Spanngurte oder langes Seil

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  • Hallo Gemeinde,

    (ich mache da jetzt einfach mal einen neuen Fred auf, wo wir die Kategorie Aufhängungssysteme ja haben).

    Ich hänge mich liebend gerne an meinen Exped Treehuggern auf. Da ich für mein Wanderwägelchen künftig ca. 10 m Seil oder Spanngurt mitführen möchte, um es z.B. mal am Hang abseilen zu können, liegt es nahe, die Treehugger zu Hause zu lassen und Seil bzw. Spanngurt auch für die Hängematte zu nutzen. Multi-Use eben.

    Aus Gründen des Baumschutzes würde ich Gurtband vorziehen. Damit die Abseil-Funktion des Spanngurts nicht beeinträchtigt ist, sollte der Gurt durchgehend glatt sein, nur an mindestens einem Ende sollte eine Schlaufe sein. Aus Gewichtsgründen möchte ich möglichst auf zusätzliche Metallteile wie Ringe oder Ratschen verzichten.

    Die rote Linie soll der Spanngurt sein, an dem die Hängematte aufgehangen wird und der gleichzeitig als Ridgeline dient:

    [ATTACH=CONFIG]n9250[/ATTACH]

    An den Stellen, wo die Hängematte eingehängt wird, möchte ich Marlspiekerschläge machen und den Hängematten-Karabiner quasi als Toggle einhängen.

    Wer hat Erfahrungen mit Spanngurten? Worauf muß man achten, z.B. bei der Wahl des Spanngurts, damit die Knoten nicht rutschen? Welche Last sollte der Spanngurt mindestens haben? Welche Knoten wären sinnvoll am Baum oder als Einhängepunkte?

    Sobald ich nähere Erkenntnisse habe, werde ich das hier natürlich dokumentieren!


    Das Baumknd

  • Hallo,

    bei so einer Länge wird sich vermutlich der Gurt extrem längen.
    Kannste in Sackis Video ja sehr gut sehen.
    Ich würde eher ein 10m Seil nehmen und jeweils für die Enden ein 1m langes
    Gurtband mit je einer Schlaufe am Ende. Durch die Schlaufen kannste das Seil ziehen.
    Zwei solcher Gurtbänder wiegen ca. 45g.
    Es sollte dann aber ein Seil sein, daß vorgereckt ist, oder gleich 8mm Dyneema nehmen.
    Sonst passiert dir dasselbe wie mit dem Gurtband. Kletterseil dehnt sich und das ist so
    gewollt.

    Gruss
    Konrad

  • Hi [USER="21"]Konradsky[/USER]
    Das ist natürlich auch eine Möglichkeit: Die Gurtbänder z.B. von meinen Treehuggern nehmen und dazwischen ein laaaaanges Seil. 8mm Dyneema klingt auch nach geringem Gewicht!

    Bei Dyneema habe ich allerdings immer das Gefühl, dass es sich nicht so gut knoten lässt, und dass es nicht so abriebfest ist. Liege ich da richtig? Und wie sieht das mit UV-Beständigkeit aus?


    Viele Grüße

    Das Baumkind

  • Aus meiner beruflichen Erfahrung mit Seilen kann ich sagen, die dehnen sich auch nicht wenig.
    Selbst wenn man "Statikseil" aus dem Klettsport kauft, hast Du Dehnungen von 3-4%.
    Nimmst Du Dyneema um die Dehnung zu minimieren, hast Du ein Problem bei der Anwendung "Wagen abseilen".
    Denn, das wissen Viele nicht, Dyneema erfordert bei der Anwendung im Alpinen Bereich, Wasserrettung und Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen,
    einen Lehrgang.
    Es ist extrem empfindlich gegen Hitze.
    Und wie funktioniert das Abseilen (des Wagens)?
    Über Reibung und Hitze.

    Bleibt das Gurtband.
    Hier gibt es verschiedenes Material.
    Polyamid und Polyester.
    Polyamid ist glatter und angenehmer im Griff. Das Abseilen des Wagens durch die Hand, mit Handschuhen bitte, ist angenehmer.
    Es dehnt sich ein wenig.

    Polyester ist rauher und grober. Das Abseilen des Wagens wird "ruppiger" und es läuft weniger angenehm durch die Hand.
    Dafür dehnt es sich weniger als Polyamid.

    Du kannst die Dehnung von Polyamid aber raus nehmen, in dem Du es wässerst und trocknest bzw. ein paar mal benutzt.
    Es wird dann fester im Griff und dehnt sich weniger.

