Schweizer (Französischer) Ratschlag erwünscht :-)

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  • Hallo liebe Schweizer und alle die sich dafür halten.

    Wie ihr vielleicht schon in meinen anderen Threads gesehen habe, plane ich eine Bikepacking Tour von der Ostsee an die Côte d’Azur. Das bedeutet, das ich in Sachen Gewicht und Packmaß nichts überflüssiges mitnehmen möchte. Anfang Juli komme ich grob über Basel, Neuchâtel, Genf, Annecy runter. Übernachten werde ich immer im Tal unter 1000 Höhenmetern.

    Nun bin ich am Schwanken ob ich eventuell mit einer Komforttemperatur um die 9° (Selva 120, Taiga 150, X-Lite 200 oder vergleichbare) klar kommen werde. Oder ob ich schweren Herzens eine Kategorie höher (Komforttemperatur 2-4°) nehmen muss. Mit welchen Nachttemperaturen muss ich kalkulieren?

    Und wenn ihr meint 9° reichen nicht aus, würde es reichen mein Moskitonetz durch einen Windbreaker zu tauschen anstatt eine Kategorie höher zu nehmen? Klar, die Aussicht und frische Luft ist dann dahin aber was solls :)

    Klar, an der Côte d’Azur brennt die Sonne und man kommt aus dem Schwitzen nicht mehr raus. Aber wie ist das in den französischen Alpen (ca. 800 Höhenmeter)?

    Wie schon angemerkt ist mir Packmaß und Gewicht am wichtigsten, und wenn es an ein paar Tagen während der Tour mal etwas kühler ist, ist das nicht schlimm. Ich möchte aber nicht durchgehend frieren.

    Einmal editiert, zuletzt von Flogge (12. Juni 2022 um 11:59)

  • Das ist echt schwierig zu sagen, weil Wetter und Klima bekanntlich nicht dasselbe sind.

    Aktuell haben wir hier (Raum Aarau/Olten/Basel) Nachttemperaturen um die 16 °C. Da lässt es sich draussen wirklich gut übernachten. Auch 20 °C sind im Hochsommer mal möglich. Die Temperaturen können aber auch unter 10 °C fallen. Wenn du wirklich für jede Nacht in die Täler runterfährst, dann solltest du mit einer Ausrüstung, die dich bis - sagen wir 5 °C - schützt, gut durch die Schweiz kommen. Die Täler haben ja noch den weiteren Vorteil, dass du dort i.d.R. weniger Wind hast.

    Es gibt die schöne "Jura-Route" fürs Fahrrad oder fürs Mountain-Bike die "Jura Bike"-Route. Diese Routen sind sehr schön (denke ich, da ich die Gegend vom Wandern her gut kenne). Allerdings fährst du da nicht immer ins Tal runter. Da kannst du "Glück" haben und angenehme Nächte erleben. Du kannst aber auch Regen und Wind haben - und dann kann es echt ungemütlich werden.

    Was du nun nehmen kannst, muss ich dir überlassen. Mit ist es sehr wichtig, nachts nicht zu frösteln, andere sind da härter im Nehmen. Jedenfalls hatte ich im Jura schon angenehme Nächte auf rund 1'500 m ü.M. Da war es aber sommerlich warm (vielleicht 10 °C in der Nacht) und komplett windstill. Das lässt sich aber nicht planen.

    Insgesamt kann ich dir für die Planung diese Karte empfehlen: https://map.schweizmobil.ch

    Und für die Etappenplanung das dazugehörige Portal: https://www.schweizmobil.ch/de/sommer.html

    Besseres Kartenmaterial gibt es (für die Schweiz) nicht. Die App ist übrigens kostenlos, sofern du auf Offline-Karten verzichten kannst.

  • Nun bin ich am Schwanken ob ich eventuell mit einer Komforttemperatur um die 9°

    Wenn du für die Nächte wirklich im Tal bleibst, könnte das funktionieren. Wenn du Pech hast, erlebst du eine Reihe kälterer Nächte um die 5 °C. Eine "Windsocke" würde ich jetzt nicht unbedingt nehmen. Die brauchst du im Sommer so gut wie nie und du raubst dir die Aussicht. (Ich habe z.B. gar keine Windsocke, passe meine Touren aber entsprechend an.)

  • Wenn du für die Nächte wirklich im Tal bleibst, könnte das funktionieren. Wenn du Pech hast, erlebst du eine Reihe kälterer Nächte um die 5 °C. Eine "Windsocke" würde ich jetzt nicht unbedingt nehmen. Die brauchst du im Sommer so gut wie nie und du raubst dir die Aussicht. (Ich habe z.B. gar keine Windsocke, passe meine Touren aber entsprechend an.)

    Der Gedanke hinter der Windsocke, die ähnlich viel wie ein Moskitonetz wiegt, war:

    - Mückenschutz ( ja das könnte ich auch mit einem Netz haben)

    - Kleineres, leichteres Tarp, da Regen schräg von der Seite daran ggf. auch abperlt.

