink, oink» nicht gerade schlafförderlich. Ich habe aber trotz allem einigermassen gut geschlafen und hatte eine recht angenehme Nacht.

    In der zweiten Nacht war es deutlich ruhiger. Da hörte ich zwar auch mal ein Wildschwein (oder ein anderes grösseres Tier) in der Nähe, fühlte mich aber nicht praktisch die ganze Nacht durchgehend gestört. Ich denke aber, dass ich auch da nicht tief und fest durchgeschlafen habe und fühlte mich am Morgen etwas müde.

    In der Hängematte erlebe ich immer wieder einen eigenartigen Zustand, der irgendwo zwischen Schlaf und Halbschlaf liegt und den ich so vom Schlafen am Boden nicht kenne. Am Boden schlafe ich meistens schnell ein, wache zwar auch gelegentlich auf, habe aber am Morgen viel mehr das Gefühl, durchgeschlafen zu haben. In der Hängematte finde ich oft, nach einigen kürzeren Schlafphasen, erst in den frühen Morgenstunden zu einem einigermassen tiefen Schlaf und fühle mich dann auch nicht richtig erholt. Ich war deshalb nicht ganz unglücklich, duchnässt wie ich nach dem Wettersturz war, für eine Nacht ein Hotel ansteuern zu können. Da konnte ich dann meine Sachen gut trocknen und meinen Schlafmangel wieder etwas ausgleichen. Und gut gegessen habe ich auch! ;)

    Insgesamt benötige ich bei jeder mehrtägigen Outdoor-Tour etwas Zeit, bis ich mich ans Draussenschlafen gewöhnt habe. Insgesamt hat sich die Situation in der Hängematte nach nur zwei Nächten am Stück (noch) nicht verändert.

  • Was hastn da noch ÜBER dem Tarp gespannt?

    Zipline zur schnellen Flucht?

    Gut beobachtet! – Ich habe da gar nichts gespannt. Das ist die Firstleine des Riesen-Tarps des dortigen Waldkindergartens. Da die das Gelände nur einmal die Woche nutzen, hatte ich dort meinen Frieden und fiel auch viel weniger ins Auge, als wenn ich ein ganzes Stück daneben meine Sachen aufgebaut hätte.

  • Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist einer der häufigsten Bäume Mitteleuropas und sicher allen bestens bekannt.

    Wir sind uns dieses Erscheinungsbild gewohnt (Wuchshöhen bis 45 Meter):

    Dieses Erscheinungsbild ist vermutlich den meisten weniger bekannt (Wuchshöhe stark reduziert und viel knorriger):

    Die erhöhte Lage (gut 1'400m ü.M.) genauso wie die Exponiertheit Wind und Wetter gegenüber machen den Unterschied. Die Exemplare dieses Wuchstypes werden deshalb gerne auch als «Wetterbuchen» bezeichnet.

    Aber selbst diese kleine Wuchsform an der Abbruchkannte des Creux du Van (Bild unten) konnte ich beobachten (aktuell wohl etwa 150cm hoch). Da würde vermutlich niemand auf den ersten Blick Rotbuchen darin erkennen und doch sind diese kleinen Bäumchen – so jedenfalls meine Vermutung – schon mehrere Jahrzehnte alt:

  • Eine tolle Landschaft, um die ich dich - wie du weißt - als Haustürumgebung ziemlich beneide. Aber was ist das für ein verrückter Frühling? Die gelbe Pest auf den Feldern ist bei euch ja auch nicht weiter als in Brandenburg!

  • In der Hängematte finde ich oft, nach einigen kürzeren Schlafphasen, erst in den frühen Morgenstunden zu einem einigermassen tiefen Schlaf und fühle mich dann auch nicht richtig erholt.

    Stimmt.So geht es mir genau so. Obwohl ich es in der Hängematte richtig gemütlich finde. Vermute eher das es ein Schutzinstinkt ist der mich vom Tiefschlaf abhält. Den man schläft halt ungeschützt im Wald. Als Bodenschläfer in meinem 1 Mann zelt ist es aber auch nicht anders. Denn dort habe ich das Zelt zu.Und es ist unangenehm nur was zu hören.In der Hängematte hat hat man ja ein gewissen Blick in den Wald bzw Umgebung

  • Ich schlafe im Zelt in den meisten Fällen besser als in der Hängematte und denke, dass es damit zu tun hat, dass ich mich wie gewohnt frei auf der Matratze ausbreiten kann. In der Hängematte ist ja immer eine gewisse «Einengung» zum tiefsten Punkt hin spürbar. Nach jeder Änderung der Position muss sich der Körper wieder neu eine bequeme Lage suchen. Das funktioniert bei mir (noch) nicht automatisch.

    Eigenartigerweise war ich aber 2015 auf einem Campingplatz im Bleniotal. Es war Hochsommer und wirklich sehr heiss. Nach der ersten Nacht im Zelt fühlte ich mich ganz schlecht ausgeruht und fragte die Besitzerin, ob ich die folgenden Nächte in der Hängematte schlafen dürfe. Obwohl ich damals noch die (viel zu kurze) «ENO DoubleNest» nutzte, unter mir eine 120cm lange Isomatte, schlief ich da viel besser und erholte mich besser.

