Vorgeplänkel
Ich hatte mir bei einem E-Bike-Umkipper den Brustkorb so stark geprellt, dass auch knapp drei Wochen nach dem Aufprall nicht an Fahrradfahren zu denken war. Wandern ging lustigerweise bereits eine Woche nach dem Unfall wieder; laufen nach zehn Tagen. Weil ich so noch Ferientage übrig hatte, die ich nicht mehr kreisend um mein Zuhause verbringen wollte, fragte ich die KI, wo sie mich gemäss meinen Vorlieben, die sie kennt, und aufgrund der Wetterprognose hinschicken würde. Das mit dem Wetter hat sie nicht so richtig verstanden, darum machte ich dann etwas anderes: Der Wetterbericht schickte mich eindeutig in den Jura (kaum Gewitter) und nicht in die Alpen, wie die KI (Gewitter). Anhand der GPS-Tracks der letzten 15 Jahre, suchte ich Wege raus, die ich in der Zeit möglichst nicht gegangen war. So stellte ich eine vermeintliche B-Seiten-Tour für etwa 4 Tage zusammen und machte mich am Tag darauf auf den Weg.
Baseweight war ca. 4kg, ich konnte zwar einen Rucksack tragen, wollte aber meinen Brustkorb so gut wie möglich schonen. Dafür, dass ich eigentlich nichts mitgenommen hatte, fand ich 4kg ziemlich schwer.
Tag 1 - Hauenstein Dorf - Chellenchöpfli
Kurz nach 12 Uhr erreicht mein Bus Hauenstein Dorf. Am Morgen ist es noch sehr sonnig gewesen, jetzt hatte es sich etwas zugezogen, was aber nicht weiter schlimm war, da so die Sonne nicht so brannte. Ich wandere sofort los und folge nicht dem Wanderweg, sondern den kleinen Pfaden durch den Wald und komme so auf den Ifleter Berg. Wegen der Trockenheit sieht es aus wie im Herbst.
Da oben mache ich Mittagspause und geniesse die Aussicht bei wechselnder Bewölkung.
Eptingen mit der A2 in Richtung Basel
Der Abstieg über die Challflue ist dann steil und wegen des trockenen Bodens, der mit Laub bedeckt ist, recht rutschig, aber alles in allem kein Problem. Auch in Richtung Bölchenflue setze ich auf die Schleichwege und hoffe, dass da keine Kletterstellen warten. Tun sie nicht und so erreiche ich die imposante Flue.
Oben geniesse ich kurz die Aussicht, doch weil da zwei weitere Menschen sind, bin ich der Meinung, dass zu viel los ist, und gehe sehr bald weiter.
Aussicht gegen Osten mir Kernkraftwerk Gösgen. Die Challflue ist im linken Bilddrittel an der Sonne.
Über den Chilchzimmersattel wandere ich zum Spitzeflüeli, zur Geissflue, Lauchflue und Gerstelflue. Es ist eine wilde Gegend und nichts los. Ab dem Chilchzimmersattel bis Waldenburg begegne ich keinem Menschen. Hier oben finden sich Relikte von Befestigungsanlagen aus dem 1. Weltkrieg:
Testschützengraben - wurde verworfen
Beobachtungstürmli auf der Lauchflue, da drin wohnt ein Siebenschläfer:
Die Gerstelflue wächst links von mir immer weiter senkrecht in die Höhe, an ihrem Ende wartet ein Steinbogen.
Und vor Waldenburg steht eine Burg im Wald.
Der Abstieg durch den Schlossbergwald mutet mediterran an. Es wird immer heisser und ich freue mich auf die Segnungen der Zivilisation: eisgekühlte Getränke und Glacé.
Ich wünsche mir dies und das bei knapp 33°C am Schatten.
Doch Waldenburg-Stadt ist recht tot. Ich will ja nicht zu viel rumlaufen und finde darum als einzige Segnung der Zivilisation einen Brunnen. Auch der ist hochwillkommen, denn bis Moutier in ca. 40km habe ich auf der Karte keine öffentlich zugängliche Wasserstelle gefunden. Ortschaften gibt's auch keine und auf Oberflächenwasser kann ich gerade an einer Stelle hoffen. Immerhin sollte es ein paar Bergrestaurants am Weg haben. Darum füll ich 3l auf und lasse den Rest ein Problem für später sein.
Es ist nun bereits fast 18 Uhr und mir fehlen laut Plan noch ca. 10km und 700hm. Darum spiele ich mit dem Gedanken, den direkten Weg auf die Hinderi Egg zu nehmen, statt des Fussweges über die Richtiflue. Doch entscheide ich mich dagegen. Schliesslich steht schon in der Bibel, dass man dem schmalen Pfad folgen soll. Im Schweisse meines Angesichtes steige ich also hinauf zur Richtiflue. Ich safte so vor mich hin, doch der Pfad ist wunderschön:
und die Richtiflue hat auch was zu bieten. Der Fels ist vielleicht 30cm breit und 2m hoch.
Und Aussicht auf die Burg und die Gerstelflue, wo ich herkomm, gibt es auch noch.
Oben begegnen mir ein Radfahrer, der den breiten Weg genommen hat, und ein Fussgänger. Schon wieder so viel los! Also schnell weiter - aber nicht ohne die Herbstzeitlosen, die ersten, die ich dieses Jahr sehe, zu fotografieren.
Nun wird es langsam zäh und es geht immer weiter rauf, bis auf die Hinderi Egg, den höchsten Punkt im Kanton Basel Landschaft. Da ist ein Naturschutzgebiet und sowieso nicht gut hängen. Darum gehe ich noch weiter aufs Chellenchöpfli. Hier ist alles prima.
Die Aussicht
Der Hängeplatz
und der Sonnenuntergang.
Auch weht ein leichter Wind, genau richtig, dass es nicht zu heiss ist. Der Hängeplatz ist schön sichtgeschützt, nur schlafwandeln sollte ich nicht: 2m neben der Hängematte geht es 20m senkrecht runter.
Der Tag erhält 9.5 von 10 Sternen. Alles war perfekt, ausser dass ich es nicht ganz so weit geschafft hatte, wie erhofft, und dass mich eine Zecke erwischt hat.