    - Temperaturerhöhung im Innenraum (und dadurch ggf. eine leichtere Klasse von Isolation)

    Was meinst du zu den Gedanken?

    Wenn aber zumindest die Temperatur auch ohne Windsocke der leichten Isolation zulässt, dann würde ich ganz klar auch den besseren Ausblick und Lüftung genießen wollen.

    Es gibt die schöne "Jura-Route" fürs Fahrrad oder fürs Mountain-Bike die "Jura Bike"-Route. Diese Routen sind sehr schön (denke ich, da ich die Gegend vom Wandern her gut kenne). Allerdings fährst du da nicht immer ins Tal runter. Da kannst du "Glück" haben und angenehme Nächte erleben.

    Danke für den Tipp, die schaue ich mir mal an. Da ich ca. 110 km pro Tag mache, durchquere ich das Jura vermutlich an einem Tag. Das Bergproblem besteht also auch hier nicht so sehr. Nein, ich habe ein "normales" Gravelbike. Mountainbikerouten können daher mal sein, strebe ich aber definitiv nicht an. Die fressen zuviel Zeit :)

    Danke für deine Einschätzung. Mit meinem bisherigen Überlegungen tendiere ich das Risiko einzugehen und auch mal ein paar kalte Nächte in kauf zu nehmen. Mit der Hoffnung dass das Wetter nachts warm bleibt :)

    Weitere Meinungen/Einschätzungen sind mir aber stets willkommen.

  • Was meinst du zu den Gedanken?

    Ich besitze wie gesagt keine Windsocke und kann dazu nichts sagen.

    Danke für den Tipp, die schaue ich mir mal an. Da ich ca. 110 km pro Tag mache, durchquere ich das Jura vermutlich an einem Tag. Das Bergproblem besteht also auch hier nicht so sehr. Nein, ich habe ein "normales" Gravelbike. Mountainbikerouten können daher mal sein, strebe ich aber definitiv nicht an. Die fressen zuviel Zeit :)

    Wenn du von Basel möglichst direkt nach Biel fährst und dann dem Jurasüdfuss (dem Fuss des Jura-Gebirges) folgst, dann befindest du dich im Mittelland und bewegst dich grob zwischen 400 und 500 m ü.M. und kannst dich an Baden-Württemberg (ohne Schwarzwald) orientieren. Das Mittelland ist relativ dicht besiedelt, aber in dieser Gegend mit den drei Seen Bielersee, Neuenburgersee und Murtensee sehr schön. Das gleiche gilt für den Genfersee.

    Von Basel nach Biel schaffst du es vermutlich in einem Tag.

    Sprachtipp am Rande: der Jura, das Jura-Gebirge

    Und noch etwas: In der Schweiz ist vieles von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Ich würde dir aber dringend empfehlen, dich bei Übernachtungen so gut wie möglich "unsichtbar" zu machen. Hier drei unterschiedliche Strategien:

    1. Wähle abgelegene Ecken, wo kaum jemand unterwegs ist.
    2. Wo das nicht möglich ist: Warte mit dem Aufbau bis zum Einbruch der Dunkelheit und baue am Morgen früh wieder ab.
    3. Wähle eine Stelle mit Infrastruktur (wie Bänke, Sitzbänke, Brunnen) und kombiniere mit Strategie 2.

    Meide aber auf jeden Fall touristische Hotspots, denn dort will man i.d.R. keine Wildcamper sehen. Und natürlich sind Naturschutzgebiete (inklusive Wildschutzgebiete und -ruhezonen sowie Jagdbanngebiete) tabu.

  • Sprachtipp am Rande: der Jura, das Jura-Gebirge

    Danke :)

    Meine Route habe ich wie folgt: geplant

    Tag 9: Freiburg im Breisgau über Basel nach Moutier

    Tag 10: Moutier nach Neuenburg

    Tag 11: Neuenburg nach Genf

    Und dann immer Richtung Süden, da sollen wohl auch ein paar Pässe der Tour de France dabei sein. Keine Ahnung, dafür habe ich mich nie interessiert ;)

  • Tag 10: Moutier nach Neuenburg

    Das sind auf der flachsten Route rund 73 km. Neuenburg ist aus meiner Sicht eine wunderschöne Stadt. Die Uferpromenade ist öffentlich zugänglich. Es stehen Duschen zur Verfügung. Baden ist erlaubt. Nur übernachten würde ich dort nicht unbedingt. Damit würde man dann den Goodwill der Region strapazieren.

