Eine Nacht im Schnee, über dem Schnee

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    • Offizieller Beitrag

    Das sehe ich genauso wie echinotrix. Im Winter ist Schnelligkeit alles. Ich nehme einen eigentlich viel zu großen Rucksack mit, in den ich Hängematte und Tarp (mit der Innenseite nach aussen, dann nässen tauende Schneereste den Rucksack nicht ein) einfach locker reinstopfe. Aufwachen und die wohlige Wärme genießen. Wenn sich die traurige Erkenntnis durchgesetzt hat, daß man doch irgendwann mal raus muß, dann wird nicht lange getrödelt. 1-2-3-Gefechtsalaaarm!!!
    Raus aus der Hängematte, ratzfatz angezogen, abgebaut, reingestopft, Rucksack geschultert und los. Der Adrenalinkick verhindert, daß einem die Kälte richtig bewußt wird. Wenn der Körper wieder in den Normalmodus übergeht, hat er durch die Bewegung schon wieder genug Wärme erzeugt. Frühstück und Morgenkaffee/-tee gibt es dann irgendwann an einer schönen Stelle.
    Rumtrödeln, Coffe from the hammock, ausgiebige Morgentoilette und bedächtiges Einpacken ist was für den Sommer.

  • Rumtrödeln, Coffe from the hammock, ausgiebige Morgentoilette und bedächtiges Einpacken ist was für den Sommer.

    Coffe (in meinem Fall tea) from the hammock geht, aber nur, wenn man nicht aus der HM rausgeht. Abends das Kochset nicht einpacken sondern stehen lassen, ein Päckchen Kaffeepulver (bzw. einen Beutel Tee) vorbereiten, heißes Wasser in der isolierten Edestahlflasche in den Fußraum des Topquilts und ein Fläschchen Alkohol in die Brusttasche des Fleecepullis. Morgens dann den Fancee Feest greifen, 1 Minute in der Tasche aufwärmen, Alkohol rein, hinstellen, sofort mit dem Firesteel anzünden, Topf drauf, das noch etwas warme Wasser vom Vorabend reinkippen, und schnell alle Körperteile wieder in die Daune. Wenn das Wasser kocht, Kaffepulver oder Teebeutel rein, kurz warten, in der Zwischenzeit die Daunenjacke anziehen. Dann Arme raus und trinken.

    Ich denke, man sieht hier ganz schön, wie genau alles geplant sein muss, damit's optimal kuschelig warm bleibt. Da gibt's kaum Spielraum, Improvisation ist der Feind. Viele weitere Tätigkeiten sind ebenso minutiös geplant bzw. eingespielt.

    Die anderen von [USER="14"]Mittagsfrost[/USER] aufgezählten Sachen - Rumtrödeln, Morgentoilette und bedächtiges Einpacken - gehen absolut gar nicht. Zähneputzen tu ich später beim zweiten (richtigen) Frühstück. Da gibt's dann meistens auch eine schöne Suppe und nochmal eine Tasse Tee.

  • Immer ein Problem sind die Füße und die Finger. Kann ich voll verstehen, dass Du da Probleme hast, [USER="67"]xuanxang[/USER]. Geht mir auch so.

    Die kalten Füße lassen sich nur durch gutes Schuhwerk verhindern. Da kommt's dann drauf an, was man vor hat. Wenn man nur wenige Tage unterwegs ist und keine weiten Strecken gehen will, dann sind sicher Winterboots, wie Bernd sie trägt optimal. Gut gefüttert, schnell an- und auszuziehen, bequem. Für echte Winterhikes würde ich wahrscheinlich eher auf ein Fußbekleidungssystem, wie es z.B. hier vorgestellt wird, zurückgreifen. Ist viel flexibler, leichter (insbesondere direkt am Fuß) und man kann damit unter unterschiedlichsten Bedingungen schnell und lang laufen.