    Ich würde von den Spanngurten aus dem Baumarkt abraten.
    Du hast da kaum Info aus welchem Material sie bestehen, bist nicht flexibel bei der Länge.
    Auch kaufst Du die Spannschlösser mit und brauchst sie nicht.

    Da kann ich extremtextil.de oder tacticaltrim.de empfehlen.
    Bei beiden bekommst Du eine große Auswahl an Bändern unterschiedlicher Breit und Materials.
    25mm oder 30mm, breiter brauchst Du nicht.

    Die Bruchlasten der Bänder wirst Du kaum erreichen.
    Die Vernähung des Auges sollte aber gut gemacht sein.
    X Kastennaht oder mehrere Riegel hintereinander mit grobem Polyestergarn.

  • Hi [USER="57"]Bernd Odenwald[/USER]

    Danke für die Infos!

    Das Hitze-Problem sehe ich beim Abseilen meines Wanderwägelchens eher nicht: Das sind mit Ladung vielleicht um die 25 kg, wenn es hoch kommt. Wenn ich schon mal eine arge Steigung zu überwinden habe, möchte ich das im Seilzug-Verfahren machen: Schlaufe um eine Querstange, und das lose Ende um einen Baum führen und dann ziehen oder runter lassen. Auf jeden Fall langsam und gemütlich (und mit Handschuhen - Danke für den Hinweis!). 10 m dürften in den meisten Fällen auch ausreichen (ansonsten gibt's eben Umwege ;) . Ich gehe davon aus, dass Abseilen - hoch oder runter - eher die Ausnahme sein wird. Dennoch macht es Sinn, mit Wägelchen auf diesen Fall vorbereitet zu sein.

    Wenn ich aber ohnehin schon so viel Gurtband oder Seil dabei habe, stellt sich die Frage, wie ich das sonst noch nutzen kann, und was ich zu Hause lassen kann. In meinem Fall: Treehugger und Ridgeline.

    Schade, dass tacticaltrim.de sich mit Daten wie Bruchlast und Gewicht etwas bedeckt halten :)

    EDIT: Noch eine Frage: Wie sieht das aus mit der Verknotbarkeit von Polyester-Gurtband? Um mindestens einen Baum muß ich es ja knoten... Und ExTex schreibt, dass Polyester schon mal durch Schnallen durchrutschen kann:eek:


    Das Baumkind

  • Hallo,

    Bänder kann man nicht verknoten.
    Mir wäre die Dehnung bei Bändern viel zu problematisch.
    3-4% sind bei 10m 30-40cm. Da sitzt man mit der HM auf dem Boden.

    In Seile kann man schöne Marlspiekerschläge und auch Slipknoten machen.
    6mm Dyneema würde mit 4300 daN Bruchlast auch noch reichen.
    Nennenswerte Temperaturen werden bei 25kg Abseilen m.M. auch nicht frei.
    Desweiteren hat man bei gleicher Länge wesentlich weniger Volumen und
    ist leichter.

    gruss
    Konrad

  • Ich muss Konrad in dem Punkt widersprechen, dass Bänder nicht knotbar sind.
    Als Industriekletterer habe ich gelernt, Bandschlingen zu knoten.
    Bänder sind sehr wohl knotbar, jedoch nicht mit jedem Knoten.
    Es gibt da verschiedene Möglichkeiten, die man aber je nach verwendetem Material ausprobieren muss.

    Sicher sieht ein geknotetes Bandmaterial nicht so sauber aufgeräumt aus wie ein geknotetes Seil.
    Aber wenn man da beim knoten darauf achtet, das Band sauber parallel zu halten, geht das.

    Zu den Bruchlasten und was Du für eine HM brauchst.
    Das hängt vom Gewicht ab.
    Bei mir, 100kg Leergewicht, habe ich eine Belastung von 100kg auf BEIDEN Seiten.
    Jedoch als statische Last.
    Das erhöht sich um Einiges, wenn ich mich zum Beispiel in die HM rein fallen liese.
    Da fallen 100kg in die HM und müssen zunächst gebremst werden.
    Ich geh mal davon aus dass Du so was nicht machst.

    Die Bänder halten das aus. Ich nutze selber die 25mm Gurtbänder von tacticaltrim als Treehugger sowie als Treesafe in meinem Webshop.
    Es kommt auf die Vernähung an. Das ist das A und O.