    Mitten in der Stadt:

    Jeunes-Rives Strand, Neuchâtel | Neuenburg Tourismus (CH) | Wasseraktivität
    Der Strand in Neuenburg ist Teil einer weitläufigen, ruhigen und erholsamen Parklandschaft.
    www.j3l.ch

    https://www.neuchatelville.ch/sortir-et-decouvrir/nature/parc-des-jeunes-rives

    Und dann immer Richtung Süden, da sollen wohl auch ein paar Pässe der Tour de France dabei sein. Keine Ahnung, dafür habe ich mich nie interessiert ;)

    Du kannst auch grob dem Lauf der Rhône folgen und dann am Mittelmeer in die Côte d’Azur einbiegen. Will heissen: Pässe kann man befahren, muss man aber nicht.

  • Nur übernachten würde ich dort nicht unbedingt. Damit würde man dann den Goodwill der Region strapazieren.

    Danke für den Tipp mit den Duschen. Übernachten tue ich immer ausserhalb der Ortschaften irgendwo im Wald. Das sollte ja ok sein, oder. Idealerweise bemerkt man mich ja gar nicht :)

    Du kannst auch grob dem Lauf der Rhône folgen und dann am Mittelmeer in die Côte d’Azur einbiegen. Will heissen: Pässe kann man befahren, muss man aber nicht.

    Die Rhone wäre zu weit westlich für mich und ein großer Umweg zu meinem Ziel (Nachbarort von Cannes) Und nun habe ich mir schon mein krasses neues Fahrrad gekauft, jetzt will ich auch sehen, wie es sich am Berg schlägt :)

  • Danke für den Tipp mit den Duschen. Übernachten tue ich immer ausserhalb der Ortschaften irgendwo im Wald. Das sollte ja ok sein, oder. Idealerweise bemerkt man mich ja gar nicht :)

    Das mache ich auch so. Möglichst unbemerkt bleiben und diese Möglichkeit der Übernachtung auch für künftige Generationen am Leben erhalten.

    Es sind frei stehende Duschen, wie man sie aus Freibädern kennt. Da müsstest du halt mit Badehose duschen. Aber auf jeden Fall angenehm, wenn du ganz verschwitzt in Neuchâtel ankommst! :) Nach Neuenburg gibt es schöne Ecken, wo du bestimmt einen Schlafplatz findest: z.B. in Boudry über die Areuse und dann in Richtung Wald hoch. Hinter der psychiatrischen Klinik (Ortsteil Perreux) findest du im Wald bestimmt etwas. Ob es auch in Cortaillod in Seenähe möglich wäre, kann ich nicht sagen. Wald gibt es auch dort; das könnte aber auch recht touristisch sein.

    Die Rhone wäre zu weit westlich für mich und ein großer Umweg zu meinem Ziel (Nachbarort von Cannes) Und nun habe ich mir schon mein krasses neues Fahrrad gekauft, jetzt will ich auch sehen, wie es sich am Berg schlägt :)

    Na, klar, das leuchtet natürlich völlig ein! :)

  • Wenn du nicht ganz krass drauf bist, möchtest du keine Windsocke statt einer Netzsocke verwenden - es sei denn, es handelt sich um einen Hybrid der halb aus Stoff und halb aus Netz besteht. Stell dir einfach vor, du müsstest bei sommerlichen Temperaturen in einem geschlossenen 1-Personen-Innenzelt ohne Netzfenster schlafen. Das wird schnell sehr stickig, und wenn du den Reißverschluss auch nur ein Stückchen aufmachst, kommen gleich die Mücken rein. Eine Windsocke spielt ihre Stärke bei kaltem Wind aus. Ich schlafe extrem kalt und verwende auch häufig eine Windsocke - aber nicht mal ich käme auf die Idee, sie im Sommer statt eines Netzes zu verwenden.

  • Gerne, alternativ führe ich bei Facebook ein Reisetagebuch. Da könnt ihr (fast) live mitverfolgen wie es mir mit der Strecke und meinem Equipment geht.

    Facebook

    Wählt auf der Seite einfach die Feed-Ansicht anstatt der Raster-Ansicht. Dann seht ihr auch den Text zu den Bildern.

  • Hallo Flogge, gute Besserung. Vielen Dank für deinen Bericht und gute Besserung. Bezüglich der Alpenquerung per Velo habe ich nur einen Bekannten im Ohr, der hat das zweimal gemacht. Das zweitere Mal , weil er sich einfach nicht glauben wollte, dass sich das immer so äh schwer anfühlt.

    Auf der technischen Seite hast du ja wohl auch einige Abenteuer erlebt... 🍀🍀

    War Feuchtigkeit der Isolierung Tq/uq problematisch? Viele Grüße Fdd

  • Wenn ich den Bericht richtig gelesen habe, hat Flogge die Alpen nicht überquert, sondern ist immer auf der Alpennordseite geblieben. Aber natürlich hat er so manchen Alpenpass, auch bis rund 2'500 m.ü.M. oder sogar noch etwas höher mitgenommen. Hut ab! Eine eindrückliche Reise! So etwas bleibt einem ein Leben lang und man kann immer wieder davon zehren! :)

    Und natürlich danke für den schönen Bericht auf Facebook! :)

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