    Es ist schwierig zu sagen, welche Faktoren letztendlich wirklich die entscheidende Rolle spielen. Wie du es sagst, Frank1311, das Draussenschlafen als solches ist ja letztlich bereits ungewohnt für die meisten von uns.

  • Dann würde ich an eurer Stelle einfach mal einen Vergleich machen: im Zelt bzw. der Hängematte in der Wohnung (also zu Hause in der gewohnten Umgebung) schlafen und dann mal das Gleiche draußen im Garten/auf dem Balkon und dann nochmal irgendwo auf einem Campingplatz (immernoch gefühlt sicher) und dann ganz draußen im Wald.

    Ich schlafe sehr gut in meiner HM, da ich das ja nun seit bald 3 Jahren täglich tue, aber draußen - schon, nur auf meinem Balkon, ist es mir zu laut (Verkehr), auf Campingplätzen geht es gut, wenn die anderen Leute weit weg sind, so wie jetzt gerade in den Ferien in Frankreich

    und draußen ganz allein im Wald hätte ich zuviel Angst.... Da wäre ein erholsamer Schlaf für mich sicher nicht möglich.

    Für mich ist also nicht entscheidend ob HM oder Zelt, sondern wie sicher ich mich irgendwo fühle und wie die Umgebungsgeräusche sind.

  • Wer mehr Information über den «Creux du Van» wünscht, findet diese hier:

    https://www.creuxduvan.com/

    Ein paar kompakte Informationen findet man auch auf Wikipedia.

    Bei jedem Zugang zum Schutzgebiet (es handelt sich um ein so genanntes «Jagdbanngebiet») findet sich auch eine grosse Informationstafel:

    Den Inhalt der Tafel habe ich in vier übersichtliche Bilder zerlegt.

    Allgemeine Informationen zum Schutzgebiet:

    zum Lesen bitte anklicken

    Fauna:

    Karte des Schutzgebietes:

  • Dann würde ich an eurer Stelle einfach mal einen Vergleich machen

    Das ist sicher eine gute Idee. Schwierig ist es deshalb, weil ich weder Zelt noch Hängematte zuhause aufbauen kann. Zudem schlafe ich auf der Isomatte auf dem Boden meiner Wohnung auch ohne Zelt eher schlecht. Die Hängematte kann ich im Estrich aufbauen. Dort schlafe ich aber auch eher schlecht, da mir die frische Luft fehlt. Im Sommer ist es dort oben auch zu heiss.

    Im Zelt schlafe ich dann gut, wenn das Ambiente stimmt: zum Beispiel an einem abgelegenen, ruhigen und nicht zu feuchten Platz. Zum Beispiel hier auf dem «Great Glen Way» habe ich sehr gut geschlafen:

    Das war bisher wahrscheinlich meine beste Nacht im Zelt. Absolut kein Kondenswasser, angenehme Temperatur, absolute Ruhe und ein erfrischendes Bad am Morgen garantiert. Da habe ich richtig gut geschlafen.

    In der Hängematte schlafe ich auch am besten, wenn diese Bedingungen (mal abgesehen von der Bademöglichkeit) erfüllt sind: angenehme Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sowie Ruhe (keine störenden oder verunsichernden Geräusche). Nach wie vor eher schwierig ist da dieses Gefühl, irgendwie am tiefsten Punkt der Hängematte «gefangen» zu sein.

    Nicht immer lässt sich im Vorfeld richtig einschätzen, wie die Bedingungen konkret sein werden. Jedenfalls schlafe ich sowohl im Zelt wie auch in der Hängematte am besten, wenn ich draussen in der Natur an einem schönen Platz bin, an dem ich mich grundsätzlich schon mal wohl fühle. Weiter sind bei mir sowohl Zelt wie auch Hängematte Mittel zum Zweck: Sie ermöglichen mir, draussen zu schlafen, wenn ich etwas Urlaub vom Alltag benötige oder mehrere Tage unterwegs sein möchte.

    Ein Campingplatz bringt bei mir nur einen Mehrwert gegenüber einem Platz in der freien Natur, wenn er ruhig und idyllisch gelegen ist, ich genug Freiraum habe, es gute Sitzgelegenheiten (Tische und Bänke) gibt und die sanitären Einrichtungen sauber, gross genug und praktisch eingerichtet sind. Ich ziehe einen See oder Fluss in der Natur hundertmal einer zu engen, womöglich schmutzigen Dusche auf dem Campingplatz vor, in der ich eine halbe Akrobatikübung mit zahlreichen Körperverrenkungen aufführen muss, um zu verhindern, dass meine Kleidung nass oder gar schmutzig wird. 8o

    Dir, barfuß, weiterhin einen schönen Urlaub in Frankreich.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!