    Für die Finger hab ich noch keine Lösung gefunden, mit denen Sie immer warm bleiben. Pulswärmer sind gut, auch fingerlose Handschuhe haben sich sehr bewährt. Fäustlinge sind deutlich besser als Fingerlinge. Und das Wichtigste: die Handshcuhe möglichst selten ausziehen. Wenn die Finger erstmal kalt sind, dann ist es sehr schwer, sie wieder warm zu bekommen. Eine warme Tasse Tee machen und mit dünnen Handschuhe in den Händen halten hilft gut, ist aber dafür wieder sehr aufwändig. Wandern hilft auch, das kann man aber ja nicht immer. Im Grunde also wieder eine Frage der Planung: alles darauf hin optimieren, dass man möglichst viel mit Handschuhen machen kann: Firesteel statt Feuerzeug, Gurte statt Whoopies, Schnüre an allen Reißverschlusszippern, Dutchware statt Knoten.

    In jedem Fall ist es wichtig, richtig viel Isolation anzulegen, wenn man sich nicht bewegt. Das gilt für den Körper, aber noch mehr für die Füße und für die Hände. Schaut Euch mal die Russen an. Oder Alfred Wegener in Grönland.

  • Klingt wie ne kältebedingte Arthrose.
    Meine Mutter hat sowas und ähnliche Symptome. Aber eben immer, nicht nur wenns kalt ist.

    Als Wärmequelle kann ich Dir nur diese Wärmepacks der US Armee von 1966 empfehlen.
    Bei Ebay als Wärmekissen BW zu finden. Die werden richtig lange richtig warm.
    Denn wenn Handschuhe nichts mehr helfen, musst Du zuheizen.

  • Es gibt auch die so genannte "Kälteallergie", von der viele betroffen sind. Dabei werden die betroffenen Körperstellen heftig rot, es bilden sich Quaddeln und es kommt zu einer verstärkten Ausschüttung von Histamin. Allerdings klingen die von xuanxang beschriebenen Symptome doch etwas anders. Jedenfalls macht Kälte vielen Menschen zu schaffen.

    Mir macht Kälte zwar nichts aus, ausser dass ich sie schnell einmal unangenehm finde, aber ich mag's auch lieber warm: Bei gegen 40°C letzten Sommer in Frankreich fand ich es zwar sehr heiss, aber letztlich machen mir solche Temperaturen nicht viel aus und bleiben mir auch viel weniger negativ in Erinnerung wie das Frieren. Ich wandere auch bei grosser Hitze meine üblichen 20 bis 30 Kilometer am Tag, trinke einfach etwas mehr als sonst... Schlimm wird es erst, wenn ich zuwenig Wasser habe; dann bricht mein ganzer Energiehaushalt zusammen.

  • Ob es wirklich funktioniert weiß ich nicht, da ich es nicht ausprobiert habe. Ich habe damals in der Oberstufe Chemie abgewählt und habe an das Fach keine positiven Erinnerungen. Falls du aber Lust haben solltest zu experimentieren und es tatsächlich klappt, wäre es nett, wenn du mir Bescheid geben würdest.

  • Wer noch etwas genauer wissen möchte, wie so ein Wärmebeutel funktioniert, wird hier fündig. Ganz am Schluss findet man auch noch eine kurze Anleitung für den Eigenbau. Weiter habe ich noch das hier gefunden. Und dann noch diese Seite vom Schweizer Radio und Fernsehen, die bestätigt, dass man die Beutel problemlos im Hauskehricht entsorgen könne.

    Was mir beim Wandern im Winter auch immer wieder auffällt, ist der grosse Unterschied zwischen Ruhe und Bewegung. Bei -5°C in Bewegung haben mir jeweils gereicht:

    Oben

    • synthetisches T-Shirt mit Hohlfaser
    • Merino-T-Shirt (optional)
    • Merino-Langarm-Shirt
    • Wind-/Regenjacke

    Unten

    • Unterhose
    • kurze Hose (optional)
    • leichte lange Wanderhose
    • Regenhose mit Membran

    Dazu noch eine Mütze und ein Paar Handschuhe.

    In den Pausen habe ich mir jeweils eine leichte Primaloft-/Coreloft-Jacke zusätzlich unter der Regenjacke angezogen. Trotzdem wurde es mir jeweils schnell kalt. Bei längeren Pausen begann ich so sogar richtig zu frieren. War ich nach einem langen Tag müde, so habe ich selbst bei 5°C über dem Gefrierpunkt mitsamt der zusätzlichen Jacke zu frieren begonnen. Zwischen Bewegung und Ruhe liegen schnell mal 15°C an zusätzlicher Isolation.