    Kann Dir vom 25mm schwarzen Gurtband was schicken. Da habe ich eine 100m Rolle eingekauft und entsprechenden Preis bekommen.
    Das kannst ja mal testen.

    • Offizieller Beitrag

    Konrad, Deine Aussage "Einen Marlspiekerschlag bekommst du mit Gurtband nicht wieder aufgezogen" kann ich nicht ganz nachvollziehen. Tausende Hänger knoten in ihre Baumgurte einen Marlspiekerschlag und hängen dann die Whoopie-Sling "on the knot, not the toggle". Meinst Du wirklich, daß sie ihre Baumgurte anschließend wegwerfen, weil der Knoten nicht aufgeht?
    Übrigens empfiehlt auch Derek Hansen auf den Seiten 66 und 67 seines Buches "The ultimate hang" den Marlspiekerschlag in Bandmaterial.

  • Da das "Ding" bei mir multifunktional sein soll und Hängemattenaufhängung vielleicht die häufigste, aber nicht die einzige Anwendung sein soll, tendiere ich aufgrund der Griffigkeit eher zu Gurtband: Da hat man was in der Hand - im Gegensatz zu einem feinen Dyneema-Seilchen, das beim Wägelchen abseilen erst in die Hand schneidet und dann durchrutschen könnte...

    Das Baumkind

  • Hallo Baumkind,

    nur mal so als Gedanken-Experiment:

    Zwei Treehugger (ca. 2 m) mit Schlaufen an jedem Ende, Whoopie Slings an der Hängematte und als Verbindung dazwischen leichte Kletterkarabiner.

    Die Treehugger könntest Du verwenden, um Dein Gepäck auf Deinem Wanderwagen festzuzurren. Damit Du keinen Knoten auf- und zumachen musst, könntest Du eine Art Gürtelschnalle verwenden, um die losen Enden der Treehugger zu spannen.

    Die Kletterkarabiner verwendest Du statt Deiner S-Biner, um den Wanderwagen mit Deiner Koppel zu verbinden.

    Zum Hochziehen oder Ablassen Deines Wanderwagens könntest Du die Treehugger verwenden. Idealerweise würdest Du eh Deine Tasche vom Wagen nehmen. Du würdest einen Treehugger an Deinem Wagen befestigen und diesen Treehugger mit einem Karabiner mit dem zweiten Treehugger verbinden. Sollte die Länge nicht reicht, dann packe einfach ein Stück Dyneema-Schnur dazwischen. An jeden Ende eine Schlaufe, dann kannst die beiden Karabiner zum Verbinden nehmen.

    Technisch einfach, Multi-use, nicht schwer und auch nicht teuer.

    Was meinst Du?

    Gruß

    Hängematz

  • Hi [USER="42"]Hängematz[/USER]

    mal kann viel machen, kombinieren, etc., aber man muß es halt ausprobieren. Bei jeder Kombi wird man vermutlich zwei Dinge immer weider feststellen: Eine Sache fehlt, die andere hat man zu viel mitgeschleppt.:mad:

    - Die Idee, anstelle der Spanngurte Treehugger zu verwenden, gefällt mir:rolleye:
    - EIN Paar Karabiner (für Hängematte UND Wagen) ist auch Einsparpotential!

    Das Bedürfnis nach einem längeren Seil entstand bei dem Gedanken, mal einen Hang hoch- oder runterklettern zu müssen, wo man den Wagen wegen der Steigung einfach nicht mehr steuern kann. Ein Kajak-Fahrer erzählte mir, dass er in ähnlichen Situationen sein Boot mit einem langen Seil zieht: Ein Ende um einen Baum oder so führen und dann ziehen, oder Knoten rein und einfach mal Pause machen.

    Ein langes Gurtband statt Seil für die Hängematte gefällt mir aber auch: Das hatte ich schon mehrfach gesehen. 10 m Gurtband o.ä. dürfte ein gutes Mittelmaß für alle Anwendungen sein: Es fehlt nicht allzu viel, aber es wird auch nicht allzu viel umsonst mitgeschleppt. Ich werde probieren und berichten!


