Belastbarkeit der Karabiner

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  • Hallo,

    gestern habe ich in einem YouTube-Video gesehen, dass der Treehugger-Gurt immer relativ gerade durch den Karabiner gehen soll, ansonsten verstärkt sich die Belastung durch den Seilzugeffekt um ein vielfaches.

    Wie verhält es sich denn, wenn ich den Karabiner direkt an einem Haken befestige? Heute will ich meine neue Hängematte ausprobieren und da ich nur einen Baum habe, muss die andere Seite wieder an den Wandhaken.
    Habt Ihr da schon mal Probleme bekommen oder halten die Karabiner in der Regel das aus?

    Danke und Grüße
    Andreas

    • Offizieller Beitrag

    Vermutlich ist es kein Problem, denn viele machen das so. Aber mir war das immer unsympathisch, deshalb ziehe ich nur Seile oder Gurte durch Metallhaken. Am einfachsten ist es, einen Dog Bone am Haken anzubringen, und den Karabiner dann in den Dog Bone einzuhängen. Da knarzt und knirscht auch nichts.

    • Offizieller Beitrag

    [USER="4201"]Morti75[/USER] Deine Frage hat - wie so oft im Leben - keine einfache Antwort... Ich verwende so eine Konstruktion seit Jahren, aber mit Stahlkarabinern. Bei Alukarabinern hätte ich bedenken, dass das weichere Material irgendwann (eher früher als später) dem Verschleiß zum Opfer fällt. Was die Belastung betrifft sind Karabiner grundsätzlich für längsbelastungen ausgelegt, da wirst du also eher kein Problem bekommen. Da die Belastung direkt parallel zum Haken ist gibt es auch keinen Flaschenzug-Effekt, um den du dir Gedanken machen müsstest.

    Ich hoffe, das hilft dir weiter...

  • Ich komme beruflich ja aus der Industriekletterei.
    Nun, da hängen wir an einem, oft Alu Karabiner mit 100kg+ an einer Hochhausfassade in Frankfurt und machen Glasreinigung oder anderen kranken Scheiss.
    Der Karabiner ist meist in einer Bohrlasche und hat ganz wenig Auflagefläche.
    Aber es ist immer ein Karabiner mit CE und EN 362 Norm bzw. UIAA, also fürs Klettern zugelassen und mit mindestens 22kN Mindestbruchlast. 2,2 Tonnen.
    Er muss im Notfall meinen Sturz, bei dem sich je nach Sturzfaktor, mein Gewicht mal eben vervielfacht, UND eine mögliche Rettungslast aushalten.
    Denn wenn ich einen Kameraden rette, man arbeitet meist zu zweit und muss ein Rettungskonzept vorher ausarbeiten, und es während der Rettung Probleme gibt, muss der Karabiner noch Reserven haben. Also 2 Personen zu je 100kg plus Ausrüstung und Sturzfaktor krachen da rein. Der verändert dann schonmal leicht seine Form, muss aber halten.
    Aber da ist noch ein zweites redundantes System zur Not.
    Ich schweife ab.
    Wenn der Karabiner not rated ist, also nix drauf steht, würde ich mich da nicht rein hängen. Ausnahme sind die Dutch Biner. Denen vertraue ich bei Hängematten voll.

    Denoch habe ich bei meiner Aufhängung Zuhause ein Stück Gurtband eingenäht.
    Eine Bohrlasche M10 in der Wand und direkt den Karabiner rein hätte auch gehalten. Aber es wäre "laut" geworden.
    Einmal können Geräusche beim schaukeln durch Metall auf Metall entstehen. Andererseits übertragen sich Geräusche und tieffrequente Schwingungen aus dem Haus, Türen zuschlagen, Fenster, Bass vom Nachbarn, durch den "Dämpfer" Gurtband dazwischen nur sehr wenig.
    Da drin hänge aber auch ein Karabiner aus dem Sportkletterbereich.
    AustriAlpin Micro Wiregate.

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    Deine Frage beantworte ich so: Ja das hält wenn der Karabiner dafür ausgelegt ist. Es wird nur angenehmer wenn ein Stück Gurtband dazwischen ist. Oder Dogbone. Textil eben.

    • Offizieller Beitrag

    Karabiner der entsprechenden Belastungsklasse halten das aus, aber Metall auf Metall macht oft unschöne Geräusche. Daher empfehle auch ich, nach Möglichkeit etwas Weiches (Gurtband, Seil, Leder) dazwischenzusetzen. Es hilft auch schon, den Karabiner mit gewöhnlicher Haushaltsschnur zu umwickeln oder Heftpflaster zu bekleben und damit den direkten Kontakt gon Metall zu Metall zu vermeiden.

  • Nur kurz:

    • Direkt am Haken: Es wirkt die Kraft, die sich aus der Hängemattenlast und dem Hängewinkel ergibt (Hängematten-Rechner nutzen). Bei einem Hängewinkel von 30° entspricht das auf jeder Seite der Hängemattenlast. Bei flacherer Abspannung wächst die Last schnell an.
    • Wenn das Band durch den Karabiner geführt wird, sieht es etwas anders aus:
    • Der Karabiner sitzt in der Mitte des Baumes: Auf allen drei Zugrichtungen (gleichseitiges Dreieck) wirkt die gleiche Kraft und zwar die vom ersten Punkt.
    • Das Gurtband geht völlig gerade durch den Karabiner (in der Praxis nicht umsetzbar): Auf den Karabiner wirkt keine Kraft.
    • Das durch den Karabiner geführte Band macht im Karabiner eine Wendung um 180° (praktisch nur schwer zu erreichen): Auf den Karabiner wirkt die doppelte Belastung, die sich aus dem ersten Punkt ergibt.

    Die Vielfache Belastung gibt es in der Praxis nicht, sondern nur die doppelte. Allerdings kommt durch die Dynamik (Bewegung) in der Hängematte noch etwas dazu. Je weniger elastisch deine Aufhängung ist, desto höher sind die Belastungsspitzen. In der Regel kommen bei einfachen Bewegungen etwa 50% der Ruhebelastung dazu. Du solltest das Material nicht mit mehr als 20% der Bruchlast belasten. 30% würde ich nicht dauerhaft überschreiten wollen.

  • Hey, welche Karabiner benutzt du? Ich benutze die von ShredRack zum befestigen. Da sie ziemlich leicht sind, aber sehr viel aushalten aufgrund des Carbon-Kerns, bieten sie sich für sämtliche Outdoorfunktionen an. Habe sie diverse male schon benutzt und von Verschleiß ist noch keine Spur zu sehen.
    kannst sie dir ja mal anschauen (Sind übrigens auch made in Germany, was mir sehr wichtig war):

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