    Wenn man nun noch bedenkt, wie stark der Körper seine Aktivität im Schlaf senkt, dann wird deutlich, wie viel Isolation man da braucht.

    Meine Erfahrungen bei Übernachtungen reichen bis in die Gegend um den Gefrierpunkt mit dem HG Incubator 20°F. Ums Gesäss fand ich das immer etwas kühl, insgesamt blieb ich aber ausreichend warm, ohne spezielle zusätzliche Massnahmen wie VB, Abendgymnastik oder Wärmflasche. Am schlimmsten finde auch ich, wenn mir am Morgen beim Einpacken jeweils die Finger (beinahe) abfrieren. Gerade die Daunendecken sind innen wohl warm, wenn man sie sofort einpackt. Aussen allerdings sind die sowas von kalt, da frieren mir sofort die Finger ein.

    Auch ich schaue dann jeweils, dass ich möglichst rasch in Bewegung komme. Habe ich ein paar Kilometer und vielleicht einen leichten Aufstieg hinter mir und die ersten Sonnenstrahlen sind (hoffentlich) da, so gibt es den ersten Tee oder Kaffee. Bis dann sind auch die Finger wieder warm und der Körper ist auf "Betriebstemperatur", so dass diese "Arbeiten" ohne Probleme vonstatten gehen.

  • Wann hast Du die an?
    Im Schlafsack oder auch so ganz normal wenn Du was kochst etc?

    Carinthia hat übrigens mehr als nur Schlafsäcke. Die Jacken sollen auch ganz toll sein.

  • Hallo Bernd,

    ich habe die nur im Topquilt an. Weil eventuell nass und dann in den Topquilt fände ich nicht so dolle.
    Wenn ich mal in einer beheizbaren Hütte wäre, würde ich sie dort auch anziehen.

    Gruss
    Konrad

  • Hoi zusammen, wunderbares Thema..."draussen in der Kälte (am besten mit Schnee) schlafen". Bisher habe ich in meinem Kollegen- und Freundeskreis noch KEINEN getroffen der das wirklich verstehen kann. Muss aber auch gar nicht...ich bin zufriedener und stecke damit andere an. Ausserdem gibt es ja u.a. dieses Forum :)

    Vor zwei Tagen habe ich wieder meine HM-Ausrüstung (bei uns im Garten) getestet und diesmal die tiefen Temperaturen ausgenutzt (jetzt soll es ja wieder wärmer werden). Die Temperatur ging runter bis auf -5°C und es hat gut geklappt (bisher war das Tiefste bei mir 0°C vor einem Monat auf dem Blauen im Schwarzwald). Habe ca. von Mitternacht bis 6 Uhr geschlafen; war aber später bei der Arbeit mega-wach und sehr zufrieden.

    Jetzt da ich weiss, dass mein HM-System bis mind. -5 funktioniert, werde ich bei uns im nahen Wald in der HM (bei Schnee) schlafen. Das sind so die kleinen "Mini-Abenteuer" die Spass machen. Wenn die kids im Bett sind, so um 21Uhr losziehen und so ab 23 Uhr in die HM. Dann noch etwas lesen oder Hörspiel. Morgens dann zufrieden zur Arbeit. Kennt Ihr übrigens http://www.alastairhumphreys.com/microadventures-3/

    Es braucht ja eigentlich nicht viel.

    Schönes weekend. Gruss, Frank

  • Jetzt da ich weiss, dass mein HM-System bis mind. -5 funktioniert, werde ich bei uns im nahen Wald in der HM (bei Schnee) schlafen. Das sind so die kleinen "Mini-Abenteuer" die Spass machen. [...] Kennt Ihr übrigens http://www.alastairhumphreys.com/microadventures-3/

    Kannte ich noch nicht, danke für den Link. In der vorletzten Walden war auch ein Artikel zum Thema Mikroabenteuer drin. Hat mich mit der Tatsache versöhnt, dass ich momentan wegen Arbeit und Familie keine längeren Wanderungen machen kann.

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