    Das Baumkind

  • Kleiner Erfahrungsbericht:

    Von [USER="57"]Bernd Odenwald[/USER] habe ich vor einiger Zeit ein 12 m langes Gurtband (25 mm Polyamid, Mindestbruchlast lt. TL 8305-0281) erhalten. Am Wochenende hatte ich endlich Gelegenheit, dieses Gurtband für die Hängemattenaufhängung zu testen:

    Um die Dehnung zu verringern, habe ich das Gurtband ein paar Mal gewässert und wieder trocknen lassen. Für die Hängemattenaufhängung habe ich es einfach um einen Baum mehrfach herumgeschlungen, einmal verknoten, Karabiner in die Schlinge, dasselbe auf der anderen Seite, fertig. Also frei nach Schnauze. Was soll ich sagen... Es funktionierte.

    Dehnung im Laufe einer Nacht: vernachlässigbar.

    Jo, ich bin zufrieden!:good:


    Das Baumkind

    PS: Das nächste Mal wird Mule Tape getestet --- aber das sieht so dünn aus, dem trau ich nicht so ganz:scared:

  • Ich mache ja auch Sachkundeprüfungen nach BG Richtlinien für PSA gegen Absturz.
    Da ist auch ein wichtiger Punkt UV Belastungen zu erkennen da diese das Material tatsächlich schwächen.
    Meist, wie Treegirl schon erkannte, anhand von Farbveränderungen zu erkenne. Aber auch am Griff des Materials. Es ist rauher geworden. Fester.
    Da prüft man mit allen Sinnen. Augen, Tastsinn, Riechen, Hören.
    Ein altes Kletterseil das so verdreckt ist dass es fast von alleine steht, das knarzt auch mal.
    Was ich sagen will, klar hängt der Hängemattengurt auch in der Sonne.
    Aber wir sprechen ja von gelegentlicher Nutzung. Nicht 24/7 das ganze Jahr über wie es oft mit den Absturzgurten aufm Bau der Fall ist.
    Und die Jungs lassen den Gurt gern mal in der Sonne liegen oder hinten auf der Ladepritsche vom Bulli.
    So dass Du beim Hängemattencampen irgendwann mal Probleme mit UV Belastungen des Gurtes bekommst, wird es wohl nie sein.
    Außer Du campst das ganze Jahr mit dem selben Material draussen.

    Die Materialien haben unterschiedliche Eigenschaften.
    Es gibt immer Nachteile, den perfekten Werkstoff gibt es nicht.
    Der Kunde verlangt dünnen Tarp Stoff der fast schon eine Folie ist und kein Gewebe mehr.
    Er bekommt es. Ob das nun weniger lange hält ist erst mal egal.
    Vielleicht ist das Tarp bis zum erreichen der materialbedingten Lebenserwartung eh kaputt wegen Funkenflug oder Löchern.

    Bei Baumkinds extra langen Baumgurten war halt im Pflichtenheft die Länge, Multi Use als Baumgurt und Ablassgurt für den Wagen.
    Auch die Beschaffenheit des Gurtes im Vergleich zu den meist grob gewebten Polyestergurten ist beim Polyamidgurt einfach angenehmer.
    Wenn sie den Gurt durch die Hand langsam laufen lässt, ohne Handschuhe, kommts bei Polyamid oberflächenbedingt zu weniger Hitze als beim Polyestergurt.

    Da stecken schon einige Überlegungen dahinter.

    • Offizieller Beitrag

    Bei Baumkinds extra langen Baumgurten war halt im Pflichtenheft die Länge, Multi Use als Baumgurt und Ablassgurt für den Wagen.
    Auch die Beschaffenheit des Gurtes im Vergleich zu den meist grob gewebten Polyestergurten ist beim Polyamidgurt einfach angenehmer.
    Wenn sie den Gurt durch die Hand langsam laufen lässt, ohne Handschuhe, kommts bei Polyamid oberflächenbedingt zu weniger Hitze als beim Polyestergurt.

    Was die Unterschiede beim Abseilen sind weiss ich natürlich nicht, aber meine derzeitigen Polyestergurte von Dutch sind sehr weich anzufassen. Ich habe auch Polyamidgurte (hatte ich mal für ein Nicht-Hängematten-Projekt von Globetrotter gekauft) und ich würde die nur so vom Ansehen und Anfassen nicht von den Polyestergurten unterscheiden können. Die Polyestergurte die ich von verschiedenen Herstellern habe (Dutch, Warbonnet, Arrowhead Equipment, Jacks'R'Better, Dream Hammock, ...) sind extrem unterschiedlich, aber das ist wohl eher eine Folge der Spinn- und Webart. Ich kann meine Sammlung gerne mal zum nächsten Treffen zum Begutachten mitbringen.

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